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Futuristischer als mit dem Johammer J1 kann man kaum unterwegs sein.
Futuristischer als mit dem Johammer J1 kann man kaum unterwegs sein.

Verrücktes Johammer-Design: E-Motorrad im Kellerassel-Kleid

Von Holger Preiss

Die Optik des Johammer ist skurril. Fast wahnsinnig mutet die rasende Kellerassel an. Doch das E-Bike der österreichischen Firma hat in jedem Detail Methode. Ob es gefällt, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Der Johammer wirkt wie ein futuristischer Käfer unter Strom.
Der Johammer wirkt wie ein futuristischer Käfer unter Strom.

Optisch gleicht der in Österreich erdachte Johammer einer riesigen Kellerassel auf Rädern. Es handelt sich aber um ein echtes E-Bike, bei dem so einiges anders gemacht wurde als bei herkömmlichen Motorrädern. Das auf den ersten Blick behäbig wirkende Zweirad wiegt, je nach Größe des Akkus, lediglich zwischen 159 und 178 Kilogramm, kann aus dem Stand in etwa 10 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und bringt es in der Spitze auf 120 km/h. Dennoch wirkt das Design, als wäre es der Feder eines völlig durchgeknallten Designers entsprungen.

Der Wahnsinn hat Methode

Doch der Wahnsinn hat Methode und folgt dabei ganz praktischen Ansätzen. Entstanden ist das Motorrad nämlich in der Firma Hammerschmid, die sich seit Jahrzehnten im Maschinenbau einen Namen gemacht hat. Die Idee, ein E-Bike zu bauen, entstand eher aus einer Verlegenheit heraus. Einem Auftrag folgend entwickelte das Unternehmen einen neuen Kunststoff für die Autoindustrie. Als der fertig war, wurde die Strategie geändert und Hammerschmid blieb auf dem Kunststoff aus recyclingfähigem Material, der zudem besonders tragfähig war, sitzen. Jetzt versuchte das Unternehmen nach anderen Wegen, es einzusetzen.

"Ich hatte schon immer den Wunsch, ein Fahrzeug zu bauen", erzählt Firmengründer Johann Hammerschmid. Allerdings fehlte ihm das Geld für etwas Großes und so entschied er sich für ein Zweirad, dessen Name am Anfang noch "Biista" war. In sechs Jahren werden insgesamt 54 Prototypen und Vorserienmodelle unter dieser Bezeichnung gefertigt. Wer schnell entschlossen ist, kann diese ersten Elektro-Motorräder auch unter dem alten Namen kaufen. Für alle anderen firmiert das Gefährt in Zukunft unter Johammer.

Normal geht anders

Die Radnabenlenkung ist nicht neu, aber für den Johammer unumgänglich.
Die Radnabenlenkung ist nicht neu, aber für den Johammer unumgänglich.

Die Kundschaft für seinen Johammer, der etwa 30 Kilometer nördlich von Linz gebaut wird, sieht der Österreicher nicht zwingend unter Motorradfreaks. Vielmehr möchte er mit seiner äußerlich gewöhnungsbedürftigen Maschine Menschen ansprechen, die "das Besondere suchen". Leute, die den Helm schon vor Jahren an den Nagel gehängt haben, aber beim Ökocruiser das Easy-Rider-Gefühl zurückbekommen. Und tatsächlich ist der Flüstercruiser weit von allen herkömmlichen Motorrädern entfernt. "Wenn wir nur einen E-Motor in ein Motorrad hängen, dann erinnert mich das an die ersten Automobile, die Kutschen ohne Pferde waren", erklärt Hammerschmid gegenüber der österreichischen Zeitung "Der Standard". Genau deshalb haben die Ingenieure auch auf einen normalen Motorradrahmen verzichtet. Beim Johammer trägt eine Aluminiumwanne zwei horizontal gelagerte Federbeine und die Batterie.

Die Richtung wird über eine Radnabenlenkung bestimmt. Die gibt es schon seit 1921. Der US-amerikanische Konstrukteur Carl A. Neracher baute sie erstmals in seinem Motorradmodell "Ner-a-Car" ein.  Beim Lenkvorgang wird das Rad über einen Hebel, der am Radträger wirkt, um die Lenkachse gedreht. Problem dabei ist der geringe Lenkeinschlag. Grund für diese Form der Lenkung ist die ungewöhnliche Verkleidung aus Polypropylen, die vor allem die Akkus, den Elektromotor, die Leistungselektronik und die Mechanik schützen soll. Neu ist auch, dass die relevanten Fahrdaten nicht mehr von einem zentral in der Lenkgradmitte platzierten Tacho abgelesen werden, sondern von 2,4-Zoll-Displays in den wie lange Fühler hervorstehenden Rückspiegeln.

222 Newtonmeter Drehmoment

Wollte man den Johammer mit einem herkömmlichen Motorrad vergleichen, dann müsste man wohl eine 350er nehmen. Hammerschmid selbst mag den Vergleich nicht. Hier werden Parameter gegenübergestellt, die Bereiche vernachlässigen, die das E-Bike wesentlich besser kann als ein herkömmlicher Verbrenner. Klar leistet ein kleiner Einzylinder schon 45 PS. Der Johammer bringt es lediglich auf 15 PS. Wird aber das Drehmoment ins Verhältnis gesetzt, dann hat der österreichische Käfer mit 222 Newtonmetern gegenüber 30 Newtonmetern die Nase klar vorn.

Doch wie weit kann der Johammer seinen Fahrer tragen? Das kommt auf den Akku an. Mit den 8,3 kWh starken Batterien kommt man 100 Kilometer weit. Entscheidet man sich für den 12,7 kWh großen Stromspender, sollen zwischen 150 und 200 Kilometer möglich sein. Um den leeren Akkumulator wieder auf 80 Prozent seiner Leistungsfähigkeit zu bringen, braucht es je nach Kapazität und Ladestrom zwischen 50 Minuten und drei Stunden. Seit knapp einem Monat kann das 2,20 Meter lange Ökobike direkt bei Hammerschmid bestellt werden. Mit dem kleineren Kraftspeicher startet der Preis bei 23.000 Euro, für die größere Variante werden 25.000 Euro fällig.

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Quelle: n-tv.de

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