Auto
Neben den etablierten Herstellern in Genf finden sich auch reichlich Kleinserienhersteller, wie zum Beispiel die britische Marke David Brown.
Neben den etablierten Herstellern in Genf finden sich auch reichlich Kleinserienhersteller, wie zum Beispiel die britische Marke David Brown.(Foto: Holger Preiss)
Sonntag, 12. März 2017

Von Artega bis Zenvo: Exoten in Genf - kennst du den schon?

Von Michael Gebhardt

Der Genfer Auto Salon ist ein Highlight im Messekalender. Nicht nur, weil fast alle großen Hersteller hier ihre Neuheiten präsentieren, sondern auch, weil man am Lac Léman Autobauer kennenlernen kann, von denen man noch nie gehört hat.

Mercedes, Audi, BMW, VW? Klar, die großen Autobauer kennt sprichwörtlich jedes Kind. Bei den Importeuren allerdings trennt sich schon langsam die Spreu vom Weizen. Infiniti, Lexus oder Ssangyong sind nicht mehr jedem ein Begriff. Und dann gibt es auch noch eine Vielzahl von Kleinserienherstellern, die das Kraftfahrtbundesamt in seinen Statistiken regelmäßig unter "Sonstige" führt und die selbst versierte Autofans ins Grübeln bringen. Kein Wunder, die meisten davon sieht man so gut wie nie auf der Straße. Aber einmal im Jahr kann man die Modelle von Marken wie Artega, Noble, David Brown oder Zenvo bestaunen – auf dem Genfer Autosalon.

Artega

Der Scalo Superelletra ist das neueste Stück von Artega.
Der Scalo Superelletra ist das neueste Stück von Artega.(Foto: Holger Preiss)

Nur sechs Jahre dauerte die Erfolgsgeschichte des 2006 in Delbrück gegründeten Autobauers Artega. 2009 brachte die Marke den vom dänischen Designer Henrik Fisker entworfenen Sportwagen GT auf den Markt, der ein bisschen so aussah wie ein Porsche Cayman aus Entenhausen. Den Antrieb übernahm ein 300 PS starker 3,6-Liter-Sechszylinder-Mittelmotor von VW, der für eine Sprintzeit von 4,8 Sekunden gut war. Schon kurz nach dem Marktstart des GT experimentierte Artega zusammen mit dem Fraunhofer Institut an einer Elektrovariante. Der Stromer SE debütierte als Prototyp auf der IAA, wurde allerdings nie zu Ende gebaut, da Artega 2012 – nach 153 verkauften Fahrzeugen – Insolvenz anmeldete.

Doch langsam kehrt die Marke zurück auf die große Bühne: Schon 2015 zeigte der neue Besitzer auf der IAA den elektrischen Artega Scalo, und auf dem diesjährigen Genfer Salon kann der Scalo Superelletra bestaunt werden: ein dreisitziger Elektro-Sportwagen mit vier E-Motoren und zusammen 1020 PS sowie 1620 Newtonmeter Drehmoment. In Sachen Fahrleistungen stellt der Scalo den GT locker in den Schatten, von null auf 100 geht's in nur 2,7 Sekunden. Ab 2019 sollen 50 Exemplare gebaut werde, zu einem Preis zwischen 500.000 und einer Million Euro.

David Brown

Der Speedback GT ist ein Werk von David Brown, auf das Interessenten einige Zeit warten müssen.
Der Speedback GT ist ein Werk von David Brown, auf das Interessenten einige Zeit warten müssen.(Foto: Holger Preiss)

Was klingt wie eine Modemarke oder ein Star-DJ ist in Wirklichkeit ein britischer Autobauer. David Brown, gegründet 2010, hat bisher ein Modell auf die Beine gestellt, den Speedback GT. Das 2014 vorgestellte Coupé setzt auf Retro-Charme und erinnert sicher nicht nur zufällig an die Aston-Martin-Klassiker DB5 und DB6. Als Basis dient dem David Brown allerdings ein anderes englisches Auto: der Jaguar XKR, der zeitgleich mit der Premiere des Speedback GT eingestellt wurde. Angetrieben wird der wahlweise mit und ohne Rücksitze erhältliche Brite von einem V8 mit 510 PS, der ebenfalls von Jaguar stammt.

Auf der Autoschau am Lac Léman hat David Brown die rundum überarbeitete Version des Speedback vorgestellt. Insgesamt soll das Coupé in 237 Punkten verbessert worden sein, optisch sieht es aber unverändert aus. Neben neuen Aluminium-Karosserieteilen zählen zu den "Optimierungen" auch eine Accessoire-Kollektion und neue Personalisierungs-Optionen. Aufgrund des schwächelnden Pfunds ist der Retro-Brite inzwischen schon fast ein Schnäppchen: Gut 580.000 Euro werden fällig, vor ein paar Jahren mussten Nicht-Engländer noch gut 200.000 Euro mehr hinlegen. Die Wartezeiten dürften allerdings etwas länger sein, seit 2014 hat David Brown erst 5 der geplanten 100 Fahrzeuge fertiggestellt.

Eadon Green

Retro ist in - glaubt jedenfalls die Fahrzeugschmiede Eadon Green, die den Black Cuilin in Genf zeigt.
Retro ist in - glaubt jedenfalls die Fahrzeugschmiede Eadon Green, die den Black Cuilin in Genf zeigt.(Foto: Holger Preiss)

Mit Eadon Green betritt auf dem Genfer Salon eine neue Marke das internationale Automobil-Parkett. Wie David Brown kommt auch der Neuzugang der Branche aus Großbritannien und hat im Vorfeld der Messe mit einer Skizze seines ersten Modells schon für Aufsehen gesorgt. Die Strichzeichnung ließ zumindest ein außergewöhnliches Auto vermuten. Dass mit dem Black Cuilin allerdings ein 30er-Jahre-Coupé mit Morgan-Anleihen auf dem Eadon-Green-Stand debütiert, hatten wohl nur die wenigsten erwartet.

Der nach einem schottischen Gebirge benannte Zweitürer setzt auf eine lange Motorhaube, ein schier endloses Heck und die für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg typischen Kotflügel, die nahtlos in den Seitenschweller übergehen. Angetrieben wird der Black Cuilin von einem V12, der ihn "über 270 km/h schnell" machen soll. Mehr Infos wollte der Neu-Autobauer allerdings noch nicht preisgeben.

NanoFlowcell

Alle Jahre wieder präsentiert NanoFlowcell ein Elektroauto mit "Superantrieb". Den Beweis, dass er funktioniert, blieb man bis dato schuldig.
Alle Jahre wieder präsentiert NanoFlowcell ein Elektroauto mit "Superantrieb". Den Beweis, dass er funktioniert, blieb man bis dato schuldig.(Foto: Holger Preiss)

Seit 2013 sorgt die in Schweiz beheimatete Firma NanoFlowcell mit ihrem Elektroauto Quant für Aufsehen, propagiert sie doch Werte in Sachen Fahrleistung und Reichweite, die selbst erfahrenste Physiker ins Grübeln bringen. Schon das erste, noch zusammen mit Koenigsegg entwickelte Modell wucherte lange vor Tesla mit einer Range von über 500 Kilometern und Beschleunigungswerten, die jeden Ferrari in den Schatten stellen. Quants Geheimnis sind die sogenannten Redox-Flow-Batterien, die nicht aufgeladen, sondern mit einem Elektrolyt befüllt werden – das macht das "Tanken" deutlich schneller, nach vier Minuten ist der Akku wieder voll. Während diese flüssigen Energiespeicher bislang allerdings als eher unwirtschaftlich galten, will Quant ein Elektrolyt mit einer Energiedichte von 600 Wh pro Liter entwickelt haben – das würde die fabelhaften Werte der Sportwagen erklären.

Auf dem Genfer Messestand sind zwei Quants zu bestaunen, beide arbeiten mit 48-Volt-Technik, die günstiger ist als die sonst in Elektro-Autos üblichen Hochvolt-Anlagen. Für die nötige Power sorgen Kondensatoren, die zwischen E-Motor und der Flusszellen-Batterie verbaut sind und sehr schnell sehr hohe Ströme liefern können. Sollte irgendwann ein ähnliches Fahrzeug wie der gelbe Kleinwagen Quantino verkauft werden, dann könnte er rund 35.000 Euro kosten. Für die größere Limousine sollte man dann schon eher mit weit über 100.000 Euro rechnen. Mit 760 PS und 300 km/h Top-Speed will er schließlich im Tesla-Model-S-Revier wildern. Allerdings betont Quant, dass man als Forschungsunternehmen primär gar kein Interesse habe Autos zu verkaufen. Vielmehr wolle das Unternehmen die Technologie der NanoFlowcell hoffähig machen.

Noble

Der M600 von Noble ist ein Supersportler, dessen Karosserie aus Sichtkarbon gefertigt ist.
Der M600 von Noble ist ein Supersportler, dessen Karosserie aus Sichtkarbon gefertigt ist.(Foto: Holger Preiss)

Wieder ein Brite, diesmal aber ein deutlich etablierterer als David Brown oder Eadon Green: Noble. Seit 1999 schon bauen die Insulaner leichte Mittelmotor-Sportwagen und haben sich inzwischen ein großes Karbon-Know-How angeeignet. Beim aktuellen Modell, dem M600, ist die komplette Karosserie aus dem kohlefaserverstärkten Kunststoff gefertigt, was den klassisch gezeichneten Sportler, der ein bisschen an den Ferrari Modena aus den späten 90er-Jahren erinnert, zu einem Leichtgewicht macht: Knapp 1200 Kilogramm stehen im Fahrzeugschein, mit denen der von Yamaha gebaute 670-PS-V8-Twinturbo, der auch schon dem Volvo S80 Beine machte, sprichwörtlich leichtes Spiel hat. 362 km/h schafft der M600 problemlos und auf Tempo 100 geht's in nur 3,0 Sekunden.

Das Besondere am M600 CarbonSport, der auf dem Genfer Salon ausgestellt wird: Die Karosserie wird nicht lackiert, sondern aus Sichtkarbon gefertigt – und das auf Wunsch sogar in Farbe. Mit dem Speedster zeigt Noble in der Schweiz außerdem eine Cabrioversion des M600, die gegenüber anderen Roadstern einen entscheidenden Vorteil hat: Anders als sonst üblich, macht die Karbonkarosse zusätzliche Versteifungen überflüssig, so dass die Open-Air-Version keinerlei Gewichtsnachteil hat. Wer will, bekommt den Briten nun erstmals auch mit einem automatisierten Getriebe, ABS oder Klimaanlage sind aber weiterhin nicht vorgesehen.

Sbarro

Einen Hot Rod im Retro Stil präsentiert Sbarro in Genf. Der hat es aber in sich.
Einen Hot Rod im Retro Stil präsentiert Sbarro in Genf. Der hat es aber in sich.(Foto: Holger Preiss)

Eigentlich heißt das 1967 in der Schweiz gegründete Unternehmen Sbarro gar nicht mehr Sbarro, sondern A.C.A. Atelier d'Etude de constructions automobiles. Da sich das aber keiner merken kann, nennt die Branche die Design-Schmiede weiterhin nach ihrem Gründer und Firmenchef Franco Sbarro, der mit der gleichnamigen Pizzadynastie aus New York übrigens nichts zu tun hat. Statt sich um das italienische Nationalgericht zu kümmern, entwerfen die Studenten in der Schule dieses Herrn Sbarro Automobile, die in der Regel immer nur einmal gefertigt werden.

Nach futuristischen Modellen wie dem Challenge aus den 80er-Jahren setzt Sbarro jetzt auf spartanische Hot Rods im Retrostil. Auf dem Genfer Salon ist der Sbarro Mojave zu bestaunen, mit langer Motorhaube, einer winzigen Fahrgastzelle und riesigen, freistehenden 20-Zöllern mit 285er Gummis vorne und 315er Pneus hinten. Beschleunigt wird der Mojave von einem Vierliter-V8 mit 294 PS, den Jaguar liefert, das Fünfgang-Getriebe kommt von BMW. Wie schnell der Mojave wird, ist nicht bekannt. Bei nur 1060 Kilogramm Gewicht kann man aber mutmaßen: verdammt schnell.

Scuderia Cameron Glickenhaus

Von der Scuderia Cameron Glickenhaus kommt der SCG003S mit 800 PS und einem Top-Speed von 350 km/h.
Von der Scuderia Cameron Glickenhaus kommt der SCG003S mit 800 PS und einem Top-Speed von 350 km/h.(Foto: Holger Preiss)

James Glickenhaus ist eigentlich ein New Yorker Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der sich aber schon in den 90er-Jahren aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat und seither im Investmentbusiness sein Geld vermehrt. Geld, das er für seine Leidenschaft Sportwagen ausgibt. 2005 bestellte er bei Pininfarina ein Einzelstück auf Basis des Ferrari Enzo, zehn Jahre später stellte die Scuderia Cameron Glickenhaus ihr erstes eigenes Auto vor, den von LeMans-Flitzern inspirierten SCG003. Mit dem SCG003C konnte die Scuderia bei einem Rennen der Langstreckenmeisterschaft sogar einen Klassensieg einfahren.

In Genf zeigt Glickenhaus jetzt mit dem SCG003S die Variante eines Straßensportwagens, mit über 800 PS und einem Top-Speed von 350 km/h. Dank Kohlefaser-Monocoque soll auch die Zivilversion gerade mal 700 Kilogramm wiegen, den Standardsprint soll der SCG in unter drei Sekunden absolvieren. Verantwortlich für die Leistung ist ein 4,4-Liter-V8, der seine 850 Newtonmeter Drehmoment komplett an die Hinterachse schickt. Anders als in der Rennversion setzt das S-Modell auch auf Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung und ein Infotainmentsystem sind Serie. Auf Außenspiegel verzichtet der SCG003S dagegen, stattdessen gibt es Kameras.

Spyker

Mit dem C8 Preliator wartet Spyker in Genf auf.
Mit dem C8 Preliator wartet Spyker in Genf auf.(Foto: Holger Preiss)

Niederländische Autobauer sind rar, vor allem, seit sich DAF auf Lkws beschränkt. 2015 drohte dann auch noch dem Sportwagenhersteller Spyker die Pleite, doch konnte das Aus im letzten Moment abgewendet werden. Die Firma kündigte daraufhin an, ihre Zukunft läge bei den Elektrosportwagen, allerdings stellte sie ein Jahr darauf mit dem C8 Preliator erstmal noch einen klassischen Benzin-Sportler aus. Optisch bewegt sich der C8 mit Kohlefaserkarosserie irgendwo zwischen Maserati, Ferrari und Lotus, unter der Haube steckt ein 525 PS starker V8 aus dem Audi-Regal.

Auf dem Genfer Salon wartet nun die jüngste Ausbaustufe auf, der C8 Preliator Spyder. Der Roadster ist wie das Coupé wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder Automatik zu haben und wiegt rund 1,4 Tonnen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Spyker mit mehr als 320 km/h an, der Preis liegt bei rund 400.000 Euro.

Vanda Electrics

Dendrobium nennt Vanda Electrics seinen Elektroflitzer, der in Genf nicht so recht ins Licht gerückt wurde.
Dendrobium nennt Vanda Electrics seinen Elektroflitzer, der in Genf nicht so recht ins Licht gerückt wurde.(Foto: Holger Preiss)

Spyker hat zwar angekündigt, auf E-Mobile zu setzten, doch zu sehen war von den Niederländern bis jetzt noch nichts in dieser Richtung. Dafür schlägt mit Vanda Electrics ein neuer Hersteller aus Singapur in die Stromkerbe. Auf dem Autosalon präsentiert das junge Unternehmen den Dendrobium, der ziemlich zerklüftet daherkommt. Oder wie der Hersteller sagt: Er sieht aus wie eine Orchideenblüte – zumindest dann, wenn die Flügeltüren und das nach oben aufklappbare Dach geöffnet sind.

Später einmal soll der Zweisitzer von vier E-Motoren angetrieben werden, der in der Schweiz ausgestellte Prototyp aber setzt noch auf Heckantrieb. Die Werte lesen sich jetzt schon beeindruckend: Knapp 2,8 Sekunden auf Tempo 100, maximal 320 km/h – und das mit gut 1,7 Tonnen Leergewicht. Auf den Markt kommen soll der Dendrobium im Jahr 2020 in einer Kleinserie. Die "weniger als 100 Stück" sollen in England beim Rennwagenspezialisten Williams von Hand gefertigt werden. In der britischen Werkstatt ist auch schon der Prototyp entstanden. Der Preis für das Serienmodell liegt sicher deutlich im siebenstelligen Bereich.

Zenvo

Zenvo macht sich mit dem TS1 GT 10th Anniversary in Genf selbst ein Geschenk.
Zenvo macht sich mit dem TS1 GT 10th Anniversary in Genf selbst ein Geschenk.(Foto: Holger Preiss)

Ja, auch in Dänemark gibt es einen Autobauer: Zenvo fertigt Supersportwagen in Kleinserie, die für über 800.000 Euro den Besitzer wechseln. Vom ST1 bauten die Skandinavier nur 15 Stück, die gleiche Zahl soll nun auch vom Nachfolger entstehen. Namenstechnisch zeigt sich Zenvo allerdings nicht sonderlich kreativ sondern verdreht lediglich die Buchstaben: der neue heißt TS1. Den Vortrieb besorgt ein 5,8-Liter-V8 mit 1180 PS und 1100 Newtonmeter, der den 1,6 Tonnen schweren TS1 in 2,8 Sekunden auf 100 km/h schubst. Tempo 375 gibt Zenvo als Topspeed an.

Auf der Messe in Genf macht sich Zenvo nun selbst ein Geschenk: Seit zehn Jahren bauen die Dänen Autos, um das zu feiern haben sie den TS1 GT 10th Anniversary aufgelegt. Der 4,70 Meter lange, aber nur 1,20 Meter hohe Jubiläums-Zweisitzer zeichnet sich allerdings vor allem durch seine Farbe aus: leuchtendes Hellblau. Ansonsten entspricht der nach einem achtbeinigen Pferd aus der skandinavischen Mythologie auch liebevoll Sleipnir genannte Sportler dem Serienmodell.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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