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Der Corsa E steht wesentlich schnittiger da als sein Vorgänger.
Der Corsa E steht wesentlich schnittiger da als sein Vorgänger.(Foto: Holger Preiss)

Das E steht für echt: Ist der Opel Corsa wirklich neu?

Von Holger Preiss

Fast acht Jahre hat sich Opel Zeit gelassen, um den Corsa zu überarbeiten. Schließlich verkaufte er sich bis zuletzt blendend. Ab Dezember geht nun die neue Generation E in den Verkauf. Und für die heißt es: aus der Vertikalen in die Horizontale.

Seit 32 Jahren gehört der Corsa zu den Bestsellern der Opel-Produktpalette. Zwölf Millionen Exemplare wurden in dieser Zeit europaweit verkauft. Aber selbst jetzt, kurz vor dem Übergang zur nächsten Generation, versteht es der kleine Rüsselsheimer noch einmal, zu überraschen. Mit 5912 Neuzulassungen hat er im September laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den Vormonatsprimus VW Polo vom Thron gestoßen. Ungewöhnlich für ein Auto, dessen Nachfolger schon mehr als deutlich an die Tür klopft. Zu Preisen ab 11.980 Euro wird der neue dreitürige Corsa mit 1,2 Liter Benziner und 70 PS ab Mitte Dezember bei den Händlern stehen. Für den Fünftürer müssen 12.730 Euro berappt werden. Damit ist der Corsa E in der Grundausstattung gute 1000 Euro teurer als der ebenfalls neue Skoda Fabia, den es ausschließlich mit fünf Türen gibt, und einen Hauch preiswerter als der in diesem Jahr mit einem Facelift bedachte VW Polo.

Nicht wirklich neu?

Bei den Heckleuchten hatte sich Opel schon beim Corsa D von den vertikal angebrachten Rückleuchten getrennt. Jetzt wirken sie aber noch wuchtiger.
Bei den Heckleuchten hatte sich Opel schon beim Corsa D von den vertikal angebrachten Rückleuchten getrennt. Jetzt wirken sie aber noch wuchtiger.(Foto: Holger Preiss)

Apropos Facelift: Dem neuen Corsa wird ja bereits unterstellt, dass er gar kein wirklich neues Auto ist. Beim Design ist Opel der Linie des Vorgängers in weiten Teilen treu geblieben. Dennoch wirkt das Blechkleid frischer, weil es an zahlreichen Stellen verfeinert wurde. Am auffälligsten ist der tief montierte sportliche Grill, der vom kleineren Adam adaptiert wurde. Hinzu kommt, dass der vordere Stoßfänger als Verlängerung für die Motorhaube dient und die Scheinwerfer mit scharfer Kante den Opel-Blitz aufgreifen. Diese "Sichel" findet sich auch in der Seitenwand wieder. Auch das der Corsa E immer noch auf der Plattform seines Vorgängers ruht, sorgt in Fachkreisen für Kritik. Da wird angeführt, dass der Radstand mit 2,51 Metern gleich geblieben ist und auch die Länge von 4,02 Metern sich nur marginal verändert hat. Auch das Kofferraumvolumen hat sich mit 285 Litern nicht verändert und die Rückenlehne der zweiten Reihe kann immer noch fast plan umgelegt werden. Aber was besagt das schon, außer dass das Platzangebot in allen Bereichen gleich geblieben ist? Nichts. Entscheidend ist, dass das Fahrwerk komplett überarbeitet wurde.

Das heiß, der Corsa E fährt jetzt mit neu konstruierten Achsen, hat einen verstärkten Hilfsrahmen und eine geänderte Radaufhängung. Die Hinterachse ist neu und der Schwerpunkt des Corsa wurde fünf Millimeter abgesenkt, was den Rüsselsheimer nicht nur strammer auf der Straße stehen lässt, sondern ihm auch deutlich mehr Kontakt zum Asphalt gibt. Für den Käufer gibt es die Wahl zwischen einem Komfort- und einem Sportfahrwerk. Wobei Opel einem die Entscheidung abnimmt, wenn man sich für die 17-Zoll-Felgen entscheidet. Dann wird werkseitig die sportliche Variante verbaut. Mit neuen Federn und neuen Dämpfern gibt sich der Corsa so bestückt sehr dynamisch, neigt aber auf kurz folgenden Querfugen zu Nickbewegungen. Das tut der Straßenlage keinen Abbruch, verwundert aber etwas, denn eigentlich erwartet der Fahrer, dass es etwas knackiger über die Hubbel geht. Auch die Servolenkung hat Opel stark modifiziert. Die Techniker verpassten ihr eine neue Geometrie und veränderten die Konfiguration der Zahnstange, was wiederum für sehr präzise Rückmeldungen und ausgezeichnete Stabilität in der Kurve sowie auf der Geraden sorgt.

Vier- oder lieber Dreizylinder?

Neu ist auch der gut ablesbare TFT zwischen den Rundinstrumenten.
Neu ist auch der gut ablesbare TFT zwischen den Rundinstrumenten.

Mit welcher Motorisierung man den Corsa ums Eck zieht, hängt natürlich immer von den persönlichen Nutzungsgewohnheiten ab. Zur Auswahl stehen fünf Benziner von 70 PS bis 115 PS und zwei Diesel mit 75 PS und 95 PS. Stolz ist man in Rüsselsheim vor allem auf die beiden Dreizylinder mit 90 PS und 115 PS. Beide Aggregate werkeln bereits im Adam und stehen auch dem Corsa ausgesprochen gut. Mit einem Drehmoment von 170 Newtonmeter geht es flott vom Fleck und bereits nach 10,3 Sekunden zieht die Tachonadel an der 100 km/h-Marke vorbei. Wer weiter auf dem Gaspedal bleibt und die Gangschaltung sanft auf die Stufe sechs zubewegt, wird am Ende mit 195 km/h über die Autobahn sausen. Eine Endgeschwindigkeit, die man einem Kleinwagen mit dem Namen Corsa nicht ohne Weiteres zugetraut hätte. Das alles geht ausgesprochen geräuscharm vor sich, denn in dem Dreizylinder arbeitet eine gegenläufige Ausgleichswelle, die Vibrationen weitgehend absorbiert. Etwas kerniger, aber ebenfalls neu ist der 1.4 Liter Turbo. Der Vierzylinder überrascht mit einem Drehmoment von 200 Newtonmeter und gibt sich dabei fast so dynamisch wie sein dreizylindriger Bruder.

  Für den Spurt auf Tempo 100 benötigt er 0,7 Sekunden mehr und in der Endgeschwindigkeit bringt er es auf 185 km/h. Auch im Verbrauch liegen beide Motoren dicht beieinander. Auf dem Rollenprüfstand brachte es der 1.0 Ecotec auf 5,0 Liter, beim 1,4 Turbo gehen 5,3 Liter auf 100 Kilometer durch die Schläuche. Im ersten Test lagen beide Fahrzeuge mit 6,5 und 6,7 Liter fast gleichauf. Wer sich jetzt noch nicht entscheiden kann, den wird vielleicht der Preis überzeugen: Den Vierzylinder gibt es als Dreitürer in der Grundausstattung Selection bereits für 13.780 Euro. Der kleinere Ecotec mit wassergekühltem Turbolader startet in der nächsthöheren Ausstattungsvariante Edition und kostete dann ab 16.390 Euro. Aber auch für Vielfahrer macht Opel ab 2015 mit dem Corsa ein attraktives Angebot.

Auf der Seite der Selbstzünder wird es zwei überarbeitete Versionen des 1.3 CDTI mit 75 PS und 95 PS geben. Für beide verspricht Opel mehr Laufruhe und ein spontaneres Ansprechverhalten. Der Normverbrauch wird im Datenblatt mit 3,2 Litern auf 100 Kilometer angegeben. Die Preise starten hier beim Dreitürer mit 14.930 Euro. Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die Rüsselsheimer für die Schaltfaulen auch eine neue sechsstufige Wandler-Automatik anbietet und ein ebenfalls neu entwickeltes automatisiertes Fünfgang-Schaltgetriebe mit dem Namen Easytronic 3.0. Mit 575 Euro Aufpreis ist es eine Art Preishammer unter den Automatikgetrieben. Opel verspricht für die Version 3.0 "höchste Kraftstoff-Effizienz und sanfte Gangwechsel". Allerdings wird es die Automatik-Getriebe nur im bekannten 1,4 Liter Vierzylinder mit 90 PS geben.

Von der Vertikalen in die Horizontale

Wertig und modern wirkt der Innenraum des neuen Corsa.
Wertig und modern wirkt der Innenraum des neuen Corsa.

Auch im Innenraum präsentiert sich ein anderer, ein neuer Corsa. Trotz der klassisch schicken Rundskalen für Drehzahl und Geschwindigkeit ist die Architektur der Armatur deutlich verändert worden. Mit der großen Punktmatrix-Anzeige in der Mitte des Kombiinstrumentes rücken die Bordcomputer-Werte direkt ins Blickfeld des Fahrers. Hier hat sich Opel auch von der Anmutung der digitalen Leuchtkristallanzeige verabschiedet und präsentiert jetzt ein gut ablesbares TFT-Display. Das ist zwar nur monochrom, aber dafür ausgezeichnet ablesbar. Auch die Tastenlandschaft ist aufgeräumt. Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich die einst vertikale Anordnung in die Horizontale verschoben. Die fließenden Linien von Tür zu Tür lassen den Corsa auch im Innenraum deutlich breiter erscheinen. Funktionen, die einst über die üppige Tastatur in der Mittelkonsole bedient werden mussten, finden sich jetzt im Menü des 7 Zoll großen Touchscreens wieder, der ab der Ausstattungslinie Edition mit dem Radio Einzug in den Kleinwagen hält.

Auch die verwendeten Materialien im Innenraum des Opels vermitteln eine in diesem Segment nicht übliche Wertigkeit. Da sind zum einen die geschäumte Plastik der Armaturen und zum anderen Klavierlackintarsien, die sich sogar in der Verlängerung der Mittelkonsole wiederfinden. Wem das nicht reicht, der kann mit einem üppigen Angebot optischer Individualisierungen - es gibt neben zahlreichen Farben auch unterschiedliche Dekors - den Innenraum ganz nach seinem persönlichen Gusto aufwerten. Betrachten kann man die ganze Pracht von ausgezeichnet geformten und angenehm straffen Sitzen mit hohen Seitenwangen, die schon Fahrer und Beifahrer im Opel Adam begeistert haben. Ärgerlich sind nur zwei Dinge: das kleine Handschuhfach, dessen Deckel beim Öffnen kurz unter der Kniescheibe des Copiloten einschlägt, wenn er die Beine in den Innenraum streckt, und die optional erhältliche Halterung für das Smartphone, die direkt auf dem Lautsprechergitter auf der Armatur angebracht ist. Die thront dort wie ein Fremdkörper und könnte, wenn Freunde des harten Beats mal richtig aufdrehen, zu unangenehmen Schwingungen und einer knarzenden Geräuschkulisse neigen.

Quelle: n-tv.de

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