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Wer Berge, Natur und Passstraßen sucht, muss nicht weit fahren: Norditalien ist voll davon. Das aktuelle "Curves"-Magazin beweist das.
Wer Berge, Natur und Passstraßen sucht, muss nicht weit fahren: Norditalien ist voll davon. Das aktuelle "Curves"-Magazin beweist das.
Dienstag, 03. Oktober 2017

Allein mit seiner Sehnsucht: "Jede Straße hat etwas Besonderes"

Wenn man als Kind in einem Porsche sitzt, verändert das die Sicht der Dinge. Als Erwachsener findet man dann bei Roadtrips seine innere Ruhe: Alpen, Pyrenäen, Schottland, Kalifornien. Einsame Passstraßen, nur der Asphalt und die Natur drumherum. "Soulful driving" heißt das für Stefan Bogner, dessen "Curves"-Magazine Bestseller sind. n-tv.de verrät er das Erfolgsgeheimnis und seine neuen Projekte.

ntv.de: Herr Bogner, Sie sind Erfinder und Herausgeber des bei Delius Klasing mittlerweile halbjährlich erscheinenden "Curves"-Magazins. Worum geht es dabei?

Stefan Bogner
Stefan Bogner

Stefan Bogner: "Curves" ist ein Reisemagazin mit Nutzwert (lacht) und richtet sich an alle Menschen, die gern auf den Straßen unterwegs sind - egal, ob nun mit dem Auto, Motorrad oder Fahrrad.

Worin liegt der "Nutzwert"?

Jedes "Curves"-Magazin ist im Endeffekt ein Vorschlag für eine Fünf-Tages-Tour. Für jeden Tag gibt es Beschreibungen, welche Route man fahren kann, also der perfekte Vorschlag für eine Reiseplanung. Dazu gibt es jede Menge Fotos, Karten, Höhenprofile. Das unterscheidet "Curves" von einem klassischen Reiseführer oder einem Bildband.

Wie kommt man denn auf die Idee, so etwas auf die Beine zu stellen?

Ich bin Münchener und daher auch schon als Kind immer in den Bergen gewesen, wie die gesamte Familie auch. Wir lieben die Natur, die Berge. Bei mir kam noch das Herz für Porsche dazu. Ich habe früh mit Käfer-Restaurationen angefangen und dabei auch Feuer für die Sportwagen aus Zuffenhausen gefangen. Ich fahre gern Auto, fühle mich da sehr wohl, kann vom Alltag abschalten, bin da vollkommen für mich. Autofahren ist für mich wie eine Auszeit vom Alltag, der maximale Urlaub sozusagen. Ich leite ein Designbüro, habe Reiseführer gemacht, aber es gab keinen für eine klassische Wochen-Tour. Ein Magazin, das ganz klassisch Sehnsüchte weckt, gab es nicht. Da hab ich mir gesagt: Mach es! Das ist jetzt sechs Jahre her.

Und "Curves" ist mittlerweile ein Riesenerfolg ...

Zumindest werden über 20.000 Stück pro Ausgabe im Schnitt verkauft.

Aktuelles "Curves"-Magazin, Thema: Norditalien
Aktuelles "Curves"-Magazin, Thema: Norditalien

Das erste "Curves"-Magazin 2011 hatte Frankreich, Route des Grandes Alpes zum Inhalt. Mittlerweile gibt es dazu die dritte überarbeitete Auflage. Genauso wie bei der aktuellen Ausgabe von "Curves" Norditalien. Was ist neu?

Zuallererst haben wir eine neue Route gewählt. Dazu kommt die Tatsache, dass Norditalien so schön ist, dass wir gesagt haben: Wir machen ganz einfach 100 Seiten mehr (lacht). Im Magazin sind nun einige Fotos mehr. Zudem ist diese Ausgabe zweisprachig: englisch und deutsch.

Weshalb?

Das liegt einfach daran, dass "Curves" mittlerweile auch viele Fans weltweit hat: England, USA, Japan. Und so haben wir "Norditalien" komplett neu gemacht, mit Ziel in Venedig, also direkt am Wasser. Es gibt nichts Schöneres, als von einem hoch gelegenen Pass wie dem Stilfser Joch nach Venedig zu fahren und dort ein Glas Wein am Wasser zu trinken.

Wie muss man sich die Entstehung eines Magazins vorstellen?

Stefan Bogner

Stefan Bogner ist Erfinder und Herausgeber von "Curves", einem bei Delius Klasing erscheinenden Reisemagazin, das vor allem bei Auto-, Motorrad- und Rennradfahrern weltweit beliebt ist. Neben vielen Fotos gibt es Reiseberichte, Karten, Profile und Tipps. Das erste Magazin erschien 2011. Mittlerweile bringt der Verlag zwei Hefte pro Jahr heraus, die regelmäßig Bestseller sind. Stefan Bogner ist 49 Jahre alt und Neffe des Filmemachers Willi Bogner.

Ich plane meistens im Winter oder ein Jahr vorher bereits, wo die Reise hingeht. Ich schaue mir viele Karten an, bin ein Kartentyp. Dann frage ich in der Community über Facebook oder Instagram nach Tipps wie etwas abseits gelegenen Restaurants. Das ganze Material sammele ich dann über zwei, drei Monate, bis es dann konkret wird: Man fährt los, in der idealen Jahreszeit, für mich Frühjahr und Herbst. Dann sind wir etwa zwei Wochen jeweils unterwegs und produzieren dann durch.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir sind in der Regel eine ganz kleine Crew, zu zweit oder zu dritt unterwegs. Wir stehen früh auf, weil da das Licht für die Fotos besser ist, fahren die Strecke ab, schießen Bilder. Im Endeffekt stellt das Magazin die Spiegelung dessen dar, wie man arbeitet.

Es gibt auch "Draufsichten" auf die Passstraßen ...

Ja, pro Shooting leiste ich mir einmal Helikopteraufnahmen. Die haben einen qualitativen Vorteil und die Perspektive von oben bietet noch einmal etwas Besonderes.

Also alles in allem recht zeitaufwändig. Was sagt Ihre Frau zu diesem Hobby/Beruf?

Ich komme aus dem Printdesign. Daher: Berufung trifft es wohl am besten (lacht). Meine Frau hat dafür Verständnis. Meine beiden Kinder auch. Klar, es steckt viel Planung in den Magazinen, die ist zeitintensiv. Im Endeffekt bin ich aber auch nur zwei Wochen im Frühjahr und zwei Wochen im Herbst schlussendlich unterwegs. Der Rest findet ja im heimischen Büro statt. Wenn ich Vertriebler bei einer Schraubenfirma wäre, sähe das ganz anders aus.

Auf den Fotos sieht man nur die Passstraße - kein Auto, keine Menschen ...

Der Berg, die Straße, die Einsamkeit - und das Ganze wie gemalt.
Der Berg, die Straße, die Einsamkeit - und das Ganze wie gemalt.

Das ist das Konzept von "Curves"! Wenn Sie Autofahrer sind, Motorradfahrer oder Rennradler, ganz ehrlich: Sie wollen am liebsten allein auf der Straße sein. Das ist wie im Urlaub am Strand, da will man auch nur sich und das Meer und den Sand auf dem Foto haben, nicht aber andere Menschen auf ihren Handtüchern, die sich gerade eincremen oder sonstwas machen. Das spiegelt diese Sehnsucht nach Ruhe, Abschalten, mit sich sein wider.

Versuchen Sie anhand von fantastischen Fotos ein klassisches Roadmovie zu zeichnen?

Ja, absolut! Im Idealfall ist eine "Curves"-Ausgabe genau das. Man steigt ins Auto, mit Freunden, hört Musik und fährt einfach. Hat eine gute Zeit. Erholt sich mit dem Autofahren. Das ist ein klassischer Roadtrip, das ist "Curves"!

Welche Rolle spielt die Geschwindigkeit dabei?

Ganz klar eine untergeordnete. Aufs Gaspedal drücken, die reine Geschwindigkeit, ist nicht wichtig. Wer das will, soll auf den Nürburgring. Es geht vielmehr um Fahrgefühl und Fahrspaß. Deshalb heißt der Beititel von "Curves" auch "soulful driving". Dabei spielt auch der Respekt voreinander eine Rolle: Autofahrer, Motorradfahrer, Rennradfahrer - jeder soll seinen Spaß haben.

Was auffällt: In den "Curves"-Magazinen gibt es keinerlei Anzeigen ...

Genau. Ich fahre die Pässe immer im Auto ab, bin Porsche-Fan. Und als es darum ging, 15 oder mehr Anzeigenkunden ins Magazin zu nehmen oder es anderweitig mitfinanzieren zu lassen, war die Entscheidung einfach. Ich bin wie gesagt schon seit der Kindheit Porsche-Fan, mein Vater hat einen gehabt und wenn du als Kind im Targa sitzt, ist das schon was Schönes (lacht). Der totale Virus war da und meinen ersten Porsche habe ich mir zusammengespart, da war ich Mitte 30. Die Autos funktionieren ewig, sind wunderschön, wertsteigernd, nachhaltig. Also habe ich dann bei Porsche angefragt, wegen der Kooperation. Und es war sofort Sympathie da, für das Magazin und die Idee dahinter, Sehnsuchtsträume zu erfüllen. Heute kann ich dann dank der wunderbaren Zusammenarbeit auch mal mit einem GT3 Passstraßen fahren - und das Magazin ist werbungsfrei.

Das führt zurück zum aktuellen Magazin: Dort findet sich im "Backstage"-Teil die Reise mit dem GT3. Der Leser sieht da, wie "Curves": Norditalien quasi entsteht.

Egal, ob im Targa, GT3 oder auf dem Rennrad: Die Passtraßen der "Curves"-Magazine sind Sehnsuchtsorte für viele.
Egal, ob im Targa, GT3 oder auf dem Rennrad: Die Passtraßen der "Curves"-Magazine sind Sehnsuchtsorte für viele.

Stimmt. Sozusagen ist ein Auto im Magazin, aber ganz am Ende. Das wirkliche Reisemagazin ist frei davon. Das honorieren auch die Leser und Fans. Für mich persönlich ist die Kooperation mit Porsche die bestmögliche Zusammenarbeit. Sie macht Spaß, ich bin ein Porsche-Nerd und die Produkte sind halt auch fantastisch.

Ende des Jahres erscheint die nächste Ausgabe, Thema: Deutsche Küsten und Dänemark. Was erwartet den Leser da? Denn mit Passstraßen kommt man da ja nicht sehr weit.

(lacht) Ja, aber zu einem klassischen Roadtrip gehört eigentlich auch Wasser, ein Stück Küste. Das beste Beispiel dafür hat "Curves: Kalifornien" geliefert. Die Mutter aller Roadtrips: von Los Angeles nach San Francisco den Highway 1 hoch, Yosemite, Death Valley, Joshua Tree, dann die Küste. Da waren Haarnadelkurven auch nicht vorhanden und die Reise hat trotzdem Spaß gemacht. Das erwarte ich auch von der deutschen Küste und Dänemark: Straße, Sand, Meer.

Das klassische "Curves" muss also nicht unbedingt die Passstraße in den Alpen sein?

Nein, natürlich nicht. Die Alpen kenne ich halt sehr gut, weil ich in ihrer Nähe aufgewachsen bin. Man ist von München aus ruckzuck in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich. Aber es gab ja auch die Ausgabe "Schottland", das angesprochene "Kalifornien". 2018 ist dann etwa "Norwegen" geplant. Das muss unbedingt sein!

Aber Norwegen als Fünf-Tages-Trip ist doch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit?

"Stelvio" (Delius Klasing) erscheint am 16. Oktober.
"Stelvio" (Delius Klasing) erscheint am 16. Oktober.

(lacht) Das stimmt. Es werden wohl eher so fünf Etappen. Ein guter Freund von mir war dort, der ist rund 9000 Kilometer gefahren. Und man muss auf alle Fälle bis zu den Lofoten. In Norwegen war ich auch persönlich noch nie, deshalb habe ich da auch so einen großen Bock drauf!

Und sonst: Gibt es noch weitere "Curves"-Träume?

Island kann ich mir sehr gut vorstellen. Das ist einfach nur Wahnsinn dort. Aber auch Rumänien mit den Karpaten stelle ich mir traumhaft vor. Da war ich halt auch noch nicht, überhaupt ist der ehemalige Ostblock noch unentdecktes Gebiet für mich. Kroatien, Montenegro, Rumänien: Diese Länder sind auf alle Fälle Reisen wert und ich finde auch, dass man mit dem Magazin den Menschen Vorurteile und Ängste den Ländern gegenüber nehmen kann.

Und außerhalb Europas?

Ganz klar Neuseeland, Japan, Chile, Patagonien. Das wäre der Hammer! Aber das wird halt nicht billig, das steht und fällt mit der Finanzierung. Aber das reizt mich auch absolut! Ich habe aber keinen Druck und arbeite immer so auf Zweijahressicht nach dem Motto: Schaun mer mal, dann seh' mer scho!

Thüringen fände ich auch klasse ...

Ja, Mitteldeutschland generell mit dem Harz, dann Thüringer Wald, Erzgebirge. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Wäre sehr interessant. Hier wäre wahrscheinlich nur das Problem: Bekomme ich eine Fünf-Tages-Tour zusammen? Daher eher Mitteldeutschland als Größeres statt Thüringen oder Harz einzeln.

Bei all den nahen und fernen Sehnsuchtsorten: Haben Sie einen Lieblingspass, eine Lieblingsbergstraße?

Jede Straße hat etwas Besonderes! Am Stilfser Joch hänge ich aber besonders. In Kürze erscheint dazu ein 350-Seiten-Buch nur zum Stilfser Joch von mir. Davon allein 70 Seiten zur Geschichte der von Hand gebauten Passstraße, die bereits 200 Jahre alt wird. Jede Kurve hat da einen Namen, das wissen heutzutage viele gar nicht mehr. Die donnern einfach auf der einen Seite hoch, essen ein Würschtel und fahren wieder runter. Sie wissen gar nicht, was auf dieser Straße schon alles passiert ist, warum sie gebaut wurde. Deshalb dachte ich mir: Machst du dazu mal ein monothematisches Buch. Das verbindet es auch mit den "Curves"-Magazinen. Da habe ich mir auch gedacht: Mach mal, tu es!

Mit Stefan Bogner sprach Thomas Badtke

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Quelle: n-tv.de

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