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Die Zeit ist reif: Google darf seine selbst fahrenden Autos auf die Straße schicken.
Die Zeit ist reif: Google darf seine selbst fahrenden Autos auf die Straße schicken.

Straßenzulassung für Kalifornien: Google-Roboter-Auto fährt allein

Von Holger Preiss

Google hat es mit seinem Projekt autonom fahrender Autos weit gebracht. In Kalifornien dürfen ab sofort die fahrerlosen Mobile per Gesetz durch die Straßen rollen. Ist das schon der Beginn einer neuen Ära der Fortbewegung?

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Der US-Bundesstaat Kalifornien will künftig fahrerlose Autos im Straßenverkehr erlauben. Ein entsprechendes Gesetz hat Gouverneur Edmund J. Brown jetzt unterzeichnet. Manch einer hofft bereits, dass das voll automatisierte Gefährt seine Insassen einfach vor dem Einkaufszentrum absetzt und sich dann selbst einen Parkplatz sucht. Doch ganz soweit ist der Internetriese Google noch nicht. Deshalb wird im Augenblick auch verlangt, dass ein Fahrer mit gültigem Führerschein hinter dem Steuer sitzt, um im Notfall eingreifen zu können. Eine umfassende Regelung für fahrerlose Autos soll aber erarbeitet werden und spätestens 2015 in Kraft treten.

Ein kühnes Experiment

Googles selbst fahrendes Auto-Projekt ist wohl eines der kühnsten Experimente, die das Unternehmen je angefangen hat. Auf dem Dach des Gefährts ist ein Laser befestigt, der die Umgebung ohne Unterlass scannt. Unter der Motorhaube befinden sich Sensoren, die Fußgänger und andere Fahrzeuge erkennen und unterscheiden können. Im vergangenen Sommer fuhr bereits der Gouverneur von Nevada, Brian Sandoval, eine Runde auf den relativ ruhigen Straßen von Carson City mit dem Google-Mobil.

Insgesamt hat Google zwölf selbst fahrende Toyota Prius im Einsatz.
Insgesamt hat Google zwölf selbst fahrende Toyota Prius im Einsatz.

Doch der Trubel des Las Vegas Boulevards, auf dem Touristen schon mal unachtsam auf die Straße gehen, ist besser geeignet, das am weitesten automatisierte Automobil eingehend zu testen, so Google. "Die Fahrzeuge sind so entworfen, dass sie sich von nichts ablenken lassen", erklärte der Leiter der Zulassungsbehörde DMV, Bruce Breslow und begründet damit die Entscheidung, den selbst fahrenden Autos eine Straßenzulassung in Kalifornien zu erteilen. "Wenn sie auf dem Strip in Las Vegas unterwegs sind und das Auto an einem riesigen Reklamewagen vorbeifährt, auf dem drei leicht bekleideten Frauen zu sehen sind, erkennt das Auto nur einen Kasten", so Breslow.

Unfälle verursachen nur Menschen

Bis zur Straßenzulassung in Kalifornien haben ein Dutzend fahrerlose Autos von Google etwa 300.000 Meilen zurückgelegt. Das ist eine gute Nachricht für das Projekt, so Google, schränkt aber ein: "Wir haben noch einen langen Weg vor uns." Zum Beispiel müssen die Autos noch lernen, wie man auf schneebedeckten Straßen fährt, wie Warnzeichen vor Baustellen zu interpretieren sind und wie auf solche Situationen zu reagieren ist.

Um an die notwendigen Informationen aus dem alltäglichen Straßenverkehr zu kommen, plant Google, dass einige Teammitglieder ihre täglichen Arbeitsfahrten mit einem der fahrerlosen Autos bewältigen sollen. Bisher werden die Fahrzeuge immer mit zwei Personen besetzt. Google ist aber überzeugt, dass das Projekt an einen Punkt gelangt ist, an dem es ausreicht, nur noch einen (Mit)-Fahrer in das Auto zu setzen.

"Eines Tages", schreibt Chris Urmson, Technischer Leiter des Projekts in seinem Blog, "werden wir hoffentlich den Punkt erreichen, an dem wir durch das selbst fahrende Auto den Menschen die Möglichkeit geben, andere Dinge während der Fahrt zu erledigen." Auf die Frage, ob es schon Unfälle mit den selbst fahrenden Autos gegeben habe, antwortet Urmson: "Es gab natürlich schon einige Unfälle, an denen die selbst fahrenden Autos von Google in der Vergangenheit beteiligt waren. Aber die passierten immer in den Momenten, in denen Menschen die Kontrolle über das Fahrzeug hatten."

Das Kalifornien der erste US-Bundesstaat ist, der den autonom fahrenden Autos die Zulassung erteilt, verwundert nicht. Schließlich gibt es dort zahlreiche Hightech-Unternehmen, die sich mit der Entwicklung selbst fahrender Autos befassen. Zu ihnen zählt eben auch der Internet-Konzern Google, der bereits eine Testflotte von zwölf entsprechend aufgerüsteten Toyota Prius betreibt und in der Entwicklung am Weitesten ist. Auch in Europa gelten Roboter-Autos als wichtige Zukunftstechnologie; nach Expertenansicht könnten die maschinengesteuerten Fahrzeuge auf Dauer helfen, die Unfallzahlen sowie die Umweltbelastung zu senken. Entsprechende Technologien werden aktuell unter anderem von Audi, BMW, Mercedes, VW und Volvo entwickelt.

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Quelle: n-tv.de

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