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Wer ein Keyless-Go-System hat, der braucht eigentlich nicht mal mehr den Autoschlüssel aus der Tasche zu nehmen.
Wer ein Keyless-Go-System hat, der braucht eigentlich nicht mal mehr den Autoschlüssel aus der Tasche zu nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 11. April 2016

Die Sache ist heikel: Keyless-Go: Leichtes Spiel für Autodiebe?

Keyless-Go-Systeme machen das Autofahren noch komfortabler. Kein lästiges Schlüsselzücken an der Tür, kein Einführen ins Schloss, um den Wagen zu starten. Aber die moderne Funktechnik hat ihre Tücken, denn Autodiebe haben Wege entwickelt, sie für sich zu nutzen.

Der Hightech-Autodieb rückt nicht mehr klassisch mit Hammer, Schraubenzieher oder Zange an, sondern setzt auf Elektronik. Damit trickst er komfortable Schließsysteme an den Fahrzeugen aus, die immer beliebter werden. Die Rede ist von den sogenannten Keyless-Go-Systemen. Mit ihnen können die Besitzer ihr Auto öffnen und starten, ohne den Schlüssel aus der Hosen- oder Handtasche nehmen zu müssen. Eine Mechanik, die vor allem bei hochwertigen Neuwagen inzwischen zum Standard gehört.

Die Zeiten, wo Autodiebe mit dem Schraubenzieher die Türen von Neuwagen öffneten, sind wohl vorbei.
Die Zeiten, wo Autodiebe mit dem Schraubenzieher die Türen von Neuwagen öffneten, sind wohl vorbei.(Foto: picture alliance / dpa)

Gerade diese Modelle haben es auch Autodieben in Baden-Württemberg angetan. Die Ermittlungsgruppe "Premium" des Landeskriminalamts prüft gerade in 20 Fällen, ob dahinter eine Bande aus Osteuropa stecken könnte, wie ein Sprecher erklärte. "Die Problematik nimmt zu, weil immer mehr Fahrzeuge mit solchen Systemen ausgestattet sind." Zuverlässige bundesweite Daten gibt es dazu aber nicht. In Nordrhein-Westfalen sind in den vergangenen drei Jahren 24 Fälle erfasst worden. In Hessen ist von "geringen Fallzahlen" die Rede. Insgesamt ging in Deutschland im Jahr 2014 die Zahl der Pkw-Diebstähle um vier Prozent auf 18.549 Fahrzeuge zurück, wie das BKA mitteilte.

Diebe nutzen Sicherheitslücke

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Trotzdem ist die ganze Sache heikel. Denn die Diebe nutzen eine Sicherheitslücke aus. Dabei wird das Funksignal, das der elektronische Schlüssel aussendet, einfach verlängert. So können Täter beispielsweise einen Reichweiten-Verstärker an der Haustür abstellen, der nimmt das Signal auf und verstärkt es. Es wird mit Hilfe eines weiteren Geräts am Auto empfangen, das den richtigen Code vortäuscht. Das Auto lässt sich dann öffnen und starten. Die Wegfahrsperre und meist auch die Alarmanlage werden deaktiviert. "Die Autohersteller sind in der Pflicht. Wie alle Schließsysteme müssen auch diese gegen Hard- und Software-Angriffe sicher sein", fordert Burkhard Böttcher vom ADAC.

Der Autoclub veröffentlichte vor wenigen Wochen einen Test, wonach mit einer selbstgebauten Funkverlängerung an mehr als 20 unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller sekundenschnell geöffnet werden konnten. "Dabei werden keine sichtbaren Einbruchs- und Diebstahlspuren hinterlassen." Ist das Auto einmal gestartet, kann der Dieb fahren, bis kein Benzin mehr im Tank ist. Ausmachen darf er den Wagen nicht mehr, weil er zum Starten erneut das Signal des Schlüssels bräuchte, erläutert ein Sprecher der Polizei. Ein in Stuttgart gestohlener Porsche sei verlassen an einer Autobahn in Tschechien aufgefunden worden. Deshalb werden die Täter der jüngsten Diebstahlserie von Baden-Württemberg auch in Osteuropa vermutet.

"Es gibt kein schnelles Allheilmittel"

Ein Porsche-Sprecher sagt, die Volkswagen-Tochter sei in Gesprächen mit den Behörden und den Verbänden. Er macht aber wenig Hoffnung, das Problem schnell in den Griff bekomme. "Es gibt kein schnelles Allheilmittel", hieß es aus Zuffenhausen. Eine Sprecherin von Mercedes-Benz verweist darauf, dass das Problem bekannt sei und die Funktion auch ausgeschaltet werden könne, dann ist aber auch der Vorzug des Keyless-Go-Systemes hin. Kommt das Auto tatsächlich abhanden, zahlt zur Zeit noch die Kaskoversicherung. "Die Versicherer werden die Thematik aber weiter beobachten. Und selbstverständlich bleibt zu hoffen, dass eventuelle Sicherheitslücken möglichst bald geschlossen werden", sagt ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Quelle: n-tv.de

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