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Opel will mit dem Meriva einen "Champion der Flexibilität" bauen.
Opel will mit dem Meriva einen "Champion der Flexibilität" bauen.

Neuvorstellung des Micro-Vans: Meriva öffnet neue Türen

Axel F. Busse

Opel will mit dem Meriva einen "Champion der Flexibilität" auf den Markt bringen. Die Türen jedenfalls präsentieren sich alles andere als konventionell - sie sind gegenläufig montiert.

Der Opel Meriva verdankt seinen Erfolg zu einem Gutteil seiner Unauffälligkeit. Mit dem praktischen Mirco-Van können sich junge Familien ebenso identifizieren wie jung gebliebene Senioren. Wenn im Sommer der neue Meriva kommt, verlangt er einem eher konservativ gestimmten Publikum aber eine Menge Flexibilität ab.

Ein wenig flacher, ein wenig länger und breiter, mit riesigen Scheinwerfergläsern und einem Knick in der Fenstergrafik lässt der erste optische Eindruck den Betrachter eher an ein Fahrzeug französischer Abstammung denken, als an einen deutschen Fünftürer. Doch das originellste Merkmal an dem Fahrzeug, das laut Marketing-Prosa "Champion der Flexibilität" werden soll, sind die Türen - ein Konzept, wie man es bisher nur in der absoluten Luxus-Liga sehen konnte.

"Selbstmördertüren" - heute sicherer

Ein Highlight: die hinten angeschlagenen Türen ...
Ein Highlight: die hinten angeschlagenen Türen ...

Ihr Name war Programm: "Selbstmördertüren" wurden sie genannt, denn für manchen hatte der Versuch, den gegen die Bewegungsrichtung des Autos öffnenden Wagenverschlag während der Fahrt wieder zuzuziehen, fatale Folgen. 1961 wurden sie deshalb in Deutschland verboten.

Die Schlösser und Verriegelungsmechanismen sind stabiler und sicherer geworden seitdem, das Verbot fiel, nach und nach haben Autohersteller die hinten angeschlagenen Türen wieder entdeckt. Mazda und Mini probierten es aus, viele Pick-Up und bei Rolls Royce ist es Ausdruck einer mondänen Lebensart. Der Opel Meriva wird das erste Auto seiner Klasse sein, bei dem die Türgriffe einander an der B-Säule gegenüber liegen.

Das sieht nicht nur schick aus, sondern hat auch noch eine Reihe praktischer Vorteile, meint Helmut Ruff, bei Opel verantwortlicher Chefingenieur für den Meriva. "Wenn zum Beispiel Eltern ihren Kindern beim Ein- oder Aussteigen helfen, stehen sie direkt an ihren Sitzen, aber auch unmittelbar nebeneinander. Sie sind nicht durch eine Tür voneinander getrennt, niemand muss um eine Tür herum laufen, das bedeutet ein Plus an Sicherheit". Für Personen, die nicht mehr so beweglich sind, ist der große Öffnungswinkel der hinten angeschlagenen Tür ebenfalls von Vorteil. Ruff: "Man kommt leichter hinein, und dank des Haltegriffs an der B-Säule auch leicht wieder hinaus".

Schiebetüren sind keine Alternative

Konventionelle Autotüren öffnen mit einem Winkel von etwa 65 Grad, Abweichungen nach oben oder unten sind gering. Die neuen Meriva-Türen öffnen mit 84 Grad, also fast im rechten Winkel. Ähnlichen Ein- und Ausstiegkomfort bieten sonst nur Schiebetüren, die in der Konzeptphase des neuen Meriva auch mal kurz in der Diskussion waren. "Sie hätten das Auto aber auch länger gemacht", so Helmut Ruff, "und den Fahrzeug-Schwerpunkt ungünstig verlagert". Ein kompletter Verzicht auf die B-Säule, wie sie hin und wieder bei Limousinen-Konzepten auf Auto-Messen zu sehen sind, stand laut Ruff nie zur Debatte. Fragen der Seitencrash-Sicherheit und der Karosserie-Steifigkeit hätten die Ingenieure vor erhebliche Probleme gestellt.

Opel hat durchaus Erfahrungen mit gegenläufig angebrachten Türen. Im Kadett von 1938 wurde dieses Konzept umgesetzt, ebenso in einem Modell Kapitän des gleichen Jahrgangs. Wer sich diese Fahrzeuge heute näher betrachtet, kann aber genau erkennen, woran das charmante Prinzip letztlich scheiterte: Winzige bewegliche Keile, ähnlich wie bei einer Zimmertür, hielten das Türblatt im Rahmen. Wenn sich die Karosse auf holpriger Strecke verwindet, ist es mit der Schließsicherheit nicht mehr weit her. Heute sind nicht nur die Schlösser sicherer, sondern es gibt im Opel zusätzlich auch einen Warnmechnismus, der durch optische und akustische Signale das ordnungsgemäße Schließen aller Zustiege signalisiert.

Da die Nutzungsanalysen der Opel-Konstrukteure eindeutig darauf hinwiesen, das in der Fahrzeugklasse der Micro-Vans die hinteren Sitze eindeutig häufiger ausgelastet sind als zum Beispiel bei Minis oder Kompakten, wurde besonderes Augenmerk auf die Bequemlichkeit und Variabilität gelegt. So sind die äußeren Sitze nicht nur in den Längsrichtung, sondern auch zur Seite hin verschiebbar, so dass für Bein- oder Schulterfreiheit das Optimum erreicht werden kann. Sitzproben in den ersten Serienmodellen beweisen, dass auch jenseits von 1,80 Metern Körpergröße auf einem Meriva-Rücksitz Bequemlichkeit möglich ist.

"Ein bißchen mehr Emotion"

Bei der Konzeption des Innenraums ließen sich Designer Stefan Arndt und seine Kollegen von einem Ziel leiten: "Wir wollten ein bisschen mehr Emotion in das Auto reinpacken", sagt er. Sie sollen die Türen zu neuen Kundenkreisen öffnen. Heraus gekommen sind zahlreiche Neuerungen bei der Anordnung von Fächern und Ablagen, der Gestaltung des Instrumententrägers und der Mittelkonsole. Da sie keine konventionelle Handbremse mehr beherbergen muss – die elektrische Parkbremse ist Serie – konnte das so genannte Flex-Rail System umgesetzte werden. Die verschiebbare und mit einer Abdeckung verschließbare Box zwischen den Vordersitzen ist gut für diverse Kleinteile. Darunter befinden sich weitere Flaschenhalter, so dass beispielsweise auch Flaschen ohne oder mit schadhaftem Verschluss sicher aufrecht transportiert werden können.

So sieht es aus, wenn "Emotion" auf Auto trifft.
So sieht es aus, wenn "Emotion" auf Auto trifft.

"Der neue Meriva ist eher ein kleinerer Zafira als ein größerer Corsa", ordnet Helmut Ruff den Van in die Opel-Modellpalette ein. Dem aktuellen Familien-Van Zafira hat er jedoch schon ein Ausstattungsmerkmal voraus: Der FlexFix-Fahrradträger, das Schubkastensystem unterhalb der Heckklappe zur sicheren Beförderung von zwei Drahteseln, ist beim Meriva schon realisiert.

Kritik am Dreh-Drück-Schalter

Wie fast jedes neue Auto offenbart der auch der Meriva bereits vor der ersten Probefahrt weiteres Innovationspotenzial. Er wird nach heutiger Kenntnis wohl nicht das erste Fahrzeug im Opel-Programm sein, das mit einer Start-Stopp-Automatik aufwarten kann. Bekanntlich arbeitet Opel an einer derartigen Technik, in welchem Modell sie dieses Jahr eingeführt wird, verrät die Firma aber nicht. Ebenso ist noch ein Geheimnis, wann der unsägliche Dreh-Drück-Schalter an der Mittelkonsole ausgedient hat, dessen eigenwillige Logik Opel bereits viel Kritik eingebracht hat. Offizielle Premiere hat der neue Meriva beim Genfer Autosalon im März.

Quelle: n-tv.de

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