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Das 55. Mini-Treffen im englischen Kent zog über drei Tage 15.000 Fans in seinen Bann.
Das 55. Mini-Treffen im englischen Kent zog über drei Tage 15.000 Fans in seinen Bann.(Foto: Holger Preiss)

Originalität zählt: Mini und Moke feiern sich in Kent

Von Holger Preiss

Mini fahren ist ein Statement. Noch mehr, wenn es sich um einen kleinen Briten handelt, der vor der BMW-Ära entstanden ist. Jedes Jahr trifft sich die Mini-Familie, um sich und ihr Auto zu feiern - an den runden Geburtstagen im Heimatland, wo es diesmal gleich zwei Jubilare gibt.

Ein Mini ganz aus Holz? Ja!
Ein Mini ganz aus Holz? Ja!(Foto: Holger Preiss)

Wenn sich alljährlich die Fangemeinde des wohl knuffigsten Autos der Welt trifft, dann geht es nicht darum, die Potenz brüllender Motoren auf den Prüfstand zu stellen oder die Pneus auf dem Asphalt zu schänden, sondern um die Demonstration von Individualität und Lebensgefühl. Ein Mini ist, seit er vom puren "Nutzfahrzeug" in die Klasse der Fan-Fahrzeuge gewechselt ist, ein Statement.

Und so trafen sich die Mini-Isten 1978 zum Austausch über Zündeinstellungen, Felgendesign und natürlich zum Erwerb von Ersatzteilen zum ersten Mal. Denn wenn auch das Äußere und Innere ganz eigen ist, bleiben die Motoren und andere Verschleißteile gleich. Ausrichter war damals der Mini-Fanclub in Moers. Seit dieser Zeit bewerben sich die Clubs einzelner Länder für das Event. Der Zuschlag für das Treffen im kommenden Jahr ging übrigens an Belgien, wo der Mini von 1965 bis 1981 gebaut wurde.

Es geht noch kleiner mit dem Mini-Mini.
Es geht noch kleiner mit dem Mini-Mini.(Foto: Holger Preiss)

Alle fünf Jahre aber, also immer zu den runden Geburtstagen, trifft sich die Fangemeinde im Heimatland des Mini, in England. So fand das Treffen zum 55. Geburtstag des kleinen Briten diesmal in Kent statt. Etwa 70 Kilometer von London entfernt in der gleichnamigen Grafschaft wurde eine Wiese zum Mini-Familien-Camp. Drei Tage fachsimpelten etwa 15.000 Enthusiasten über das Auto, das nach Meinung von Claudia Hübner, der Hauptverantwortlichen der internationalen Mini Clubs, mehr ist als ein Auto. "Es ist unser Go-Kart-Freund und ein echtes Familienmitglied." Und so wird der kleine Kerl dort auch behandelt.

Immer etwas anders sein

Dem einen kann er nicht schick genug sein mit Chromverblendungen an den Kotflügeln, Farbe und Glanz am Motor und wenn irgend möglich auch Schalensitzen. Für den anderen muss er mit einem Hauch Rost und den Spuren eines langen Lebens überzogen sein. Aber nicht nur die Freunde der Klassiker sind bei den Treffen dabei. War die Antipathie gegen BMW seinerzeit groß, finden sich jetzt auch zunehmend Fahrer und Fahrzeuge ein, die aus der neuen Ära stammen.

So sieht also der 3er Mini aus?!
So sieht also der 3er Mini aus?!(Foto: Holger Preiss)

Die Liebe zur Marke geht sogar so weit, dass das Logo eines 3er BMW mit dem Mini-Logo überklebt wird. Allerdings darf das in diesem Fall als Spaß angesehen werden, denn insgesamt hat Mini vom Eingriff der Bayern mehr als profitiert. Und das akzeptiert inzwischen auch die Mini-Gemeinde. Das Schlimmste, was man den Bajuwaren unterstellen kann, ist, dass der Mini in der Pannenstatistik nicht mehr ganz oben auftaucht. Ansonsten haben die Münchner den Zeitgeist in charmanter Weise in ein neues Jahrtausend übertragen. Selbst jetzt, wo Chefdesigner Anders Warming die Striche von Gert Hildebrand verfeinert hat und der Mini noch ein wenig wuchtiger geworden ist, bleibt er doch in den Augen der Familie ein Mini.

Richtig dick kommt es übrigens, wenn ab 25. Oktober der Fünftürer auf den Markt kommt. Dann ist der Mini tatsächlich zu einem richtig erwachsenen Familienauto geworden. Mit 3,98 Metern Länge und einem Kofferraum von 278 Litern sollten dann auch junge Familien den Einstieg in das Mobil finden, das über die Jahrzehnte so viel mehr als ein Auto geworden ist. Aber auch dann wird er eben ein Mini bleiben und neben Clubman, Cooper, Paceman, Countryman, Coupé, Cabrio und Roadster als weiteres Familienmitglied mit offenen Armen empfangen werden. Ob er einst allerdings den Kultstatus erreicht, den der kleine Kerl aus den guten alten Tagen jetzt genießt, muss die Zeit beweisen.

Auch der Militär-Mini feiert

Ursprünglich wurde der Moke für das Militär gebaut.
Ursprünglich wurde der Moke für das Militär gebaut.(Foto: Holger Preiss)

Was es aber mit Sicherheit in Zukunft nicht mehr geben wird, ist der Moke. Auf Mini-Basis wurde der buggyartige offene Sandläufer ab 1964 für die Armee des britischen Empire gebaut und feierte in Kent seinen 50. Geburtstag. Der Witz des Wagens bestand darin, dass vier von ihm übereinandergestapelt werden konnten und so der Platzbedarf in Transportflugzeugen, Schiffen und Zügen extrem gering war. Leider stellte sich im Einsatz schnell raus, dass er mit seinen 10-Zoll-Rädern, Frontantrieb und den Mini-Motoren in schwerem Gelände einfach überfordert war.

Ab 1966 wurde der Moke in Australien gebaut. Zwei Jahre später stellten ihn die Hersteller dann auf 13 Zöller, um ihm etwas mehr Geländegängigkeit zu verschaffen. So wurde der Moke dann bis 1981 in Down Under produziert. Ein Jahr später kehrte er nach Europa zurück. Bis 1989 zeichneten die Portugiesen für die Fertigung verantwortlich. Seine vorerst letzte Etappe in Europa legte der Militär-Mini dann in Italien zurück. Der Motorradhersteller Cagiva kaufte 1990 von der MG Rover Group die Fertigungsgerechte für den Moke, stellte aber innerhalb von drei Jahren lediglich 1500 Stück her. Insgesamt wurden von 1966 bis 1993 49.937 Mokes gebaut.

27.000 Pfund für einen Mini aus dem Jahr 1988. Ein stolzer Preis.
27.000 Pfund für einen Mini aus dem Jahr 1988. Ein stolzer Preis.(Foto: Holger Preiss)

Später kaufte die englische Firma M-Parts alle noch verfügbaren Ersatzteile sowie die Pressen und die Formen auf und stellt seit dieser Zeit Reparatur- und Originalbleche her. Seit 2007 lässt eine englische Firma in China Moke Kit Cars produzieren, die den Mokes aus der Australien-Ära nicht unähnlich sind. Allerdings sind sie absolut inkompatible mit den echten Mokes und gelten wahren Liebhabern deshalb auch nicht als solche.

In Kent jedenfalls waren die echten Moke zu bewundern. Für die natürlich das gleiche gilt wie für die Minis: Es geht nicht darum original zu sein, sondern originell. Im Zusammenspiel mit der Zeit hat ein Moke auch heute noch seinen Preis. Für einen gut erhaltenen Cagiva zahlt man bei einer Laufleistung bis 50.000 Kilometern je nach Gesamtzustand schnell mal 15.000 Euro.

Das gleich gilt für guterhaltene Mini. In Kent gab es zum Beispiel einen Mini Cooper S aus dem Jahre 1988, der als japanischer Reimport den Weg auf die britische Insel zurückschaffte und für den 27.000 Pfund aufgerufen werden. Auf die Frage, ob das die Verhandlungsbasis sei, gab es ein klares Nein. Schließlich sei dieses Auto eines der letzte seiner Art und wer liebt, der muss eben bezahlen.

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Quelle: n-tv.de

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