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Eine berauschende Farbenwelt erwartete die Experience-Teilnehmer in Peru.
Eine berauschende Farbenwelt erwartete die Experience-Teilnehmer in Peru.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 23. Oktober 2017

Zwischen Himmel und Erde: Mit dem Disco zu den Inka

Von Holger Preiss

Seit 16 Jahren erobert die Land Rover Experience Erdteile, die man nicht so einfach zu Gesicht bekommt. In diesem Jahr führte der Treck durch Peru. Vom Pazifik bis über die Anden durfte n-tv.de die erste Etappe begleiten.

Im Stadtteil Barranco ist die Welt auch in Lima in Ordnung.
Im Stadtteil Barranco ist die Welt auch in Lima in Ordnung.(Foto: Holger Preiss)

Weit ist der Weg nicht von Limas Flughafen in die Hauptstadt. Und doch dauert es gut und gern anderthalb Stunden (oder mehr). ehe man sich in die Altstadt durchgekämpft hat: Mit roten Ampeln arrangieren sich die Nachfahren der großen Inka noch. Die Regel, dass Rechts vor Links gilt, kann man sich hingegen ganz schnell abschminken. An gleichberechtigten Kreuzungen gewinnt das größere Auto, der spitzeste Winkel oder die lauteste Hupe. Wer den Moloch bezwingt, kann in Lima auf den Spuren des Konquistadors Francisco Pizarro wandeln, der 1535 die Stadt gründete und Zeit seines Lebens auf der Suche nach dem Inka-Gold war.

Oder aber man biegt gleich nach dem Flughafen von der Panamericana nach Süden ab, nach Miraflores oder Barranco. In den Vororten am Pazifik tummeln sich die, die es auch ohne die Entdeckung der sagenhaften Goldstadt El Dorado zu etwas gebracht haben und genießen das gute Leben in kolonialzeitlichem Ambiente, das dem in San Diego, Miami oder Kapstadt in nichts nachsteht.

Mit dem Disco ins Abenteuer

Übernachten in der Wüste.
Übernachten in der Wüste.(Foto: Holger Preiss)

Das eigentliche Peru aber fängt erst an, wenn man die Hauptstadt hinter sich lässt: Fakt ist, dass der Andenstaat zu den landschaftlich vielfältigsten und vielleicht schönsten Ländern in Südamerika zählt. Im Westen brandet der Pazifik an die Küste, an der sich eine der größten Wüsten des Kontinents entlangschlängelt. Nach Osten erheben sich majestätische Berge und dahinter sorgt der Dschungel für eine einzigartige Lebenswelt für Tiere und Pflanzen. Wer aber diesen Wandel der Natur in Gänze erleben möchte, hat es nicht leicht. Es braucht schon ein recht robustes Auto, um hier über das zu kommen, was in Autojournalistensprache wohl im besten Fall als "grobes Geläuf" durchgehen würde.

Dass ihre Vehikel für solche Abenteuer geeignet sind, beweist Land Rover seit 16 Jahren mit seinen Experience-Touren. Unter Dag Rogges Ägide haben Range Rover, Defender und Co. schon die abgelegensten Stellen dieser Erde bezwungen. Da wäre es doch gelacht, würde der neue Discovery nun in der Wildnis Perus kapitulieren. In Pisco, gut 250 Kilometer südlich von Lima, wartet nicht nur ein gut gefülltes Schnapsregal mit gleichnamigem Traubenbrand, sondern auch eine Flotte Discos auf eine kleine Gruppe Abenteuerwilliger, die bereit sind, mit dem Land Rover Wüstensand und Berggipfel zu bezwingen.

Kein Spieltrieb in den Dünen

Ob man es glaubt oder nicht, aber auch dieser Weg ist eine offizielle Straße.
Ob man es glaubt oder nicht, aber auch dieser Weg ist eine offizielle Straße.(Foto: Holger Preiss)

Von Pisco geht es über asphaltierte Straßen mit reichlich Schlaglöchern - oder Schlaglöcher mit ein wenig Asphalt drumrum -nach Ica und von dort rechts ab nach Westen, direkt in die Nasca-Wüste. Nur kurz nachdem der erste Sand unter den Reifen knirscht, tauchen riesige Dünen vor dem Land-Rover-Tross auf. Zeit, Mensch und Maschine auf das Bevorstehende vorzubereiten. Für den Ritt durch den schier unendlichen Sandkasten gilt es nämlich zwei Dinge zu beachten: der Luftdruck in den Reifen muss runter, damit die Pneus mehr Auflagefläche haben und sich der Disco nicht so schnell festfährt; immerhin drücken mit zwei Mann Besatzung, Reservekanistern, Ersatzrädern, Zelten, Getränken und persönlichen Utensilien gut 3,2 Tonnen gen Boden. Zudem muss ein einheimischer Führer an die Spitze der Expedition, der die Wege kennt und im besten Fall ein Fahrzeug führt, das den eigenen Wagen wieder auf Kurs bringt, sollte er trotz zweier Differenzialsperren und allerlei elektronischer Fahrhilfen im heißen Sand steckenbleiben.

Sind diese Regeln berücksichtigt, ist es der pure Spaß, sich durch den weichen Untergrund zu kämpfen und Berge mit dem Disco hinabzusurfen, nur um dann in weitem Bogen wieder die nächste Düne zu erklimmen. Aber Vorsicht: Wer von Übermut und kindlichem Spieltrieb gepackt zu schnell über Kuppen springt oder aus der Senke beschleunigt, droht die Plastikteile unterhalb der Stoßfänger abzureißen. Zum Glück stört das nur die Optik, die Fahrtüchtigkeit des 340 PS starken Offroaders wird davon nicht im geringsten beeinträchtigt. Mit dem einen oder anderen Anbauteil im Kofferraum erreicht die Disco-Tour schließlich ihr Zeltlager am Pazifik. Und wem von den Strapazen des Tages – und dem nun endlich gereichten Pisco – nicht gleich die Augen zufallen, der kann nachts noch in einen Sternenhimmel blicken, der so klar und groß ist, dass man versteht, warum die Inka zu den ersten Menschen gehörten, die wissenschaftlich fundierte Berechnungen des Firmaments vorgenommen haben.

Der beschwerliche Aufstieg

Je höher der Treck klettert, desto näher ist er den Wolken.
Je höher der Treck klettert, desto näher ist er den Wolken.(Foto: Holger Preiss)

Die moderne Form der Sternenkarte heißt GPS-System und das führt den Treck am nächsten Tag an der Küste entlang, vorbei an Seelöwen und Fischfangstationen, zurück auf die Panamericana in Richtung Chincha Alta, wo wir dem geteerten Boden wieder einmal Lebewohl sagen. Ziel der Etappe ist 260 Kilometer weiter das Bergdorf Chavin in den Anden. Jetzt muss sich der Disco in einem völlig neuen Terrain bewähren: Große Steinbrocken gilt es zu überfahren und Serpentinen zu meistern, die gespickt sind mit messerscharfen Felsbrocken, die selbst Spezialreifen von James Bond zur Kapitulation zwingen würden – und unserem Treck mehrere Stopps für den Reifenwechsel bescheren. Zeit, die fehlt, um die Fahrzeuge bei Tageslicht auf 3200 Meter Höhe zu bringen. In völliger Dunkelheit kämpft sich der Tross also durch mächtige Staubwolken, die selbst die zusätzliche LED-Lichtleiste am Dachgepäckträger nicht zu durchschneiden vermag.

Erschöpft und zwei Stunden später als erwartet, erreichen wir den frisch renovierten Campingplatz in Chavin, der allerdings trotz der erst kürzlich aufgebrachten Farbe weit von dem entfernt ist, was sich der Mitteleuropäer darunter vorstellt. Der Wassertank auf dem Dach gerät schnell an seine Grenzen, wenn der sehnlichste Wunsch von 30 Expeditions-Teilnehmern nach einem langen Tag eine Toilette ist. An eine heiße Dusche braucht man erst gar nicht zu denken. Dafür gibt es etwas, das viel mehr wert ist als frisches Wasser und fachgerecht installierte Elektrik: die Herzlichkeit der Dorfbewohner, die stolz auf das sind, was sie sich in dieser unwirtlichen Gegend aufgebaut haben, und die die Camper herausgeputzt in bunter Tracht mit Musik, Tanz und typisch peruanischem Essen begrüßen.

Mit den Trommeln der Inka

Im Tross ging es durch atemberaubende Landschaften.
Im Tross ging es durch atemberaubende Landschaften.(Foto: Holger Preiss)

Die Nacht in Chavin ist kurz, schon um fünf Uhr heißt es: "Zelte einpacken!". Die Körperhygiene beschränkt sich auf das Zähneputzen mit Mineralwasser, dafür gibt es zum Frühstück Rührei vom Camping-Grill. Viel Zeit zum Genießen bleibt allerdings nicht, schließlich gilt es heute den Aufstieg bis auf 4700 Meter zu schaffen. Ziel ist nach 120 Kilometern das Bergdorf Tana am Rio Licha. Mehr noch als am Tag zuvor präsentieren sich die Anden als ein Gebirge von atemberaubender Schönheit. Nicht nur, dass die Wolken an die Bergspitzen zu stoßen scheinen. Auch die Farben wechseln hier oben, wo die Luft dünn und die Aussicht großartig ist, zwischen grün, braun, ocker und rot und tauchen die schroffe Natur nach jeder Kurve in ein anderes Licht. Anders als zu Beginn der Reise blüht die unendlich weite Landschaft und bietet Kühen, Ziegen und Alpakas reichlich Futter.

In Tana darf der Treck auf dem Fußballplatz einer Schule übernachten. Und wieder ist das ganze Dorf in Aufruhr – und tanzt! Waren die Tänze in Chavin schon sehr rhythmisch, schlägt hier die Trommel der Indianer. Schwere, fast monotone Beats bestimmen den Takt und der scheinbar nicht enden wollende Tanz bringt selbst den aufgeforderten Autor in eine fantastische Trance. Mag sein, dass hier etwas mehr Euphorie mitschwingt, weil die Ureinwohner den Schreiber bereits in Kindertagen faszinierten. Und dennoch: Im Zusammenspiel mit dem unnachahmlichen Naturschauspiel bekommt das alles eine eigene Größe, die sich mit Worten nur schwer vermitteln lässt.

Der Kampf mit 90 Oktan

Fast schon blühende Landschaften finden die Reisenden auf dem Weg nach Huancayo.
Fast schon blühende Landschaften finden die Reisenden auf dem Weg nach Huancayo.(Foto: Holger Preiss)

Der letzte Tag unserer Tour beginnt mit einem Gang zum Fluss - für die Morgentoilette, denn auch in Tana ist die Wasserversorgung nicht wie in der heimischen Wohnung. Schnell noch ein überzuckertes Toastbrot geschmiert und ab auf die Strecke: Bis zu unserem Ziel Huancayo liegen noch gut 225 Kilometer vor uns, durch eine einzigartige Gletscherwelt, die sich auf einer Höhe von rund 3000 bis 4000 Metern erstreckt. Wer hier allerdings mit einem hochmodernen Auto wie dem Land Rover Discovery unterwegs ist, sollte tunlichst darauf achten, welches Benzin er tankt – so er an den spärlich gesäten Zapfsäulen denn überhaupt Auswahl hat.

Nicht nur, dass der Kompressor ohnehin sauerstoffarme Luft in die Brennkammern pumpen muss, hat der Motor jetzt auch noch mit nicht ganz reinem 90-Oktan-Treibstoff zu kämpfen. Von den 340 PS ist nicht mehr viel zu spüren. Auch das maximale Drehmoment von 450 Newtonmetern, das den Briten souverän durch die Wüste brachte, ist nicht mehr abrufbar. Erst nachdem wir in Huancayo wieder feinen 97-Oktan-Sprit nachtanken können, kehrt der Disco zu seiner ursprünglichen Leistungsfähigkeit zurück.

Wir dagegen sind am Ende unserer Reise ziemlich erschöpft: mehrere 100 Kilometer ohne Asphalt unter den Rädern, mit Kriechgeschwindigkeit über Stock und Stein und in der dünnen Höhenluft haben uns mehr zugesetzt als dem Material. Uns allerdings bringt eine Dusche schnell wieder auf Vordermann. Der Disco dagegen braucht eine tiefgreifende Reinigung, um den Staub der vergangenen Tage wieder loszuwerden – und auch das eine oder andere Anbauteil muss wohl ersetzt werden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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