Car-Sharing als Trend: Neue Käufer locken
Die Autohersteller holen das Car-Sharing aus der Öko-Nische. Vor allem in den Großstädten kommt das Teilzeit-Auto in Mode, weil weniger Menschen sich einen eigenen Wagen kaufen wollen oder können. Nach Daimler will nun auch BMW von dem Trend profitieren.
Ein Auto? Ja, aber nicht für immer. In Großstädten verzichten immer mehr Menschenauf einen eigenen Wagen und leihen sich nur für den Großeinkauf oder den Sonntagsausflugan den Stadtrand kurz einen aus: Car-Sharing-Anbieter freuen sich über ein rasantesWachstum. Spätestens mit dem Einstieg vom Autokonzern Daimler in das Car-Sharinghat das Teilzeit-Auto die Öko-Nische verlassen. Nun steigt auch noch BMW ganz großein.
Ab April stellt BMW zusammen mit Sixt in München und Berlin 800 Minis und 1-erBMW auf die Straße, die für 29 Cent pro Minute ausgeliehen werden können - Benzininklusive. "Wir spüren, dass hier ein neuer Markt entsteht, der unsere Mobilitätin absehbarer Zukunft deutlich verändern wird", sagte Sixt-Vorstand DetlevPätsch.
Auto kein Statussymbol mehr
Das eigene Auto verliert nach Einschätzung von Verkehrsexperten langfristig immerweiter an Bedeutung. Vor allem für junge Leute ist es schon jetzt nicht mehr dasStatussymbol wie für die "Generation Golf". "Die Freiheit, ohne Autoleben zu können, gewinnt heute an Wert", beschrieb Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischerSprecher des Verkehrsclubs Deutschland, vor wenigen Wochen den Zeitgeist. Als öffentlichesFahrzeug sieht er für das Auto aber eine glänzende Zukunft: Als Taxi, Carsharing-Fahrzeugoder Leihwagen. Die Zahlen geben ihm recht: Allein im vergangenen Jahr legte dieZahl der Car-Sharing-Nutzer in Deutschland nach Angeben des Bundesverbandes CarSharingum 20 Prozent auf rund 190.000 zu.
Die großen Autohersteller haben den Sinneswandel ihrer Kundschaft erkannt undarbeiten an Lösungen, mit denen sie trotzdem Kasse machen können. Denn ganz ohneAuto wollen die Menschen auch nicht sein. Daimler startete bereits im Jahr 2008sein Car-Sharing-Projekt "Car2Go" mit dem Smart und dehnt es nach Versuchenin Kleinstädten nun auf die Millionenstadt Hamburg aus. VW arbeitet an einem Car-SharingKonzept und auch die Konkurrenz aus dem Ausland hat den deutschen Markt im Blick:Der französische Autokonzern Peugeot-Citroen will nach einer Testphase in Berlinsein Miet-Konzept "Mu" in ganz Deutschland anbieten.
Lästiger Pflichten entledigt
Damit machen die großen Konzerne massiv den alteingesessenen Car-Sharing-AnbieternKonkurrenz. In München etwa wurde der Anbieter Stattauto bereits 1992 gegründetund arbeitet heute als sozialer Betrieb mit einem nahezu flächendeckenden Netz dutzenderAbholstationen in der ganzen Stadt. Im Durchschnitt teilen sich 20 bis 25 Teilnehmerein Fahrzeug.
Stand früher beim geteilten Auto für viele Nutzer die finanzielle Ersparnis undder Umweltschutz im Vordergrund, sind es heute auch ganz praktische Erwägungen:Um einen Parklatz vor dem Haus müssen sich Car-Sharing-Nutzer genauso wenig kümmernwie um die lästige TÜV-Untersuchung oder die Winterreifenmontage.
Die Autos lassen sich bequem per Internet buchen. BMW verzichtet sogar vollständigauf feste Stationen, sondern stellt die Wagen innerhalb des Stadtgebiets auf dieStraße. Verfügbare Fahrzeuge können sich die Nutzer im Internet oder unterwegs aufihrem Smartphone anzeigen lassen und mit einem Chip auf dem Führerschein öffnenund starten - selbst der Autoschlüssel ist überflüssig.
Quelle: n-tv.de


