Auto
Mit Hutze und mächtigen Lufteinlässen macht der Opel Corsa OPC auf sich aufmerksam.
Mit Hutze und mächtigen Lufteinlässen macht der Opel Corsa OPC auf sich aufmerksam.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 27. April 2015

Klein und gemein: Opel Corsa OPC – Kampfzwerg für Rabauken

Von Holger Preiss

Die Liga der kleinen Kampfmaschinen hat ein neues Mitglied: den Opel Corsa OPC. Die Rüsselsheimer haben ihrem Kraftzwerg in der zweiten Generation alles und sogar ein bisschen mehr mitgegeben: Er ist hart, schnell, potent und an manchen Stellen ein wenig ruppig.

Klein, bissig und gemein soll er sein, der Opel Corsa OPC. Das wünschen sich die Fans von einem Auto, das gegen Gegner wie den Mini Cooper S, VW Polo GTI, Fiesta ST oder den Peugeot 208 GTi anfährt. Und prinzipiell hat die Kampfansage aus Rüsselsheim alles, was es dafür braucht: Aus einem 1,6 Liter Benziner, der fast identisch im Rallye-Adam R2 arbeitet, schöpft die zweite Generation des Straßenkämpfers 207 PS, beschleunigt in 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und rennt mit knapp 1,3 Tonnen bis Tempo 230.

Der große Heckspoiler sorgt bei hohem Tempo für den entsprechenden Anpressdruck. Sieht aber auch gut aus.
Der große Heckspoiler sorgt bei hohem Tempo für den entsprechenden Anpressdruck. Sieht aber auch gut aus.(Foto: Holger Preiss)

Das sind keine schlechten Werte für eine Rennmaschine in der Kleinwagenklasse und auch der Verbrauch sollte je nach Fahrweise in Ordnung gehen. Wer normal fährt, wird bei knapp 9,0 Litern landen, wer das Gaspedal über lange Strecken vehement in Richtung Bodenblech presst, muss mit einem Verbrauch im zweistelligen Bereich rechnen. Das kann übrigens teuer werden, denn für die volle Leistungsentfaltung empfiehlt Opel das gute Super Plus mit 100 Octan. Auf eine Start-Stopp-Automatik hat Opel für den OPC verzichtet. Begründung: "Fahrer eines Fahrzeuges wie dem OPC wünschen das nicht."

Spitz ums Eck gerissen

Den größten Spaß hat man mit einem OPC aber nicht beim Ampelstart oder beim Ausreizen der Endgeschwindigkeit auf der Autobahn, sondern auf kurvenreicher Strecke. Dort kann der Dreitürer sein ganzes Können ausspielen. Allerdings will der Kampfzwerg, dessen manuelle Sechsgangschaltung wunderbar präzise und über knackig kurze Wege durch die Gassen geführt wird, mit Bedacht ums Eck geprügelt werden. Die Ingenieure haben dem OPC seinem sportlichen Ansinnen entsprechend nämlich einige Gene mitgegeben, die vom Piloten klug dosiert werden sollten.

Das Lenkrad ist kleiner als beim Vorgänger und regiert deutlich direkter.
Das Lenkrad ist kleiner als beim Vorgänger und regiert deutlich direkter.

Da ist zum Beispiel das Reißen an einer extrem direkten Lenkung, wenn die 280 Newtonmeter im Overboost für elf Sekunden brachial auf die Vorderachse knallen. Wie ein bockiges Kind wirft sich der Rüsselsheimer nach vorn, und wenn nicht das mechanische Sperrdifferenzial wäre, würde wohl länger als ein Sekundenbruchteil die Traktion verloren gehen. So spürt man nur ein deutliches Reißen an den Vorderrädern und muss sich eingestehen, dass derartige Manöver besser vermieden werden, wenn man druckvoll aus der Kurve schießt.

Heißspornen unter den Sportfahrern gibt Opel im Corsa OPC die Möglichkeit die Eingreifzeit des ESP zu verzögern. Im sogenannten Competition Mode kann fahren, wer einmal auf das ESP-Knöpfchen tippt. Wer es richtig derbe haben will, der drückt den gleichen Knopf für neun Sekunden. Jetzt sind die elektronischen Helferlein komplett deaktiviert und kommen auch nicht wieder. Eine Option für echte Könner und Größenwahnsinnige. Schade, dass keine Warnleuchte auf diesen Umstand hinweist und der Fahrer so mit seiner persönlichen Mutprobe alleingelassen wird. Dafür, dass der Corsa OPC auch im Extrembereich fahrbar bleibt, haben die Ingenieure einiges unternommen. Das Chassis wurde 10 Millimeter tiefer gelegt, die Hinterachse wurde komplett überarbeitet, die Federraten und Lagerbuchsen neu abgestimmt und das Gewicht des Wagens in ein Verhältnis 63 zu 37 zugunsten der Vorderachse gebracht.

Nichts für Weicheier

Das absolute Highlight sind die serienmäßigen Recaro-Sitze im Opel Corsa OPC.
Das absolute Highlight sind die serienmäßigen Recaro-Sitze im Opel Corsa OPC.(Foto: Holger Preiss)

In der Summe aller Aktivitäten ist der OPC allerdings entsprechend seiner Rolle kein Weichei. Zwar hat Opel sich bemüht, gerade bei der Härte des Fahrwerks einen Kompromiss zwischen Komfort und Sport zu schaffen, aber wer mit dem Kampfzwerg über die Piste bügelt, der muss auf langer Strecke schon hart im Nehmen sein. Zum einen wird die Beschaffenheit der Straße durchgereicht, was auch an den 18-Zöllern liegt, die sich in den Radhäusern geräuschvoll drehen. Wären da nicht die in Serie im OPC vorhandenen Recaro-Sportsitze, würde das Popometer bald rot leuchten. So aber schmiegen sich Fahrer und Beifahrer für 710 Euro extra sogar in belederte und beheizte Rennschalen, die nicht nur einen ausgezeichneten Sitzkomfort, sondern auch perfekten Seitenhalt bei der Kurvenhatz bieten.

Nun will, wer sich einen Corsa OPC kauft, natürlich nicht nur heizen. Auch auffallen soll der kleine Rüsselsheimer als das, was er ist: ein Kampfzwerg. Große Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger sorgen gemeinsam mit der Hutze auf der Motorhaube nicht nur für die Beatmung der zwei Turbolader, sondern ziehen den Wagen optisch auch tief auf die Straße. Am Heck prangt ein wuchtiger Spoiler, der den Anpressdruck erhöht und im Zusammenspiel mit der zweiflutigen Remus-Abgasanlage das entsprechende Bild nach dem Überholvorgang liefert. Schließlich soll auch der Gedemütigte wissen, dass hier nicht einfach ein "Normalo"-Corsa an ihm vorbeigezogen ist, sondern ein OPC. Apropos Abgasanlage. Die ist selbstredend auch verantwortlich für den Sound. Zugegeben, hier hat sich Opel für eine recht dezente Variante entschieden. Im Stand brabbelt es tief und wer Gang macht, der bekommt auch was auf die Ohren. Drinnen wie draußen. Allerdings wird der Klang niemanden erschrecken, dazu ist er dann doch zu verhalten.

Mit dem Einstiegspreis geht’s auch

Verhalten ist auch der Preis. Wenn der Corsa OPC, der nur in Eisenach gebaut wird, im Mai zu den Händlern kommt, steht er dort für 24.395 Euro. Allerdings wäre das die entschärfte Version. Zwar sind auch hier schon Bi-Xenon-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, Recaro-Sitze mit Stoffbezug, ein beleuchteter Schaltknauf und die Remus-Abgasanlage an Bord. Aber die 18-Zöller in Bicolor, Brembo-Bremsen, Differenzialsperre und die schärfere Chassis-Abstimmung gibt es nur im Performance-Paket für zusätzlich 2990 Euro.

Auch mit entsprechenden Assistenzsystemen kann man den Preis des OPC in die Höhe treiben. Da sind optional noch eine Einparkhilfe im Angebot, eine Frontkamera, Kollisionswarner und Verkehrszeichenerkennung. Summa summarum macht das lediglich 700 Euro. Auch der Preis für das Navi, das über das Opel-eigene IntelliLink-System per BringGo-App und Smartphone auf den 7 Zoll großen Touchscreen gespielt wird, kostet 300 Euro. Was er letztlich braucht, muss jeder für sich entscheiden. Egal wie sich der Käufer aber entscheidet, bereits für den Grundpreis gibt es eine giftige Kampfmaschine, die, richtig bedient, ein absolutes Spaßpaket bietet.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen