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Porsche plant einen Panamera Shooting Brake ab 2015.
Porsche plant einen Panamera Shooting Brake ab 2015.(Foto: Lars Saeltzer)

Shooting-Brake-Welle schwappt über: Porsche will Panamera strecken

Von Holger Preiss

Die Idee der Shooting Brakes erlebt im Augenblick eine Renaissance. Kaum ein Hersteller, der nicht auf die feurigen Transporter setzt. Neueste Ambitionen gibt es derzeit aus Zuffenhausen. Aber auch McLaren, Ferrari, Mercedes, Jaguar und Peugeot schlafen nicht.

Die Shooting-Brake-Welle schwappt jetzt auch auf Porsche über. Nachdem Mercedes vor Kurzem seinen CLS Shooting Brake vorgestellt hat, der Ende des Jahres auf den Markt kommt, wollen auch die Zuffenhausener in dieses Segment vorstoßen und auf der Plattform des Panamera einen Kombi auf die Räder stellen.

Mercedes will sich ab Herbst 2012 mit dem CLS in der Nische etablieren.
Mercedes will sich ab Herbst 2012 mit dem CLS in der Nische etablieren.

Der "Shooting Brake" genannte Oberklasse-Kombi soll als Studie schon auf dem diesjährigen Pariser Autosalon (29. September bis 14. Oktober) vorgestellt werden. Fallen die Reaktionen des Publikums positiv aus, überlegt sich Porsche, beim nächsten Modellwechsel des Panamera ab 2015 die noble Kombivariante anzubieten, um die Nische eines sportlichen Luxus-Transporters zu besetzen.

Der wichtigste Markt ist neben dem US-amerikanischen für den Porsche Panamera inzwischen der asiatische. Dort sind Kombis aber normalerweise überhaupt nicht gefragt. Allerdings scheinen die Hersteller den Edelkombis gerade in den finanzkräftigen Märkten eine große Zukunft zu prophezeien.

Shooting Brake im Rennmodus

Ferrari hat mit dem FF bereits einen Shooting Brake auf der Strecke.
Ferrari hat mit dem FF bereits einen Shooting Brake auf der Strecke.

Insofern scheint es nicht verwunderlich, dass auch der Sportwagenhersteller McLaren derzeit einen Kombi entwickelt. Der MP4-12C Shooting Brake soll schon Ende des Jahres zu den Händlern rollen und von einem 3,8-Liter-V8 mit fast 600 PS angetrieben werden. Der eher als Sportwagen denn als Kombi gedachte Brite rennt damit 330 km/h schnell – schneller Transportieren geht dann kaum noch.

Es sei denn, man entscheidet sich für den bereits seit 2011 auf dem Markt befindlichen Ferrai FF. Mit dem 260.000 Euro teuren Boliden ist Ferrari noch vor allen anderen Premiumherstellern auf den Shooting-Brake-Zug aufgesprungen. Der 6,3-Liter-V12 leistet 660 PS und glänzt mit einer unglaublichen Klangkulisse. Zudem ist er schneller als der avisierte McLaren. Bei genau 335 km/h regelt die Elektronik automatisch ab.

Es geht auch preiswerter

Jaguar kommt mit dem XF Sportbrake um die Ecke.
Jaguar kommt mit dem XF Sportbrake um die Ecke.

Auch Jaguar hat seit einiger Zeit eingefahrene Wege verlassen und setzt auf einen Kombi. Die Briten nennen ihn allerdings Sportbrake. Für die englische Edelmarke ist es der zweite Versuch für einen praktischen Kombi mit Premium-Flair. Der XF Sportbrake ist dabei aber deutlich günstiger als die oben aufgeführten Familien-Flitzer und dürfte somit eher im Revier von BMW 5er Touring und Audi A6 Avant wildern. Ab Herbst soll der Sportbreak zu Preisen ab 48.000 Euro auf den Markt kommen. Jaguar setzt hier aber ausschließlich auf den europäischen Markt. Die Bandbreite der Antriebe reicht vom 2,2-Liter-Vierzylinder mit 190 PS bis zum 3,0-Liter-V6-Aggregat mit 240 PS beziehungsweise 275 PS.

Auch die Franzosen haben die Zeichen der Zeit erkannt und nehmen erneut Anlauf, um in das automobile Oberhaus vorzustoßen. Ab 2014 soll der 608 mit dynamischen Shooting-Brake-Heck gegen die klassischen Business-Kombis von Audi, BMW und Mercedes antreten. Vorbild für den fast fünf Meter langen Fünftürer ist die Studie HX1. Neben einer Palette von Dieselmotoren soll es auch einen Dieselhybrid mit satten 299 PS und Allradantrieb geben, wie man ihn bereits aus dem 508 RXH kennt.

Die Studie HX 1 dient als Grundlage für Peugeots Shooting Brake.
Die Studie HX 1 dient als Grundlage für Peugeots Shooting Brake.

Der 608 wird die Nachfolge der klassischen Stufenhecklimousine 607 antreten, die sich zumindest in Deutschland nie gegen die einheimische Konkurrenz durchsetzen konnte. Allerdings ist, wenn die Franzosen in die Nische vorstoßen, hier schon Betrieb. Der Mercedes CLS hat dann bereits mehr als ein Jahr Vorsprung.

Mercedes hat die Nase vorn

Und die Stuttgarter dürften sich kaum die Butter vom Brot nehmen lassen. Für den artgerechten Vortrieb stehen zwei Diesel und zwei Benziner zur Verfügung. Als Basisaggregat fungiert der 250 CDI, der aus 2,1 Litern Hubraum204 PS und schöpft. Mit einem Normverbrauch von 5,3 Litern ist er der Sparmeister der Baureihe. Als Einziger begnügt er sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h. Alle anderen Motoren beschleunigen den Shooting Brake bis auf die üblichen 250 km/h. Der zweite Diesel im Angebot ist der CLS 350 CDI mit 265 PS.

Während die europäischen Kunden die Diesel bevorzugen werden, dürfte der Rest der Welt sich an den beiden Direkteinspritzern der Ottofront erfreuen. Der Sechszylinder CLS 350 schöpft aus 3,5 Litern Hubraum 306 PS. Die vorläufige Spitzenmotorisierung stellt der 4,6-Liter V8 im CLS 500 dar. Seine 408 PS sorgen für Fahrleistungen, die auf dem Niveau eines Sportwagen liegen. So beschleunigt er den Luxusliner in 5,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Sowohl den Achtzylinder als auch den stärkeren Diesel bietet Mercedes optional mit Allradantrieb an. Die Luft wird also auch in der Nische für die Mitbewerber dünn.

Die Idee ist nicht neu

Der Ur-Vater der Shooting Brakes ist der Volvo 1800 ES.
Der Ur-Vater der Shooting Brakes ist der Volvo 1800 ES.

Allerdings ist der Trend zum Shooting Brake gar nicht so neu, wie es scheinen mag. Bereits im England der 60er Jahre war die Gattung sehr beliebt. Es gab Shooting Brakes wie den Reliant Scimitar und den nur in Kleinserie gebauten Aston Martin DB5. Wobei der Begriff "Shooting" tatsächlich an die Jagd angelehnt ist, "Brake" oder "Break" aber in Frankreich für "Kombi" steht. Doch diese Wagen galten mitnichten als Familientransporter. Vielmehr sollten sie ausreichend Platz für die Jagdausrüstung und die Golfbags bieten.

Neu geprägt wurde der Begriff Shooting Brake erst mit dem auch als "Schneewittchensarg" bekannten Volvo P 1800 ES. Ab der B-Säule bestimmte lichte Glasarchitektur das gestreckte und flache Kombiheck, das den vielseitigen Volvo schon im Stand schnell aussehen ließ, zumal die scheinbar endlos lange Motorhaube einen Sportmotor mit viel Leistung versprach.

Hervorgegangen war das endgültige Design des 1800 ES aus italienischen Prototypen. Zunächst entstand 1967 im Studio Technico von Pietra Frua ein origineller, zu kühner Entwurf. Erkennungszeichen des 2+2-sitzigen 1800 ES, der von Jan Wilsgaard nur in Details modifiziert wurde, war die rahmenlose Heckscheibe, die bis weit unter die Gürtellinie reichte und freie Sicht auf das Gepäck zuließ. Das heute übliche Gepäckrollo gab es nicht einmal gegen Aufpreis.

Den Erfolg des 1800 ES konnten solche Kleinigkeiten ebenso wenig einbremsen wie extrem hohe Verkaufspreise, die im Vergleich damals sogar einen Porsche 911 T als Sonderangebot darstellten. Über 26.000 Mark verlangte Volvo zuletzt für den 1800 ES, fast 3000 Mark mehr, als Porsche den 911-Käufern in Rechnung stellte. Dennoch konnten über 8000 Kombi-Coupés verkauft werden, die meisten in die USA. Beerdigt wurde der Schneewittchensarg nach nur zwei Sommern, neue US-Sicherheitsvorschriften forderten 1973 hohe Nachrüstinvestitionen, die Volvo nicht mehr bezahlen wollte.

Quelle: n-tv.de

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