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In wenigen Jahren sind Elektroautos preiswerter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sagt Gernot Lobenberg voraus.
In wenigen Jahren sind Elektroautos preiswerter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sagt Gernot Lobenberg voraus.(Foto: picture alliance / dpa)

Spritpreis auf Talfahrt: Sind Elektroautos jetzt überflüssig?

Der niedrige Ölpreis macht den Herstellern von Elektroautos zu schaffen. Dennoch investiert selbst das klamme Berlin in neue Ladesäulen. Denn die Spritpreise werden wieder steigen, sagt der Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität, Gernot Lobenberg.

n-tv.de: Der Ölpreis ist derzeit so niedrig, dass viele Autofahrer beim Tanken richtig gute Laune bekommen. Ist Elektromobilität damit Schnee von gestern?

Gernot Lobenberg ist Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die 2010 vom Land Berlin gegründet wurde.
Gernot Lobenberg ist Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die 2010 vom Land Berlin gegründet wurde.(Foto: eMO)

Gernot Lobenberg: Elektromobilität ist alles andere als Schnee von gestern. Elektromobilität ist und bleibt die Mobilität der Zukunft. Es stimmt, der Ölpreis kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. Für den Markt im Bereich der Elektromobilität ist das derzeit kein günstiges Umfeld. Allerdings werden Benzin und Diesel mittel- und langfristig wieder deutlich teurer werden. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Aber werden Elektroautos jemals beim Preis konkurrenzfähig sein?

Das teuerste am Elektroauto sind die Batterien. Seit einigen Jahren fällt deren Preis pro Kilowattstunde, und er wird auch weiter deutlich sinken. Dafür sorgen zum einen die produzierten Stückzahlen an Elektroautos, aber auch die intensive Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. In Deutschland rechnen wir damit, dass Elektroautos etwa im Jahre 2018 in ihren Gesamtkosten von Anschaffung und Betrieb preiswerter sein werden als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Vielleicht dauert es durch den günstigen Ölpreis jetzt bis 2020, aber auch das sind nur noch fünf Jahre.

Neben dem hohen Preis sind die gängigsten Vorurteile gegen Elektroautos geringe Reichweite und fehlende Lademöglichkeiten.

Ladezeiten und Reichweite sind in der Praxis in aller Regel kein Problem, das zeigen alle Projekte. In Deutschland geht eine durchschnittliche Autofahrt über eine Distanz von 40 Kilometern, bleibt also weit unter der Reichweite eines Elektroautos. Aufgeladen werden die Fahrzeuge meist nachts oder während der Arbeitszeit. Gleichzeitig werden die Reichweiten der Fahrzeuge immer größer und es gibt immer mehr Schnelllademöglichkeiten auch an Autobahnen. Die meisten Fahrzeuge können heute schon gesichert über 150 Kilometer mit einer Ladung fahren. Das geht bis zu 500. Das Schnellladen dauert in der Regel weniger als eine halbe Stunde.

In Berlin und Brandenburg gibt es 1800 Elektroautos - lohnt sich das Aufstellen von Ladesäulen da überhaupt?

Strom-Zapfsäule in Berlin. 500 gibt es in der Hauptstadt bereits.
Strom-Zapfsäule in Berlin. 500 gibt es in der Hauptstadt bereits.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Berlin ist ein zentrales Projekt im Internationalen Schaufenster Berlin-Brandenburg, das von der Bundesregierung und den beiden Ländern finanziert und von der eMO koordiniert wird. Berlin ist neue Wege bei der Vergabe und beim Geschäftsmodell für öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur gegangen und wird auch technisch neue Maßstäbe setzen. Im ersten Schritt kommen bis Mitte nächsten Jahres über 400 Ladepunkte zu den bereits bestehenden rund 500 dazu. Diese Ladeinfrastruktur ist eine Investition in die Zukunft - ohne den Ausbau öffentlich zugänglicher Ladesäulen wird es keinen Ausbau von Elektromobilität geben. Der ist aber unerlässlich, denn in wenigen Jahrzehnten werden Verbrennungsmotoren im Bereich des Individualverkehrs eine immer geringere Rolle spielen. Das sehen wir allein schon an den stark zunehmenden sogenannten Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen, also Fahrzeugen, die man mit dem Stromnetz verbinden kann.

Im Strategiepapier der Hauptstadtregion steht, dass Berlin-Brandenburg zum internationalen Vorbild der Elektromobilität werden soll. Hat das arme und hochverschuldete Berlin nicht andere Probleme?

Andere Probleme gibt es immer - die Frage muss doch sein, ob eine Maßnahme eine sinnvolle Investition in die Zukunft ist. Und das ist Elektromobilität mit Sicherheit: Sie ist einerseits Teil der Energiewende und wird einen deutlichen Anteil an der Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen müssen. Andererseits ist sie eine Chance für die Wertschöpfung und damit für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Den Zug sollten wir hier in Deutschland und eben auch in der Hauptstadtregion auf keinen Fall verpassen.

Die deutsche Automobilindustrie hatte lange den Ruf, den Trend zur Elektromobilität zu verschlafen. Hat Deutschland hier aufgeholt?

Hier müssen wir zwischen Leitmarkt und Leitanbieter unterscheiden. Als Leitanbieter hat die deutsche Automobilindustrie im vergangenen Jahr geradezu Maßstäbe gesetzt. Alle großen Marken haben teilweise mehrere Modelle auf den Markt gebracht. Und das erwartungsgemäß mit dem typisch deutschen Marken- und Qualitätsbewusstsein. Als Leitmarkt haben wir im Vergleich zu anderen Ländern sicherlich noch aufzuholen. Dabei muss man aber auch sehen, dass in anderen Ländern teilweise kräftig mit Kaufprämien nachgeholfen wurde. Wir gehen davon aus, dass mit der Sonderabschreibung für gewerbliche Elektrofahrzeuge, die für dieses Jahr geplant ist, eine deutliche Steigerung der Absatzzahlen zu verzeichnen sein wird.

Sorgt der niedrige Ölpreis dafür, dass solche Bemühungen nachlassen?

Nein, im Gegenteil. In Europa müssen die Fahrzeughersteller bis 2021 die Grenze von 95g Co2/km im Flottendurchschnitte einhalten, sonst drohen hohe Strafzahlungen. Aufgrund des geringen Ölpreises werden jetzt aber immer mehr große Spritschlucker und CO2-Schleudern wie SUVs verkauft. Das heißt, der Druck wächst, mit einem Zuwachs an emissionsfreien Elektrofahrzeugen gegenzusteuern. Wir werden in den nächsten Jahren also auch von dieser Seite Preissenkungen und Marketingkampagnen bei der Elektromobilität sehen.

Mit Gernot Lobenberg sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

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