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Deutlich verfeinert präsentiert sich der Škoda Rapid Spaceback jetzt unter anderen mit LED-Tagfahrlicht.
Deutlich verfeinert präsentiert sich der Škoda Rapid Spaceback jetzt unter anderen mit LED-Tagfahrlicht.(Foto: Holger Preiss)

Kann er jetzt den Golf jagen?: Škoda wertet den Rapid auf

Von Holger Preiss

Škoda hat dem Rapid eine Frischzellenkur angedeihen lassen. Retuschen an der Außenhaut, neue Motoren, feineres Interieur und natürlich Simply-Clever-Beigaben sollen den Kompakten auch hierzulande erfolgreich machen.

So richtig verstanden hat den Škoda Rapid bis heute keiner. Als er 2012 auf den Markt kam, schien es, als wolle er die tschechische Antwort auf den Golf sein. Mit 4,30 Meter passte er sich als Spaceback auch ganz hervorragend in die Sparte der Kompakten ein, hatte mit 415 Litern Kofferraum sogar mehr Ladevolumen als der Primus aus Wolfsburg zu bieten. Und auch preislich hoffte man mit 15.590 Euro die Käufer locken zu können.

Schwarz getönte Heckleuchten sollen dem Skoda Rapid auch am Heck eine sportliche Note geben.
Schwarz getönte Heckleuchten sollen dem Skoda Rapid auch am Heck eine sportliche Note geben.(Foto: Holger Preiss)

Irgendwie erfüllte sich dieser Wunsch aber nicht. Schließlich hatten die Tschechen eine Etage höher bereits den Octavia zu einem Bestseller und Spitzenmodell gemacht. Liebevoller hergerichtet und mit einem unglaublichen Platzangebot war der Kompakte am Ende auch kaum 2000 Euro teurer als der Rapid. Wer es dennoch etwas kleiner haben wollte, der hatte schnell den Fabia aus dem Hause Škoda auf der Liste.

Dennoch ist der Rapid weltweit gesehen alles andere als ein Rohrkrepierer. Immerhin wurden in vier Jahren 800.000 Stück des Kompakten verkauft. Als Limousine erfreut er sich besonders in Indien und in China größter Beliebtheit. Der Anteil, den Deutschland hier hält, wirkt dabei etwas kleinteilig. Lediglich 68.000 Einheiten des Rapid wurden hierzulande seit seiner Markteinführung verkauft, wobei 95 Prozent Fließheckvarianten in Form des Spaceback waren.

Im Detail viel Neues

Vielleicht ändert sich das ja mit der Aufwertung, die der Rapid jetzt durch das Facelift erfahren hat. Das beinhaltet neben äußerlichen Retuschen auch neue Motoren und aufwändige konnektive Angebote. Zum ersten Punkt gehören eine optisch verbreiterte Front und Chromspangen, die die Nebelscheinwerfer verbinden. Um der Heckpartie einen Hauch mehr Sportlichkeit zu geben, wurden die Deckgläser der Rückleuchten schwarz eingefärbt. Allerdings sind das alles Änderungen, die schon nach einem zweiten Blick verlangen.

Wesentlich schicker als beim Vorgänger präsentiert sich im Skoda Rapid der Innenraum. Wenngleich auf Hartplastik nicht verzichtet wurde.
Wesentlich schicker als beim Vorgänger präsentiert sich im Skoda Rapid der Innenraum. Wenngleich auf Hartplastik nicht verzichtet wurde.(Foto: Holger Preiss)

Auffälliger sind die Aufwertungen im Innenraum. Da zieren feine Chromleisten die Rahmen der Luftauslässe und die Intarsie auf der Beifahrerseite erfreut das Auge mit einem eleganten Schwung, der dem gesamten Dashboard etwas Wertiges gibt. Aber auch die Bedienelemente der manuellen Klimaanlage wurden neu gestaltet. Alt hingegen bleiben die verwendeten Materialien. Der Rapid setzt auf Hartplastik und verzichtet vollständig auf die weich geschäumte Variante, die zum Beispiel im Octavia benutzt wird. Das fällt optisch eigentlich gar nicht ins Gewicht und wird nur spürbar, wenn die Finger über die Armatur tanzen.

Das sollte aber nur recht selten passieren, denn der Fahrer hat im besten Fall ein Dreispeichenlenkrad in den Händen und blickt auf die ebenfalls neu gestalteten Rundinstrumente. Zudem könnte der Blick von dem 6,2 Zoll großen Touchscreen gefesselt werden, der als zentrale Bedieneinheit für das Škoda Surroundsystem, die Bloototh-Freisprecheinrichtung oder das gespiegelte Smartphone dient und im gelifteten Rapid die Mittelkonsole ziert. Immer vorausgesetzt, der Kunde hat bei der Konfiguration des Wagens in der Optionsliste den Haken an der richtigen Stelle gesetzt und sich nicht für die Einstiegslinie Active entschieden. Was für dieses praktische und durchaus schicke Infotainmentsystem bezahlt werden muss, hat Skoda noch nicht verraten. Ganz billig dürfte es aber nicht sein.

Nur für Puristen?

Die sportlichen Integralsitze für den Skoda Rapid gibt es natürlich nicht in der Grundausstattung.
Die sportlichen Integralsitze für den Skoda Rapid gibt es natürlich nicht in der Grundausstattung.(Foto: Holger Preiss)

Nun gibt es aber Puristen, die sagen, das Einzige, was sie von einem Auto wie dem Rapid verlangen, ist, dass er sich gut fährt. Wer diesen Anspruch hat, kann ab 15.790 Euro in die Basisvariante einsteigen. Muss also exakt 200 Euro mehr bezahlen als beim Vorgänger. Dafür gibt es jetzt anstelle des 1,2 Liter Vierzylinder Benziners einen knuffigen 1,0 Liter Dreizylinder mit 90 PS. Und der geht erstaunlich gut zu Werke. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Fahrer das Motörchen drehzahltechnisch bei Laune hält. Das maximale Drehmoment von 160 Newtonmetern liegt zwar bereits ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen an, reicht hier aber nicht für flotte Überholmanöver oder den schnellen Gang über die Bergkuppe.

Wirklich kernig arbeitet das Triebwerk, wenn die Nadel des Drehzahlmessers an der 3000 kratzt. Wer es ganz sportlich haben will, der kann die weit gespreizten Gänge auch mal bis an die 6000 ausfahren, danach kommt ohnehin der Begrenzer. Das alles lässt sich der Dreiender unter typischen Knurrgeräuschen klaglos gefallen. Der ambitionierte Fahrer kann seinen Rapid mit der Standardmotorisierung also in 11 Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigen und bis auf 184 km/h beschleunigen. Freilich dürfte dann die entspannte Geräuschkulisse in enervierend wechseln. Nicht nervig zeigte sich der Tester trotz flotter Bergfahrten im Taunus vom Verbrauch. Mit 7,5 Litern gab sich der Rapid in Anbetracht der Fahrweise doch sehr genügsam. Allerdings darf der im Datenblatt angegebene Durchschnittswert von 4,4 Litern Super auch bei sehr zurückhaltender Fahrweise in Zweifel gezogen werden.

Das Sportangebot

Wem der Dreizylinder als Triebwerk reizvoll scheint, die 90 PS aber zu murkelig sind, der kann eine Etage höher greifen und sich den auf 110 PS aufgebohrten Dreiender aus dem Regal ziehen. Der beschleunigt laut Datenblatt in 9,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und beschleunigt den Rapid bis auf 198 km/h. Der Sportler in der Familie bleibt aber der 1,4 TSI. Der Vierzylinder leistet 125 PS und erfreut dann besonders, wenn er an das wirklich ausgezeichnet arbeitende 7-Gang-DSG von Volkswagen gekoppelt ist. Geschmeidig rauschen hier die Schaltstufen durch die Gassen und Zögerlichkeiten, wie man sie von früher kennt, gibt es höchstens, wenn das Gaspedal aus langsamer Fahrt spontan Richtung Bodenblech bewegt wird.

Der Kofferraum des Skoda Rapid Spaceback fasst 415 Liter. Der Golf bringt es lediglich auf 390 Liter.
Der Kofferraum des Skoda Rapid Spaceback fasst 415 Liter. Der Golf bringt es lediglich auf 390 Liter.(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten überzeugt der Rapid in allen Leistungsstufen durch ein wunderbar ausgewogenes Fahrwerk und eine exakte Lenkung, die gute Rückmeldung bei flotten Kurvenfahrten gibt. Natürlich liegt das Topmodell mit 125 PS schon wegen des höheren Eigengewichts ein wenig satter auf der Straße und wirkt nicht ganz so flatterhaft im Heck. Der Standardsprint ist hier in 8,9 Sekunden abgeschlossen und wer will, bringt es in der Spitze auf 205 km/h. Letztlich handelt es sich aber weder bei den Drei- noch beim Vierzylinder um Rennmaschinen. Für alle drei Triebwerke gilt, dass sie sich im Alltagsverkehr problemlos bewegen lassen und durchaus auch für Langstreckenfahrten taugen. Erstaunlich übrigens auch, dass sich der 1,4 TSI auf der ersten Ausfahrt ebenfalls mit unter neun Litern begnügt hat. Natürlich gibt es für die Langstreckenfraktion im Rapid auch Dieseltriebwerke. Hier stehen ein Dreizylinder mit 90 PS und ein Vierzylinder mit 116 PS bereit.

Die Preisbremse

Wer jetzt euphorisch auf den großen Benziner mit Automatikgetriebe setzt, könnte beim Einstiegspreis schnell ausgebremst werden. Für den Vorgänger jedenfalls rief Škoda hier 21.290 Euro auf. Für das Geld präsentierte sich der Rapid hier aber schon in der zweiten Ausstattungslinie Ambition. Feature wie Bi-Xenon-Leuchten können übrigens erst ab dieser Ausstattung gebucht werden. Apropos Licht: Auf Wunsch verfügt der Rapid jetzt auch über einen Fernlichtassistent, der automatisch auf- und abblendet.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass man neben 19 weiteren praktischen Lösungen, die vom Regenschirm unter dem Beifahrersitz bis zum Eiskratzer im Tankdeckel reichen, für Fahrgäste im Fond extra zwei USB-Anschlüsse in die Mittelkonsole integriert hat. Das wird umso wichtiger, als dass der Rapid auf Wunsch als rollender Hotspot auch über WIFI verfügt. In den Škoda Connect-Diensten sind dann Verkehrsinformationen in Echtzeit abrufbar, es werden die Benzinpreise an den unterschiedlichen Tankstellen ausgewiesen und Parkplätze sowie das aktuelle Wetter und Nachrichten angezeigt. Über die Škoda App können dann natürlich auch ausgewählte Routen an das Navi geschickt und Fahrdaten überprüft werden.

In Summe ist der Rapid nach dem Facelift also ein Auto, das auf dem neuesten technischen Stand ist und durchaus mehr zu bieten hat als die Konkurrenz im gleichen Segment. Doch der ärgste Mitbewerber kommt wie gesagt gar nicht von außen, sondern findet sich mit dem Octavia im eigenen Haus.

Quelle: n-tv.de

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