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Für Aufmerksamkeit sorgt das BMW 420d Cabrio vor allem dann, wenn es offen gefahren wird.
Für Aufmerksamkeit sorgt das BMW 420d Cabrio vor allem dann, wenn es offen gefahren wird.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 21. Juli 2014

Für Singles mit Niveau: BMW 4er Cabrio - Offen gestanden schick

Von Holger Preiss

Als 3er hat das BMW Cabrio über Jahrzehnte die Herzen der Frischluftfans erobert. Jetzt steht es unter neuer Nomenklatur als 4er für die Open-Air-Gemeinde bereit. Allerdings zu einem höheren Preis. Fragt sich, ob der auch gerechtfertigt ist.

Fahren "oben ohne" ist in Deutschland seit Jahren ein ungebrochener Trend. Knapp 1,9 Millionen Cabrios sind hierzulande unterwegs. Insgesamt können die Kunden zwischen knapp 60 verschiedenen Open-Air-Modellen wählen. Eines, das in der Gunst der Frischluftanbeter ganz hoch im Kurs stand, war das BMW 3er Cabrio. Vor nicht ganz einem Jahr wechselten die Bayern die Nomenklatur und machten aus dem Nachfolger den 4er. In die geraden Zahlen stecken die Münchner jetzt ihre sportlichen und luftigen Varianten von Coupé und Cabrio.

Für Abtrieb sorgt auch die Spoilerlippe am Heck des 4er Cabrios.
Für Abtrieb sorgt auch die Spoilerlippe am Heck des 4er Cabrios.(Foto: Holger Preiss)

Ist ja eigentlich auch egal, denn an die Zahlenspiele hat sich der Kunde schnell gewöhnt. Auch an die Form, denn die ist beim 4er Cabrio im Vergleich mit seinem ungeraden Vorgänger nur sanft veredelt und geschärft worden. Um die Aerodynamik zu verbessern, wurden hinter die Radläufe der Vorderräder sogenannte Air Breather gesetzt. Sie sollen Luftverwirbelungen und damit den Luftwiderstand an den Vorderrädern reduzieren. Wie das 4er Coupé liegt auch das Cabrio einen Zentimeter tiefer und damit sportlicher auf der Straße als eine 3er Limousine.

Auch optisch gibt sich der 4er dynamischer, obwohl man beim Cabrio einen kleinen Abstrich machen muss. In der Seitenlinie läuft das Heck sehr weit und im Verhältnis zur schnell abfallenden Dachlinie weit aus. Das ist nur konsequent, denn unter dem hinteren Deckel soll schließlich das dreiteilige Metallklappdach verschwinden. Das macht es auch: Bis zu einer Geschwindigkeit von 18 km/h  - und das ist für ein Hardtop selten - hat es sich innerhalb von 20 Sekunden elektrisch verkrümelt. Wer jetzt noch einmal aussteigt und sich das 4er Cabrio in offenem Zustand ansieht, sollte von der Stimmigkeit der Proportionen begeistert sein. Die Schulterlinie steigt fast unmerklich nach hinten an, wird aber von der scharf gezeichneten Charakterlinie und den bumerangförmigen Air Breathern geschärft. Hinzu kommt die lange Motorhaube mit dem sanften Sturz in die BMW-Niere, die die Optik nach vorne angenehm dynamisiert.

Schnappatmung beim Preis - Jubel beim Verbrauch

Innerhalb von 20 Sekunden ist das Verdeck geöffnet oder geschlossen.
Innerhalb von 20 Sekunden ist das Verdeck geöffnet oder geschlossen.(Foto: Holger Preiss)

In jedem Fall darf sich der Pilot des 4er Cabrios, wenn er offen unterwegs ist, der Aufmerksamkeit vorbeieilender Passanten sicher sein. Während der Testfahrten fuhren die Köpfe an den Kreuzungen immer wieder herum. Andere beteuerten bei einem Halt, dass sie schon das 3er Cabrio  mochten. Allerdings fingen die Begeisterten an schwer zu atmen, wenn die Frage nach dem Preis beantwortet wurde. Um in den Genuss der freien Luftzufuhr in einem BMW 4er zu kommen, muss der geneigte Käufer, entscheidet er sich für die im Test genutzte Sparversion des 420d, mindestens 46.300 Euro bereithalten. Das sind 1200 Euro mehr als beim Vorgänger. Will er ein achtstufiges Sport-Automatikgetriebe mit dem 184 PS starken Vierzylinder-Diesel verbandeln, kommen noch einmal 2350 Euro dazu.

Allerdings ist das eine lohnenswerte Investition, die sportlich ambitionierten Fahrern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte. Denn ist der Fahrerlebnisschalter auf Sport gestellt, ziehen die Drehzahlen an und die Schaltvorgänge werden beim rasanten Tritt auf den Pin nahe 5000 Umdrehungen vollzogen. Wem das nicht reicht, der kann die Gangfolge über die Paddles flott selbst bestimmen. Die Übergänge vollziehen sich hier fast unmerklich. Anders ist es im Sparmodus, eben dann, wenn der Schalter auf Eco Pro gestellt wurde. Durch das deutlich untertourigem Fahren wird bei einem spontanen Leistungsabruf, zum Beispiel bei einem Überholvorgang, ein deutliches Ruckeln bei der Gangübernahme spürbar.

Wer nach hinten will, der muss sich ein wenig winden.
Wer nach hinten will, der muss sich ein wenig winden.(Foto: Holger Preiss)

Wer an solchen Stellen also spritzig voranstürmen möchte, der sollte kurz vor dem Kickdown den Kippschalter in der Mittelkonsole auf Sport legen. Dann ist auch die Wucht der 380 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterachse spürbar und der Sprint von null auf Tempo 100 in 8,2 Sekunden abgeschlossen. Wer den Bleifuß nicht mehr vom Pedal bekommt, darf sich am Ende auf 230 km/h freuen. Freuen wird sich der 420d-Fahrer auch über den Verbrauch. Wer den Sonnenanbeter forsch vorantreibt, hat am Ende im Schnitt 6,3 Liter Diesel verbrannt, was wirklich zu verschmerzen ist. Wenn man es aber gemütlich angehen lässt, dann sind es kaum mehr als 5,7 Liter.

Kurvenrausch und Wirbelwind

Auch geschlossen macht das 4er Cabrio keine schlechte Figur.
Auch geschlossen macht das 4er Cabrio keine schlechte Figur.(Foto: Holger Preiss)

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf das Fahrwerk. Auch hier haben die Bayern eine Schippe zum alten 3er draufgelegt. Das macht sich besonders in schnell gefahrenen Kurven bemerkbar. Die Karosserie-Steifigkeit hat sich deutlich verbessert. Kein Knarzen im Gebälk, selbst dann nicht, wenn ein 60er Auslauf mit Tempo 100 absolviert wird. Zwar spürt man kurz die Lust des BMW, zu übersteuern und einen Moment drängt das Hinterteil nach vorn, aber dank ESP und der ausgesprochen direkten BMW-Lenkung, die dem einen oder anderen zu spitz sein könnte, fängt man den offenen Bayern-Flitzer schnell wieder ein.

Forsche Geschwindigkeitsfahrten sollte sich der Cabrio-Pilot mit offenem Verdeck aber verkneifen, denn die Verwirbelungen zausen schon ganz schön an den Haaren der Passagiere. Vor allem die Gäste auf den hinteren Plätzen sind ab Tempo 120 nicht mehr wirklich entspannt. Wer hingegen zu zweit unterwegs ist, und das dürfte die häufigere Gangart in einem 4er Cabrio sein, der findet hinter der Lehne der Rückbank das Windschott. Manuell ist es selbst für eine Einzelperson innerhalb von 30 Sekunden installiert und verhindert ausgezeichnet, dass einem der Wind unangenehm in den Nacken fährt. Wobei man den mit einem Föhn in der Rückenlehne wärmen kann. Das Nackengebläse und das Windschott gibt es einzeln oder im Comfort Paket für 3150 Euro. Darin enthalten sind auch die Klimaautomatik, der automatisch abblendende Rückspiegel, die Lendenwirbelstütze für Fahrer und Beifahrer sowie die Park Distance Control.

Für Singles mit Zukunft

Wenn das Dach geschlossen ist, gibt es 370 Liter Kofferraumvolumen.
Wenn das Dach geschlossen ist, gibt es 370 Liter Kofferraumvolumen.(Foto: Holger Preiss)

Doch kommen wir noch mal zur Belegung des 4er Cabrios zurück. Im Vergleich zu seinem beliebten Vorgänger wuchs der Radstand um fünf Zentimeter. Das bringt auf den zwei hinteren Plätzen keinen verschwenderischen Platz, aber es macht auch längere Fahrten möglich, ohne größere Quengelei. Der Einstieg in die zweite Reihe bleibt sportlich. Vor allem, wenn das Hardtop geschlossen ist, bedarf es für die hinteren Plätze einer gewissen Gelenkigkeit. Aber eigentlich ist man bei einem Cabrio wie dem 4er nicht dazu angehalten, die Hütte richtig voll zu machen. Obwohl sich der Kofferraum bei geschlossenem Verdeck mit 370 Litern gar nicht so bescheiden gibt. Ist der Deckel offen, schrumpft das Volumen auf 220 Liter, die sich auf Grund des eingefalteten Daches nur über eine sehr schmale Öffnung befüllen lassen. Hier trifft dann der Spruch eines zehnjährigen Mitfahrers zu: "Das ist ein Auto für Singles mit Niveau." Und das lassen wir an dieser Stelle einfach mal stehen und ergänzen: "Mit Niveau und Aussicht auf mehr", denn Kinder lassen sich wider Erwarten erstaunlich gut im Fond platzieren. Für Skifahrer gibt es auch ein Durchladesystem, das sich ebenfalls im Comfort Paket versteckt oder für 200 Euro extra zugebucht werden muss.

Fazit: Die Lust an der bayrischen Frischluft hat ihren Preis. Für ein ordentlich ausgestattetes 4er Cabrio muss man satte 59.070 Euro hinblättern. Dafür gibt es aber auch einen etwas brabbeligen, aber sehr sparsamen Zweiliter-Diesel mit ausreichend sportlichen 184 PS. Da kann der dynamische Single die Geliebte standesgemäß auf Touren bringen. Und tatsächlich reicht der Platz jetzt auch in einem 4er Cabrio, wenn die beiden Pläne für die Zukunft schmieden sollten. Ältere Oben-Ohne-Freunde können selbstredend auch die Enkel in der zweiten Reihe parken und ihnen bei gemütlicher Fahrt die Natur bei offenem Verdeck erklären.

DATENBLATTBMW 420d Cabrio
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,63 / 1,82 / 1,38 m
Leergewicht (DIN)1690 kg
Sitzplätze4
Ladevolumen370 / 220 Liter
MotorReihen-Vierzylinder Diesel mit Turboaufladung, 1995 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe
Systemleistung135 kW/184 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit228 km/h
max. Drehmoment380 Nm bei 1750 - 2750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,2 s
Normverbrauch kombiniert (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km5,7 / 4,3 / 4,8 l
Testverbrauch6,1 l
Tankinhalt57 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
127 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreis46.300 Euro
Preis des Testwagens59.070 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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