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Spaß muss sein: Mit Allradantrieb kann sich der Mokka sogar ins Watt der Nordsee wagen.
Spaß muss sein: Mit Allradantrieb kann sich der Mokka sogar ins Watt der Nordsee wagen.(Foto: Axel F. Busse)

Frischer Aufguss für SUV-Fans: Weckt ein Mokka Opel-Kunden?

Von Axel F. Busse

Wird dieser Mokka Opel wieder munter machen? Mit dem ersten sub-kompakten SUV auf dem deutschen Markt will der angeschlagene Hersteller zu neuen Horizonten rollen. Die Voraussetzungen scheinen gut: Schon mehr als 10.000 Kunden haben sich einen Mokka bestellt, obwohl er erst jetzt seine Markteinführung erlebt.

Die ansteigende Seitenlinie und die abgedunkelten Radläufe lassen das Auto höher wirken.
Die ansteigende Seitenlinie und die abgedunkelten Radläufe lassen das Auto höher wirken.(Foto: Axel F. Busse)

In Europa seien es sogar rund viermal so viele Vorbestellungen, sagt die deutsche Vertriebs-verantwortliche Imelda Labbé. Das sei "sehr motivierend". Aber die Motivation der Opel-Mitarbeiter allein verkauft keine Autos, die Produkte müssen die Kunden überzeugen und so kommt es für einen anhaltenden Erfolg des kleinen Sports-Utility-Vehicles auch darauf an, was die ersten Käufer über ihren Neuwagen berichten. Voraussichtlich hat Opel nur ein halbes Jahr Zeit, um einen Vorsprung herauszufahren, dann wird Chevrolet mit einem weitgehend baugleichen Schwestermodell namens Trax kommen.

Beide werden in Korea gefertigt, dort wo die einst von General Motors geschluckte koreanische Marke Daewoo ansässig war. Und in Rüsselheim hofft man inständig, dass es dem Mokka nicht so ergeht, wie dem größeren SUV-Bruder Antara, den der Chevrolet Captiva nicht nur in der deutschen Verkaufsstatistik abhängt. Der Mokka hat einen um 44 Millimeter längeren Radstand als ein Opel Corsa, ist 4,28 Meter lang und - obwohl es ihn natürlich mit Allradantrieb gibt - nicht unbedingt auf das Erklimmen steiler Felsen oder das Durchqueren schlammiger Furten ausgelegt. Der Mokka gilt per Definition als "Lifestyle-SUV", das bedeutet, die Insassen wollen schön hoch sitzen und in etwas herumfahren, was ein bisschen nach Geländewagen aussieht.

Klein, aber selbstbewusst

Die hohe Sitzposition macht das Fahren im Mokka entspannt.
Die hohe Sitzposition macht das Fahren im Mokka entspannt.(Foto: Axel F. Busse)

Nach Ansicht des verantwortlichen Designers Carsten Aengenheyster ist die Optik des Mokka "selbstbewusst, aber nicht aggressiv". Die charakteristische Chromspange mit dem Opel-Blitz ist ans obere Ende des Kühlergrills gerückt, die sichelförmigen Tagfahrlichter greifen das von Ampera oder Insignia bekannte Gestaltungselement auf. Radläufe und Seitenschweller sind abgedunkelt, was die Karosserie optisch noch etwas anhebt. Tatsächlich beträgt die Bodenfreiheit nicht ganz 16 Zentimeter. Die Heckklappe gibt Zugang zu einem mindestens 358 Liter großen Gepäckabteil, die Ladekante befindet sich in 70 Zentimetern Höhe. Durch Umlegen der Rücksitzlehnen sind bis zu 1372 Liter Ladevolumen erreichbar.

Für viele Menschen gehört ein Auto in Geländewagenoptik inzwischen ganz selbstverständlich zum Lebensstil, auch wenn sie einen Bürojob haben, statt in Forst und Feld der Wildhege nachzugehen. Sie sollen, so definiert Opel die ins Auge gefassten Kunden, vielen Freizeitaktivitäten frönen, worin das Auto als Mobilitäts- und Transporthilfe eingebunden ist. Die Kompakten und Sub-kompakten SUV schlagen in stetig steigender Zahl Kunden in ihren Bann, ihr Segment gehört trotz allgemein sinkenden Pkw-Absatzes nach wie vor zu den Wachstumsbereichen.

Er eröffnet in Deutschland das Teilsegment der sub-kompakten SUV: der Opel Mokka.
Er eröffnet in Deutschland das Teilsegment der sub-kompakten SUV: der Opel Mokka.

Der Mokka tritt mit einer Auswahl von zwei Benzin- und einem Dieselmotor an. Mit 115 PS stellt die frontgetriebene 1,6 Liter-Version die Basisversion dar, sie kostet 18.990 Euro. Das klingt günstig, wenngleich die Selection-Ausstattungslinie nicht gerade mit Luxus verwöhnt. Außer CD-Radio, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern hat sie nichts Nennenswertes zu bieten. Richtig interessant - für Kunden und für den Hersteller gleichermaßen - wird es erst, wenn ein solides Paket an Komfort- und Assistenzsystemen dazukommt. Der Fahrer wird entlastet und Opel verdient besser.

Automatik noch ohne Start-Stopp

Der zweite Benziner ist ein aufgeladener 1,4-Liter-Motor, der 140 PS leistet. Statt mit fünf wird er mit sechs Gängen geschaltet und hat Allradantrieb. Von Haus aus bringt er die höherwertige Ausstattungslinie "Edition" mit und kostet daher auch schon 23.790 Euro. Für sie ist dann auch vielfältige Zusatzausstattung bestellbar. Vergleichsweise preiswert ist das fest eingebaute CD 600 Navigationssystem mit Bluetooth und USB-Schnittstelle, das für 700 Euro Aufpreis geliefert wird. Wer Kollisionswarner, Spurassistent und Verkehrsschild-Erkennung haben möchte, legt noch einmal die gleiche Summe drauf.

Dritter im Bunde ist ein wahrer Methusalem aus dem Motorenregal, ein 1,7-Liter-Diesel, dem im Mokka 130 PS abverlangt werden. Auch er hat eine Sechsgang-Handschaltung, eine Start-Stopp-Automatik wie die beiden anderen und kann für 1300 zusätzliche Euro auch mit einer Sechsgang-Automatik bestellt werden. Der günstigste Diesel kostet 23.380 Euro, in der Top-Ausstattung sind für den Selbstzünder 26.820 Euro fällig, worin dann auch die 6-Stufen-Automatik, aber kein Start-Stopp enthalten sind.

Die erste Testfahrt im norddeutschen Flachland verlief topografiebedingt entspannt. Der 1,4-Liter-Turbo zeigte sich leistungswillig, aber auch so drehfreudig, dass der werksseitig ermittelte Verbrauchswert von 6,4 Litern je 100 km schon bald außer Reichweite geriet. Am Zielort nannte der Bordcomputer dann 8,6 Liter, was ohne zuvor begangene notorische Raserei schon etwas "über den Durst" ist. Abweichungen von ein bis 1,5 Liter gelten in der Praxis bekanntlich als normal und hinnehmbar, das Mokka-Benzin-Gemisch zeigte sich hier von seiner kostspieligen Seite. Der Diesel war auf der Rückfahrt im gleichen Geländeprofil und Temposchnitt mit 5,7 Liter deutlich näher am Soll (4,9 Liter).

Privatkunden im Visier

Für den Verbrauchsvorteil muss man beim Diesel eine etwas rauere Akustik in Kauf nehmen. Insbesondere Drehzahlen zwischen 3000 und 4000 Touren quittiert der Selbstzünder mit Lautstärke. Die ist beim Benziner nicht so ausgeprägt, jedoch ist auch dem Ottomotor die Anstrengung anzuhören, wenn das rund 1600 Kilo schwere Auto nach dem Zurückschalten von 80 auf 120 km/h beschleunigt werden soll. An Geräumigkeit und Bedienbarkeit ließ das Auto keine Wünsche offen, selbst in der zweiten Reihe hat man dank des hohen Dachs kein eingeschränktes Raumgefühl.

Die mit Tasten reich bestückte Mittelkonsole entspricht der bekannten Architektur, und offenbar nimmt die Kritik daran nicht ab. Opel sieht jedenfalls weiterhin Anlass, den Aufbau zu verteidigen und verweist auf eine vergleichende Untersuchung des Auto Club Europa (ACE). Danach hätten Kunden die Opel-Konsole für praxisfreundlicher eingestuft als die von Konkurrenz-Autos. Wieso bei Opel aber beispielsweise drei Tasten mit der Aufschrift "Nav" zur Auswahl stehen, ist damit noch nicht erklärt.

Der Hersteller vertraut darauf, dass vor allem Privatkunden sich für den Mokka entscheiden werden. Sein zweifellos ansprechendes Äußeres soll die Wettbewerber vom Schlage eines Skoda Yeti, Mini Countryman oder Nissan Juke aus dem Feld schlagen. Jeweils 45 Prozent Baureihenanteil werden dem 1,4-Liter-Benziner und dem Diesel zugetraut. Rund 60 Prozent der Kunden werden sich voraussichtlich für die Variante mit Frontantrieb entscheiden.

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Quelle: n-tv.de

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