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In der Seitenansicht wirkt der kompakte Mini-Van B-Max von Ford schnittig.
In der Seitenansicht wirkt der kompakte Mini-Van B-Max von Ford schnittig.(Foto: Holger Preiss)

Ford B-Max: Traum vom Raum: Kraftzwerg mit Durchreiche

Von Holger Preiss

Wer die Türen des Ford B-Max öffnet, erlebt den freien Einstieg für alle. Öffnet man die Motorhaube, überrascht das winzige Kraftwerk und hebt sich die Heckklappe, erstaunt der kleine Kofferraum. Doch wie spielt das alles in der Summe bei einem Praxistest des Mini-Vans zusammen?

Der Dreizylinder ist klein, aber zeigt sich mit 120 PS sehr potent.
Der Dreizylinder ist klein, aber zeigt sich mit 120 PS sehr potent.(Foto: Holger Preiss)

Der kleinste Motor, den Ford in seinem Portfolio hat, ist der 1,0-Liter-EcoBoost. Er ist im Augenblick die entscheidende Ansage in puncto Downsizing. Das fand auch die Fachwelt und überhäufte das Minitriebwerk nur so mit Preisen. "Dieser Motor ist eine technische Revolution", war der Tenor und gleich mehrere Experten-Auszeichnungen gingen dafür an Ford: "Internationaler Motor des Jahres 2012", "Bester neuer Motor" und "Bester Motor bis 1,0 Liter Hubraum" sowie das Prädikat "Bemerkenswert".

Das allein sollte genügen, um den geneigten Autofreunden verständlich zu machen, dass dieses Triebwerk einzigartig ist. Doch der Mensch ist ein Zweifler, und solange er nicht selbst ein solches Maschinchen mit dem Gaspedal zum Leben erwecken durfte, glaubt er nur die Hälfte. Aber liebe Zweifler, zu denen auch der Autor gehört, dieser Motor hat es tatsächlich in sich. Ausgebaut und auf den Tisch gelegt, bedeckt die Grundfläche lediglich ein DIN-A4-Blatt.  Nein, während des Tests des Ford B-Max wurde das Triebwerk nicht aus seinem vorgeschriebenen Platz entfernt. Dafür fanden aber Diebe über Nacht großes Interesse an den Radzierblenden des Fords und ließen einfach mal den kompletten Satz mitgehen. Allerdings ist das eine andere Geschichte und ein Votum für Leichtmetallfelgen.

Die Schiebetüren ermöglichen den uneingeschränkten Zustieg auf die hinteren Plätze.
Die Schiebetüren ermöglichen den uneingeschränkten Zustieg auf die hinteren Plätze.(Foto: Holger Preiss)

Zurück zum Motor. Der leistet im Testwagen trotz seiner Miniaturausführung satte 120 PS, die bei 6000 U/min anliegen. Bereits ab 1400 Umdrehungen werden 200 Newtonmeter an die Vorderachse weitergereicht. Ganze 11,2 Sekunden benötigt der  Mini-Van, um Tempo 100 zu erreichen. Jetzt könnte man annehmen, dass auf Grund des kleinen Antriebsaggregats der Gipfel der Geschwindigkeit nicht mehr weit ist. Aber denkste! Erst bei 190 km/h hat der Ford seinen Lauf beendet und das ist wirklich beachtlich. Ebenfalls überraschend ist, dass die Laufkultur des Dreizylinders nah an einen Vierzylinder heranreicht.

Unter 2000 Umdrehungen, wenn mit leichter Hand die Gänge eingelegt werden, bleibt der B-Max fast unhörbar. Lässt aber auch bei der spontanen Kraftentwicklung zu wünschen übrig. Treibt man die Drehzahlen aber ordentlich hoch, wird der Zwerg unter der Motorhaube zu einem wahren Brummbären. Erst im fünften Gang, und das ist dann auch der letzte, den es im Vorwärtslauf einzulegen gilt, beruhigt er sich und zeigt bis zur Maximalgeschwindigkeit keine tonalen Anzeichen von Unmut mehr. Das alles geschieht bei einem erstaunlich geringen Verbrauch. Werkseitig mit 6,0 Liter Super für die Stadtfahrt angegeben, verbrauchte der getestete B-Max kaum mehr. Er begnügte sich mit 6,7 Litern, die vorrangig im Großstadtdschungel und auf der Autobahn zur Befeuerung des Ecoboost-Motors benötigt wurden. Einen Beitrag zum geringen Verbrauch dürfte auch die serienmäßige Start-Stopp-Automatik geleistet haben.

Platz ist immer Sache des Betrachters
Ohne B-Säule bietet sich dem Betrachter ein ungewohnter Einblick in den Innenraum.
Ohne B-Säule bietet sich dem Betrachter ein ungewohnter Einblick in den Innenraum.(Foto: Holger Preiss)

Auch keinen Grund zur Klage gibt es bei der für den B-Max innovativen Lösung des Einstiegs. Die B-Säule haben die Kölner einfach weggelassen und so kann man sich vorzüglich in die ausgesprochen angenehm geformten Sitzpolster in der Ausstattungslinie Titanium fallenlassen. Vor allen den Fondpassagieren kommt die fehlende B-Säule zugute. Aber auch Freunden der voluminösen Zuladung spielt dieser Umstand in die Hände. Wenn nämlich die Rückbank, als auch die Lehne des Beifahrersitzes, nach vorne geklappt sind, entsteht eine bonfortionöse Ladefläche, die sich dank der fehlenden B-Säule und der hinteren Schiebetüren auch mit sperrigem Gut hervorragend beladen lässt.

Der Clou ist ein Hohlspiegel im Dachhimmel, über den sich die Rasselbande im Fond beobachten lässt.
Der Clou ist ein Hohlspiegel im Dachhimmel, über den sich die Rasselbande im Fond beobachten lässt.

Nicht für üppiges Ladegut ausgelegt ist hingegen der Kofferraum. Mit 304 Litern fällt der sogar extrem klein aus. Der doppelte Ladeboden in der Testwagenausstattung Titanium sorgt zwar für Ordnung, verringert das Volumen aber noch einmal. Selbst für einen Mini-Van ist das entschieden zu wenig, selbst wenn sich das Volumen bei vorgeschobener Lehne der Rückbank auf 318 Liter erweitern lässt. Denn geht man von einer normalen Familienbesatzung von drei bis vier Passagieren aus, reicht der Platz hinter der Heckklappe wirklich nur für das Allernötigste.

Dafür finden die Reisenden auf allen Sitzen reichlich Platz. Die angenehme Formung des Gestühls wurde schon erwähnt. In der zweiten Reihe könnten Reisende über 1,85 Meter allerdings Probleme mit der Kopffreiheit bekommen, da die Dachlinie des B-Max zugunsten eines dynamischen Äußeren ein wenig abfällt. Aber vielleicht ist dieser Umstand kein wirkliches Manko, denn der Van ist doch eher ein Familien-Fahrzeug und nicht so sehr für den Transport einer Fußballmannschaft ausgelegt.

Offener Blick und Rehsprung

Mit 304 Litern ist das Gepäckabteil selbst für einen Mini-Van sehr klein geraten.
Mit 304 Litern ist das Gepäckabteil selbst für einen Mini-Van sehr klein geraten.(Foto: Holger Preiss)

Wer allerdings Kinder im Fond transportiert, darf sich freuen. Denn die Rückseite der Vordersitze, eben jener neuralgische Bereich, an dem die lieben Kleinen gerne ihre Schuhe abwetzen, ist aus Plastik. Schmutz lässt sich mit einem feuchten Tuch also behände abwischen. Die nicht so hohe Schulterlinie des B-Max ermöglicht den kleinen Geistern auch einen guten Blick nach draußen. Ganz wichtig, wenn man "Rotes Auto klatsch" spielen möchte. Wer will, kann sich und den Kindern für 650 Euro auch ein Panoramadach gönnen. Das ermöglicht dann den verträumten Blick in den Himmel und könnte ab und an von dem etwas zu straffen Fahrwerk ablenken.

Für 650 Euro zusätzlich gibt es ein Panoramadach und damit den freien Blick in den Himmel.
Für 650 Euro zusätzlich gibt es ein Panoramadach und damit den freien Blick in den Himmel.(Foto: Holger Preiss)

Ford scheint hier etwas viel des Guten gewollt zu haben. Für einen Sportler reichen die Gene nicht. Dafür ist der Radstand zu eng und der Van an sich zu hoch. Das führt dazu, dass zum einen die Bodenbeschaffenheit bei der Fahrt deutlich an die Insassen durchgereicht wird, zum anderen neigt sich der B-Max bei schneller Kurvenfahrt stark zur Seite. Das ist nicht weiter schlimm, macht sich nur im Zusammenspiel mit schlechten Straßen unangenehm bemerkbar. Jetzt fängt der Ford nämlich an zu hüpfen wie ein junges Reh. Wer das ausprobieren möchte, sollte darauf achten, dass die Polizei nicht in der Nähe und Kinder nicht an Bord sind. Denn eine derartige Kurvenhatz entspricht nicht den Normen im öffentlichen Verkehr und wurde hier nur versucht, um die Extrembelastung des Fahrzeuges zu testen.

Helferlein und Knarzfaktor

Im Innenraum hat sich Ford beim B-Max Mühe gegeben. Die Armatur ist aus weich geschäumter Plastik. Die Bedienelemente an der Mittelkonsole sind in Klavierlackoptik gerahmt und das Lenkrad ist in der Ausstattungslinie Titanium mit Leder ummantelt. Auch die Türinnenverkleidungen wirken nicht billig, obwohl hier Hartplastik verwendet wurde. Allerdings gibt es das Problem, dass die Materialien in Armatur und Verkleidung bei Temperaturschwankungen, wie wir sie im Winter innen und außen haben, dazu neigt, bei Fahrten über Kopfsteinpflaster zu knarzen und zu knacken. Empfindliche Gemüter könnten das auf Dauer als unangenehm empfinden.

Schick, aber etwas knarzig war die Armatur des Testwagens.
Schick, aber etwas knarzig war die Armatur des Testwagens.(Foto: Holger Preiss)

Die Instrumente hingegen sind gut abzulesen und auch die etwas unübersichtliche und gewöhnungsbedürftige Flut an murkeligen Tasten und großen Drehreglern für die Bedienung von Radio, Multimediaeinheit und Klimaautomatik ist gut zu erreichen. Mit Hilfe der Ford SYNC lassen sich Telefongespräche über Bluetooth aufbauen und entgegennehmen. Per Sprachsteuerung lassen sich Kontakte auswählen oder die persönliche Musiksammlung vom Smartphone aktivieren. Wird bei einem Unfall ein Airbag (mit Ausnahme des Knie-Airbags) ausgelöst, setzt das System automatisch einen Notruf an die 112 ab. Immer vorausgesetzt, das Smartphone ist mit dem Fahrzeug gekoppelt. Abzulesen ist das alles auf dem Multifunktionsdisplay in der Mittelkonsole. Warum das aber nur "winzige" 4,2 Zoll in der Diagonale misst, wird wohl ein Geheimnis von Ford bleiben. Schmerzlich vermisste der Autor im B-Max ein Navigationssystem. Das gibt es bis dato noch gar nicht, soll aber ab Frühjahr 2013 in die Zusatzausstattungen aufgenommen werden.

Als wirklich nützlich erwies sich das Komfort-Paket III, das zwar mit 1000 Euro zusätzlich zu Buche schlägt, aber so hilfreiche und angenehme Funktionen wie ein Active City Stop zur Verhinderung von Auffahrunfällen, elektrisch einklappende Außenspiegel, einen schlüssellosen Zugang, eine beheizbare Frontscheibe und eine Einparkhilfe vorn und hinten beinhaltet. Wer das Ganze mit einer Rückfahrkamera kombinieren möchte, der muss noch einmal 270 Euro drauflegen. Letztlich bringt es der Testwagen mit allen zusätzlichen Features auf einen durchaus angemessenen Preis von 24.145 Euro.

Fazit: Der B-Max ist mit dem kleinen Dreizylinder und 120 PS, seiner kompakten Maße und dank seiner fehlenden B-Säule ein praktischer Begleiter in allen Belangen des Alltags. Dank der bequemen Sitze, der Sparsamkeit und Laufkultur des Triebwerks, lassen sich auch längere Strecken problemlos bewältigen. Wer allerdings größere Urlaubsreisen bei voller Besatzung plant, der sollte sich Gedanken darüber machen, was er wirklich braucht und was dann doch lieber zu Hause bleiben sollte.

DATENBLATTFord B-Max 1,0 l EcoBoost
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,07/ 1,75/ 1,60 m
Radstand2,48 m
Leergewicht (DIN)1279 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen304 Liter/ 1386 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum1,0-Liter Dreizylinder mit Start-Stopp-System
Getriebe5-Gang-Schaltgetriebe                                                                                                                                                                                                                    
Leistung120PS (88 kW) bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit189 km/h
max. Drehmoment200 Nm bei 1400 U/min
Tankinhalt48 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,2 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,0/ 4,2/ 4,9
Testverbrauch6,7 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
114 g/km
Grundpreis20.350 Euro
Preis des Testwagens24.145 Euro

Quelle: n-tv.de

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