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Das rumänische Vielzweckauto mit dem japanischen Allradsystem gibt es in fünf Varianten.
Das rumänische Vielzweckauto mit dem japanischen Allradsystem gibt es in fünf Varianten.(Foto: Textfabrik/Busse)

Dacia Duster 1.6 16 V 4x4 : Schlank und schlicht in der Spur

von Axel F. Busse

Je komplizierter die Welt, desto größer wird die Sehnsucht nach dem Schlichten, Vertrauten, Ursprünglichen. Dacia-Autos können diese Sehnsucht stillen, braucht man sich bei ihnen doch nicht durch verschachtelte Menüs für elektronische Dämpferregelung oder Abstandstempomat zu clicken.

Auch auf festgefahrener Schneedecke hinterließ der Duster einen souveränen Eindruck.
Auch auf festgefahrener Schneedecke hinterließ der Duster einen souveränen Eindruck.(Foto: Textfabrik/Busse)

Ganz so einladend, wie die Werbung es verspricht, ist das Angebot für den Dacia Duster nun doch nicht. Den Duster gibt es zwar tatsächlich für 11.990 Euro, nur nicht mit Allradantrieb. Da kostet er mindestens 13.890 Euro. Doch das ist immer noch sehr preiswert. Zum Vergleich: Den Skoda Yeti, den viele für eine sparsame Alternative im 4x4-Segment halten, kostet in der günstigsten Allradvariante 22.950 Euro.

Wer also diese gut 9000 Euro sparen will, der muss statt Geld etwas anderes mitbringen: Die Bereitschaft zum Verzicht. Zum Beispiel darauf, dass es kein ESP für diese Motorisierung gibt oder Scheibenbremsen rundum, dass man Airbags für die hinten Sitzenden oder ein kostenloses Ersatzrad bekommen kann. Oder zum Beispiel Fußmatten und ein Rollo zur Gepäckraumabdeckung.

Souverän dem Schnee getrotzt

Der elektronische Lamellenkupplung verteilt bis zu 50 Prozent der Kraft auf die Hinterachse.
Der elektronische Lamellenkupplung verteilt bis zu 50 Prozent der Kraft auf die Hinterachse.(Foto: Textfabrik/Busse)

Doch der Reihe nach. Für diesen Test stand ein Vierzylinder-Benziner mit 105 PS zur Verfügung. Er stammt, wie die Diesel-Triebwerke auch, aus dem Renault-Regal. Die Allradtechnik steuerte Konzernpartner Nissan bei. Mittels eines (ungünstig tief sitzenden) Drehknopfes kann der aus drei Modi wählen: Im Auto-Modus fährt der Dacia Duster unter normalen Fahrbahnbedingungen kraftstoffsparend mit Frontantrieb. Lässt die Traktion nach, leitet die elektromagnetische Kupplung einen Teil des verfügbaren Drehmoments vollautomatisch an die Hinterachse.

Bei extremen Bedingungen, zum Beispiel auf matschigen oder verschneiten Straßen sowie im Gelände, werden bis zu 50 Prozent der Kraft an die Hinterräder geleitet. Die dritte Wahlmöglichkeit ist ein starrer Allradmodus. Dann simuliert der Duster bei Tempi bis zu 80 km/h ein Sperrdifferenzial und fährt mit einer festen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse im Verhältnis von 50:50. Alternativ kann der Fahrer den 4x4-Betrieb auch komplett abstellen und nur mit angetriebenen Vorderrädern fahren.

Das vergleichsweise geringe Eigengewicht von 1325 Kilogramm verbunden mit dem 1,60 Meter hohen Aufbau, lassen nicht unbedingt einen souveränen Umgang mit Schnee und schmieriger Piste erwarten. Doch der Duster schlug sich überraschend gut. Erstaunlicherweise machte sich die Abwesenheit des elektronischen Anti-Schleuderprogramms auch auf festgefahrener Schneedecke nicht störend bemerkbar. Mit lockerem Neuschnee von 15 bis 20 Zentimetern ließ sich der Testwagen auch nicht in Verlegenheit bringen, wobei allerdings die Winterreifen vom Typ Michelin Latitude Alpin ihren Anteil gehabt haben dürften. Vereiste Passagen mag der Duster ebenso wenig wie andere Allradautos, da heißt es vorsichtig fahren.

Am besten im "Zweiten" anfahren

Benziner mit 105 PS: Ein kräftigerer Motor täte dem Dacia Duster gut.
Benziner mit 105 PS: Ein kräftigerer Motor täte dem Dacia Duster gut.(Foto: Textfabrik/Busse)

Nicht jeder Kunde eines Offroaders mag sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zufrieden geben, beim Duster-Benziner ist jedoch nicht mehr drin. Entsprechend bescheiden ist auch die Spurtfähigkeit: 12,8 Sekunden von Null auf Hundert. Da Dämmstoffe aus Herstellersicht nur unnötig Geld kosten (und das Gewicht erhöhen), wurden sie nur gezielt eingesetzt. Man hört es am Klang der Türen und bei Geschwindigkeiten jenseits 100 km/h. Die Sitze wünschte man sich ein wenig straffer, die robuste Federung ist den Belastungen einer festgefahrenen Buckelpiste aus Schnee durchaus gewachsen. Nur ein Gefühl von gediegenem Fahrkomfort stellt sich dabei natürlich nicht ein.

Da auf der Verzichtsliste auch eine Geländeuntersetzung steht, hat der Hersteller den ersten Gang des Sechsganggetriebes äußerst kurz ausgelegt, präzise gesagt im Verhältnis 1 : 4,45. Das ist klug gedacht, denn der 1,6-Liter-Benziner bringt im Höchstfall knapp 150 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle und mit der kurzen Übersetzung lässt sich vielleicht doch das letzte Quäntchen Traktion herausholen, wenn es mal in die Berge oder auf die Schotterpiste geht. Ein weiterer Effekt ist aber leider, dass der Motor beim Anfahren unnötig hoch dreht und Treibstoff verjubelt, ohne dass es eine nennenswerte Vorwärtsbewegung gibt. Für den Alltagsbetrieb sollte man sich deshalb angewöhnen, grundsätzlich im zweiten Gang anzufahren.

Die ausgestellten Kotflügel geben dem Duster ein markantes Äußeres.
Die ausgestellten Kotflügel geben dem Duster ein markantes Äußeres.(Foto: Textfabrik/Busse)

Wem das Modell Logan noch als Blech gewordenes Manifest sozialistischer Formgebungsprinzipien erschien, der muss über den Duster staunen. Statt altbackener oder verunglückter Designbemühungen präsentiert er eine ausgewogene Linienführung samt muskulös ausgestellter Kotflügel, wie sie zu einem modernen Crossover- oder Freizeitmobil passen. Die Proportionen stimmen, die Bodenfreiheit auch (210 mm) und mit knapp 4,32 Metern ist der Duster noch sieben Zentimeter kürzer als zum Beispiel ein Opel Astra. Lediglich das fragile Auspuffendrohr scheint sich allen Versuchen eines ansprechenden Stylings widersetzt zu haben.

Klein, aber durstig: Der Vierzylinder

Schlicht und übersichtlich geht es im Cockpit zu, die Oberflächen wirken billig.
Schlicht und übersichtlich geht es im Cockpit zu, die Oberflächen wirken billig.(Foto: Textfabrik/Busse)

Wer sich an den schlichten Stoffpolstern nicht stört (Leder gibt es für 600 Euro extra) und an die Spiegel- sowie Scheibenbetätigung an der Mittelkonsole gewöhnt hat, kann es im Duster ganz wohnlich finden. Die Verkleidungen und Oberflächen wirken billig, hier und da lugt mal eine abdeckungslose Schraube hervor (wie bei den inneren Türhebeln), aber wer den Preis als Hauptargument in der Werbung benutzt, darf sich so etwas leisten. Für den Testwagenpreis von 16.790 Euro muss man weder auf Dachreling, Klimaanlage und CD-Radio verzichten, noch auf Bordcomputer, Nebelscheinwerfer und Alufelgen. Nur sollte ein Neuwagen dieses Kalibers im Jahr 2011 auch an der Hinterachse über Scheibenbremsen verfügen.

Der schmalbrüstige 1,6-Liter-Benziner tat sich schwer, in die Nähe des nach EU-Norm ermittelten Konsums zu kommen. Acht Liter im kombinierten Verbrauch sind der Sollwert, der Testwagen genehmigte sich 11,6 ganz ohne Bleifuß-Orgien. Selbst wenn man für den überwiegenden Kurzstreckenverkehr einen Liter abzieht und noch einen weiteren für den permanenten Gebrauch von Allradantrieb, Heizung und Gebläse veranschlagt, ist das deutlich zuviel.

Fazit: Der Billigheimer muss sich nicht mit SUV- und Crossover-Fahrzeugen von Nobelmarken messen, denn in deren Liga spielt der Duster weder bei Ausstattung noch im Preis. Wer ein ansehnliches Vielzweckauto mit Offroad-Fähigkeiten sucht, ist mit dem robusten Dacia gut bedient. Ein Mindestmaß an Komfort ist für faire Aufpreise zu bekommen. Doch Renault sollte zur nächsten Modellpflege noch einmal intensiv im Motorenregal nachschauen, ob es nicht ausgereifte und wirtschaftliche Aggregate in der Leistungsklasse um 130 PS gibt, dann könnte auch so etwas wie Fahrfreude aufkommen.

DatenblattDacia Duster 1.6 16V 4x4
Abmessungen LxBxH4,32 / 1,82 / 1,63 m
Leergewicht1325 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen
normal / Rückbank umgeklappt
443 l / 1604 l
Maximale Zuladung475 kg
Motor4-Zylinder Benzin-Motor
mit 1.598 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
Leistung105 PS (77 kW)
KraftstoffartBenzin (ROZ 95 – 98)
AntriebVorderachse oder Allrad
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
max. Drehmoment148 Nm
Beschleunigung 0 - 100 km/h 12,8 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
Testverbrauch
10,4  l /7,0 l /8,0 l
11,6 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
185 g/km
Grundpreis
Preis des Testwagens
15.390 Euro
16.790 Euro

Quelle: n-tv.de

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