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Der Fall vom U-Bahnhof Hermannstraße sorgte bundesweit für Aufstehen.
Der Fall vom U-Bahnhof Hermannstraße sorgte bundesweit für Aufstehen.(Foto: picture alliance / Sophia Kembow)
Donnerstag, 06. Juli 2017

Trotz allem schuldfähig: U-Bahn-Treter muss drei Jahre in Haft

Der Treppentreter von Berlin-Neukölln soll fast drei Jahre ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht fällt das Urteil trotz eines Gutachtens, laut dem der Bulgare Svetoslav S. vermindert schuldfähig ist.

Rund acht Monate nach einem brutalen Fußtritt gegen eine junge Frau auf einer Berliner U-Bahn-Treppe ist der Täter zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den 28-Jährigen am Donnerstag wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig. Laut Urteil hatte der Mann im Oktober 2016 die Studentin mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Betontreppe im U-Bahnhof Hermannstraße im Stadtteil Neukölln hinuntergetreten.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. "Es war ein heimtückischer Angriff", befand die Anklage. Der 28-jährige Svetoslav S. sei der gefährlichen Körperverletzung und in einem anderen Fall zudem exhibitionistischer Handlungen schuldig. Die Nebenklage verzichtete auf einen Strafantrag.

Die Verteidigung hatte "eine milde Strafe, die noch im Bereich der Bewährung liegen sollte" gefordert. Dies hätte eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren auf Bewährung bedeutet. Der Angeklagte entschuldigte sich zum Abschluss unter Tränen. "Ich weiß nicht, wie so etwas passiert ist", sagte er.

Die junge Frau, die die Treppe hinuntergestürzt war, lehnte die Entschuldigung bei ihrer Befragung vor Gericht ab. Sie erlitt einen Armbruch und eine Platzwunde am Kopf. Im Prozess hatte sie ausgesagt, sie habe monatelang unter dem Geschehen gelitten. In der ersten Zeit habe sie den Kontakt zur Außenwelt gemieden.

Extrem niedriger IQ und Drogenmissbrauch

Der Verurteilte ist nach Einschätzung eines Gutachters vermindert schuldfähig. Bei Svetoslav S. liege eine zwanghafte seelische Störung vor, sagte der Psychiater Alexander Böhle vor den Plädoyers. Der Experte erklärte vor dem Landgericht, eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit des 28-Jährigen sei nicht auszuschließen. Mit einem Intelligenzquotienten von 63 sei er als geistig behindert einzustufen und könne seine Affekte nur eingeschränkt steuern.

Mehrere Faktoren, wie eine bei dem Angeklagten vorliegende hirnorganische Störung nach einem Autounfall vor einigen Jahren, sowie ein Missbrauch von Alkohol und Drogen hätten zu der Diagnose geführt. S. sei in großer Armut in Bulgarien aufgewachsen, habe nur drei Jahre die Schule besucht und sei vom Vater geschlagen worden.

Quelle: n-tv.de

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