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Schlepper suchen neue Routen: Flüchtlinge stranden in Griechenland

Mazedonien lässt kaum noch Flüchtlinge über die Grenze zu Griechenland. Dort kommen jedoch täglich Tausende Menschen an - die nun in dem Land festsitzen. Schlepper nutzen die Situation aus und suchen nach neuen Wegen Richtung Norden.

Kein Ende des Flüchtlingszustroms in Griechenland: In den vergangenen 24 Stunden seien insgesamt 1110 Flüchtlinge nach Mazedonien ausgereist, teilten die griechischen Behörden mit. Zugleich hätten aber 7000 neue Migranten die Inseln der Ostägäis erreicht. Schlepperbanden hätten in den vergangenen sieben Tagen mehr als 12.000 Menschen aus der Türkei über die Ägäis zu den griechischen Inseln gebracht, teilte die Küstenwache mit.

Mazedonien als erstes Land auf der Balkanroute Richtung Norden lässt aber nur noch Syrer und Iraker über die Grenze und das auch nur langsam. "Rund 230 (Personen) haben sie heute Vormittag durchgelassen. Jetzt ist die Grenze wieder zu", sagte ein Grenzpolizist am Grenzübergang bei Idomeni. Entlastung könnte der Nato-Einsatz in der Ägäis bringen, der den Schleusern einen Strich durch die Rechnung machen soll.

Die Bündnisstaaten hatten sich in der Nacht auf die Richtlinien für die Beobachtung der türkischen und griechischen Seegebiete geeinigt. Wie ein Offizier der Küstenwache auf der Insel Chios sagte, sollen die ersten Nato-Schiffe am Freitag im Seegebiet um seine Insel im Einsatz sein.

In Containern nach Italien

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Viele Afghanen, die von Mazedonien abgewiesen wurden, verbrachten die Nacht auf zwei Plätzen im Zentrum Athens. Dort werden Kontakte mit Schleusern geknüpft, die den verzweifelten Menschen neue Routen für die Reise nach Mitteleuropa versprächen, berichteten griechische Medien. Die neuen "Tarife" für Alternativwege über Albanien oder sogar versteckt in Containern an Bord von Fähren nach Italien lägen zwischen 2500 und 3000 Euro pro Kopf, sagten Migranten Reportern vor Ort.

Hunderte Flüchtlinge brachen aus griechischen Auffanglagern aus und machten sich zu Fuß auf den Weg zur mazedonischen Grenze. "Wir können die Menschen nicht gefangen nehmen", sagte der Bürgermeister von Thessaloniki, Giannis Boutaris. Das Fernsehen zeigte Hunderte Menschen, Frauen mit Kinderwagen, ältere und auch behinderte Menschen, die entlang der Autobahnen und Fernstraßen nach Norden zogen. In einigen Fällen liefen sie sogar auf den Fahrbahnen und unterbrachen vorübergehend den Verkehr.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière räumte am Rande eines Ministertreffens in Brüssel ein, Griechenland sei "in einer schwierigen Situation". Daher sei entscheidend, dass der Schutz der griechisch-türkischen Grenze verbessert werde, "dass dort die Zahl der Flüchtlinge drastisch und nachhaltig verringert wird." Mit Blick auf den EU-Türkei-Gipfel in rund zehn Tagen sagte er: "Bis zum 7. März wollen wir eine erhebliche Verringerung der Zahl der Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze." Er sagte auch: "Bis dahin sollten nationale Alleingänge unterbleiben."

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte am Mittwochabend gewarnt, Athen werde politische Beschlüsse der EU blockieren, bis die vereinbarte Verteilung von Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten umgesetzt werde. Eigentlich sollen 160.000 Migranten aus Griechenland und Italien in andere Staaten der EU verteilt werden, dies kommt aber kaum voran.

"Griechenland nicht als Blinddarm sehen"

Tsipras nannte es zudem eine "Schande", dass Österreich und weitere Länder der Westbalkan-Konferenz am Mittwoch in Wien eine Konferenz zur Asylpolitik abgehalten hätten - außerhalb des EU-Rahmens und ohne griechische Beteiligung. Griechenlands Migrationsminister Ioannis Mouzalas ließ in Brüssel durchblicken, dass sein Land sich übergangen fühlt: "Griechenland wird nicht einseitige Aktionen akzeptieren. Zu einseitigen Aktionen ist auch Griechenland fähig", sagte er.

Die zehn Länder der Konferenz hatten sich unter anderem auf die wechselseitige Entsendung von Polizisten in besonders betroffene Grenzgebiete geeinigt. Außerdem sollen die Kriterien für die Zurückweisung von Flüchtlingen und deren Registrierung vereinheitlicht werden.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn zog derweil eine düstere Zwischenbilanz in der Flüchtlingskrise: "Wir haben keine Linie mehr, wir steuern irgendwie in eine Anarchie hinein", sagte er in Brüssel. "Ich hoffe, dass wir uns zusammenreißen, dass wir in der Migrationsfrage Griechenland nicht als einen Blinddarm sehen und all unsere Energie konzentrieren auf die griechisch-mazedonische Grenze", erklärte Asselborn. "Das wäre ein Verhängnis."

Bulgarien erlaubte derweil den Einsatz seiner Streitkräfte zum Schutz der Grenzen gegen Flüchtlinge. Die vom Parlament verabschiedeten Gesetze betreffen auch die bulgarische EU-Außengrenze zur Türkei. Über den Einsatz der Armee an den Grenzen entscheidet die Regierung in Sofia. 137 Parlamentarier billigten die Neuregelung ohne Debatte und ohne Gegenstimmen in zweiter und damit letzter Lesung.

Quelle: n-tv.de

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