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Ungelenkte Freifallbomben über bewohntem Gebiet: Die Luftschläge zur Unterstützung der Aleppo-Offensive nimmt zivile Opfer zumindest in Kauf.
Ungelenkte Freifallbomben über bewohntem Gebiet: Die Luftschläge zur Unterstützung der Aleppo-Offensive nimmt zivile Opfer zumindest in Kauf.(Foto: AP)

Kanzlerin zeigt sich "entsetzt": Kreml rügt Merkels Wortwahl

Die russische Unterstützung für den Großangriff auf Aleppo gefährdet Leib und Leben von Zivilisten: "Entsetzt" ruft die Kanzlerin Moskau dazu auf, die Bombenangriffe in Syrien einzustellen. Russland reagiert schwer verärgert.

Einen Tag nach den kritischen Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den russischen Luftangriffen in Syrien hat sich der Kreml verärgert über die Aussagen der deutschen Regierungschefin gezeigt. Jeder Politiker solle "in der Wortwahl sehr genau und verantwortungsvoll sein", sagte Dmitri Peskow, Sprecher von Staatschef Wladimir Putin, in Moskau. Die "heikle Lage" in Syrien erfordere dies.

Einschlagskrater in den Straßen von Aleppo: Die einstige Millionenstadt wird unbewohnbar.
Einschlagskrater in den Straßen von Aleppo: Die einstige Millionenstadt wird unbewohnbar.(Foto: REUTERS)

Bei einem Besuch Merkels in der Türkei hatten die Kanzlerin und der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu Russlands Luftangriffe in Syrien zu Wochenbeginn scharf verurteilt. Wörtlich erklärte Merkel: "Wir sind entsetzt über das menschliche Leid durch die Bombenangriffe - auch von russischer Seite." Die Zivilbevölkerung leide unter den Bombardements, ergänzte Davutoglu mit Blick auf die von der russischen Luftwaffe unterstützte Offensive in der Region um Aleppo. Merkel rief Moskau auf, die Luftangriffe einzustellen.

Moskau: Keine Beweise

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Kreml-Sprecher Peskow erklärte daraufhin, der russischen Regierung lägen keine glaubwürdigen Beweise für zivile Opfer der Angriffe in Syrien vor, obwohl der Westen und die syrische Opposition den Vorwurf immer wieder erhöben. Der Sprecher kritisierte zudem, in der Vergangenheit habe sich zum "barbarischen Vorgehen von Terroristen" gegen syrische Soldaten "niemand geäußert".

Verhandlungen für eine Friedenslösung unter UN-Schirmherrschaft waren zuletzt im schweizerischen Genf ohne Ergebnis vertagt worden. Angestrebt werden eine Feuerpause, die Bildung einer Übergangsregierung und die Organisation von Wahlen.

Russland unterstützt den Plan offiziell, fliegt aber weiter massive Luftangriffe auf Seiten der Regierungstruppen gegen Rebelleneinheiten. Nach russischer Darstellung richten sich die eigenen Luftschläge in erster Linie gegen "Terroristen" und betont, ebenso wie die US-geführte Militärallianz die Terrororganisation "Islamischer Staat" zu bekämpfen.

Keine IS-Milizen in Aleppo

Die aktuelle Großoffensive der syrischen Armee zielt jedoch offenbar auf die Einschließung von Aleppo - eine Stadt, die als Hochburg syrischer Rebellen gilt. Die von IS-Milizen gehaltenen Landstriche liegen weiter im Osten und Südosten Syriens und bleiben von der Masse der russischen Bomben bislang verschont.

Besonders problematisch: Beobachtern zufolge setzt die russische Strategie sehr viel mehr auf Feuerkraft und Wirkung als auf Hightech und Präzision. In den dicht bebauten Kampfgebieten rund um die Großstadt Aleppo sind Opfer unter der Zivilbevölkerung beim Abwurf ungelenkter Bomben aus der Luft kaum zu vermeiden. Zu befüchten steht, dass das russische Vorgehen in Syrien immer neue Fluchtwellen nach Europa auslösen könnte.

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Quelle: n-tv.de

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