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"Das ist kein Ferguson-Problem": Proteste in 170 Städten der USA

Die brisante Entscheidung der Geschworenen hält Ferguson weiter in Atem. In den USA geht die Angst vor neuen Ausschreitungen um. Präsident Obama klingt machtlos. Polizei und Nationalgarde wappnen sich für eine weitere Nacht der Gewalt.

Nach den schweren Unruhen in Ferguson ist es in der Nacht zum Mittwoch in mehreren US-Städten zu größtenteils friedlichen Protestaktion gekommen. In New York kamen hunderte Menschen zu einer Demonstration auf dem Times Square zusammen. "Schickt den rassistischen Polizisten ins Gefängnis", riefen einzelne Teilnehmer. US-Medien sprachen von einer landesweiten Protestwelle. Wie der Sender CNN berichtete, gingen Demonstranten in 170 weiteren Städten auf die Straße. In vielen von ihnen legten die Menschen den Verkehr lahm.

Berichte über größere Protestkundgebungen gibt es nicht nur aus dem Großraum St. Louis, sondern auch aus weit entfernten Ballungszentren wie Baltimore, Boston, Dallas oder Atlanta. In Los Angeles wurden nach Angaben lokaler TV-Sender drei Menschen bei Protesten festgenommen. In einigen Städten blockierten die Protestzüge Kreuzungen, Brücken oder Fernstraßen.

In Ferguson selbst, einem Vorort von St. Louis, versammelten sich erneut mehrere hundert Menschen vor der lokalen Polizeiwache. Als die Polizei die Menge aufforderte, die Straße zu räumen, kam es nach Angaben von Augenzeugen zu einzelnen Festnahmen. Der Nachrichtensender CNN zeigte Bilder eines Streifenwagens, der von einer wütenden Menge attackiert und in Brand gesteckt wurde.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die jüngsten Gewaltausbrüche in der mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Stadt Ferguson. Wer Autos in Brand steckt und Geschäfte plündert, müsse bestraft werden. "Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören", sagte Obama. Zugleich verwies Obama auf die Polizeigewalt und juristische Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten in den USA. "Dieses Problem ist kein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem."

Obama griff damit eine Formulierung auf, die zuvor bereits der einflussreiche Bürgerrechtler Al Sharpton verwendet hatte. Mit Blick auf die Vorkommnisse in Ferguson hatte Sharpton scharfe Kritik geäußert und die systematische Benachteiligung von Afroamerikanern im US-Justizsystem angeprangert. "Das ist kein Problem von Ferguson", sagte Sharpton bei einer Pressekonferenz in Ferguso. "Das ist ein Problem überall im Land."

Sharpton, eine Führungsfigur der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, kündigte einen landesweiten Protesttag am Samstag an. "Wir haben vielleicht die erste Runde verloren, aber der Kampf ist nicht vorbei", sagte er. "Sie haben unsere Herzen gebrochen, aber nicht unser Rückgrat." Drei Monate nach dem Tod des unbewaffneten Jugendlichen Michael Brown durch Schüsse eines Polizisten waren in der Nacht auf Dienstag schwere Unruhen in Ferguson ausgebrochen.

Landesweite Proteste

Die Debatte um Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA weitet sich mehr und mehr größten innenpolitischen Gesprächsthema aus. Die von Einfamilienhäusern und Vorgärten geprägte Kleinstadt Ferguson erlebt unterdessen die zweite Gewaltnacht in Folge. Wie bereits bei den Unruhen im August war es nach dem Jury-Entscheid zu Plünderungen und schweren Sachschäden gekommen. Mehrere Häuser wurden in Brand gesetzt.

Auslöser der neuerlichen Krawalle war die Entscheidung der Jury, dass sich der Todesschütze zunächst nicht vor Gericht verantworten muss. Ein breiter Teil der Bevölkerung sieht darin einen neuerlichen Beleg für eine systematische Diskriminierung durch einen von Weißen dominierten Justiz- und Polizeiapparat.

Nationalgarde verdreifacht

Aus Furcht vor neuen Unruhen in Ferguson hatten die US-Behörden die Präsenz Nationalgarde vor Ort massiv verstärkt. Es würden mehr als 2200 Soldaten in der Kleinstadt und Umgebung stationiert, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon. Die Truppenstärke der Nationalgardisten wurde damit etwa verdreifacht. "Die Gewalt, die wir gesehen haben, darf sich nicht wiederholen".

Der Bürgermeister von Ferguson, James Knowles, hatte Gouverneur Nixon vorgeworfen, die Reserveeinheiten der Nationalgarde in der vorangegangenen Nacht viel zu zögerlich eingesetzt zu haben. Dies sei "sehr beunruhigend", sagte er, und rief Nixon auf, "alle verfügbaren Ressourcen zu mobilisieren".

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Krawalle in FergusonStepMap

Quelle: n-tv.de

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