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Vertraut mir! Sein Slogan im Wahlkampf lautet: TrusTed.
Vertraut mir! Sein Slogan im Wahlkampf lautet: TrusTed.(Foto: dpa)

Präsidentschaftskandidat Ted Cruz: Dieser Mann ist schlimmer als Donald Trump

Von Hubertus Volmer

Es gibt viele Gründe, darauf zu hoffen, dass Donald Trump nicht US-Präsident wird. Eines sollte dabei nicht vergessen werden: Ted Cruz wäre sogar noch gefährlicher.

Die meisten Deutschen schauen vermutlich mit einem gewissen Befremden auf den Vorwahlkampf in den USA. Vor allem auf den der Republikaner: Dass Donald Trump so erfolgreich ist, dürfte viele Menschen hierzulande abstoßen. Dabei wird leicht übersehen, dass es einen Präsidentschaftskandidaten gibt, der schlimmer ist als Trump: Ted Cruz, der in den Umfragen seit Monaten auf dem zweiten Platz steht.

Natürlich, es gibt gute Gründe, Trump abzulehnen. Er kennt kein Mittelmaß. Für ihn ist alles und jeder grenzenlos gut oder abgrundtief schlecht. Regelmäßig führt ihn das Sprechen in Superlativen zu verrückten Verrenkungen. Ein Beispiel aus Trumps Rede vom Juni 2015, in der er seine Bewerbung für die republikanische Präsidentschaftskandidatur offiziell verkündete. "Wenn Mexiko seine Leute schickt, dann schicken sie nicht ihre besten. ... Sie schicken Leute, die viele Probleme haben, und die bringen diese Probleme mit zu uns. Sie bringen Drogen mit. Sie bringen Verbrechen mit. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Leute."

Trump ist ein Lautsprecher und ein Demagoge. Aber er weiß auch, dass man verhandeln muss, um einen "Deal" zu bekommen.
Trump ist ein Lautsprecher und ein Demagoge. Aber er weiß auch, dass man verhandeln muss, um einen "Deal" zu bekommen.(Foto: REUTERS)

Gefährlich ist Trump jedoch nicht nur, weil er erst beim Sprechen denkt, sondern auch wegen einiger Positionen, die er ganz bewusst vertritt. Folter etwa hält er für eine gute Sache. Im November sagte er, die umstrittenen Verhörmethoden, die bis 2006 in der Regierungszeit von US-Präsident George W. Bush angewandt worden waren, werde er wieder einführen. "Würde ich Waterboarding zustimmen? Da könnt ihr euren Arsch drauf verwetten. Sofort. Ich würde noch mehr Sachen zustimmen. Es funktioniert." Doch selbst, wenn es als Verhörmethode nicht funktionierte, würde er das simulierte Ertränken gutheißen, denn "die verdienen es sowieso".

Trump ist nicht der einzige Republikaner, der sich für Waterboarding ausspricht. Doch er ist der einzige, der unumwunden von "Folter" spricht. "Folter funktioniert", sagte er am vergangenen Mittwoch. Dass internationale und US-Gesetze Folter ausdrücklich verbieten, ist ihm augenscheinlich egal.

Ein Rassist? Vielleicht. Aber kein Ideologe.

Unangenehm ist Trump auch, weil es so viele rassistische und sexistische Zitate von ihm gibt, dass der Verdacht naheliegt, er folge rassistischen und sexistischen Denkmustern. "Ich habe schwarze Buchhalter in (den Casino-Hotels) Trump Castle und Trump Plaza. Schwarze Typen, die mein Geld zählen! Ich hasse das. Die einzigen Menschen, von denen ich will, dass sie mein Geld zählen, sind kleine Typen, die jeden Tag Kippas tragen." Dieses Zitat stammt aus den 1980er Jahren, damit konfrontiert nannte Trump es "wahrscheinlich wahr".

Frauen wertet Trump vor allem ab, indem er ihr Aussehen kommentiert. "Carly – guckt euch dieses Gesicht an", sagte er über die mittlerweile ausgeschiedene Präsidentschaftskandidatin Carly Fiorina. "Würde irgendjemand dafür stimmen?"

Man kann Trump also vieles vorwerfen. Eines aber nicht: Er ist kein doktrinärer Ideologe.

Damit wären wir bei Ted Cruz. Wie Trump ist er ein "Anti-Establishment"-Kandidat, doch in gewisser Weise ist er das Gegenteil des New Yorker Milliardärs. Er ist ein guter Redner – rassistische oder sexistische Sprüche à la Trump gibt es von ihm nicht. Dafür ist der Senator aus Texas stolz darauf, kompromissunfähig zu sein. Und darauf, viele Feinde im Senat zu haben. Unter seinen Parteikollegen dort ist er so unbeliebt, dass nicht ein einziger ihm eine Wahlempfehlung gegeben hat.

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Wer Cruz' politische Überzeugungen teilt, wird ihn prinzipientreu nennen. Aber das wäre höchstens die halbe Wahrheit. Cruz hatte keine Bedenken, 2013 die finanzielle Lähmung der USA herbeizuführen, um die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama aufzuhalten. Lieber stürzt er die USA ins Chaos, als einen Kompromiss einzugehen.

Trump dagegen ist unter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten einer der wenigen, die überhaupt anerkennen, dass Verhandlungen eine gute Sache sind. In einer Fernsehdebatte vor zwei Wochen wurde Trump gefragt, ob die Wähler nicht die Nase voll hätten von den "Deals" in Washington. Seine Antwort: "Nein, wer gut verhandelt, wird gute Ergebnisse bekommen." Und dann folgte ein Satz, der auf den ersten Blick gar nicht zu der aggressiven Stimmung passt, die die Grundlage für Trumps Erfolg ist: "Man muss in der Lage sein, einen Konsens herzustellen."

"Wenn der Leib Christi sich erhebt"

Seit der Vorwahl in Iowa, in der Cruz überraschend den ersten Platz holte, nennt Trump ihn einen Lügner. "Ich habe niemals jemanden gesehen, der so viel lügt wie Ted Cruz", so Trump. Das ist nicht ganz abwegig: Cruz' Wahlkampfteam hatte am Tag der Wahl verbreitet, Präsidentschaftskandidat Ben Carson sei aus dem Rennen ausgestiegen. So sicherte sich der Senator aus Texas möglicherweise Stimmen, die sonst an Carson gegangen wären. Auch Marco Rubio, der gerade noch so als Establishment-Kandidat durchgeht und in den meisten Umfragen auf dem dritten Platz steht, wirft Cruz Lügen vor. Cruz sage Dinge über ihn, die einfach nicht wahr seien. Sein Wahlkampfteam ging noch weiter: Cruz würde alles sagen, um gewählt zu werden, schrieb Rubios Sprecher Alex Conant in einer Mail an Unterstützer.

Unbestritten ist, dass Cruz kein Problem mit erfundenen Schmutzkampagnen hat. Dem Republikaner Chuck Hagel, den Obama zum Verteidigungsminister ernannte, warf er 2013 ohne jeden Beweis vor, Geld von ausländischen Regierungen wie Saudi-Arabien oder Nordkorea angenommen zu haben.

Sein taktisches Verhältnis zur Wahrheit passt schlecht zu der Religiosität, die Cruz zur Schau trägt. Die Dankesrede nach seinem Sieg in Iowa begann er mit den Worten "Ehre sei Gott". Im Sommer 2015 sagte er, wenn alle Evangelikalen zur Wahl gehen und "für ihre Werte" stimmen würden, "dann werden wir dieses Land umdrehen". Und weiter: "Wir können dieses Land umdrehen, aber nur, wenn der Leib Christi sich erhebt."

Dass ein solcher Mann als Präsident bereit oder in der Lage wäre, Kompromisse mit dem Kongress oder mit ausländischen Regierungsvertretern zu schließen, darf als ausgeschlossen gelten. Für den Job im Weißen Haus wäre er damit eine Fehlbesetzung. Man merkt es seit einigen Jahren nicht mehr, aber das politische System der USA ist eigentlich für Kompromisse angelegt.

Die nächste republikanische Vorwahl findet an diesem Samstag in South Carolina statt. In den Umfragen dort liegt Trump auf dem ersten Platz, Cruz auf dem zweiten. So seltsam es klingt: Das ist eine gute Nachricht.

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Quelle: n-tv.de

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