Wirtschaft
Bezeichnet die Kontrolle über die persönlichen Daten als "das höchste Gut, nicht nur für jeden Bürger, sondern auch für jeden Autofahrer": Audi-Chef Rupert Stadler, hier im neuen Audi TTs auf der Pariser Automesse.
Bezeichnet die Kontrolle über die persönlichen Daten als "das höchste Gut, nicht nur für jeden Bürger, sondern auch für jeden Autofahrer": Audi-Chef Rupert Stadler, hier im neuen Audi TTs auf der Pariser Automesse.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wissen, was ein Auto sexy macht": Audi-Chef fürchtet Google nicht

Droht den Autobauern ein ähnliches Schicksal wie Verlagen und Einzelhändlern? Die Auto-Experimente des Suchmaschinenriesen aus den USA begeistern bislang nur Techniker und Visionäre. Größere Sorgen bereitet Audi-Chef Stadler das Geschäft in Russland.

Audi-Chef Rupert Stadler hat nach eigenem Bekunden keine Angst vor Google. "Das Auto ist eines der komplexesten Konsumgüter, die es gibt", sagte er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung", aus dem das Blatt vorab berichtete. "Wir haben das nötige Knowhow; wir wissen, was ein Automobil sexy macht."

Google hatte im Sommer eigene, selbstfahrende Autos präsentiert und damit Gerüchten neue Nahrung gegeben, dass der finanzstarke Internetkonzern in Zukunft auch selbst Fahrzeuge bauen und so zum Konkurrenten der alteingesessenen Hersteller werden könnte.

Google verfügt über enorme Rücklagen für Forschung, Entwicklung und Investitionen. Analysten schätzen, dass die frei verfügbaren Geldreserven des US-Konzerns bei konstantem Wachstum bis Ende 2016 auf mehr als 100 Milliarden Dollar anschwellen dürften.

Dass ein solcher Markteinstieg durch Außenstehende möglich ist, bewies zuletzt Paypal-Unternehmer Elon Musk, der mit dem neu gegründeten Autobauer Tesla Motors dem elektrischen Sportwagen zumindest im Luxussegment zum Durchbruch verholfen hatte. Die Marktmacht des US-Internetgiganten Google dagegen hatte Springer-Chef Mathias Döpfner im vergangenen Frühjahr zu einem bemerkenswert offenen Eingeständnis getrieben. "Wir haben Angst vor Google", gestand Döpfner mit Blick auf die Veränderungen in der Medienbranche ein.

Kontakte zwischen Digital-Entwicklern und Autobauern bestehen längst: Eine ganze Reihe an Herstellern versucht derzeit, den Mobiltrend aus der Telekommunikations- und Unterhaltungselektronik in das eigene Kerngeschäft zu übertragen. Der kalifornische Kultkonzern Apple nahm dazu die Marken Mercedes-Benz, Volvo und Ferrari in den Blick. Der Ingolstädter Autobauer arbeitet dagegen bereits mit Google in der so genannten "Open Automotive Alliance" zusammen.

Datenschutz für Autofahrer

Ziel dieser "Offenen Auto-Allianz" ist es unter anderem, das Betriebssystem Android mit den Unterhaltungs- und Informationssystemen im Auto zu verknüpfen. Wegen der zunehmenden digitalen Vernetzung des Autobaus strebt Audi den Worten Stadlers zufolge nun eine "gemeinsame Geschäftsordnung" mit dem Internetkonzern an. Dieses rechtsverbindliche Schriftstück soll klären, was genau mit den sensiblen Daten der Fahrer geschieht.

"Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wo wir welche Daten sammeln und ob wir sie notwendigerweise speichern oder weiter verarbeiten", sagte Stadler. Die Hoheit über die persönlichen Daten sei "das höchste Gut, nicht nur für jeden Bürger, sondern auch für jeden Autofahrer". Jeder Kunde müsse "sich sicher sein" können, dass seine Daten ohne ausdrückliche Zustimmung nicht weitergegeben werden.

Die "Hoheit über die Betriebssysteme im Auto" habe auch künftig "allein der Hersteller", stellte Stadler klar. Allerdings: Bis die Geschäftsordnung zwischen Autobauer und IT-Konzern stehe, werde es "noch einige Diskussionen geben".

"Wenn es wieder bergauf geht"

Sorge bereitet dem Hersteller unterdessen der russische Markt - allerdings mehr aus finanziellen als aus politischen Gründen. "Wenn der Rubel um 30 oder 40 Prozent sinkt, dann lässt sich auch kaum mehr Geld verdienen", erklärte der Manager dem Blatt. Allerdings werde man dennoch das "Händlernetz konsequent ausbauen, damit wir, wenn es wieder bergauf geht, auch gute Geschäfte machen können".

Weiteren Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise steht der Konzernchef skeptisch gegenüber. "Für Entspannung kann nur eine diplomatische Lösung sorgen", so Stadler. "Ich glaube, dass die aktuellen Sanktionen gegen Russland längst wirken, jetzt brauchen wir andere Rezepte."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen