Wirtschaft

Lage der Finanzbranche düster: Banker fürchten neue Krise

Rollt eine neue, noch schlimmere Finanzkrise auf uns zu? Einige Top-Banker schließen das nicht mehr aus. KfW-Chef Schröder sieht sogar noch eine ernstere Lage als nach der Lehman-Pleite 2008. So könnten viele Staaten bei künftigen Bankenkrisen nicht mehr intervenieren. Deutsche-Bank-Chef Ackermann sieht aber Europas Geldhäuser besser aufgestellt als vor drei Jahren.

Ulrich Schröder: "Es gibt faktisch keine Bank mehr, die einen sieben- oder achtjährigen Bond begeben kann."
Ulrich Schröder: "Es gibt faktisch keine Bank mehr, die einen sieben- oder achtjährigen Bond begeben kann."(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutsche Spitzenbanker zeichnen angesichts der heftigen Kursverluste an den Börsen ein düsteres Bild ihrer Branche. "Die Lage ist viel dramatischer als 2008", sagte der Chef der staatlichen Förderbank KfW, Ulrich Schröder, auf einer Bankenkonferenz. Damals erreichte die Finanzkrise ihren Höhepunkt, nachdem die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen war.

Viele Staaten wären heute wegen ihrer eigenen Schuldenprobleme nicht mehr in der Lage, Geldhäuser in einer ähnlichen Krise aufzufangen, warnte Schröder. "Die Banken sind nicht aus der Gefahrenzone heraus." Auch Ackermann greift Lagarde an stellte angesichts der Verluste an den Börsen fest: "All dies erinnert an den Herbst 2008."  Seit Wochen stehen Bankaktien auf der Verkaufsliste der Anleger ganz oben. Die Angst vor einer neuen Bankpleite geht um. "Die Investoren haben noch nicht wieder angebissen", sagte Schröder.  

Schuldenkrisen und härtere Regulierung sorgen für trübe Aussichten: "Es dürfte für die europäische Finanzbranche insgesamt schwer werden, ihre Erträge zu steigern", warnte Ackermann. Eine Abschreibung der Euro-Staatsanleihen auf den aktuellen Marktwert könnten zahlreiche Banken nicht verkraften, warnte er. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte in einer internen Berechnung ein solches Szenario unterstellt und dabei ein Kapitalloch von 200 Milliarden Euro bei den europäischen Banken identifiziert. Hierfür hat der IWF aus Europa viel Kritik einstecken müssen.   

Auch Josef Ackermann ist mittlerweile das Lachen vergangen.
Auch Josef Ackermann ist mittlerweile das Lachen vergangen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der für seine offenen Worte bekannte Schröder sorgt sich vor allem um die Refinanzierung der Finanzinstitute, die einigen Häusern Probleme bereite. "Ich sehe die Lage der Banken sehr skeptisch", sagte Schröder. "Es gibt faktisch keine Bank mehr, die einen sieben- oder achtjährigen Bond begeben kann", berichtete er. Für kürzer laufende Papiere müssten selbst Top-Banken hohe Aufschläge zahlen. Besonders Banken aus den Euro-Krisenländern Italien und Spanien haben derzeit Schwierigkeiten, sich an den Märkten frische Mittel zu besorgen. Doch auch für andere Institute wird es teurer, da sich die Häuser untereinander zunehmend misstrauen. Viele Institute legen ihr Geld lieber für geringe Zinsen bei der Europäischen Zentralbank an als es zu verleihen, wie jüngste Daten der Notenbank zeigen.

"Viel Pulver bereits verschossen"

Hintergrund sind Befürchtungen der Investoren, dass die Staaten in künftigen Bankkrisen nicht mehr einspringen könnten. "Die Länder haben viel von ihrem Pulver verschossen", sagte Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbands. Er betonte aber wie Ackermann, dass europäische Geldhäuser insgesamt besser aufgestellt seien als 2008.

Die Kapitalausstattung der Institute sei üppiger und die Institute seien weniger abhängig von kurzfristiger Refinanzierung, stellte Ackermann fest. Zudem hielten die Banken weniger toxische Papiere in den Büchern. Für Beruhigung kann dies aber offenbar nicht sorgen. "Solange die Unsicherheit über den tatsächlichen Pfad der Entschuldung anhält, werden auch die Schwankungen auf den Finanzmärkten andauern", sagte Ackermann.

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Quelle: n-tv.de

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