Mehr als 2000 Flugzeuge für China?Boeing schiebt Dreamliner an

Für die Ingenieure in Everett beginnt die heiße Phase: Boeing bewirbt sich mit seinem Prestigeobjekt 787 Dreamliner um eine Zulassung für den zivilen Luftverkehr. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen: Der US-Konzern liegt gut drei Jahre hinter dem Zeitplan - und holt sicherheitshalber zusätzliche Mitarbeiter an Bord.
Nach jahrelanger Verzögerung macht der US-Flugzeugbauer
Boeing seinen Hoffnungsträger, die fit für den Einsatz. Der schärfste Rivale des europäischen Flugzeugbauers Airbus legt
noch einmal letzte Hand an den neuartigen Passagierjet, um im laufenden Jahr die Zulassung der Luftfahrtbehörden
zu bekommen.
Dazu beginnt das Unternehmen, die geforderten Veränderungen in den
Maschinen zu berücksichtigen, wie Boeing mitteilte. Demnach geht es unter
anderem um die elektronische und mechanische Ausstattung sowie eine Aktualisierung
der Computerprogramme. Ein Konzernsprecher sprach von einem üblichen Schritt für
alle neuen Flugzeugprogramme.
Um den Prestigeflieger flottzumachen, will Boeing in San Antonio in Texas 450 Zeitarbeiter
einstellen, die die 1700 Beschäftigte starke Belegschaft an dem Standort unterstützen
sollen.
Riesenjets für die Chinesen
Die erste Auslieferung des Langstreckenflugzeugs ist für das dritte Quartal
geplant. Damit liegt Boeing fast drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.
Dem US-Konzern liegen nach eigener Auskunft mittlerweile 843 Bestellungen für den Dreamliner vor, so
viele wie noch nie für ein Boeing-Modell, das noch in der Entwicklung ist.
Zusätzlich zu den 787-Bestellungen hat der US-Flugzeugbauer in China Aufträge im Volumen
von 10 Mrd. Dollar eingesammelt. Boeing sicherte sich eigenen Angaben zufolge Bestellungen
von Air China und Hainan Airlines.
Die Fluggesellschaft Air
China bestellte demnach fünf Maschinen vom Typ zum Listenpreis von
insgesamt 1,54 Mrd. Dollar. Die HNA Group, Mutterkonzern von Hainan Airlines,
verständigte sich mit dem Flugzeugbauer auf den Kauf von 38 Flugzeugen, darunter
sechs 777er und 32 Maschinen vom Typ 787 Dreamliner. Allein diese Aufträge kommen laut Listenpreis auf ein Volumen von 8,5
Mrd. Dollar.
Voller Himmel in China
Die rege Flugzeug-Nachfrage aus China wird das Flugaufkommen in der Region
nach Einschätzung von Boeing in der Zukunft deutlich anschieben. Mit Wachstumsraten
von 6,8 Prozent in den nächsten 20 Jahren werde das Plus überdurchschnittlich ausfallen,
teilte Boeing mit.
Allein in den nächsten fünf Jahren will die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft
der Welt nach den USA mehr als 2000 Flugzeuge bestellen, kündigte die zuständige
chinesische Behörde an. "Der Sektor wird ein deutliches Wachstumstempo halten",
sagte der Vize-Minister der chinesischen Behörde für Luftfahrt, Wang Changshun, auf einer asiatischen
Branchenkonferenz.
Für die immer wohlhabenderen Chinesen spielt Mobilität per Flugzeug eine zunehmend
wichtigere Rolle. Die chinesischen Fluggesellschaften bauen daher massiv ihre Flotten
aus und stocken ihr Angebot auf.
Auch die EADS-Tochter Airbus rechnet mit einem Asia-Boom in der Luftfahrt: In den
nächsten 20 Jahren erwartet der europäische Flugzeugbauer mehr als 8500 Bestellungen
aus der Region.