Wirtschaft

Mehr als 2000 Flugzeuge für China?Boeing schiebt Dreamliner an

08.03.2011, 11:09 Uhr
2011-03-08T072652Z-01-HKG02-RTRMDNP-3-BOEING-JPG2739649550115834912
Großes Interesse: Mit dem Modell einer 747-8 lockt Boeing auf der "Asian Aerospace Show" in Hongkong Beuscher an. (Foto: REUTERS)

Für die Ingenieure in Everett beginnt die heiße Phase: Boeing bewirbt sich mit seinem Prestigeobjekt 787 Dreamliner um eine Zulassung für den zivilen Luftverkehr. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen: Der US-Konzern liegt gut drei Jahre hinter dem Zeitplan - und holt sicherheitshalber zusätzliche Mitarbeiter an Bord.

RTR2IM08
Besuch im Boeing-Werk in Everett im US-Bundesstaat Washington: Hier entsteht, Teil für Teil, der Dreamliner. (Foto: REUTERS)

Nach jahrelanger Verzögerung macht der US-Flugzeugbauer

Boeing seinen Hoffnungsträger, die fit für den Einsatz. Der schärfste Rivale des europäischen Flugzeugbauers Airbus legt

noch einmal letzte Hand an den neuartigen Passagierjet, um im laufenden Jahr die Zulassung der Luftfahrtbehörden

zu bekommen.

Dazu beginnt das Unternehmen, die geforderten Veränderungen in den

Maschinen zu berücksichtigen, wie Boeing mitteilte. Demnach geht es unter

anderem um die elektronische und mechanische Ausstattung sowie eine Aktualisierung

der Computerprogramme. Ein Konzernsprecher sprach von einem üblichen Schritt für

alle neuen Flugzeugprogramme.

Um den Prestigeflieger flottzumachen, will Boeing in San Antonio in Texas 450 Zeitarbeiter

einstellen, die die 1700 Beschäftigte starke Belegschaft an dem Standort unterstützen

sollen.

Riesenjets für die Chinesen

Die erste Auslieferung des Langstreckenflugzeugs ist für das dritte Quartal

geplant. Damit liegt Boeing fast drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Dem US-Konzern liegen nach eigener Auskunft mittlerweile 843 Bestellungen für den Dreamliner vor, so

viele wie noch nie für ein Boeing-Modell, das noch in der Entwicklung ist.

Zusätzlich zu den 787-Bestellungen hat der US-Flugzeugbauer in China Aufträge im Volumen

von 10 Mrd. Dollar eingesammelt. Boeing sicherte sich eigenen Angaben zufolge Bestellungen

von Air China und Hainan Airlines.

Die Fluggesellschaft Air

China bestellte demnach fünf Maschinen vom Typ zum Listenpreis von

insgesamt 1,54 Mrd. Dollar. Die HNA Group, Mutterkonzern von Hainan Airlines,

verständigte sich mit dem Flugzeugbauer auf den Kauf von 38 Flugzeugen, darunter

sechs 777er und 32 Maschinen vom Typ 787 Dreamliner. Allein diese Aufträge kommen laut Listenpreis auf ein Volumen von 8,5

Mrd. Dollar.

Voller Himmel in China

Die rege Flugzeug-Nachfrage aus China wird das Flugaufkommen in der Region

nach Einschätzung von Boeing in der Zukunft deutlich anschieben. Mit Wachstumsraten

von 6,8 Prozent in den nächsten 20 Jahren werde das Plus überdurchschnittlich ausfallen,

teilte Boeing mit.

Allein in den nächsten fünf Jahren will die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft

der Welt nach den USA mehr als 2000 Flugzeuge bestellen, kündigte die zuständige

chinesische Behörde an. "Der Sektor wird ein deutliches Wachstumstempo halten",

sagte der Vize-Minister der chinesischen Behörde für Luftfahrt, Wang Changshun, auf einer asiatischen

Branchenkonferenz.

Für die immer wohlhabenderen Chinesen spielt Mobilität per Flugzeug eine zunehmend

wichtigere Rolle. Die chinesischen Fluggesellschaften bauen daher massiv ihre Flotten

aus und stocken ihr Angebot auf.

Auch die EADS-Tochter Airbus rechnet mit einem Asia-Boom in der Luftfahrt: In den

nächsten 20 Jahren erwartet der europäische Flugzeugbauer mehr als 8500 Bestellungen

aus der Region.

Quelle: rts