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"Es war Betrug": EU spricht im VW-Skandal von "Versagen"

"Es war Betrug" - und der sei nicht zu akzeptieren. So lautet das Fazit der EU-Kommission im VW-Abgasskandal. Eine Mitschuld daran tragen demnach auch die nationalen Genehmigungssysteme. Das soll sich nun ändern. Der Branchenverband ACE zweifelt.

Angesichts der VW-Affäre will die Europäische Kommission die nationalen Behörden bei der Genehmigung von Fahrzeugen überwachen. "Die Genehmigungssysteme der Mitgliedstaaten haben versagt. Wir wollen künftig kontrollieren und überprüfen, ob die nationalen Behörden ordnungsgemäß arbeiten", sagte die EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska der "Süddeutschen Zeitung". Außerdem sollten die Mitgliedstaaten die Ergebnisse von Fahrzeug-Tests untereinander austauschen.

Die EU-Kommission werde, so Bieńkowska weiter, im Dezember Details zu den Plänen vorstellen, die dann mit den EU-Staaten und dem Europaparlament abgestimmt werden müssen. An diesem Donnerstag und Freitag wird die Brüsseler Kommissarin in Berlin sein und mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt über die Vorschläge sprechen.

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Bieńkowska will auch Verantwortliche von Volkswagen treffen und darauf dringen, dass der Konzern bis Ende November aufklärt, wie groß das Ausmaß des Skandals in Europa ist. "Es geht nicht darum, Geld zu zahlen und dann ist der Fall vorbei. Wir müssen Gewissheit haben. Es geht darum, das ganze System zu ändern", sagte Bieńkowska dem Blatt. "Die Verbraucher haben Vertrauen verloren. Viele haben einige Tausend Euro mehr für ein Auto bezahlt, weil es angeblich niedrigere Abgaswerte hat." Dieser Betrug sei nicht zu akzeptieren. "Es war Betrug – und ich werde nicht aufhören, dieses Wort zu verwenden."

Kritik auch von ACE

Volkswagen spielt nach Auffassung des Auto Clubs Europa (ACE) weiterhin nicht mit offenen Karten. "Mit dem jüngsten Eingeständnis verfälschter CO2-Werte tritt VW die Flucht nach vorne an, ohne die Fehler aber genau zu benennen - das wirft viele Fragen auf und verunsichert die Verbraucher weiter", sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal. VW müsse dringend auf mehr Transparenz setzen.

Volkswagen hatte kürzlich eingeräumt, auch bei Werten zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gebe es "Unregelmäßigkeiten". Damit könnte der tatsächliche Spritverbrauch Hunderttausender Autos höher liegen als angenommen. Was genau diese Unregelmäßigkeiten sind, ist noch unklar - VW verweist darauf, die Prüfungen dauerten noch an. Bisher ging es in dem Skandal ausschließlich um Stickoxide (NOx), das CO2-Eingeständnis verschärft die Probleme des Autobauers.

Quelle: n-tv.de

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