Mittwoch, 17. März 2010
Deutsche Exportstärke im Visier: IWF-Chef mahnt Korrektur an
Dominique Strauss-Kahn will mehr Konvergenz in der Euro-Zone sehen und mahnt China ebenso wie Deutschland an, ihren exportlastigen Kurs zu korrigieren und stärker auf die Binnennachfrage zu setzen. Kanzlerin Merkel weist diese Kritik zurück.
Im Krisenjahr 2009 hatten die erfolgsverwöhnten Exporteure den schwersten Rückschlag seit Gründung der Bundesrepublik erlitten.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Deutschland muss ebenso wie China nach Ansicht von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn die Exportlastigkeit seiner Wirtschaft korrigieren und die Binnennachfrage stärken. Der Kampf gegen die globalen Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft müsse nach der Krise angegangen werden, sagte Strauss-Kahn n Brüssel bei einer Anhörung im Europäischen Parlament.
Länder mit hohen Defiziten in der Leistungsbilanz wie die USA und einige europäische Länder müssten weniger konsumieren, mehr sparen und mehr exportieren. Deutschland habe ebenso wie China und einige Öl produzierende Länder dagegen ein hohes Leistungsbilanzdefizit, sagte Strauss-Kahn. "Hier muss es andersrum gehen - die Inlandsnachfrage muss stärker werden mit mehr Konsum und mehr Investitionen." China müsse außerdem seine Währung aufwerten.
Der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnte auch davor, die Konjunkturprogramme zu früh abzuziehen. Die Wirtschaftserholung komme in den meisten Industrieländern nur schleppend voran und sei noch von staatlichen Impulsen abhängig.
Merkel: Falscher Weg
Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Kritik von europäischen Partnerländern an der Exportstärke Deutschlands erneut zurück. "Dort, wo wir stark sind, werden wir unsere Stärken nicht aufgeben", sagte Merkel im Bundestag. Ihre Regierung werde eine Politik betreiben, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nach vorne bringe. Es sei falsch, sich nach dem zu richten, der am langsamsten sei, erklärte sie mit Blick auf unterschiedliche Wettbewerbsstärken innerhalb der Europäischen Union. Darüber eine Diskussion zu führen, halte sie für den falschen Weg.
Kritik an der Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft kommt insbesondere aus Frankreich. Mehr Konvergenz innerhalb der Eurozone wird Thema auf einem informellen Treffen der EU-Finanzminister Mitte April im Madrid sein.
ddi/rts
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