Wirtschaft
Börsenhandel in Lagos.
Börsenhandel in Lagos.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 06. September 2011

"Hunger nach Dollar" lässt nach: Nigeria bekennt sich zum Yuan

In den Schwellenländern verliert der US-Dollar offenbar rapide an Ansehen: Der schwarzafrikanische Rohstoffriese Nigeria will sich künftig stärker an der chinesischen Währung orientieren. Im Rohstoffhandel zwischen Peking und Lagos könnte der Yuan schon bald den Dollar aus seiner Rolle als Leitwährung verdrängen.

Nigerias Notenbankpräsident Lamido Sanusi hat sich für eine stärkere Rolle des chinesischen Yuan als weltweite Reservewährung ausgesprochen. "Der Yuan wird bereits in den Straßen Nigerias gehandelt, das zeigt, dass der Markt uns voraus ist und wir nur nachziehen", sagte Sanusi bei einem Besuch in Peking.

"Wir ziehen nur nach": Zentralbankchef Lamido Sule Lamido.
"Wir ziehen nur nach": Zentralbankchef Lamido Sule Lamido.(Foto: REUTERS)

Die Volksrepublik habe der nigerianischen Regierung gestattet, den Yuan für den Kauf von Anleihen in Hongkong und Shanghai zu nutzen, ergänzte Sanusi. Erst zu Wochenbeginn hatte Nigeria angekündigt, ein Drittel seiner 33 Mrd. Dollar schweren Devisenreserven in Yuan umzuschichten. Sanusi zufolge wird auch erwogen, dass China den Kauf von nigerianischem Öl künftig in Yuan und nicht mehr in Dollar bezahlt.

Das öl- und erdgasreiche Nigeria gilt nach Südafrika als mit Abstand zweitgrößte Volkswirtschaft südlich der Sahara. In dem Staat am Golf von Guinea leben rund 155 Millionen Menschen. Hauptstadt ist Abuja im Zentrum des Landes mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Wichtigste Metropole ist nach wie vor Lagos an der Atlantikküste. Im Großraum Lagos leben rund 12 Millionen Menschen. Landeswährung ist der Naira (NGN). Ein Euro ist derzeit für 221,21 nigerianische Naira zu haben. Ein Yuan kostet 24,37 Naira. Der US-Dollar notiert bei 155,75 Naira.

Aufstrebende Wirtschaftsmacht

Das starke Wirtschaftswachstum Nigerias im hohen einstelligen Bereich wurde in den letzten Jahren vor allem von den kräftig gestiegenen Öleinnahmen getrieben. Außerhalb des Rohstoffsektors entwickelt sich die nigerianische Wirtschaft besonders lebhaft in den Bereichen Agrar, Banken und Telekommunikation. Trotzdem ist die Wirtschaftskraft des Landes immer noch abhängig von den Einnahmen aus dem Ölexport. China zählt zu den wichtigsten Abnehmerländern. 

"Die Regierung legt Mehreinnahmen aus dem Ölexport auf ein Sonderkonto der Zentralbank fest, um damit eine stabilere Fiskalpolitik zu erzielen, einen Inflationsschub zu verhindern und Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen", heißt es in einem Länderbericht des deutschen Auswärtigen Amtes. Dadurch habe Nigeria die Auswirkungen der globalen Finanzkrise erfolgreich abfedern können.

Rechtzeitig umschichten?

Bei seinem Besuch in China verteidigte Notenbankchef Sanusi nun die Diversifizierung der Währungsreserven. "Die US-Schuldenkrise hat dem Dringlichkeit verliehen", erklärte er. Derzeit seien noch 79 Prozent der Devisenreserven in Dollar angelegt. "Es sieht danach aus, als ob der Hunger nach Dollar nachlässt."

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte China diktiert Sparvorgaben . Investoren fürchten, dass der Dollar wegen der enormen Staatsverschuldung langfristig an Wert verlieren könnte.

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Quelle: n-tv.de

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