Wirtschaft
Ferdinand Piëch stänkert weiter.
Ferdinand Piëch stänkert weiter.(Foto: imago/IPON)

Der Patriarch funkt dazwischen: Piëch will Nichten nicht im VW-Aufsichtsrat

Die zuletzt verwaisten Stühle im VW-Aufsichtsrat sind wieder besetzt. Mit sofortiger Wirkung werden Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch zu Mitgliedern bestellt. Sie nehmen die Plätze des Ehepaars Piëch ein. Allerdings hat Ferdinand Piëch etwas dagegen.

Nach dem Rücktritt des Volkswagen-Patriarchen Ferdinand Piëch und seiner Ehefrau Ursula hat der VW-Vorstand zwei Nachfolgerinnen für den Aufsichtsrat benannt. Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch seien vom Amtsgericht Braunschweig mit sofortiger Wirkung zu Mitgliedern des Aufsichtsrats der Volkswagen AG bestellt worden, teilte der Dax-Konzern mit. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung widersprach Piëch jedoch der Nominierung seiner beiden Nichten.

Die 57 Jahre alte Louise Kiesling arbeitete dem Konzern zufolge als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien. Zuvor studierte sie Modedesign in Wien und Automobildesign am Royal College of Art in London. Die Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen ist die Tochter von Ferdinand Piëchs 2006 verstorbener Schwester Louise Daxler-Piëch.

Louise Kiesling
Louise Kiesling(Foto: dpa)

Die 34 Jahre alte Julia Kuhn-Piëch ist den Angaben zufolge selbstständige Immobilienmanagerin und gehört seit 2014 dem Aufsichtsrat der MAN Truck & Bus AG an. Sie ist Juristin und absolvierte an der Technischen Universität Wien ein Studium in Immobilien- und Liegenschaftsmanagement. Kuhn-Piëch ist die Tochter von Ferdinand Piëchs jüngerem Bruder Hans Michel Piëch.

Zusammen mit Annika Falkengren, der Präsidentin und Vorstandsvorsitzenden der Skandinaviska Enskilda Banken (SEB), sitzen damit auf der Kapitalseite künftig drei Frauen im Aufsichtsrat des Autokonzerns. Die Arbeitnehmerseite hat mit Babette Fröhlich von der IG Metall bislang nur eine Frau in das Gremium entsandt. Insgesamt zählt der VW-Aufsichtsrat 18 Mitglieder. Der ehemalige IG-Metall-Chef Berthold Huber wird bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden kommissarisch die Leitung des Aufsichtsrats übernehmen.

Piëch will Erfahrene im Kontrollgremium

Julia Kuhn-Piëch mit Vorstandschef Martin Winterkorn.
Julia Kuhn-Piëch mit Vorstandschef Martin Winterkorn.(Foto: dpa)

Laut "Bild"-Zeitung widersprach Piëch allerdings der Personalie und nominierte stattdessen den ehemaligen Linde-Chef Wolfgang Reitzle und das langjährige Siemens-Vorstandsmitglied Brigitte Ederer als neue Aufsichtsratsmitglieder. Dem Blatt zufolge missfalle dem 78-Jährigen die mangelnde Erfahrung der beiden Frauen in der Autoindustrie.

Mit seinem Widerspruch schadet Piëch Branchenkennern zufolge seiner eigenen Familie, weil er ihnen die Eignung abspricht. Die Benennung sei juristisch wasserdicht. Volkswagen wollte diesen Bericht nicht kommentieren. Auf Anfrage von n-tv.de erklärte Konzernsprecher Eric Felber, der Bestellung der beiden Piëch-Nichten sei nichts hinzuzufügen. Der Sprecher des Amtsgerichts Braunschweig, Karl Jahnke, sagte, es lägen dort keinerlei Informationen vor, wonach die über das Gericht erfolgte Bestellung angefochten werde. Auch die IG Metall lehnte einen Kommentar ab.

Laut Aktienrecht kann jeder Eigner, der Betriebsrat und das Unternehmen selbst einen Aufsichtsrat gerichtlich bestellen lassen, wenn ein Sitz in dem Kontrollrat freigeworden ist. Das Unternehmen hat als einziger sogar die Pflicht dazu.

Piëch hatte am Wochenende die Konsequenzen aus seiner Niederlage im Machtkampf mit Vorstandschef Martin Winterkorn gezogen. Er legte mit sofortiger Wirkung den Vorsitz und die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der VW AG nieder. Auch seine Ehefrau legte alle Mandate im Volkswagen-Konzern nieder.

Offen ist die wichtige Personalie des Aufsichtsratsvorsitzenden. Eine Vorentscheidung für den Chefposten der Kontrolleure sind die beiden Personalien aber noch nicht. Er wird aktuell kommissarisch vom Vize-Aufsichtsratschef Berthold Huber geführt. Der ehemalige Chef der IG Metall wird auch die VW-Hauptversammlung am 5. Mai leiten. Die als Ersatz bestellten Mitglieder brauchen nun, sollte es demnächst nicht anders geregelt werden, die Amtszeit des Ehepaars Piëch auf - das wäre bis Frühling 2017.

Quelle: n-tv.de

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