Lufthansa-Tarifparteien bleiben sturPilotenstreik kaum abwendbar
Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Sturm. Der Konzern und die Vereinigung Cockpit erzielen weiterhin keine Annäherung. Damit droht zehntausenden Lufthansa-Passagieren ab Montag ein Chaos. Verkehrsminister Ramsauer ruft die Tarifparteien auf, den Ausstand zu verhindern.
Kurz vor dem drohenden Pilotenstreik bei der Lufthansa und deren Tochter Germanwings bleiben die Fronten verhärtet. Zwar äußerten beide Seiten die Hoffnung, doch noch zu einer Annäherung zu kommen. Von ihren grundsätzlichen Positionen rückten sie aber nicht ab.
Die Vereinigung Cockpit (VC) pocht weiter darauf, dass auf angestammten Lufthansa-Strecken keine Piloten der dazu gekauften Tochtergesellschaften zu günstigeren Konditionen fliegen dürfen. Der Konzern lehnt dies als Einmischung in unternehmerische Entscheidungen ab. Ein von der VC angeregtes Spitzengespräch mit Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber kam deshalb zunächst nicht zustande.
"Wir können nicht dabei zugucken, wie deutsche Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden und genau das versucht die Lufthansa", sagte VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi. "Wir wollen eine Abgrenzungsvereinbarung haben zu den Auslandstöchtern." Die Gewerkschaft befürchtet einen sukzessiven Abbau der hoch bezahlten Piloten im Konzerntarifvertrag. Sie will eine Verlagerung von Arbeitsplätzen auf neu übernommene Töchter wie Austrian Airlines verhindern.
Lufthansa-Vizechef Christoph Franz hielt dem entgegen, die geforderte Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland sei unerfüllbar und rechtlich unzulässig. Der Konzern sei aber weiter bereit zum Dialog: "Wir können sofort über das Thema Arbeitsplatzsicherheit für Lufthansa Piloten verhandeln." Nach Konzernangaben brachte auch ein Telefonat zwischen Vorstandschef Mayrhuber und VC-Präsident Winfried Streicher keine Annäherung.
Viele Flüge fallen aus
Damit droht zehntausenden Lufthansa-Passagieren ab Montag ein Chaos. Den bisherigen Planungen zufolge wollen dann gut 4000 Lufthansa-Piloten für vier Tage ihre Arbeit niederlegen. Die Lufthansa hat zwar wie die Billigflug-Tochter Germanwings Notfallpläne ausgearbeitet, um die Auswirkungen auf die Reisenden so gering wie möglich zu halten. Lufthansa geht aber davon aus, dass zwei Drittel der Flüge ausfallen, bei Germanwings dürften es etwas weniger sein. Das Management rechnet durch den Streik mit unmittelbaren Umsatzeinbußen von 100 Millionen Euro.
Den schwarzen Peter will sich die VC aber nicht zuschieben lassen. Gerhard-Madjidi betonte, die Gewerkschaft hoffe noch immer darauf, dass es am Wochenende zu einem Spitzengespräch komme. Wenn sich dann eine Einigung abzeichne, "besteht sicherlich die Chance, dass wir diesen Streik verschieben oder aussetzen". Zuvor hatte die Gewerkschaft von "Missverständnissen" gesprochen, was die Forderungen im Tarifstreit angehe. Die Piloten wollten sich nicht in unternehmerische Fragen einmischen, sondern lediglich gleiche Arbeitsbedingungen.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer rief die Streitparteien unterdessen auf, den Streik zu verhindern. Er appelliere "eindringlich an die Vernunft der Verhandlungsführer von Lufthansa und Vereinigung Cockpit, noch vor Streikbeginn an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Keiner darf mit seinen Forderungen abheben. Ein vernünftiger Kompromiss muss her, um Schaden von der deutschen Volkswirtschaft abzuwenden."
Informationen im Internet: www.lufthansa.com, www.germanwings.com; Sonderflugplan Lufthansa: http://dpaq.de/ovHMD)
Kostenlose Rufnummern: 0800-8506070 (Lufthansa) und 0800-6644935 (Germanwings)