Wirtschaft
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China-BIP, Ölpreis und noch mehr: Dax-Kursraketen zünden nicht lang genug

Mit einem Kurssprung startet der deutsche Aktienmarkt in den Handel. Der Dax nimmt die 9700er Marke. Zum Handelsende bekommen die Anleger aber Muffensausen, die Kursaufschläge bei Dax und Co. schmelzen zusammen. Drei Ausreißer gibt es dennoch.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag lange Stehvermögen gezeigt und ist mit einem ansehnlichen Plus aus dem Handel gegangen. Die Aufschläge vom Handelsbeginn konnten Dax und Co. aber nicht halten. Nachdem zunächst ein befürchteter China-Schock ausgeblieben war, sorgte vor allem ein anziehender Ölpreis für Zuversicht bei den Anlegern. Am Abend lag der Ölpreis wieder unter der 30-Dollar-Marke - und auch die Wall-Street-Erholung enttäuschte.

Der Dax schloss 1,5 Prozent fester bei 9664 Punkten. Das Tageshoch setzte er bei 9756 Zählern. Am Montag war der Leitindex nach einer Berg- und Talfahrt leicht schwächer bei 9522 Stellen aus dem von Nervosität geprägten Handel gegangen. Der MDax legte 2,0 Prozent auf 19.029 Zähler zu. Der TecDax verbesserte sich 3,5 Prozent auf 1648 Stellen.

China-BIP beruhigt

Die chinesische Wirtschaft war im vierten Quartal um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Erwartet worden war ein Plus von 6,9 Prozent. Im Gesamtjahr 2015 schwächte sich das Wirtschaftswachstum auf 6,9 Prozent ab und verzeichnete zwar damit den niedrigsten Anstieg seit 25 Jahren, blieb aber im Rahmen der Erwartungen.

Eine baldige Erholung der chinesischen Wirtschaft sei unwahrscheinlich, schätzten dennoch die Analysten von RHB Research. Die aktuellen Zahlen unterstrichen den Eindruck einer sich langsam abschwächenden Wirtschaft. Die Analysten gehen davon aus, dass sich das Wachstum im weiteren Jahresverlauf auf 6,6 Prozent und 2017 auf 6,3 Prozent reduzieren wird. Die übergeordneten Wachstumssorgen der Anleger blieben somit erhalten. Damit ist auch die heutige "kleine Erholungsrally" kein Zeichen für eine Trendwende am deutschen Aktienmarkt nach dem bisherigen rabenschwarzen Jahresauftakt.

Devisen: Was macht Draghi?

"Zur positiven Stimmung trugen zudem Spekulationen bei, dass der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag 'seinen Teil' zur Stützung der Aktienkurse leisten wird", betonte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Der Euro verbilligte sich zunächst bis auf 1,0859 Dollar. Die EZB setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0868 Dollar fest nach 1,0892 Dollar am Montag. Am Abend dann kletterte die Gemeinschaftswährung wieder leicht über die 1,09er Marke und pendelte um 1,0903 Dollar.

Volkswirte bezweifeln, dass die EZB nach der Verlängerung ihres umstrittenen Wertpapier-Ankaufprogramms im Dezember den Geldhahn erneut aufdreht. Zudem fiel der ZEW-Index, der die Stimmung der Anlageprofis misst, etwas weniger stark als befürchtet. Allerdings blieben Börsianer skeptisch über die Nachhaltigkeit der Bewegung insgesamt. So warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor immer größeren Risiken für die Weltkonjunktur.

Dax: Banken und Versorger gesucht

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Nach dem Abverkauf zu Wochenbeginn zeigten sich die Bankenwerte mit Aufschlägen. Deutsche Bank gewannen mehr als 1 Prozent, Coba immerhin rund 0,2 Prozent. Im weiteren Fokus der Anleger in diesem Sektor steht bereits nach Einschätzung der Société Generale der geplante Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie werde im Februar verschiedene Test-Szenarien an die Banken übermitteln. Die Ergebnisse des Tests werden dann im dritten Quartal bekannt gegeben. In der Vergangenheit waren die Ergebnisse von Stresstests immer wieder von den Anlegern mit einer Mischung aus Erleichterung und Zweifeln zur Kenntnis genommen worden.

Einen fundamentalen Treiber für die Versorger sahen Händler hinter den Kursgewinnen der deutschen Energieriesen. Trotz fast 9 Prozent Plus bei RWE und etwa 7,5 Prozent bei Eon könne es langfristig weiter nach oben gehen. "Die Aussagen von Gabriel haben hier den Anstoß gegeben", sagte ein Händler mit Verweis auf den Bundeswirtschaftsminister: "Es hört sich fast an, als hätte er seine Einstellung zum Kohleausstieg geändert." Die Aussagen dazu hörten sich nun wesentlich softer an als zuvor, besonders durch die Verknüpfung mit Ersatzarbeitsplätzen, falls es zu einer Einstellung des Braunkohleabbaus komme, so ein anderer Händler. Dazu kämen die diversen Hochstufungen der vergangenen Tage für beide Versorger und die langfristige Bodenbildung der Aktien. "Das macht sie langsam wieder attraktiv für Investoren mit Blick auf die nächste Dividendenzahlung."

Adidas setzten ihren Höhenflug vom Wochenbeginn angesichts des für Herbst eingetüteten Chefwechsels fort. Die Papiere stiegen mehr als 3 Prozent.

MDax: Analysten machen Kurse

Im Nebenwerte-Index MDax verhalf ein Umsatzsprung Zalando zu einem Kursgewinn von am Ende mehr als 5 Prozent. Die Einnahmen stiegen im vierten Quartal um 31 Prozent auf 872 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit 883 Millionen Euro gerechnet. Börsianern zufolge seien Anleger erleichtert, dass es nicht schlimmer gekommen sei. Wegen Spekulationen auf ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft waren Zalando-Titel in den vergangenen Wochen um mehr als 15 Prozent gefallen - etwa doppelt so stark wie der MDax.

Hugo Boss gewannen 0,3 Prozent. Etwas belastet die Abstufung von "Kaufen" auf "Neutral" durch die Schweizer UBS. Im Minus notierten Axel Springer: rund 3 Prozent. Die Titel sind von Barclays auf "Untergewichten" abgestuft worden.

Der Anlagenbauer Gea wird für den Nahrungsmittelkonzern Nestle eine neue Produktionsanlage für Babynahrung ausrüsten. Das Volumen des bereits im vierten Quartal 2015 erhaltenen Auftrags beläuft sich auf rund 50 Millionen Euro. Gea-Papiere verbesserten sich um 3 Prozent.

TecDax: Software AG überzeugen

Mit guten Quartalsergebnissen warteten Händler zufolge Software AG auf. "Die Kombination aus leicht besser als erwartetem Umsatz plus Margenwachstum kommt immer gut an", sagte ein Marktteilnehmer. Die Marge wurde im Jahr 2015 auf 30 Prozent von 28 Prozent gesteigert und der Ausblick für 2016 auf 30 bis 31 Prozent erhöht. Die Aktien sprangen fast 13 Prozent an und waren mit Abstand größter Gewinner im Tech-Index.

USA: Endlich aufwärts!

Spekulationen auf Konjunkturspritzen für China nach schwachen Wachstumsraten lockten auch in New York die Anleger an den Aktienmarkt. Der Dow-Jones-Index gewann 0,2 Prozent auf 16.016 Punkte, nachdem der Index im Tageshoch bis auf 16.172 Zähler geklettert war. Der S&P-500 legte um 0,1 Prozent zu und der Nasdaq-Composite büßte 0,3 Prozent ein.

Die beiden Banken Morgan Stanley sowie Bank of America überraschten mit ihren jeweiligen Quartalsgewinnen positiv: Während der Kurs von Morgan Stanley um 1,1 Prozent anzog, büßten die Titel des Wettbewerbers 1,5 Prozent ein und sanken auf den tiefsten Stand seit rund zwei Jahren. Die Bank enttäuschte mit der Einnahmeentwicklung. 

UnitedHealth schafften ein Plus von 3,0 Prozent. Offenbar nahmen es Anleger dem Krankenversicherer nicht übel, dass er im Schlussquartal 2015 trotz höherer Umsätze weniger verdient hatte als im Vorjahr. Die Markterwartungen wurden gleichwohl geschlagen. Die Tiffany-Aktie fiel um 5,1 Prozent. Ein schwaches Weihnachtsgeschäft zwang den Edeljuwelier zu einer Gewinnwarnung. Überdies wird Tiffany die Zahl der Beschäftigten in seinen Filialen verringern.

Stellen abbauen wird auch Johnson & Johnson. Betroffen ist die Medizintechniksparte. Die Aktie des Pharmakonzerns reagierte mit einem Anstieg um 0,5 Prozent auf die Nachricht. Amazon kletterten um 0,8 Prozent. Laut einem Bericht könnte der Onlinehändler mit dem britischen Supermarktbetreiber Ocado zusammengehen. Twitter stürzten um 7,0 Prozent ab, der Kurznachrichtendienst war zwischenzeitlich ausgefallen und kämpfte auch anschließend mit technischen Problemen.

Asien: Wann greift Peking wieder ein?

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Die Hoffnung auf weitere Konjunkturstützen in China halfen den asiatischen Aktienmärkten. Experten rechneten nach den chinesischen BIP-Zahlen damit, dass die Regierung in Peking den Geldhahn weiter aufdreht. Weitere Zinssenkungen seien beschlossene Sache, sagte Angus Nicholson, Marktexperte bei IG in Melbourne. Jetzt sei nur noch die Frage, wann sie erfolgten.

Analysten zufolge konnten die chinesischen BIP-Daten trotz der Konjunkturabschwächung für etwas Beruhigung am Markt sorgen. Die größten Ängste um die chinesische Wirtschaft, die in den jüngsten Börsenturbulenzen zum Vorschein gekommen seien, seien wohl übertrieben, sagte Volkswirt Louis Kuijs vom Analysehaus Oxford Economics. "Wir sehen keine Anzeichen für einen abrupten Abschwung." Allerdings enttäuschten andere Daten von der chinesischen Wirtschaft leicht. So fiel der Zuwachs bei der Industrieproduktion im Dezember zum Vorjahr mit 5,9 Prozent etwas geringer aus als erwartet. Ebenso war es beim Umsatzplus des Einzelhandels. Da der Konsum und die Exporte in diesem Jahr weiter schwach ausfallen könnten, hänge viel von staatlichen Maßnahmen ab.

An den chinesischen Börsen zogen die Kurse deutlich an. Der Shanghai Composite  verbuchte ein Plus von 3,2 Prozent. Der Shenzhen Composite stieg 3 Prozent. Auch der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte mehr als 1 Prozent fester. In Tokio ging der Nikkei 0,6 Prozent höher bei 17.048 Punkten aus dem Handel.

Rohstoffe: Brent erholt, WTI stürzt ab

US-Leichtöl der Sorte WTI brach um 3,3 Prozent auf 28,46 US-Dollar auf ein weiteres Zwölfjahrestief ein. Nach Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen die Ölmacht Iran rechnet die Internationale Energieagentur 2016 mit einer Überversorgung des Marktes um rund 1 Million Barrel am Tag. "Neues Angebot kommt weiterhin an die Märkte und das belastet", sagte Ölhändler Ric Navy R.J. O'Brien & Associates. Zudem hatte der Iran die Preise für Lieferungen nach Europa gesenkt und war damit dem Beispiel Saudi-Arabiens von Anfang des Monats gefolgt.

Andere Marktbeobachter hielten die Sorgen verbunden mit dem Iran für übertrieben. "Marktteilnehmer handeln mehr auf die Schlagzeilen als auf die fundamentale Situation", entgegnete Analyst Olivier Jakob von Petromatrix. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent erholte sich etwas, denn die Rohölsorte hatte bereits am Vortag auf das Ende der iranischen Sanktionen mit Abschlägen reagiert. Da hatte wegen des US-Feiertags bei WTI nur ein elektronischer Handel stattgefunden. Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 28,76 Dollar. Allerdings kamen die Preise im Tagesverlauf auch hier deutlich zurück, denn Nordseeöl war zwischenzeitlich mit über 30 Dollar gehandelt worden.

Industriemetalle gefragt

Das Industriemetall Kupfer war ebenfalls gefragt. Es verteuerte sich 0,7 Prozent auf 4413 Dollar je Tonne. Auch die Preise für Aluminium, Zink, Nickel und Blei erholten sich.

Der Rückgang der chinesischen Lagerbestände schob zudem den Preis für Eisenerz dort an. Der Erz-Future notierte 2,6 Prozent fester bei 322 Yuan (48 Dollar) je Tonne. In seinem Windschatten stieg der in Shanghai gehandelte Terminkontrakt auf Stahl um 1,8 Prozent auf 1839 Yuan (276 Dollar). Dem Branchendienst Custeel.com zufolge lagen die chinesischen Eisenerz-Bestände am 15. Januar bei 8,67 Millionen Tonnen. Das war ein Minus von 16,37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: n-tv.de

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