Wirtschaft
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Wall Street mit sattem Plus: Dax beendet Horror-Woche versöhnlich

Zwei Gewinntagen stehen drei Verlusttage gegenüber - am Ende bleibt im Dax ein Wochenminus von 3,2 Prozent. Aber es gibt auch einen wirklichen Lichtblick.

"Wir sehen einen versöhnlichen Wochenschluss", sagt n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. "Der Markt ist auch etwas überverkauft", kommentiert ihre Kollegin Corinna Wohlfeil die Situation am deutschen Aktienmarkt. Am Freitag hat dieser noch einmal sein positives Gesicht gezeigt und wie zur Wochenmitte einen deutlichen Aufschlag verzeichnet. "Es ist aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", so Wohlfeil weiter. Nachdem der Leitindex in der Vorwoche bereits rund 5 Prozent eingebüßt hat, waren es in dieser Woche 3,2 Prozent.

Der Dax schloss 2,5 Prozent im Plus bei 8968 Punkten auf Tageshoch. Das Tagestief stand bei 8816 Zählern. Am Donnerstag hat er 265 Zähler eingebüßt. Auch am Montag und Dienstag war er mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Nur zur Wochenmitte stand am Ende ein positives Vorzeichen. Der MDax verabschiedete sich 1,9 Prozent fester und mit 17.924 Stellen aus dem Handel. Der TecDax gewann 1,8 Prozent auf 1512 Punkte.

Dofel und Wohlfeil sprachen von einer "Gegenbewegung", keiner nachhaltigen Erholung. Auch andere Marktexperten sehen weiterhin noch Luft nach unten: Das Tief vom Oktober 2015 liegt um 8350 Punkte. Davor unterstützt nur noch der langfristige Aufwärtstrend, der etwa bei 8780 Zählern verläuft. Anleger sollten daher auf der Hut sein, so Marktteilnehmer. Die Börsenweisheit, nicht in ein fallendes Messer zu greifen, kursierte auf dem Frankfurter Börsenparkett.

"Für Anleger können die Kursverluste aber auch eine Chance sein", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Anders als im Frühjahr 2015 werden Risiken im Kurs jetzt angemessen berücksichtigt. Am Aktienmarkt ist eine deutliche Abschwächung der Konjunktur eingepreist", erläuterte er.

Rohstoffe: Öl zieht deutlich an

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Stützend wirkten die leichte Entspannung bei Gold und der Preissprung bei Öl. Spekulationen auf eine baldige Förderkürzung beflügelten dabei den Ölpreis. Brent verteuert sich zum US-Handelsschluss um 9,2 Prozent auf 32,82 Dollar und WTI legt um 10,5 Prozent auf 28,97 Dollar je Fass zu, nachdem die Preise am Donnerstag ordentlich ins Rutschen geraten waren. Laut "Wall Street Journal" ist die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bereit, über eine abgestimmte Kürzung der Förderung zu reden.

Viele Händler blieben allerdings skeptisch, ob die Opec-Mitglieder und andere Öl-Exporteure sich tatsächlich auf eine gemeinsame Förderpolitik einigen werden. "Die Opec pumpt weiter", kommentierte Analyst Tariq Zahir von Tyche Capital Advisors: "Bis es zu einem Treffen und dann zu einer Entscheidung bezüglich einer Senkung der Fördermenge kommt, ist das eine weitere Spekulation, die wir schon in der letzten und vorletzten Woche hatten." Wegen des anhaltenden Überangebots dürften die Preise daher unter Druck bleiben, prognostizierten sie. Der Ölpreis hat seit Mitte 2014 fast 75 Prozent seines Wertes verloren.

Goldpreis sinkt leicht

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Der Preis für Gold kam etwas zurück und notierte um 1239 Dollar rund 0,6 Prozent unter dem Donnerstagswert. Angesichts der Börsenturbulenzen seit Beginn des Jahres hatte die Nachfrage nach Gold jüngst wieder deutlich zugenommen. Am Donnerstag erreichte der Preis für eine Feinunze an der Börse in London ein Zwölfmonatshoch - und lag zeitweise bei 1244 Dollar (1104 Euro). Gold gilt als krisensichere Anlage. Den Höchstwert hatte der Goldpreis 2012 mit im Jahresschnitt knapp 1300 Euro für eine Unze erreicht.

Eine Prognose über die weitere Entwicklung sei schwierig, erklärte der deutsche Bankenverband. Er gab zu bedenken, dass Gold keine regelmäßigen Erträge bringt - sein Vermögen kann ein Anleger mit Gold also nur steigern, wenn der Goldkurs zulegt. Die weltweite Nachfrage nach Gold blieb im vergangenen Jahr zudem stabil. 4212 Tonnen wurden nachgefragt, fast genauso viel wie im Vorjahr mit 4226 Tonnen, wie der Weltgoldrat mitteilte.

Was bewegte noch?

Anders als an den Vortagen gab es im Handelsverlauf wichtige Konjunkturdaten, vor allem zahlreiche BIP-Zahlen zum ersten Quartal. Die deutsche Wirtschaft hatte im vierten Quartal 2015 ihren moderaten Wachstumskurs beibehalten, das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Den gleichen Wert schaffte die Eurozone. Eine positive Überraschung blieb also aus. Anders in den USA: Dort konnten die Einzelhandelsumsätze überraschen  - allerdings auf niedrigen Niveau. Sie kletterten um 0,2 statt der prognostizierten 0,1 Prozent.

Dax: Coba zeigt, wie es geht

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Bei den Einzelwerten im Dax lag der Fokus auch am Freitag auf den Bankwerten. Diesmal stach aber die Commerzbank heraus. Die überraschte mit unerwartet guten Zahlen und der Ankündigung, nach acht Jahren wieder eine Dividende zahlen zu wollen. "Die operativen Erträge liegen ebenso über den Erwartungen wie der operative Gewinn", kommentierte ein Händler. Auch die Risikovorsorge liege unter der Konsensschätzung. Die Aktien schlossen mehr als 18 Prozent höher. Sie waren der Topgewinner im Dax. Deutsche Bank gewannen rund 12 Prozent.

Bei Thyssenkrupp bremsten zeitweise schwache Zahlen. Gegen Mittag drehten die Titel aber ins Plus, am Handelsende lag das bei deutlichen rund 8,5 Prozent. Der bestätigte Ausblick des Stahlkochers stützte, wie es am Markt hieß.

Gegenbewegung der Versorger

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Die als mit besonders hohen Anlagerisiken behafteten Versorger warteten ebenfalls mit deutlichen Gewinnen auf. "RWE sind in dieser Woche um 19 Prozent eingebrochen und Eon um 16 Prozent. Entsprechend stark ist heute die Gegenbewegung", sagte ein Händler. Eon kletterten etwa 6 Prozent, RWE rund 5,5 Prozent.

Die deutschen Autowerte profitierten von den als gut eingeschätzten Zahlen Renaults. Vor allem der Cash Flow des französischen Autobauers fiel deutlich besser als erwartet aus. BMW zogen 4 Prozent an, Daimler 3 Prozent und VW 0,7 Prozent.

HeidelbergCement kletterten mehr als 3 Prozent. Der Baustoffkonzern hat Marktgerüchte zurückgewiesen, er könnte die Übernahme des italienischen Wettbewerbers Italcementi platzen lassen. "An dem Gerücht ist nichts dran. Es gibt keine Intention, die Übernahme abzubrechen", sagte ein Konzern-Sprecher.

TecDax: CZM bleibt im Rahmen

Carl Zeiss Meditec schlossen etwa 2,7 Prozent fester. "Ich sehe in den Zahlen von Carl Zeiss Meditec keine negative Überraschung", lautete die Einschätzung eines Händlers. Wer ein Haar in der Suppe suche, finde dies bei dem leicht unterhalb der Erwartung ausgefallenen Nettoergebnis. Als soliden Start in das Jahr stufte DZ-Bank-Analyst Sven Kürten die Zahlen zum ersten Quartal ein.

USA: Gewinne an der Wall Street

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Beflügelt von einer Erholung bei den Ölpreisen und Bankenaktien legte auch die Kurse an der New Yorker Wall Street deutlich zu. Beruhigende Nachrichten kamen auch von der Konjunkturseite. Die Einzelhändler starteten mit leichten Umsatzzuwächsen ins Jahr. "Rezessionssorgen lassen sich auf dieser Basis nicht herleiten", sagte Helaba-Ökonom Ralf Umlauf. Der Einzelhandel macht etwa 30 Prozent des privaten Konsums in den USA aus. Für einen weiteren Stimmungsaufheller sorgten Spekulationen auf baldige Öl-Förderkürzungen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte um 2,0 Prozent zu und beendete die Handelswoche bei 15.974 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls um 2,0 Prozent auf 1865 Zähler. Der Nasdaq Composite gewann 1,7 Prozent auf 4338 Stellen.

Bei den Einzelwerten gehörten die Bankenaktien zu den größten Gewinnern. JP Morgan verteuerten sich um 8,9 Prozent, Goldman Sachs um 4,4 Prozent, Citigroup  um 8,1 Prozent und Bank of America um 7,1 Prozent. Zuletzt waren Finanztitel weltweit eingebrochen, weil Investoren einen Schwächeanfall der Weltwirtschaft und Kreditausfälle im Bankensektor fürchteten.

Die Papiere von AIG sprangen 5,2 Prozent in die Höhe. Der sein aggressives Finanzgebaren bekannte Investor Carl Icahn entsendet einen Vertreter in das Direktorium des größten nordamerikanischen Versicherers.

Devisen: Euro unter 1,13

Der Euro gab zum Dollar deutlich nach. Die Gemeinschaftswährung kostete am späten Abend 1,1257 Dollar und damit 0,5 Prozent weniger als am späten Donnerstagabend. Im frühen Handel hatte der Euro noch über der Marke von 1,13 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1275 Dollar nach 1,1347 Dollar am Donnerstag fest.

Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stand aber erneut der Yen. Nachdem die japanische Währung in den vergangenen Tagen massiv gestiegen war, hatte die Regierung am Morgen verbal interveniert. Finanzminister Taro Aso sprach von heftigen Kursbewegungen und sagte, man beobachte die Entwicklung und werde falls erforderlich reagieren. Fachleute deuteten dies an Hinweis auf mögliche Eingriffe am Devisenmarkt. Grund der Yen-Stärke ist die weltweit schlechte Börsenstimmung, was Anleger in den als sichere Anlage geltenden Yen treibt.

Asien: Nikkei sackt auf 15-Monats-Tief

In Tokio zog die Börse die Donnerstagsverluste aus Europa nach. Viele Anleger fürchteten inzwischen, dass die Weltwirtschaft ins Straucheln gerät, sich Kreditausfälle häufen und die Finanzwirtschaft deshalb Probleme bekommt. Sie trennten sich reihenweise von riskanteren Anlagen und investierten beispielsweise in den Yen. Der Dollar fiel zum Yen auf ein 15-Monats-Tief. Dies wiederum sorgte die japanische Exportwirtschaft, die befürchtet, dass die Yen-Stärke ihre Einnahmen belastet.

Auf Wochensicht brach der Nikkei um 11,1 Prozent ein. Das war der stärkste Verlust seit Oktober 2008. Am Freitag gab der Nikkei-Index bei hohen Volumina 4,8 Prozent auf 14.952 Punkte nach. Das war der niedrigste Schlusskurs seit Oktober 2014. Der breiter gefasste Topix sank um 5,4 Prozent und lag bei 1196 Zählern.

In China waren die meisten Börsen wegen des Neujahrsfestes weiter geschlossen. Dort soll am Montag wieder gehandelt werden. In Hongkong lag der Hang Seng gut 1 Prozent im Minus. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel 0,7 Prozent. "Die Märkte beginnen, eine scharfe Abkühlung der Weltwirtschaft und selbst eine Rezession in den USA einzupreisen", sagte der Chefstratege Tsuyoshi Shimizu von Mizuho Asset Management.

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Quelle: n-tv.de

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