Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ölpreise stürzen auf neue Tiefs: Dax schließt leicht im Minus

Zwischenzeitlich sieht es so aus, als zeige sich der Dax wenig beeindruckt von dem erneuten Kursverfall in China. Doch die Gewinne schmelzen letztlich wieder dahin. Der Leitindex geht schwächer aus dem Handel.

Nach einem schwachen Start schüttelten Dax-Anleger trotz eines erneuten Kurseinbruchs in China im Laufe des Handelstages zunächst ihre Bedenken wieder ab und lenkten den deutschen Leitindex zunächst aus der Verlustzone. Am Ende schmolzen die Gewinne jedoch wieder zusammen und der Dax sackte sogar wieder 0,2 Prozent ins Minus auf 9825 Punkte. Händler führten die zunächst stabilen Kurse in erster Linie auf Leereindeckungen zurück. Der Markt sei jedoch nach wie vor "angeschlagen". Der Ölpreis gab derweil weiter kräftig nach. Die Nordsee-Sorte Brent sank unter die Marke von 32-Dollar und gleichzeitig auf den tiefsten Stand seit April 2004.

Analyst Angus Nichsolson von IG Markets sprach mit Blick auf die Aktienmärkte von einem "sich selbst erhaltenden Zyklus der Angst", der sich von ökonomischen Daten weitgehend losgelöst zu haben scheine. Der chinesische Börsenhandel gleiche einem "Schlachtfeld", auf dem sich staatliche Käufer und Investoren, die aussteigen wollten, einen bitteren Kampf lieferten. Die Börse in Shanghai brach erneut um mehr als 5 Prozent ein.

Die chinesische Notenbank wertete den Yuan zwar auf und dämpfte damit Spekulationen um einen Abwertungswettlauf zur Ankurbelung der Konjunktur. Gleichzeitig stiftete sie aber auch Verwirrung um den währungspolitischen Kurs. Anleger bezweifelten, dass die Regierung in Peking die eigene Wirtschaft noch kontrollieren könne, sagte Volkswirt Tapas Strickland von der National Australia Bank.

Daneben blicken Anleger gespannt auf die USA, wo der Aluminiumkonzern Alcoa Geschäftszahlen vorlegt. Sie gelten traditionell als Auftakt der US-Bilanzsaison.

Frankfurt: VW starten im Dax durch

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Der Dax schloss am Ende 0,2 Prozent tiefer bei 9825 Punkten. Beim MDax zeigte sich ein Minus von 0,5 Prozent auf 19.219 Zähler. Verluste beim TecDax, der 1,6 Prozent auf 1698 Punkte fiel. Ein Aufschlag von 0,1 Prozent schob den Euro-Stoxx-50 auf 3038 Punkte.

Bei den europäischen Branchen stach der Automobilsektor mit einem Plus von X,0 Prozent heraus. VW stiegen um 1,7 Prozent, der Autokonzern hat nach eigenen Angaben eine Lösung für die Dieselfahrzeuge in den USA gefunden. Daneben hat die Branche in der jüngsten Marktkorrektur wegen der Sorgen um das chinesische Wachstum mit am stärksten gelitten. Daimler und BMW verloren hingegen 0,1 und 0,4 Prozent.

Am Dax-Ende standen Fresenius mit einem Minus von 2,4 Prozent. FMC büßten 2,0 Prozent ein und landeten ebenfalls weit hinten.

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Unter den Aktienwerten am deutschen Markt gehörte Qiagen im TecDax mit einem Kurseinbruch von 11,1 Prozent zu den größten Verlierern. Wegen des starken Dollar verfehlte die Biotechfirma ihre Ergebnisziele für 2015. Der Umsatz sank nach vorläufigen Zahlen im vierten Quartal um 3 Prozent im Vorjahresvergleich auf 348 Millionen US-Dollar. Verantwortlich waren vor allem Wechselkurseffekte.

Dialog Semiconductor stiegen trotz einer schwachen Umsatzprognose für 2016 um 0,4 Prozent an. "Das zeigt zum einen, dass in der Aktie nach einer Kurshalbierung seit Juli schon viel Negatives eingepreist ist", sagte ein Händler. Zum anderen sinke immer mehr die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme von Atmel durch Dialog Semiconductor.

USA: Leichte Gewinne an der Wall Street

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Trotz des erneuten Kurseinbruchs in China und den weiter fallenden Ölpreisen ist die Wall Street mit Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Im Lauf des Handels schmolzen diese jedoch nach und nach wider zusammen. Denn die Sorgen in Bezug auf die Wachstumsaussichten für China bleiben bestehen. Der Dow-Jones-Index notierte 0,3 Prozent höher und schloss bei 16.399 Punkten. Der S&P-500 gewann 0,1 Prozent auf 1924 Zähler, für den Nasdaq-Composite ging es um 0,1 Prozent auf 4638 Punkte nach unten.

Unter den Einzelwerten standen Alcoa im Fokus. Der Aluminiumkonzern, der als eine Art Konjunkturbarometer gilt, wird nach der Schlussglocke die Ergebnisse für das vierte Quartal veröffentlichen und damit den inoffiziellen Startschuss für die Berichtssaison geben. Die Aktie gewann 2,6 Prozent.

Am Donnerstag und Freitag legen dann mit JP Morgan, Wells Fargo und Intel die ersten Schwergewichte ihre Geschäftszahlen vor.

Die Affymetrix-Aktie schnellte um 42,5 Prozent auf 12,82 Dollar in die Höhe. Thermo Fisher Scientific will den Anbieter biologischer Tests kaufen. Thermo Fisher bietet 14 US-Dollar in bar je Affymetrix-Aktie. Insgesamt beläuft sich das Angebot auf 1,3 Milliarden Dollar.

Asien: Chinas Festlandbörsen fünf Prozent im Minus

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Irritationen über Chinas Umgang mit der Konjunkturabkühlung haben die Börsen in Fernost verunsichert. Die zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA wertete am Montag ihre Währung Yuan erneut etwas auf. Nach zunächst acht Abwertungen war es die zweite Aufwertung in Folge. Am Markt sorgte dies jedoch nur für Verwirrung über den Kurs der chinesischen Geldpolitik. Die chinesischen Börsen schlossen auf dem tiefsten Stand seit September.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel fast zwei Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende 2011. Die Börse in Tokio blieb wegen eines Feiertags geschlossen. Dies sorgte für noch mehr Volatilität. Der CSI300-Leitindex für die chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen verlor fünf Prozent. Die Börse in Shanghai büßte 5,3 Prozent ein, in Shenzhen sank der Index um 6,6 Prozent.

Rohstoffe: WTI-Öl stürzt auf tiefsten Stand seit 2003

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Der Verfall der Ölpreise hat sich beschleunigt. Das an den Märkten richtungsweisende Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 6,8 Prozent auf 31,26 Dollar je Barrel (159 Liter) und notierte damit so niedrig wie zuletzt am 7. April 2004. US-Leichtöl der Sorte WTI brach um 6,2 Prozent auf 31,10 Dollar ein - das war der niedrigste Stand seit dem 24. Dezember 2003.

"China hat den Anlegern alle Hoffnung genommen, dass sich über die Nachfrage der Preis erholen könnte", sagte ein Händler. Die Talfahrt der Börsen in China sowie die Währungspolitik der Zentralbank hält die Anleger seit Jahresbeginn auf Trab. Viele fürchten, dass es um die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft schlechter bestellt sein könnte als gedacht. Nach Goldman Sachs halten auch die Analysten von Morgan Stanley Ölpreise von weniger als 30 Dollar für möglich. Goldman Sachs hatte vor kurzem einen WTI-Preis von 20 Dollar prognostiziert.

Die China-Sorgen beflügeln den Goldpreis. Dieser klettert wieder über die Marke von 1100 Dollar und damit den höchsten Stand seit November. Seit Beginn des Jahres hat der Goldpreis mit den Kurseinbrüchen in China und der damit erhöhten Nachfrage für "sichere Häfen" schon um mehr als 4 Prozent zugelegt. Die Feinunze kostet 1102 Dollar, ein Plus von 0,4 Prozent.

Devisen: Euro sinkt unter 1,09-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist zu Wochenbeginn unter Druck geraten. Am späten Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0857 US-Dollar und damit gut einen Cent weniger als im asiatischen Handel. Der chinesische Yuan, der in der vergangenen Woche deutlich an Wert verloren hatte, erholte sich dagegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Euro-Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0888 (Freitag: 1,0861) Dollar fest.

Nach wie vor wird die Entwicklung am Devisenmarkt stark von dem Geschehen an den chinesischen Finanzmärkten bestimmt. Zum Wochenstart war das Bild allerdings nicht einheitlich.

Quelle: n-tv.de

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