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Der Dicke aus StuttgartAufpassen beim Mercedes ML

28.10.2012, 14:27 Uhr
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Der 1997 auf den Markt gebrachte Mercedes ML gilt als Mitbegründer und erster deutscher Vertreter der Klasse der SUVs. Kann der wuchtige Geländewagen mit seinen Mittlerweile 15 Jahren als Gebrauchter überzeugen?

Wer vor 1997 ein großes

und schweres SUV haben wollte, musste zu amerikanischen oder britischen Modellen

greifen. Dann kam der Mercedes ML (W163), wenn auch nicht aus deutscher Produktion.

Das schwäbische SUV entstand im amerikanischen Mercedes-Werk oder in Österreich.

Darauf sollte man beim Gebrauchtwagenkauf achten.

Platz hat er, der Dicke

aus Stuttgart. Mit 4,63 Meter Länge und bis zu 1,89 Metern Breite bietet das noble

SUV den Insassen viel Platz für Kopf und Beine. Und auch der Kofferraum schluckt

einen amerikanischen Großeinkauf. Auch wenn der Kraxler in den USA eher als Kleinwagen

durchgeht, fällt er im deutschen Straßenverkehr durch seine Wuchtigkeit auf. Das

wird vor allem in engen Parklücken und Parkhäusern schnell deutlich. Stadtautos

sind auf an Schrammen an Felgen und Kotflügeln zu erkennen. Die Inneneinrichtung

ist variabel und die optional erhältlichen beiden Sonnendächer durchfluten das Passagierabteil

mit viel Licht. Als Option gab es auch eine dritte Sitzreihe, was den ML für Familien

mit vielen Kindern interessant macht.

Schwerer Wagen starke Leistung

2,2 Tonnen wollen bewegt

werden, deshalb finden sich unter der hohen Front auch eher starke Motoren. Die

Leistung reicht von 150 bis zu 347 PS. Auch schwere Anhänger bis 3,5

Tonnen sind kein Problem, im Matsch helfen Allrad und die elektronische Traktionskontrolle.

Vor allem die in den USA gefragten großvolumigen Benziner sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt

eher selten zu finden. Die meisten Kunden griffen zu den Dieseln, die eine Leistungspanne

von 163 PS bis zu 250 PS bieten. Vor allem der Basis-Diesel ML 270

CDI ist eine vernünftige Wahl, wenn man ein Fahrzeug mit wenig Laufleistung findet:

Bei Steyr-Puch in Graz gebaut, ist die Qualität meist besser als bei den US-Modellen

und außerdem stimmen Durchzug und Verbrauch. Allerdings werden Stadtbewohner ohne

zusätzlichen Filter aus ihren Zentren ausgeschlossen – eine grüne Plakette erhält

er nämlich ohne Kat nicht.

Für Wenigfahrer lohnt hingegen

der weichlaufende ML 320 Benziner mit 218 PS. Die Motoren gelten allgemein

als robust und langlebig, das Automatikgetriebe hat dagegen Probleme mit dem bulligen

Drehmoment des ML 400 CDI.

Ausstattung und Sicherheit

Der Mercedes ist groß und sicher und erlangt beim EuroNCAP-Crashtest 2002 vier von

fünf Sternen. Zur Basisausstattung zählen unter anderem vier Airbags und ABS, seit

1998 ist auch der Schleuderschutz ESP an Bord. Auch der elektronische Allradantrieb

und Automatikgetriebe gehören immer zur Serie. Alles andere kann dazu bestellt werden

– und die Liste ist lang.

Ein Muss in dieser Klasse sind Klimaautomatik und Ledersitze

mit Heizung. Auch getönte Seitenscheiben und ein Sound-System sind eine gute Wahl.

Oft bestellt wurde auch die Anhängerkupplung. Vor Zugfahrzeugen im Dauereinsatz

sollte aber Abstand genommen werden: Hoher Verschleiß an Achsen, Bremsen und Karosserie

sind meist die Folge. 2001 bekam die M-Klasse eine umfassende Modellpflege, die

vor allem auf die Außenoptik zielte.

Mängel in der US-Produktion

Die vermeintlich

günstige Produktion in den USA schlägt sich leider auf die Qualität nieder. Die

Verarbeitung der ersten Jahre ist meist schlecht, was besonders an losen Türgummis,

defekten Schiebedächern, wackelnden Sitzen, toten Alarmanlagen und streikende Fensterhebern

zu erkennen ist. Auch tritt oft Rost am Rahmen auf, was aber im Rahmen einer Kundendienstaktion

2000 behoben wurde. Ein Nachweis sollte den Rechnungen beiliegen. Ansonsten gibt

es aber wenige Probleme mit Rost.

Bei den TÜV-Hauptuntersuchungen

fallen die schweren Schwaben immer wieder durch Mängel an der vorderen Traggelenken

und Querlenkerbuchsen sowie Spurstangen auf. Das ist dann oft für ein viel zu großes

Lenkungsspiel verantwortlich, was man bei der Probefahrt aber kontrollieren kann.

Im Vergleich zu anderen Fahrzeugen ähnlicher Laufleistung und Größe liegt das SUV

dadurch weit unter dem Durchschnitt.

Auch im Kapitel Licht lässt

der ML Federn, eine Rundumbegutachtung der Anlage sollte deshalb zum Pflichtprogramm

zählen. Ebenso wie die Wirkung der Feststellbremse, die bei nicht regelmäßiger Nutzung

zur Einseitigkeit oder gar zum Festrosten neigt. Auch die Bremsleitungen lassen

sich mit den Jahren gerne vom Rost auffressen. Ein Blick unter das Auto oder ein

frischer HU-Bericht gibt aber auch hier schnell Aufschluss darüber.

Fazit

Mit der vielzitierten

Mercedes-Qualität kann der ML der ersten Jahre nicht mithalten. Doch der Mercedes

hat seine Vorzüge, vor allem gepflegte Diesel-Fahrzeuge ab 2001, die keinen Hänger

gezogen haben und regelmäßig gewartet wurden. Die findet man zwar nicht unter 5.000

Euro. Aber wenn, dann sofort zuschlagen.

Quelle: ntv.de, sp-x