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Als 180 CDI bringt der kleine Mercedes Temperament und Vielseitigkeit mit.
Als 180 CDI bringt der kleine Mercedes Temperament und Vielseitigkeit mit.(Foto: Axel F. Busse)

B-180 CDI im Praxistest: B-Klasse sucht Emotionalität

Von Axel F. Busse

Mit der zweiten Generation der B-Klasse versucht Mercedes, dem Mini-Van den Hauch der Biederkeit abzustreifen. Was Umsteiger auf das neue Modell außer einer Überraschung an der Tankstelle noch erleben, zeigte der Praxistest.

In der neuen B-Klasse sollen sich künftig auch die Kunden der bisherigen A-Klasse wohl fühlen.
In der neuen B-Klasse sollen sich künftig auch die Kunden der bisherigen A-Klasse wohl fühlen.(Foto: Axel F. Busse)

Es ist immer ein Spagat zwischen Funktionalität und sportlichem Wollen, wenn ein Auto-Hersteller seinem Erzeugnis den Beinamen "Sports Tourer" aufdrückt. Zunächst als A-Klasse mit Raumgewinn gestartet, soll der aktuelle B-Mercedes nun mehr Eigenständigkeit und Persönlichkeit entfalten. Da bei den Mini-Vans mit dem Stern in Deutschland ein leichtes Übergewicht bei den Benzinern festzustellen ist, wurde für diesen Test der Einsteiger-Diesel 180 CDI BlueEfficiency ausgewählt.

Nach zähem Anlauf wurde die erste B-Klasse ein recht beliebtes Auto, verkaufte zeitweise sogar höhere Stückzahlen als die vergleichbaren, aber deutlich günstigeren Mini-Vans anderer deutscher Hersteller. Der Anteil der Privatkunden war hoch, deren Durchschnittsalter aber auch: 58 Lenze zählte ein B-Klasse-Käufer im Schnitt. Künftig sollen sich auch jüngere Kunden für das Auto begeistern. Ob das gelingt, ist noch offen, aber seit die neue A-Klasse deren traditionelle Kundschaft nicht mehr so richtig anspricht, werden wohl zahlreiche Interessenten notgedrungen auf die B-Baureihe umsteigen.

Niedrige Ladekante

Eine flachere, aber längere Karosserie erfüllt die Platzbedürfnisse für viele Einsätze.
Eine flachere, aber längere Karosserie erfüllt die Platzbedürfnisse für viele Einsätze.(Foto: Axel F. Busse)

Gegenüber dem seit 2005 gebauten Vorgänger hat der Fünftürer neun Zentimeter Außenlänge gewonnen, gleichzeitig ist die Karosserie fast fünf Zentimeter flacher geworden. Das streckt das optische Erscheinungsbild. Die Frontpartie zeigt nun Gestaltungselemente, wie sie auch SL und SLK verwenden – das schärft den sportlichen Ausdruck im Gesicht des Wagens, den letztlich auch die ansteigende Seitenlinie verspricht. Ein Aufreger ist die B-Klasse freilich immer noch nicht geworden, sie wirkt eher wie auf der Suche nach der eigenen Emotionalität. Der Zuwachs an Platz ist aber erheblich: Das ist besonders am Gepäckraum abzulesen, wo nunmehr mindestens 488 Liter Volumen nutzbar sind.

Die Ladekante liegt mit 62 Zentimetern erfreulich niedrig, da wird auch der Transport des Kühlschranks nicht zum Problem. Wer zusätzliche Kosten von 675 Euro nicht scheut, kann das Easy Vario Plus-System bestellen, das aus einer um 14 Zentimeter verschiebbaren Rückbank und der umlegbaren Rückenlehne des Beifahrersitzes besteht. So kann das eigentliche Kofferraumvolumen auf 666 Liter gesteigert werden. Sind die Sitze der zweiten Reihe umgeklappt, stehen stolze 1545 Liter zur Verfügung. Das ist mehr als in manchem Mittelklasse-Kombi. Das flachere Dach macht sich bei Kopffreiheit übrigens nicht negativ bemerkbar, da durch Verzicht auf die Sandwich-Bauweise in der Bodengruppe Platz für eine Absenkung der Sitzpositionen gefunden wurde.

Wohnlich-edler Innenraum

Sehr geschmackvoll eingerichtet ist das Cockpit mit den "SLS"-Lüftungsdüsen.
Sehr geschmackvoll eingerichtet ist das Cockpit mit den "SLS"-Lüftungsdüsen.(Foto: Axel F. Busse)

Der Innenraum präsentiert sich als eine Mischung aus High-Tech-Funktionalität und dem klassischen Schick hochwertigen Komforts. Materialauswahl und -verarbeitung sind vorbildlich. Der Testwagen verfügte über eine Kombination aus haselnussbraunem Leder und Zierelementen aus Wurzelholz, was nicht nur edel aussieht, sondern auch angenehm wohnlich wirkt. In der gefahrenen Version ist diese Kombination aufpreisfrei. Mit den Lüftungsdüsen wird der Wunsch nach sportlichem Ambiente untermauert. Ihre turbinenartige Gestaltung wurde zuerst im Supersportler SLS AMG sichtbar, inzwischen ist sie auch in der A-Klasse angekommen. Über der Mittelkonsole prangt ein freistehendes Farbdisplay als Teil des serienmäßigen CD-Radios mit Bluetooth-Schnittstelle. Beim optionalen Comand-Online-System (+3153,50 Euro) fällt das Display größer aus, denn dabei dient es auch als Monitor für das Navigationssystem.

Die Kombination aus 1,8-Liter-Common-Rail-Dieselmotor und DCT-Getriebe erwies sich als harmonisch und unkompliziert. Wer weder auf Erfahrungen mit der R- oder S-Klasse zurückgreifen kann, wird sich vielleicht über die Platzierung des Wählhebels an der Lenksäule wundern. Da er nur jeweils einen Schritt nach oben oder unten bewegt werden kann, sind auch für Neulinge Fehlbedienungen so gut wie ausgeschlossen. Die Erwartung, das Beschleunigen weitgehend ohne Zugkraft-Unterbrechungen zu erledigen, wurde ohne Einschränkung erfüllt.

Zügig vom Fleck

Mountainbiker finden in der B-Klasse genug Platz für ihr Hobby.
Mountainbiker finden in der B-Klasse genug Platz für ihr Hobby.(Foto: Axel F. Busse)

Das Getriebe schaltet komfortabel und bedarfsgerecht, wenn auch nicht ganz so schnell wie die Getriebe einiger anderer Hersteller. Wer möchte, kann per Paddel die gewünschte Fahrstufe wählen. Die für das Getriebe notwendige Sonderausgabe von 2166 Euro ist gut angelegtes Geld. Mit seinen 250 Newtonmetern Drehmoment ist der B 180 zwar kein Durchzugsriese, aber da dieser Wert schon ab 1250 Umdrehungen genutzt werden kann, geht es nach jeder Ampel zügig vom Fleck. Der Motor verrichtet dezent seine Aufgaben, wird auch in höheren Drehzahlbereichen nicht lästig und meldet sich bei häufigem Gebrauch der Start-Stopp-Funktion immer wieder spontan leistungsbereit.

Der Besuch an der Tankstelle war genau genommen nicht nur mit einer, sondern mit gleich zwei Überraschungen verbunden: Deutlich länger als erwartet hatte die Tankfüllung von 50 Litern gehalten. Mit einem Praxis-Verbrauch von 5,8 Litern lag das Testfahrzeug zwar 1,4 Liter über dem nach EU-Norm ermittelten Wert, schnitt im Vergleich mit Fahrzeugen ähnlichen Kalibers jedoch sehr günstig ab. Zweite Überraschung: Zum Wiederbefüllen wurde das Fahrzeug erstmal vor der falschen Tanksäule geparkt. Die neue B-Klasse hat den Tankstutzen nicht mehr dort, wo die bisherigen Kunden es gewohnt sind. Der Grund: Als die Grundarchitektur für die neuen Kompakten im damaligen Daimler-Chrysler-Konzern festgelegt wurde, wanderte der Tankstutzen auf die Fahrerseite. Nach der Auslösung der Allianz sah man in Stuttgart aus Kostengründen von der Rückabwicklung dieser Änderung ab.

Bremsassistent serienmäßig

Die alte B-Klasse (rechts) betonte die Keilform, trotzdem sieht die neue dynamischer aus
Die alte B-Klasse (rechts) betonte die Keilform, trotzdem sieht die neue dynamischer aus(Foto: Axel F. Busse)

Deutsche Hersteller sind nicht dafür bekannt, kostspielig entwickelte Sicherheitstechnik zu verschenken. Vielmehr ist oft die Neigung festzustellen, für das Versprechen eines Quäntchens mehr Komfort oder Sicherheit den letzten Euro aus den Kunden heraus zu pressen. Um so erstaunlicher ist es, dass Mercedes in der B-Klasse eine radargestützte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistenten serienmäßig anbietet. Ist das vielleicht das Appetithäppchen, das Ex-A-Klasse-Kunden in die nächsthöhere Baureihe locken soll?

Das System zielt nicht auf die Vermeidung von Blechschäden und Bagatellunfällen. Er wird erst ab Tempo 30 aktiv. Droht ein Auffahrunfall, wird der Fahrer zuerst optisch und akustisch gewarnt. Danach wird der Bremsassistent aktiv. Das System führt zwar keine automatische Notbremsung aus. Tritt der Fahrer aber auf die Bremse wird sofort die volle Bremsleistung abgerufen, auch wenn das Pedal nur leicht getreten wird. Mercedes erwartet, dass dadurch bis zu einem Fünftel aller Auffahrunfälle verhindert werden können.

Die Ausrüstung mit dem Pre-Safe-System als Bestandteil des Serienumfangs ist lobenswert. Darüber hinaus war aber auch dieser Testwagen ein gutes Beispiel dafür, wie man auch ohne extravagante Sonderwünsche ein durchschnittliches Auto zu einem teuren Hobby machen kann. Eine der raffiniertesten Methoden, Kunden zur Ader zu lassen, ist das so genannte Media-Interface-Consumerkabel, das tatsächlich mit 261,80 Euro in Rechnung gestellt wird.

Fazit: Zweckmäßig, unkompliziert und durchaus wirtschaftlich – so präsentierte sich die B-Klasse in diesem Praxistest. Wer den emotionalen Kick sucht, muss allerdings anderswo schauen, das gibt es bei Vans selten und bei der B-Klasse auch trotz geschärfter Optik nicht. Hochwertige Qualität und ein vorbildliches Sicherheits-Niveau können aber dazu betragen, dass ehemalige A-Klasse-Kunden hier eine neue Heimat finden – auch wenn es etwas mehr kostet.

 

DATENBLATTMercedes B-180 CDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,36/ 1,79 / 1,56 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1505 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen486 Liter - 1545
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum4-Zylinder-Turbo-Dieselmotor mit 1786 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang autom. Doppelkupplungsgetriebe
Leistung109 PS (80 kW) bei 1400 - 2800 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
max. Drehmoment250 Nm bei 1400 bis 2800 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h10,7 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,4/ 3,8/ 4,4
Testverbrauch5,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
122 g/km
Grundpreis27.935,25 Euro
Preis des Testwagens42.768,60 Euro

Quelle: n-tv.de

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