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Der Opel Crossland X ist kein echtes SUV, taugt aber mit der richtigen Motorisierung auch für lange Bergstrecken.
Der Opel Crossland X ist kein echtes SUV, taugt aber mit der richtigen Motorisierung auch für lange Bergstrecken.(Foto: Holger Preiss)
Donnerstag, 18. Mai 2017

Erste Ausfahrt im "Peugeopel": Crossland X - ein französischer Opel?

Von Holger Preiss

Es sind Synergieeffekte, die sich die Verantwortlichen beim Zusammenschluss von Autokonzernen versprechen. Auch Opel ist eine neue Partnerschaft mit PSA eingegangen und präsentiert auf dieser Basis den neuen Crossland X. n-tv.de durfte ihn schon fahren.

Das "schwebende Dach" und die Sichel im Blech stehen auch beim Crossland X für das neue Opel-Design.
Das "schwebende Dach" und die Sichel im Blech stehen auch beim Crossland X für das neue Opel-Design.(Foto: Holger Preiss)

Der Crossland X  ist die erste Gemeinschaftsarbeit von Opel und Peugeot. Natürlich haben sich die Rüsselsheimer bemüht, so viel eigene Identität in das kleine CUV (Crossover Utility Vehicle) zu stecken, wie nur möglich. Da ist natürlich die optische Opel-Linie, die sich an das anlehnt, was Astra und Insignia inzwischen vorgeben: die große Sichel im Blech der Seitenflächen, das "schwebende Dach" und natürlich die Frontpartie bestehend aus dem typischen Opel-Kühlergrill mit Markenzeichen und dem "Bumerang"- das LED-Tagfahrlicht in den Frontleuchten. Hier ist der Opel eindeutig ein Opel. Überrascht könnte der Betrachter über den riesig wirkenden Tankdeckel auf der linken Seite des Crossland X sein. Die Erklärung ist denkbar einfach: dahinter verbergen sich beim Diesel und bei der kommenden LPG-Variante zwei Einfüllstutzen.

Ist das noch ein Opel?

Auch im Innenraum des 4,21 Meter langen CUV waren die Rüsselsheimer auf Eigenständigkeit bedacht. Die Armatur wurde mit weich geschäumter Plastik überzogen, die tief schwarz ist und mit einer solch interessanten Prägung versehen wurde, dass sie den Blick derart fesselt, dass selbst der Tester im ersten Moment nicht auf den Gedanken kam, die Finger in tiefere Regionen zu bewegen, um dort die verbaute Hartplastik zu ertasten. Ertastet wird aber durchaus der Kippschalter zur Einstellung der Außenspiegel. Der liegt so unglücklich in dem kühnen Türschwung, dass der Finger kaum dazwischenkommt, um ihn zu bewegen. Entwicklungschef Olaf Kaden sieht das als Kompromiss zwischen Design und Funktion. "Wenn das das Einzige ist, was Sie zu kritisieren haben, kann ich damit leben", so Kaden. Tatsächlich ändert das am stimmigen Gesamteindruck wenig.

Auch im Innenraum bleibt der Crossland X ein echter Opel.
Auch im Innenraum bleibt der Crossland X ein echter Opel.(Foto: Opel)

Bei der Instrumentierung setzt Opel auf Analoginstrumente, wie man sie bereits aus dem Mokka kennt. Von dem hat sich der Crossland X auch den Z-artigen Hebel für die mechanische Handbremse geborgt. Diese Form braucht es auch, denn das Lösen und Feststellen wäre sonst bei heruntergeklappter Armlehne schier unmöglich und stellt sich auch darüber hinaus schon etwas umständlich dar. In den höheren Ausstattungen ist das Lenkrad beledert und mit einer farbigen Ziernaht umwunden. Sieht schick aus und gibt dem kleinen CUV noch etwas Wertigkeit. Auch die Lenkradtasten sollen an dieser Stelle hervorgehoben werden, die angenehme Druckpunkte haben und einfach gut anzufassen sind. Die Mittelkonsole wird auf Wunsch von einem 8 Zoll großen Touchscreen dominiert, der auch das Navi 5.0 und IntelliLink bereithält. Das verrichtete seine Arbeit auf der ersten Testfahrt auch angenehm zügig, so dass Wegfehler ausgeschlossen waren.

Auch die auf Wunsch verfügbaren und immer wieder empfehlenswerten Sitze mit dem AGR-Siegel der Aktion "Gesunder Rücken" sind beim Kauf eines solche Autos eine Überlegung wert. Selbst auf langer Strecke sind sie eine Wohltat für die Rücken der Reisenden. Anders stellt sich der Sitzkomfort in der zweiten Reihe dar. Hier ist die Auflagefläche für das Gesäß etwas hart und für die Oberschenkel etwas kurz geraten, ebenso wie die Rückenlehne. Nun wird kaum jemand den Crossland X als Chauffeurs-Limousine einsetzen. Kinder, die im Fond transportiert werden, sollten aber keine Probleme mit der Bestuhlung haben. Apropos Transport. Mit 410 Liter Kofferraumvolumen bei aufgestellter Rücklehne und 1255 Liter, wenn sie fällt, gehört der Opel fast schon zu den Lademeistern in diesem Segment. Wer sich für eine horizontal verschiebbare Rückbank entscheidet, kann das Volumen variabel auf 520 Liter erhöhen.

Franzosen treiben Crossland X voran

Die Rückbank gibt sich etwas hart. Stören dürfte das aber nur Erwachsene auf längeren Strecken.
Die Rückbank gibt sich etwas hart. Stören dürfte das aber nur Erwachsene auf längeren Strecken.

Egal ob die Hütte voll ist oder nicht, für den Vortrieb sind ausschließlich PSA-Motoren im Crossland verantwortlich. Auch Fahrwerk, Getriebe und die Plattform stammen von den Franzosen. Selbstredend wurde das alles mit den Ingenieuren aus Rüsselsheim gemeinsam entwickelt und den mutmaßlichen Wünschen der Kundschaft angepasst. Und in der Summe ist das erstaunlich gut gelungen. Das Fahrwerk überrascht zwar bei Querfugen und Schlaglöchern mit einem tonalen Aufruhr, verschont aber die Passagiere vor spürbarem Leid. Das erfreut besonders in Kombination mit dem 1,2 Liter großen Dreizylinder-Benziner in seiner höchsten Ausbaustufe.

Dieser leistet 130 PS und gibt maximal 230 Newtonmeter an die Vorderräder weiter. Das reicht zum einen, um flott aus dem Stand nach vorn zu schießen, zum anderen auch dafür, souverän aus sportlich gefahrenen Kurven zu beschleunigen, in denen sich der Crossland X im Übrigen angenehm neutral verhält. In den Kehren bekommt der "Peugeopel" sogar einen Hauch von Sportlichkeit. Es empfiehlt sich nämlich beim Herausbeschleunigen aus der Kehre, das Lenkrad fest in den Händen zu halten, denn die Kraft reicht durchaus, um ordentlich an den Antriebsrädern zu reißen. Packt man die Performance in Daten, dann heißt das: in 9,1 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht und erst bei 188 Kilometer pro Stunde beendet der Opel mit dieser Motorisierung seinen Lauf.

480 Euro mehr für 20 PS

Mit 410 Liter Kofferraumvolumen gehört der Opel Crossland X schon zu den Großen.
Mit 410 Liter Kofferraumvolumen gehört der Opel Crossland X schon zu den Großen.

Aber noch ein anderer nicht zu vernachlässigender Vorteil lässt den Dreizylinder mit 130 PS zur ersten Wahl werden. Dank des hohen Drehmoments muss der Ganghebel nicht wie wild über sechs Stufen durch die Gassen gerührt werden, sondern es kann auch aus dem Drehzahlkeller recht linear beschleunigt werden. Das stellt sich beim kleineren Dreizylinder ganz anders dar. Mit 110 PS ist das Triebwerk deutlich schwächer und bietet gerade bei Überholmanövern nicht die Substanz des 20 PS stärkeren Bruders. Selbst die Geräuschkulisse ist trotz der Ausgleichswellen und guter Dämmung mehr Dreizylinder. Das liegt daran, dass die Drehzahlen deutlich höher gehalten werden müssen. Das gilt für den Handschalter mit Fünfganggetriebe ebenso wie für den Automaten, der über sechs Stufen schaltet. Und wenngleich der Wandler ordentlich arbeitet, kann er kleine Ruckeleien und Verzögerungen nicht vollständig vermeiden.

Wer jetzt immer noch nicht vom 130 PS starken Dreizylinder überzeugt ist, den können vielleicht monetäre Argumente umstimmen. Lediglich 480 Euro kostet der stärkere Benziner mehr als die Variante mit 110 PS. Auch im Verbrauch nehmen sich die beiden Triebwerke kaum etwas. Während der Große mit 7,8 Litern über 180 Testkilometer aus dem Rennen ging, brachte es der Kleine auf 7,4 Liter. Selbst der 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS war mit 7,2 Litern nicht wesentlich sparsamer. Das Einstiegsmodell für 16.850 Euro mit 1,2-Liter-Vierzylinder und 81 PS ist übrigens erst ab September erhältlich und dürfte im Verbrauch nicht sparsamer sein.

Für den kleinen Dreizylinder-Benziner werden mindestens 20.650 Euro fällig, die größere Variante bringt es auf 21.100 Euro und der Diesel mit 99 PS ist ab 19.300 Euro zu haben. Was es bei Peugeot in diesem Segment nicht gibt und somit auch bei Opel nicht zu haben ist, ist ein Allradantrieb. Wer, so argumentiert man in Rüsselsheim, mehr SUV haben möchte, der solle sich doch den Mokka ansehen, den gibt es auch mit Allrad. Hier liegt auch der klare Hinweis darauf, dass der Crossland X ein SUV für das urbane Umfeld, aber nicht für den Acker ist.

Nun hat sich Opel ja seit längerer Zeit die Demokratisierung der Mobilität auf die Fahne geschrieben. Was nichts weiter bedeutet, als dass die Rüsselsheimer viel von der Technik in ihre Autos packen, die sonst nur in den nächst höheren Segmenten angeboten wird. So gibt es für den Crossland X so feine Zutaten wie ein Head-up-Display, Voll-LED-Scheinwerfer, Front- und Rückfahrkamera, Totwinkelwarner, Fernlichtassistent mit Leuchtweitenregulierung, um nur einiges zu nennen. Natürlich kann das CUV mit Opel OnStar auch zum fahrenden Hotspot und zur Servicezentrale gemacht werden. Voll ausgestattet kostet der Dreizylinder mit 130 PS dann 22.300 Euro, was ein durchaus fairer Preis ist. In der Summe macht der Crossland X neugierig auf den Grandland X, den Opel ebenfalls mit Peugeot entwickelt hat und der den Peugeot 3008 als Basis nutzt.

Quelle: n-tv.de

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