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Ab März hat BMW mit dem 330e einen weiteren Plug-in-Hybriden im Portfolio. Mindestens 43.500 Euro müssen allerdings in den Bayer investiert werden.
Ab März hat BMW mit dem 330e einen weiteren Plug-in-Hybriden im Portfolio. Mindestens 43.500 Euro müssen allerdings in den Bayer investiert werden.

BMW erweitert Hybrid-Angebot: Frühlingserwachen für Teilzeit-Stromer

Von Axel F. Busse

Der bayrische Autobauer wirbt schon seit Längerem mit effizienter Dynamik. Das soll nun auch für den Plug-in-Hybriden 330e gelten, den BMW jetzt ins Portfolio aufnimmt. Beim teilelektrischen 3er kommen sowohl Effizienz als auch Dynamik zum Tragen.

BMW treibt den Ausbau seiner elektrifizierten Pkw-Flotte voran. Im März kommen zwei neue Modelle mit Plug-In-Antrieb auf den deutschen Markt, das eine wendet sich an den klassischen Mittelklasse-Kunden, das zweite an Familien, Freizeit-Aktivisten und Junggebliebene.

Plug-In-Hybrid hat in Übersee bessere Chancen als in Deutschland.
Plug-In-Hybrid hat in Übersee bessere Chancen als in Deutschland.

Bekanntlich werden von keinem BMW weltweit mehr Fahrzeuge verkauft als von der 3er-Reihe. In Deutschland wird das Modell 330e wohl kaum an den Verkaufszahlen der Diesel-Varianten kratzen können, jedoch rechnet sich BMW einen Erfolg in Übersee aus. Dort ist, weil Diesel schon vor dem VW-Skandal nicht so gut angeschrieben war, die Chance eines Plug-In-Hybrids größer als in Europa. Offiziell wird das zwar nicht mitgeteilt, aber intern rechnet man in München mit einem höheren Anteil an der 3er-Baureihe als die mageren drei bis fünf Prozent, die Hybride bisher erzielen konnten.

Vor acht Jahren nahm BMW die ersten "Active-Hybrid"-Modelle ins Programm, die allerdings noch nicht an der Steckdose aufgeladen werden konnten. Das ist jetzt anders und auch die Reichweite, die Autos dieser Konfiguration zurücklegen können, stieg dank erhöhter Batterie-Kapazität deutlich an. Demnächst wird BMW sein Spitzenmodell, den 7er, ebenfalls in elektrifizierter Form anbieten. Laut Produkt-Stratege Michael Rath wollen die Bayern bei der Verstromung ihrer Fahrzeuge "nicht das technisch Mögliche umsetzen, sondern das Sinnvolle". Das solle prinzipiell unter der Prämisse geschehen, dass der Kunde "keinen signifikanten Hybrid-Aufschlag zahlen" müsse.

40 Kilometer elektrisches Fahren

Ein Blick in die Preisliste verrät, ob das umgesetzt wurde. Zwar kostet der BMW 330e mit 43.500 Euro ganze 3450 Euro mehr als der gleichstarke 330i, aber wenn der Benziner mit der achtstufigen Steptronic ausgestattet ist, die der Hybrid serienmäßig hat, reduziert sich der Mehrpreis auf 1300 Euro. Beim Diesel sieht das Verhältnis anders aus: Der mit dem Hybrid vergleichbare Selbstzünder hat 258 PS (sechs mehr als der Stromer) und kostet 3850 Euro mehr.

Einmal aufladen soll für maximal 40 Kilometer elektrischen Fahrens reichen.
Einmal aufladen soll für maximal 40 Kilometer elektrischen Fahrens reichen.

Auch wenn jeder weiß, dass die vom Hersteller genannten Fabelwerte von rund zwei Litern Sprit je 100 Kilometer für den Hybrid nichts mit der Fahrpraxis des Alltags zu tun haben, so ist doch gleichzeitig klar, dass der Nutzer bei Vorliegen entsprechender Lademöglichkeiten praktisch wochenlang benzin- und emissionfrei unterwegs sein kann. Wer beruflich pendelt und zum Beispiel 30 Kilometer Arbeitsweg hat, zu Hause und im Betrieb seinen Wagen an der Ladesäule parken kann, wird möglicherweise erst für Ausflugs- oder Urlaubsfahrten die Tankstelle ansteuern. Für diese rund 80 Kilometer lange Testfahrt errechnet der Bordcomputer einen Spritkonsum von 4,5 Litern je 100 Kilometer.

Aus Batteriezellen des Herstellers Samsung fertigt BMW den Speicherakku für den 330e. Eine Kapazität von 7,6 Kilowattstunden (kWh), wovon 5,7 kWh nutzbar sind, soll für maximal 40 Kilometer elektrischen Fahrens reichen. Das sei, so Projektleiter Helmuth Wiesler, "ideal für Pendler oder den Einsatz in Ballungsgebieten". Die zur Verfügung stehende Systemleistung beträgt 185 kW oder 252 PS, die einzelnen Komponenten leisten 184 PS (Vierzylinder-Verbrenner) und 88 PS (E-Maschine). Die elektrische Anlage, die allein durch den Stromspeicher 90 Kilogramm Mehrgewicht ins Auto bringt, ist Vor- und Nachteil zugleich: Sie sorgt für eine harmonische Gewichtsverteilung (49:51), was für dynamische Fahrperformance ein Gewinn ist, jedoch wiegt das Auto gegenüber dem konventionell angetriebenen BMW 330i rund 165 Kilogramm mehr.

In 6,1 Sekunden von null auf hundert

Beim Fahren spürt man diese Last nicht, denn das Zusammenspiel von Otto- und E-Motor kann bis zu 420 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse befördern. Das ist annähernd so viel, wie der 326 PS starke Sechszylinder des BMW 340i mobilisiert. 6,1 Sekunden von null auf hundert untermauern den sportlichen Anspruch der Bayern-Marke glaubhaft. Arbeiten beide Motoren am Vortrieb, sind bis zu 225 km/h drin.

Der Lithium-Ionen-Akku mit 7,6 kWh ist unter dem Kofferraumboden untergebracht. Dessen Volumen liegt somit statt 480 nur noch bei 370 Liter.
Der Lithium-Ionen-Akku mit 7,6 kWh ist unter dem Kofferraumboden untergebracht. Dessen Volumen liegt somit statt 480 nur noch bei 370 Liter.

Ein Nachteil für die Kunden ist freilich nicht vermeidbar: Irgendwo muss das Batterie-Päckchen schließlich seinen Platz finden und dafür haben sich die BMW-Ingenieure schon aus Gründen der Crash-Sicherheit den Platz an der Hinterachse ausgesucht. So reduziert sich im Nu das zuvor üppige Kofferraumvolumen der 3er Limousine von 480 auf nur noch 370 Liter. Das ist Kompaktklasse-Niveau und erfordert womöglich eine Umstellung des Kunden, wenn er von der konventionell angetriebenen Fraktion kommt.

Das hohe Drehmoment des 300e sorgt für kraftvolle Beschleunigung. In niederen Tempobereichen ist der Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennungsantrieb mitunter spürbar, aber nicht weiter störend. Das gilt auch für den zweiten Neuling, den 225xe. Er trägt den drittletzten Buchstaben des Alphabets, weil er eine Form des Allradantriebs umsetzt, die dem des BMW i8 vergleichbar ist. Der Unterschied besteht darin, dass beim Active Tourer der Dreizylinder-Benziner auf die Vorderachse wirkt, während der Elektromotor die Hinterachse antreibt.

Die Erweiterung des Modell-Portfolios beim bisher einzigen Van aus BMW-Produktion erfolgt zu einer Zeit, da sich der Hersteller bereits über 84.000 verkaufte Aktive Tourer freuen kann. Die Münchner sehen sich als Vorreiter eines Premiun-Van-Segments und statten ihren neuen Plug-In-Hybrid mit annähernd so viel Leistung aus, wie sie in den Modellen 225i und 225ixDrive zur Verfügung steht. Der Turbo-Dreizylinder sorgt für 136 PS und 220 Newtonmeter Drehmoment, der Elektromotor steuert weitere 88 PS bei. Zusammen erzeugen sie 224 PS Systemleistung in Verbindung mit einem kombinierten Drehmoment von 385 Newtonmetern. Das ist ein Wert, der die Durchzugskraft von vielen Zweiliter-Dieselmotoren anderer Hersteller noch übertrifft.

Smartphone-App kontrolliert Energiemanagement

Bis zu 125 km/h soll der Wagen rein elektrisch erreichen können, 5,8 kWh sind aber auch für 40 Kilometer elektrischer Reichweite nutzbar. Die Lithium-Ionen-Batterie liegt unter der Rücksitzbank, also ganz in der Nähe des E-Motors, der die Energie in Vortrieb umsetzt. Die Konzentration der Elektro-Einheit im hinteren Fahrzeugteil kommt der Gewichtsverteilung zugute. Während beim konventionellen Active Tourer die Achslast mit 59:41 Prozent überwiegend vorn zu finden ist, verteilt sie sich beim 225e im Verhältnis 51:49. Bekanntlich nützt dies einem ebenso ausgewogenen wie agil-neutralen Fahrverhalten.

Im Betrieb ist ein fahraktives und munteres Auto zu erleben, das mit 1735 Kilogramm zwar um einiges schwerer ist als die Geschwister in der Modellfamilie, das jedoch auch das Temperament aufbringt, in 6,7 Sekunden von null auf hundert zu spurten. Um das Energiemanagement zu überwachen, können sich die Kunden eine Smartphone-App laden, die über Ladezustand und weitere wichtige Parameter informiert. Die ohne sportliche Ambitionen absolvierte Testfahrt ergab einen Verbrauchswert von 4,8 Litern je 100 Kilometer.

Der Preis des 225e liegt mit 38.700 Euro zwar 500 Euro über dem des 231 PS starken 225i, jedoch hat der keine angetriebene Hinterachse. Die liefert mit einem konventionellen, elektronisch gesteuerten xDrive-Allradsystem zwar der 225i xDrive, aber der kostet auf dem gleichen Ausstattungsniveau bereits 40.200 Euro. BMW bemüht sich also erkennbar, den Verkauf seiner Hybride nicht auch noch durch abschreckende Preisgestaltung zu erschweren. Während nach den Herstellerplanungen der 225xe seine Verkaufsschwerpunkte in Europa und Japan finden soll, zielt der 330e vornehmlich auf die USA. Die traditionelle 3-Box-Limousine mit Hinterradantrieb hat dort unabhängig vom Motorisierungskonzept immer noch einen hohen Stellenwert.

Quelle: n-tv.de

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