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Daimler-Chef Dieter Zetsche an seinem jüngsten Streich, dem GLC, der den sehr erfolgreichen GLK ablöst.
Daimler-Chef Dieter Zetsche an seinem jüngsten Streich, dem GLC, der den sehr erfolgreichen GLK ablöst.(Foto: Mercedes-Benz)

Daimler-Chef Zetsche im Interview: "Mercedes ist auf Dauerfeuer eingestellt"

Mercedes hat das Jahr des SUV ausgerufen. Nach dem GLA wurden jetzt der GLE, das GLE-Coupé und jüngst der GLC vorgestellt. Ein Coupé auf der Basis des GLC wird folgen und ein GLS ist auch geplant. Wo die Reise von Mercedes sonst noch hingehen wird, erfuhr n-tv.de im Gespräch mit Daimler-Chef Dieter Zetsche.

n-tv.de: Herr Zetsche, Sie haben im Zuge der Produktoffensive mal gesagt, "Daimler schießt aus allen Rohren". Aber irgendwann ist die Munition alle - was passiert dann?

Dieter Zetsche: Wir haben inzwischen 30 verschiedene Modelle am Markt. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden es etwa 40 sein. Insofern haben wir noch ausreichend Munition. Wenn wir früher die C-, E- und S-Klasse relativ kompakt hintereinander in einem Rhythmus von sieben Jahren vorgestellt haben, dann ist in dem Rest der Zeit tatsächlich nichts passiert. Jetzt haben wir im Jahr – wenn man die Facelifts hinzuzählt – sieben bis acht Neuvorstellungen. Natürlich werden sich irgendwann auch wieder Konjunkturzyklen bemerkbar machen, aber eigentlich sind wir auf "Dauerfeuer" eingestellt.

Die Motoren im GLC sind jetzt nicht neu. Warum?

Momentan ist das tatsächlich so, aber über die neuen Neungang-Automatik-Getriebe und sehr gute Luftwiderstandswerte kommen wir trotzdem zu den gewünschten Verbrauchsverbesserungen. Zusätzlich ist der Plug-In-Hybrid neu und da gibt es natürlich auch ausgezeichnete Verbrauchswerte zu vermelden. Also, insgesamt sind wir von den Motorisierungen absolut wettbewerbsfähig.

Es ist immer wieder die Rede von einem Reihensechzylinder. In welchem Modell wird der starten und wird es ihn auch in Deutschland geben?

Natürlich gibt es einzelne Märkte, in denen keine Sechszylinder mehr gefahren werden. Insofern ist das Downsizing bei Mercedes fester Bestandteil. Aber sowohl im Vergleich zum Wettbewerb als auch im Vergleich zu unserer eigenen Planung verkaufen wir weltweit immer noch mehr Sechs- und Achtzylinder-Triebwerke als ursprünglich vorgesehen, was monetär keine schlechte Nachricht ist.

Einschlägige Fachzeitschriften berichteten bereits von einem SUV unterhalb des GLA, sehr eckig und robust. Entspringt das der Fantasie der Journalisten oder ist da was dran?

SUV boomen und Daimler-Chef Dieter Zetsche macht keine Hehl daraus, dass Mercedes diese Karte ausspielen wird.
SUV boomen und Daimler-Chef Dieter Zetsche macht keine Hehl daraus, dass Mercedes diese Karte ausspielen wird.

Fakt ist, dass wir mit den SUV nicht ins B-Segment gehen werden und somit im C-Segment am unteren Anschlag sind. Die Variationen, die wir hier haben, liegen momentan im GLC- oder GLE Coupé. Natürlich könnte es sein, dass ein SUV mal auf der Bodengruppe der B-Klasse aufbaut. Ob man das dann GLB nennt, ist wieder eine ganz andere Frage. Aber ein SUV unterhalb des GLA - nein.

Wird es denn in absehbarer Zukunft einen "Tesla-Fighter" von Mercedes geben, so wie Audi ihn plant?

Wir würden mit Sicherheit keinen "Tesla-Fighter" planen, aber natürlich gegebenenfalls auch batterieelektrische Fahrzeuge im Segment der SUV und Limousinen anbieten. An diesem Thema sind wir nach wie vor dran.

Also wäre ein "Tesla-Fighter" ein rein batteriegetriebenes Auto? Die Interpretation der einzelnen Hersteller ist ja diesbezüglich sehr unterschiedlich.

Wir setzen schon auf batterieelektrische Fahrzeuge. Wir können ja inzwischen, wie im Tesla demonstriert, relativ viel Batterie ins Auto bringen und mit zunehmender Effizienz der Batterien Reichweiten zurücklegen, die nicht zwingend einen Range Extender erfordern.

Wäre das dann ein komplett eigenständiges Modell oder würden Sie das Elektroauto auf ein bestehendes Fahrzeug aufsetzen?

Sicher ist beim Tesla ein Aspekt, dass er als batteriegetriebenes Fahrzeug an seinem eigenständigen Design zu erkennen ist. Auch der BMW i3 weist sich deutlich als Elektroauto aus. Unsere B-Klasse Elecric Drive macht das nicht. Dennoch ist der Wagen im Markt gleichermaßen erfolgreich. Also, das Design ist nicht der einzige Stellhebel, der hier über den Erfolg entscheidet.

Was würden Sie sagen, wenn Apple käme und Sie bitten würde, das Apple Car zu bauen?

Bilderserie

Grundsätzlich ist Apple eine sehr attraktive Firma und man müsste sich überlegen, welche Kompetenzen dort vorhanden sind und ob das in irgendeiner Form kompatibel ist. Hier gilt der neu geprägte Begriff Frenemy. Das ist das, was zwischen Friends und Enemy liegt. Ähnlich indifferent ist zurzeit auch das Verhältnis zwischen Google, Apple und der Autoindustrie.

Die Kriegskassen von Google und Apple sind prall gefüllt. Können Sie ausschließen, dass einer von denen, wenn er schon keine eigenen Autos baut, irgendwann sagt: Jetzt kaufe ich mir einen eigenen Automobilhersteller?

Das kann ich sicherlich nicht ausschließen. Ob das aber konform mit der Strategie dieser Unternehmen ist, weiß ich nicht. Allerdings hat Mercedes bisher kein Projekt zurückstellen müssen, weil es nicht finanzierbar gewesen wäre. Wenn die beiden Felder Mobilität und Digitalisierung stärker zusammenwachsen, ist klar, dass nicht nur wir in diese Überlappung hineinstoßen. Wie weit das geht, wird die Zukunft zeigen, aber letztlich gilt: Wettbewerb hat uns bisher immer nur gutgetan.

Ist die Vernetzung der Fahrzeuge die Zukunft des Automobils?

Ohne jeden Zweifel kommt das autonome Auto und in Teilen sind wir ja heute schon dabei. Um sich da zu differenzieren, muss man nochmal ein ganzes Stück besser sein als die Mitbewerber. Wir sind dabei, die Ressourcen in diesem Bereich im Unternehmen weiter zu entwickeln und zu bündeln.

Welchen Stellenwert schreiben Sie dem neuen Design am aktuellen Erfolg der Mercedes-Modelle zu?

Das Design hat heute einen wesentlich höheren Stellenwert als in der Vergangenheit. Insofern ist klar, dass das ein ganz wichtiger Erfolgsbaustein ist.

Kann es sein, das Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener mehr Freiheiten besitzt als Designer in anderen Unternehmen?

Ich glaube tatsächlich, dass wir Mut haben und mit dem Ziel größerer Veränderung und der besseren Wahrnehmbarkeit im Augenblick größere Schritte wagen als andere Hersteller.

Welches Potenzial trauen sie denn der Zusammenarbeit mit Renault und Nissan zu?

Ich kenne eigentlich keine Zusammenarbeit zweier unabhängigen Unternehmen, die so weitgehend wäre wie unsere. Wir hatten ursprünglich mit drei Projekten begonnen, inzwischen sind wir bei zwölf. Wo sich Audi aus dem eigenen Haus die Volumenskalierungen holen kann, holen wir sie uns eben aus der externen Zusammenarbeit. Wir mussten beispielsweise keinen eigenen kleinen Vierzylinder entwickeln. BMW hat nach dem Auslaufen der Zusammenarbeit mit Peugeot einen Dreizylinder aus dem Vierzylinder abgeleitet, das kann man machen. Wir glauben, dass ein Vierzylinder günstiger ist, aber den in kleiner Stückzahl zu entwickeln wäre nicht sinnvoll gewesen. Jetzt stellen wir fest, dass das Triebwerk bei den Kunden super ankommt. Wir haben mehr als die doppelten Stückzahlen im Abruf als geplant.

Könnten Sie sich vorstellen, so wie Audi einen Sportwagenhersteller wie Lamborghini ins Boot geholt hat, vielleicht mit Aston Martin oder McLaren zusammenzugehen?

Neben anderen Gründen waren die eigenen Autoaktivitäten von McLaren ein Grund, warum wir uns damals getrennt haben. Also ganz sicher nicht. Aber ich glaube, dass es Sinn ergibt, wenn sehr attraktive kleinere Marken Zugang zu Technologien von Großserienherstellern bekommen, um eben mit der Innovationsgeschwindigkeit mithalten zu können. Ansonsten bin ich fest davon überzeugt, dass sich solche Marken eigenständig am besten entwickeln.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Holger Preiss

Quelle: n-tv.de

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