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Immer mehr Straßen müssen wegen ihres Zustandes in New York gesperrt werden.
Immer mehr Straßen müssen wegen ihres Zustandes in New York gesperrt werden.

Ist die Asphaltschlacht verloren?: New Yorks Straßen sind schweres Gelände

Auf der Autoshow in New York stehen Sportwagen und Luxuslimousinen im Mittelpunkt - der Normalkunde liebt aber vor allem großes, hochbeiniges und robustes Gefährt. Wer über die Straßen der US-amerikanischen Metropole fährt, der weiß ganz schnell, warum.

In New York fährt man inzwischen mit einem SUV besser.
In New York fährt man inzwischen mit einem SUV besser.

Zuerst hat es die Frontschürze erwischt. Eine Woche war Eddie Brinkmans Fünfer-BMW da gerade alt. "Einen Monat später hat der Wagen in einem weiteren Schlagloch einen Stoßdämpfer eingebüßt. Nach den Salz-, Dreck- und Splitorgien im Winter war der Lack auf Front und Haube mit Pickeln übersät wie ein Teenager", sagt der 43jährige Banker. Das Blut steigt ihm auch vier Jahre später noch in den Kopf.

Brinkman wohnt nicht etwa in den staubigen Weiten Omahas. Seine Heimat ist Manhattan. "Aber die Straßen sind schlimmer als im Irak"; da ist er sich sicher. Und darum fährt Brinkman jetzt den SUV vom Typ X6 der Münchener - oder U-Bahn. Denn wo gibt es in Downtown schon einen Parkplatz?

Ein desaströser Zustand

In West Harlem's Viertel Nummer 9 ist der Großteil der Straßen in einem fürchterlichen Zustand.
In West Harlem's Viertel Nummer 9 ist der Großteil der Straßen in einem fürchterlichen Zustand.

Dass der Banker nicht übertreibt, ist inzwischen amtlich. Selbst das New Yorker Straßenbauamt bekennt freimütig, dass die Schlacht gegen Mega-Schlaglöcher, bröselnden Asphalt und bröckelnde Brücken kaum noch zu gewinnen ist. Mehr als 40 Milliarden Euro würde es umgerechnet allein die Stadt New York kosten, die bestehenden Schäden zu reparieren. In West Harlem's Viertel Nummer 9, im nördlichen Manhattan, sind bereits zwei Drittel aller Straßen in mäßigem bis desaströsen Zustand.

Besonders marode ist aber auch die berühmte Park-Avenue, die wie viele andere Lebensadern der Stadt fast permanent durch Baustellen, Unfälle und neue Straßenschäden malträtiert ist. "Die Park-Avenue umfahre ich immer", sagt Brinkman. Anderswo ist der Verkehr aber auch nur wenig fließender. Und die Straßenbeläge sind ähnlich katastrophal.

Mehr als 150.000 Brücken sind einsturzgefährdet

Die tapferen Straßenarbeiter kommen einfach nicht nach im Verkehrsmoloch der Stadt mit ihren fast 10 Millionen Einwohnern im Großraum. Es rächt sich jetzt bitter, dass seit der Reagan-Ära in den 80'er Jahren nicht mehr nachhaltig in die Infrastruktur investiert wurde - weder in Neubau noch Erhaltung. So wie überall im Land.

Laut US-Ingenieursverbands American Society of Civil Engineers (ASCE) sind in den Vereinigten Staaten mehr als 150.000 Brücken einsturzgefährdet. Kein Wunder, wenn zum Beispiel jede zehnte der 162 Brücken von New York vor mehr als 100 Jahren Richtfest feierte. 2,7 Millionen Autos fahren dennoch täglich über Konstruktionen, die offiziell als "fracture critical" eingestuft sind; bruchgefährdet also.

Es fehlt das Geld

Auf der Website der Straßenbehörde kann Eddie Brinkman den Zustand seiner Straße nach einem Rating eingestuft sehen und selbst akute Schäden melden; im Prinzip. Nur ... wann sich dann etwas tut, das steht in den Sternen. Immerhin hat Bürgermeister Bill de Blasio Verkehrsinvestitionen zu einem Schwerpunkt seiner aktuellen Amtszeit erklärt. Fehlt nur noch das Geld dazu.

Die New Yorker, so sie denn überhaupt ein eigenes Auto fahren, agieren aber schon jetzt so pragmatisch wie der Rest des Landes: Sie bewundern zwar die hochgezüchteten Shelby-Mustangs oder tiefergelegten AMG-Mercedes - aber kaufen vor allem, was lange Beine hat. Die Hälfte aller Privatverkäufe sind Pickup-Trucks. In den Vorstädten und Cities soll es das SUV richten.

SUV retten New York nicht

Doch auch Brinkman ist klar, dass sein X6 allein die New Yorker Straßenprobleme nicht besiegen wird. Denn unter dem Asphalt, da liegen erst die wirklichen Gefahren: mehr als 1500 Kilometer Haupt-Wasserleitungen, Baujahr 1900 oder früher, ähnlich lieblos gewartet wie die Straßen darüber. Allein im Jahr 2015 gab es deswegen mehr als 400 große Wasserleitungsbrüche in New York. Mit Belags-Kosmetik ist nichts mehr zu retten, wenn die halbe Fahrbahn ins Wasser fällt.

Vielleicht feiert ja auf der nächsten New York Auto Show das Amphibienfahrzeug ein Comeback? Eddie Brinkman könnte sich womöglich dafür begeistern.

Quelle: n-tv.de

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