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Optisch aufgefrischt wirkt der Nissan X-Trail deutlich kerniger als der Vorgänger.
Optisch aufgefrischt wirkt der Nissan X-Trail deutlich kerniger als der Vorgänger.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 01. August 2017

Bestseller mit Teilerneuerung: Nissan X-Trail - wirklich neu erst 2018

Von Holger Preiss

Nissan hat neben dem Qashqai auch seinem Weltbestseller, dem X-Trail, eine Frischzellenkur verabreicht. Schade nur, dass die Kundschaft nicht bereits zum Marktstart das Komplettpaket bekommt. Denn der Japaner gab sich auf der ersten Ausfahrt recht stimmig.

Auch das Heck des Nissan X-Trail hat sich mit neuen LED-Leuchten gestrafft.
Auch das Heck des Nissan X-Trail hat sich mit neuen LED-Leuchten gestrafft.(Foto: Holger Preiss)

Der Nissan X-Trail ist das meistverkaufte Fahrzeug der Japaner. Seit der Einführung der ersten Modellgeneration im Jahr 2000 wurden mehr als 3,7 Millionen Einheiten des großen Crossover abgesetzt. Im Jahr 2016 war der X-Trail mit 766.000 Einheiten das meistverkaufte SUV weltweit. Grund genug also, die Kunden mit einem Facelift auch für die Zukunft von der Attraktivität des Bestsellers zu überzeugen. Das hätte auch bei der Fahrpräsentation geschehen können, wenn Nissan denn neben den Veränderungen an der Außenhaut auch die technischen Neuerungen hätte in Gänze präsentieren können.

Neue Technik kommt mit Verzug

Technische Standards wie adaptiver Spurhalteassistent, eine intelligente Geschwindigkeitsregelanlage und ein Staupilot kommen erst im Laufe des kommenden Jahres. Versprochen ist für das System auch eine intuitive Bedienung über das Lenkrad und eine Darstellung der Funktionen in der Matrix zwischen den Rundinstrumenten. Diese Verzögerung dürfte den Kaufanreiz für den bereits bestellbaren X-Trail für dieses Jahr nicht ins Unermessliche steigern.

Nicht warten muss die Kundschaft auf den Notbrems-Assistenten, der jetzt auch Fußgänger erkennt. Zu den weiteren sofort verfügbaren Helfern gehören die Verkehrszeichenerkennung, ein Müdigkeitswarner, ein Einparkassistent, ein Spurhalte-Warner und die schon bekannte 360-Grad-Kamera, die gerne etwas schärfere Bilder auf den Monitor projizieren könnte. Für die allgemeine Sicherheit arbeitet jetzt auch der Totwinkel-Assistent mit Radartechnik anstelle von Kamerabildern und kann damit einen größeren Winkel abdecken.

Mit dem Nissan X-Trail kann es auch mal etwas gröber werden.
Mit dem Nissan X-Trail kann es auch mal etwas gröber werden.(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Zudem könnten potenzielle Kunden bereits jetzt Gefallen an den äußeren Veränderungen des Crossover finden. Dazu gehören die stark ausgearbeiteten Linien ebenso wie die hohen Radhäuser und die eleganten Kurven auf der Motorhaube. Überarbeitet wurden auch das Bumerang-Motiv der Tagfahrleuchten sowie die nun rechteckigen statt runden Nebelscheinwerfer. Die optional erhältlichen LED-Scheinwerfer werden, wie im aufgefrischten Qashqai, jetzt als adaptives Lichtsystem angeboten, das abhängig von Geschwindigkeit und Lenkeinschlag die Kurven ausleuchtet. An dieser Stelle hat dann also doch eine technische Neuerung Einzug gehalten. Neu ist auch das Lichtmotiv der Rückleuchten. Durch die optischen Modifikationen ist der X-Trail auch marginal gewachsen. Ganze fünf Zentimeter misst der Japaner jetzt mit 4,69 Metern mehr.

Mehr Stauraum

Im Innenraum macht sich der Zuwachs natürlich nicht bemerkbar. Hier bleiben die Platzverhältnisse beim Alten, sind in der ersten und zweiten Reihe für Menschen aller Größenordnungen absolut ausreichend. Hinzu kommen verschiebbare und neigungsverstellbare Sitze in der zweiten Reihe. Der Siebensitzer, auf den immerhin 40 Prozent der Verkäufe in Europa entfallen, bietet sogar einen recht komfortablen Zugang zur dritten Sitzreihe.

Der Fahrer darf sich zudem über ein nunmehr abgeflachtes Lenkrad freuen, das in erster Linie sportlich aussieht, aber auch das Ein- und Aussteigen erleichtern soll. Zudem wurden der Lenkradtopf und die Speichen verkleinert, was einen besseren Blick auf die analogen Rundinstrumente gewährleistet.

Das Kofferraumvolumen des X-Trail ist gewachsen. Jedenfalls beim Fünfsitzer.
Das Kofferraumvolumen des X-Trail ist gewachsen. Jedenfalls beim Fünfsitzer.(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Aber viel wichtiger für das haptische Vergnügen und einen festen Griff ist die Verbreiterung des Lenkradkranzes. Hinter der Heckklappe, die sich jetzt in den höchsten Ausstattungslinien elektrisch per Fußkick unter dem Stoßfänger öffnen lässt, verbirgt sich nun wenigstens im Fünfsitzer mehr Stauraum als zuvor: Im fünfsitzigen X-Trail ist das Kofferraumvolumen von 550 auf 565 Liter gestiegen, beim Siebensitzer bleibt es unverändert bei 445 Litern. Durch Umklappen der Rücksitze steigt das Ladevolumen in beiden Varianten auf bis zu 1996 Liter.

Drei Triebwerke stehen zur Wahl

Nun braucht, wer viel laden will, auch das richtige Triebwerk. Hier bleibt sich Nissan allerdings treu. Neben dem im vergangenen Winter eingeführten 2,0-Liter-dCi-Dieselmotor mit 177 PS stehen ein 1,6-Liter-Dieselmotor mit 130 PS und ein 1,6-Liter-Benziner mit 163 PS zur Wahl. Während der Benziner stets mit Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb ausgeliefert wird, sind für die Dieselmotorisierungen wahlweise auch ein stufenloses Xtronic-Automatikgetriebe und Allradantrieb verfügbar.

Das abgeflachte Lenkrad des Nissan X-Trail sieht nicht nur sportlich aus, sondern erleichtert auch den Einstieg.
Das abgeflachte Lenkrad des Nissan X-Trail sieht nicht nur sportlich aus, sondern erleichtert auch den Einstieg.(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Während der ersten Ausfahrt erwies sich der 177 PS starke Diesel als die beste Motorisierung für den X-Trail. Seine 380 Newtonmeter, die ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung stehen, schoben den Crossover vor allem in Verbindung mit dem optionalen Allradantrieb sehr souverän an. In 9,4 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Wer will, kann den Kanten mit Geduld bis auf Tempo 204 beschleunigen. Logisch, dass die angegebenen Verbrauchswerte, die laut Datenblatt bei 5,8 Litern Diesel liegen sollen, Makulatur sind. Realistisch sollte man bei normaler Fahrweise durchaus mit zwei Litern mehr rechnen. Wer sich ob des preiswerteren Einstiegs eher für den 130 PS leistenden 1,6-Liter-Diesel entscheidet, muss im Vergleich zum kräftigeren Selbstzünder mit deutlichen Einbußen beim Antritt und der Kraftentfaltung rechnen. Der Standardsprint gelingt in gemütlichen 11 Sekunden und in der Endgeschwindigkeit sind lediglich 186 km/h möglich. Das Ganze bei einem nur minimal geringeren Verbrauch. Auch hier standen am Ende der Ausfahrt über sieben Liter auf der Uhr.

Wer dem Diesel aus dem Weg gehen möchte, aber dennoch mit einem X-Trail liebäugelt, kann wahlweise den Turbobenziner mit 163 PS wählen. Der schöpft seine Kraft aus 1,6 Litern Hubraum und generiert 240 Newtonmeter maximales Drehmoment. Ein Ausbund an Spontanität ist hier also nicht gegeben, denn auch minimal 1,5 Tonnen wollen angetrieben werden. Spritziger als der kleine Diesel ist der Benziner aber allemal: 9,7 Sekunden benötigt er für den Sprint auf Landstraßentempo, maximal sind laut Datenblatt 200 km/h möglich. Den Verbrauch gibt Nissan mit 6,2 Litern an. Allerdings ist zu beachten, dass es den Benziner nur als Fronttriebler gibt. Wer Allrad will, muss ohnehin zu einem der Selbstzünder greifen.

Leiser und Geschmeidiger

Was Nissan bei allen Modellen verbessert hat, ist die Geräuschkulisse. Wesentlich leiser als die Vorgängervariante. Wind- und Motorengeräusche werden von den Insassen ferngehalten. Gute Arbeit haben die Ingenieure auch bei der Überarbeitung des Fahrwerks geleistet. Beim schnellen Kurvenlauf neigt sich der X-Trail niemals übermütig in die Kurve. Durch eine verbesserte und deutlich direktere Lenkung vermittelt er das Gefühl der stetigen Beherrschbarkeit. Grund dafür sind die neue Dämpferabstimmung und modifizierte Gummikomponenten, die das Über- und Untersteuern deutlich reduzieren. Auch die Gemeinheiten der Fahrbahn, die in Form von Schlaglöchern auf die Insassen lauern, verstehen Fahrwerk und Federung zu filtern.

Mit dem aufgefrischten X-Trail schickt Nissan in Europa einen Wagen in die Schlacht, der hierzulande zum Beispiel gegen einen Skoda Kodiak antreten muss. Auch der Tscheche bietet auf Wunsch sieben Sitze, hat aber bereits jetzt die komplette Armada an Assistenten in der Optionsliste. Auch preislich dürfte der Tscheche mit 25.490 Euro eine Alternative sein. Der X-Trail geht jedenfalls zu Preisen ab 25.440 Euro ins Rennen.

Quelle: n-tv.de

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