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Dem Seat fehlt der chrakteristische Knick der hinteren Seitenscheibe, mit dem sich der Up! zu erkennen gibt.
Dem Seat fehlt der chrakteristische Knick der hinteren Seitenscheibe, mit dem sich der Up! zu erkennen gibt.(Foto: Axel F. Busse)

Mit dem Mii durch die Hauptstadt: So fährt der spanische Up!-leger

von Axel F. Busse

Namen sind Schall und Rauch und nach der Bedeutung von "Mii" sollte man besser nicht suchen. Entscheidend ist, wie der neue kleine Seat sich fährt. Verkauft wird er als Stadtauto. Auch auf der Überlandfahrt sammelt der Mii jedoch Sympathiepunkte.

Volkswagen ist seinem Erfolgsprinzip treu geblieben: Erst mal gucken, was die anderen machen und dann das Feld von hinten aufrollen. Was Toyota und der französische PSA-Konzern vor mehr als sechs Jahren mit den Modellen Aygo, C1 und Peugeot 107 starteten, kehrt jetzt als VW-Wiedergänger zurück. Originelles Detail am Rande: Ebenso wie das Kleinstwagen-Dreigestirn von ehedem werden auch Up!, Skoda Citigo und Seat Mii in Tschechien gebaut.

Schlicht und funktionell ist das Cockpit. Das Navi-System kostet 350 Euro
Schlicht und funktionell ist das Cockpit. Das Navi-System kostet 350 Euro(Foto: Axel F. Busse)

Allerdings definiert VW den Begriff Kleinstwagen ein bisschen großzügiger als die japanisch-französische Co-Produktion. Bis zu stattlichen 25 Zentimeter sind der Mii und seine baugleichen Brüder länger als die City-Flitzer von damals. Wichtiger als die Außenlänge ist für die Insassen aber der Radstand, denn er definiert den Platz, den die Passagiere der Rückbank zur Verfügung haben. Meistens müssen sie leiden, wenn mit dem kleinen Auto mal größere Touren zurück gelegt werden sollen.

In dieser Wertung ist der Unterschied auf acht Zentimeter zugunsten des Seat Mii geschmolzen, 2,42 Meter beträgt der Abstand zwischen den Achsen. Für Insassen ab 1,80 Meter Körpergröße wird es deshalb schon ein wenig eng hinter Fahrer und Beifahrer, zumal der Dreitürer eine gewisse Gelenkigkeit verlangt, um auf die hinteren Polster zu gelangen. Kopffreiheit ist ausreichend vorhanden, was fehlt, sind Haltegriffe.

Suche nach Vertrautem

Apropos Griffe: Es galt als besonderes Steckenpferd von Volkswagen-Gebieter Martin Winterkorn, die von ihm verantworteten Produkte mit sanft und lautlos, weil silikon-gedämpft zurück schnellenden Haltegriffen auszustatten. Die Rückkehr in die Ruheposition sollte nicht von einem lauten "Klack" begleitet werden. Doch je kleiner das Auto, desto größer der Sparzwang: Auf die Beruhigungstechnik wurde verzichtet. Auch an anderer Stelle sucht man - aus gleichen Gründen – Bewährtes und Vertrautes vergebens. Die zweite Fensterheber-Taste auf der Fahrerseite wurde gestrichen, höhenverstellbare Gurtbefestigungen sucht man ebenso vergebens wie einen USB-Anschluss. Stattdessen huldigt der AUX-Anschluss für externe Musikquellen einer Technologie, die nicht mehr "up to date" ist. Vermisst wird außerdem die Längsverstellung der Lenksäule.

Mit 251 Litern Gepäckraum hinter den vier Sitzen ist das kleine Auto recht transportfreudig.
Mit 251 Litern Gepäckraum hinter den vier Sitzen ist das kleine Auto recht transportfreudig.(Foto: Axel F. Busse)

Manfred Kantner, Deutschland-Geschäftsführer von Seat, sieht den Mii als "sportlich junges Stadtauto". Sportlich ist in diesem Falle aber mehr als Begriff aus der Welt der Mode zu verstehen, als aus der des Wettbewerbs. Selbst die leistungsstärkste Version des ein Liter großen Dreizylinders, sie hat 75 PS, erweckte beim Spurt von Ampel zu Ampel nicht den Eindruck, als hätte sie es mit dem Fortkommen besonders eilig. Eher zäh nimmt der 929 Kilo leichte Dreitürer Fahrt auf, klingt dabei aber souverän und unangestrengt.

Auf der Überlandfahrt sammelt das Stadtauto Sympathiepunkte. Trotz fehlenden sechsten Gangs am manuellen Getriebe bleibt die Drehzahl im Tempobereich um 120 km/h angenehm niedrig und der Schallpegel entsprechend dezent. Das können längst nicht alle Autos dieser Größenordnung. Erfreulich auch, das nach etwa 150 Kilometer Testfahrt der Verbrauch laut Brodcomputer mit 4,8 Litern nur minimal über dem EU-Normwert lag.

Preiswertes Navi-System

Laut Seat-Marketing ist beim Mii die "Individualität ein ganz wichtiger Faktor", doch eine Chance hat der VW-Konzern tatsächlich verpasst: Weder der Mii, noch die anderen beiden Schwestermodelle bieten markengebundene technische Besonderheiten. Ein Ausstattungsmerkmal, ein Assistenzsystem oder ein bestimmtes Extra, das es nur bei Seat gibt, hätte den Mii für die Kunden zu etwas Besonderen machen und die Bindung an die Marke verstärken können.

So bleibt zur Abgrenzung der baugleichen Stadtmobile lediglich das Design und das, was der Kunde mit dem Namen Seat verbinden. Außer der Front, wo ein trapezförmiger Kühlergrill mit dem verchromten S-Logo von zwei großen Scheinwerfern flankiert wird, bleibt beim Dreitürer nur die Seitenansicht, die mit einer größeren hinteren Seitenscheibe ausgestattet ist als zum Beispiel der Up!.

Der Seat will vor allem als Sparmeister wahrgenommen werden. Mit einem Einstiegspreis von 8890 Euro startet das Auto am 12. Mai in den Markt und liegt damit fast einen Tausender unter dem VW Up!. Freilich muss man bei dieser Version auf Servolenkung verzichten. Für den Fünftürer werden 475 Euro Aufpreis berechnet. Auch bei den höherwertigen Versionen des Mii gibt es nur gewöhnliche Trommelbremsen an der Hinterachse. Preislich attraktiv ist das Seat Portable System, dass nicht nur Navigation und Entertainment steuern kann, sondern auch per Bordcomputer Verbrauchs- und Reichweitenwerte bereitstellt. Der 5-Zoll-Touchscreen-Monitor ist mit einer gesonderten Halterung oberhalb der Klima-Bedienung installiert und kostet nur 350 Euro Aufpreis.

Quelle: n-tv.de

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