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Mitte Februar 2013 soll der neue Octavia bei den Händlern stehen.
Mitte Februar 2013 soll der neue Octavia bei den Händlern stehen.(Foto: Holger Preiss)

"Das Herz darf nicht trocken bleiben": Skoda zeigt neuen Octavia

Von Holger Preiss

Skoda setzt auf Wachstum und das in einem schwierigen Markt. Alle sechs Monate wollen die Tschechen ein neues Modell auf den Markt werfen. Jetzt präsentiert die Marke mit dem Pfeil im Logo ihren Megaseller: den neuen Octavia.

Es ist so weit: Skoda schickt sein Erfolgsmodell den Octavia in die dritte Runde. Seit seiner ersten Ausgabe 1996 hat sich die Liebe zum Tschechen mit den deutschen Genen immer weiter ausgebreitet. Insgesamt 400.000 Stück werden jährlich weltweit verkauft. Insofern ist der Octavia nicht nur Volumenmodell, sondern auch der Grundstein, auf dem der Erfolg der Marke aufbaut, betont Skoda-Chef Winfried Vahland.

Zart gezeichnete Linien erinnern an weibliche Schönheit, findet Skoda.
Zart gezeichnete Linien erinnern an weibliche Schönheit, findet Skoda.(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Octavia setzt Skoda auch seine Modelloffensive, die mit dem  Citigo und dem Rapid eröffnet wurde, fort. Alle sechs Monate sollen jetzt neue Fahrzeuge aus Mlada Boleslav präsentiert werden. Für alles Kommende, aber für den Bestseller im Besonderen gilt: Die Ansprüche der Kunden sind gestiegen und müssen in und mit den neuen Modellen befriedigt werden. Doch was ist neu am neuen Octavia?

"Wie die Wimpern einer schöne Frau"

Als erstes das Design. Nein, natürlich werden Sie einen Octavia auch weiter als Octavia erkennen. "Wir machen keine modischen Autos. Wir machen Autos, die lange attraktiv bleiben", so Chefdesigner Jozef Kaban bei der Weltpremiere des neuen Skoda in Mlada Boleslav. Und so hat Kaban an dem Ort, wo seit 170 Jahren Autos gebaut werden, nicht alles über Bord geworfen, ganz im Gegenteil. Er hat Vorhandenes aufgegriffen und geschärft, dabei die Linien ruhig gehalten und klare Flächen geschaffen. Wichtigstes Element für die frische Optik sind die gewachsenen Proportionen, die der Wagen dem Modularen Querbaukasten aus Wolfsburg verdankt: 90 Millimeter ist der Octavia in der Länge gewachsen, 45 Millimeter in der Breite und der Radstand verlängerte sich gar um 109 Millimeter. Damit ist der Tscheche in seinem Segment mit Abstand der Größte.

Wiedererkennungswert: Das doppelte C an den Rückleuchten.
Wiedererkennungswert: Das doppelte C an den Rückleuchten.(Foto: Holger Preiss)

Das sichert bei der Form kompakte Überhänge und eine coupéhafte Linie, die von einer eleganten Fenstergrafik aufgegriffen wird. Auch in der Front hat sich einiges gewandelt. Wurden die Scheinwerfer beim Octavia der zweiten Generation noch tropfenförmig weit in die Kotflügel gezogen, reißen sie jetzt scharfkantig ab. Die Leuchten sind nun wie Kristall geschliffen. Das, so Kaban, soll auch eine Hommage an die tschechische Glasbläserkunst sein. In den Scheinwerfern selbst finden sich zarte Linien "wie die Wimpern einer hübschen Frau".

Der so gezeichnete und gewachsene Octavia wird auf 18- oder 19-Zöllern stehen, die ihn noch einmal kraftvoller erscheinen lassen. In den Rückleuchten wird sich das skodatypische C gleich zweifach wieder finden. Um den sportiven Charakter zu stärken, verschwinden die Diffusoren unter einer sehr dynamischen Heckschürze. Das ist aber eher ein Designtrick als ein nennenswerter sportlicher Zusatz. Doch schaut man den Wagen an, muss man Kaban recht geben, der sein Design in einen schönen Satz schmiedet: "Das Herz darf nicht trocken bleiben". Das bleibt es bestimmt nicht. Optisch hat der Tscheche schon wieder das Zeug zum Megaseller.

Lademeister mit Gewichtsverlust

Allerdings wäre das bei den schon erwähnten gestiegenen Ansprüchen der Kundschaft zu wenig. Das Pfund - mit dem der Octavia schon immer wucherte - ist sein großer Kofferraum. Der hat nunmehr 590 Liter und wer die Rückbank umlegt, der kann auf ein Ladevolumen von 1580 Liter zugreifen. In der Übersetzung heißt das, dass Gegenstände von 2,40 Meter Länge einfach so im Inneren des Tschechen verschwinden. Wird der Beifahrersitz nach vorn geklappt, lässt sich sogar ein Surfbrett von 2,90 Meter verstauen. Das ist beachtlich.

Chefdesigner Jozef Kaban ist sichtlich stolz auf "seinen" neuen Octavia.
Chefdesigner Jozef Kaban ist sichtlich stolz auf "seinen" neuen Octavia.(Foto: Holger Preiss)

Bei aller Größe hat der Octavia aber abgespeckt. Ganze 102 Kilogramm hat der Tscheche unter anderem dank warm umgeformter Stähle verloren. Damit ist er der leichteste Octavia in der Geschichte. Aber auch die kleinen Features, die die Ingenieure dem Octavia mitgegeben haben, machen ihn noch attraktiver als seine Vorgänger. Das fängt mit einem kuscheligen Teppichboden im Kofferraum an, der sich bei Bedarf wenden lässt und so eine schmutzunempfindliche Oberfläche bietet. Der Eiskratzer befindet sich wie schon beim Rapid in der Tankklappe und die Hutablage kann hinter der Rückbank bei Bedarf arretiert werden.

Helferlein und Superlative

Neben diesen gut durchdachten Annehmlichkeiten dürfen sich Octavia-Käufer in Zukunft auch über die inzwischen bei Modellen aus dem VW-Konzern kommenden technischen Finessen freuen. Dazu gehört die Fernlichtautomatik ebenso wie ein Abstandswarner und eine Geschwindigkeitskontrolle. Allerdings arbeiten diese beiden Elemente so zusammen, dass der Fahrer sich fast wie bei einem Autopiloten über die Autobahn steuern lassen kann. Geschwindigkeit und Abstand werden durch die Elektronik verkehrsabhängig reguliert und das bis zu Tempo 150. Sogar abbremsen kann der Octavia bis zum Stillstand selbstständig.

Mit dem Spurhalteassistenten, der natürlich auch über einen automatischen Lenkeingriff verfügt, und der Müdigkeitserkennung dürfte das Sicherheitspaket dann vollständig sein. Einschränkend darf aber angemerkt werden, dass all diese kleinen, feinen Helferlein nicht in der Basis zu bekommen sind und nicht zum Nulltarif. Im Einstiegsmodell gibt es serienmäßig lediglich die Multikollisionsbremse und den Fußgängerschutz mit aktiver Motorhaube. Unter der schlagen die aus dem VW-Baukasten bekannten Herzen mit einem Leistungsband von 110 PS bis 180 PS. Wobei die letzte Größe wohl dem RS vorbehalten ist, der im kommenden Jahr erwartet wird und der schnellste Octavia aller Zeiten werden soll, wie Entwicklungsvorstand Frank Welsch verspricht.

Und da Skoda mit Superlativen in Bezug auf den dritten Octavia nicht spart, sei auch das letzte nicht verschwiegen: Für die neuen Modelle versprechen die Tschechen für alle Motoren einen CO2-Ausstoß unter 103 g/km. Geplant ist auch wieder ein Modell "Greenline". Hier soll der Verbrauch bei lediglich 3,4 Liter auf 100 Kilometer liegen. Das würde bedeuten, dass man mit diesem Octavia 1470 Kilometer zurücklegen kann, bevor die Tankanzeige leuchtet. Und das bei einem CO2-Ausstoß von nur 89 g/km.

Doch was kostet der neue Octavia? Hier hält sich Skoda noch bedeckt. "Sie können mal davon ausgehen", so Entwicklungschef Welsch, "dass der Neue sich am Preis des alten Octavia orientiert und nicht allzu sehr davon abweicht".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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