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Im Großstadtdschungel wird der Skoda Citigo zu einem idealen Begleiter.
Im Großstadtdschungel wird der Skoda Citigo zu einem idealen Begleiter.(Foto: Holger Preiss)

Stadtabenteuer mit dem Skoda Citigo: Raumwunder für Minimalisten

Von Holger Preiss

Skoda besetzt mit dem Citigo endlich auch die Kategorie der Kleinstwagen und muss urban lebende Kunden mit dem Wunsch nach minimaler Automobilität nicht mehr nach Hause schicken. Ob der Stadt-Floh aber neben dem Preis zum Sparen taugt, soll ein Test beweisen.

Im Kofferraum verschwinden beachtliche 251 Liter.
Im Kofferraum verschwinden beachtliche 251 Liter.(Foto: Holger Preiss)

Stadtfahrten mit dem Auto haben so ihre Tücken. Die wohl bekannteste und auch lästigste ist die Parkplatzsuche. Hat man endlich eine Lücke gefunden, ist sie meist zu klein und man kurbelt sich einen Wolf, um den Wagen mit Ach und Krach hineinzuwürgen oder man lässt es und dreht weiter verzweifelt seine Runden. Nicht so mit dem Skoda Citigo. Das kompakte 3,56-Meter-Auto kann mit Leichtigkeit in fast jede Lücke schlüpfen. Vorausgesetzt, man entscheidet sich für einen dieser Stadtflöhe mit Servolenkung. In der Grundausstattung ist die nämlich nicht enthalten und da wird aus dem Vergnügen, den Sprung in die Parktasche zu schaffen, schnell harte Arbeit.

Ein Zwerg beweist beachtliche Größe

Der Citigo glänzt mit einem für seine Größe beachtlichen Raumangebot. Das Gepäckteil schluckt erstaunliche 251 Liter, was auch einen Wochenendeinkauf für vier Personen mit Leichtigkeit in dem City-Flitzer verschwinden lässt. Einziger Nachteil: Sprudel, Gemüse und Wurst versenken sich weit in die Tiefe, so dass die schwere Last auch wieder aus den Abgründen nach oben und über die hohe Ladekante gewuchtet werden muss. Klappt man die Rücklehnen um, erweitert sich der Stauraum auf stolze 951 Liter und lässt auch Fahrten zu dem großen schwedischen Möbelhaus zu. Vorausgesetzt, man hat nicht die Absicht, ein Doppelbett im Citigo zu transportieren.

Im Innenraum geht es auf den Plätzen luftig und bequem zu.
Im Innenraum geht es auf den Plätzen luftig und bequem zu.(Foto: Holger Preiss)

Neben dem Gepäck finden auch Insassen im Mini-Tschechen ausreichend Platz. Dank seiner Gesamthöhe von 1,48 Metern und einer Breite von 1,46 Metern bietet er auch hochgewachsenen Personen auf allen Plätzen ausreichend Raum. Der Einstieg in die zweite Reihe ist im Fünftürer problemlos und auch die Knie finden, dank der nicht bis zum Boden gezogenen Rückenlehne, ausreichend Luft. Schwieriger wird es beim Transport von Kindern in den für sie vorgeschriebenen Sitzeinrichtungen. Wenn große Reisende auf den vorderen Plätzen unterwegs sind, laufen sie Gefahr, die Füßchen der lieben Kleinen in unregelmäßigen Abständen im Rücken zu spüren, weil sie kontrolliert oder unkontrolliert gegen das Gestühl schlagen.

Sonst geben sich die Sitzgelegenheiten wohlgeformt, straff abgestimmt und glänzen mit einer überdurchschnittlichen Oberschenkelauflage. Die Kopfstützen der Vordersitze hat Skoda in die Rückenlehnen integriert und so eine sehr sportliche Optik geschaffen, was dem Stadtfloh etwas Dynamisches verleiht. Das hat aber den Nachteil, dass sich die Kopfstützen nicht verstellen lassen. Auf langen Fahrten können die fehlenden Einstellmöglichkeiten für Fahrer und Beifahrer, je nach Körpergröße, recht unbequem werden.

Stadt-Floh ist kein Tourer

Mit dem 1,0-Liter-Motor geht es in der Stadt genügsam voran.
Mit dem 1,0-Liter-Motor geht es in der Stadt genügsam voran.(Foto: Holger Preiss)

Apropos lange Fahrten. Auf die sollte man im Citigo ohnehin verzichten. Nicht, dass es nicht ginge, aber es spricht doch einiges dagegen: In der Premium-Motorisierung leistet der Stadtflitzer aus seiner 1,0-Liter-Maschine 75 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 95 Newtonmeter, während die maximale Leistung bei 6200 U/min anliegt. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Skoda hier mit 171 km/h an. Im Test scheint das eine eher optimistische Prophezeiung zu sein.

Die 100 km/h erreicht der Zwerg nach 13,2 Sekunden, ab 140 km/h quält sich die Tachonadel nur noch mühsam an die 160 km/h-Marke. Ihn weiter zu peitschen, wagt der Autor nicht, denn der Ton des Antriebsaggregats wird zunehmend knurriger und der vom Hersteller angegebene Verbrauch von 4,0 Litern schwingt sich in Höhen, die ein weiteres Verweilen auf dem Gaspedal einfach verbieten. Eine derart rasante Fahrt wird mit einem Verbrauch von 7,1 Litern auf 100 Kilometern quittiert. Nichtsdestotrotz sollte eine Tankfüllung (35 Liter) für knapp 500 Kilometer reichen und wer sich auf 120 km/h einpegelt, der dürfte deutlich mehr schaffen.

Die Stadt ist sein Revier

In der Front ist der Stadtflitzer als echter Skoda zu erkennen.
In der Front ist der Stadtflitzer als echter Skoda zu erkennen.(Foto: Holger Preiss)

Es darf allerdings resümiert werden, dass schnelle Autobahnfahrten nichts für den Citigo sind. Sein Revier ist und bleibt die Stadt. Hier erfreut er den Piloten im fließenden Verkehr mit Verbrauchswerten von 4,9 Litern, unterbietet also sogar die Werksangaben von 5,9 um einen glatten Liter. Für ein solches Ergebnis sollte man aber für die im Display angegebenen Schaltanweisungen offen sein und eine sehr untertourige Fahrweise pflegen. Insgesamt gibt sich der Testwagen, verglichen mit den Herstellerangaben, nicht wirklich genügsam. Im Schnitt schluckte der kleine Tscheche bei einem munteren Wechsel von Stadt, Autobahn und Landstraßen 6,4 Liter Super. Angegeben war ein Mittel von 4,7 Liter.

Ansonsten glänzt der Zwerg durch ein straff abgestimmtes Fahrwerk, das auch schnelle Kurvenfahrten zulässt, ohne das Gefühl zu vermitteln, dass man gleich die Kontrolle verliert, wie es bei einigen anderen Segmentgenossen der Fall ist. Der Wendekreis von 9,8 Metern lässt auch auf engem Raum das Kommando Ree mit Freude ausführen, wenn denn mal wieder die Schminktasche, das Kuscheltier oder die Geldbörse vergessen wurden. Die Verarbeitung ist Skoda-typisch sehr ordentlich. Da klappert nichts und die verwendeten Materialien wirken wertig.

Der Citigo macht auch von hinten eine gute Figur.
Der Citigo macht auch von hinten eine gute Figur.(Foto: Holger Preiss)

Dank der großen Rundinstrumente hat der Fahrer die wichtigsten Informationen klar strukturiert im Blick. Warum allerdings auf eine gesonderte Anzeige für Stand- und Fahrlicht in der Instrumententafel verzichtet wurde, wird wohl ein Geheimnis des Herstellers bleiben. Für den Fahrer ein unglücklicher Umstand, denn die Instrumentenbeleuchtung reicht bei Tage nicht aus, zu erkennen, ob die Lichter ein- oder ausgeschaltet sind. Auch der Verzicht auf einen Schminkspiegel hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite ist schade, denn es ist anzunehmen, dass auch Frauen sich für das frische Gesicht aus Tschechien begeistern können.

Erfreulich ist das obligatorisch hohe Sicherheitsniveau mit Front-, Kopf- und Thoraxairbags samt elektronischem Stabilitätsprogramm. Sogar ein aktiver Bremsassistent (450 Euro – jedoch nicht für die Basis) ist lieferbar, der drohende Auffahrunfälle bei Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h abmildern oder gar verhindern kann. Wer sich für die höher ausgestattete Variante Elegance entscheidet, der bekommt für sein Geld noch elektrische Fensterheber auf den vorderen Plätzen dazu. Die haben aber den Nachteil, dass sich die jeweilige Scheibe nur vom eigenen Platz aus heben und senken lassen.

Mit optionalem Navi werden alle Informationen auf einen Blick geliefert.
Mit optionalem Navi werden alle Informationen auf einen Blick geliefert.(Foto: Holger Preiss)

Echt empfehlenswert ist das von Skoda angebotene Infotainmentsystem Move and Fun. Es beinhaltet ein Naviagationssystem von Navigon mit TMC – also automatischer Stauumfahrung - und Bluetooth-Telefonfreisprecheinrichtung, dient aber auch als Bordcomputer und ermöglicht so einen Blick auf Verbrauch, gefahrene Kilometer, Drehzahlen, Radiostationen und über das Smartphone abgespielte private Hitlisten. Die mitgelieferten zwei Lautsprecher haben einen akzeptablen Klang und geben die Songs in annehmbarer Qualität wieder. Kostenpunkt für diesen Luxus sind 350 Euro. Aber die lohnen sich.

Fazit: Technisch gleichen sich die Drillinge des VW-Konzern Up!, Seat Mii und Skoda Citigo wie ein Ei dem anderen, doch der Teufel steckt im Detail der Preislisten und natürlich in den optischen Akzenten. Hinzu kommt das Image des Labels und das ist bei Skoda in den letzten Jahren immer besser geworden. Wer also einen Stadtflitzer sucht, der ihn im Großstadtdschungel zuverlässig von A nach B bringt, der kann getrost zu einem Citigo greifen. Wie der ausgestattet ist, hängt vom Geldbeutel und von den persönlichen Ansprüchen ab. Bei den Motorisierungen sollte man sich im Zweifel lieber für den stärkeren 75 PS-Motor entscheiden. Denn der zieht spürbar kräftiger aus dem Drehzahlkeller heraus. In der Grundausstattung muss der Käufer für den deutlich variableren und komfortableren Fünftürer dann 9975 Euro bereithalten. Wer es richtig gediegen und mit allem Pipapo mag, darf auch bei 13.500 Euro nicht schlucken.

DATENBLATTSkoda Citigo 1,0 MPI
Abmessungen (Länge, Breite, Höhe)3,56/ 1,46/ 1,47 m
Radstand2,42 m
Leergewicht (DIN)929 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen251 - 951 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Dreizylinder mit 999 ccm Hubraum
GetriebeFünfgang-Schaltgetriebe
Leistung75 PS (55kW) bei 6200 U/min
KraftstoffartSuper
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit171 km/h
max. Drehmoment95 Nm bei 3000 - 4300 U/min
Tankinhalt35 l
Beschleunigung 0-100 km/h13,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,0/ 5,9/ 4,7
Testverbrauch6,4 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
108 g/km
Grundpreis9925,00 Euro
Preis des Testwagens13.100,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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