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Nicht nur die C-Säule des Kia Sorento erinnert an die M-Klasse.
Nicht nur die C-Säule des Kia Sorento erinnert an die M-Klasse.(Foto: Kia)

M-Klasse aus Korea: Kia Sorento kämpft mit Schwachstellen

Der Kia Sorento und die Mercedes M-Klasse könnten verwandt sein. Zumindest äußerlich. Bei Technik und Qualität kann der Koreaner mit dem Stuttgarter aber nicht mithalten. Dafür ist der Preis für ein gebrauchtes Exemplar deutlich niedriger.

Die Heckscheibe kann separat geöffnet werden.
Die Heckscheibe kann separat geöffnet werden.(Foto: Kia)

Mit dem Sorento der ersten Generation begann 2002 die Erfolgsgeschichte von Kia. Das große SUV überzeugte nicht nur beim Preis, sondern auch bei Design, Technik sowie Verarbeitung - und fand umgehend zahllose Fans unter Gespannfahrern, Förstern und Eltern im Kinder-Shuttle-Dienst. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist das Angebot deshalb heute sehr groß. Ganz unbesehen zugreifen sollte man aber nicht.

Ganz zufällig ist die große formale Ähnlichkeit des Sorento zum Mercedes ML nicht. Der 4,59 Meter lange Allrader wollte ganz bewusst vom Erfolg des fast doppelt so teuren Premium-Vorbilds profitieren. In Sachen Platzangebot für Passagiere und Gepäck fällt der Koreaner aber deutlich kleiner aus als der Mercedes, auch die durchaus ordentliche Verarbeitung des leicht tristen Innenraums fällt natürlich im Vergleich deutlich ab. Für seinen günstigen Preis lieferte der Kia aber ein seinerzeit durchaus ordentliches Niveau - auch gute Gebrauchte sind heute vielleicht etwas abgewohnt, aber keinesfalls verschlissen. Beim Fahrkomfort zeigt das auf einem robusten Geländewagen-Leiterrahmen aufgebaute SUV zwei Gesichter: Bis zum Facelift 2006 war das Fahrwerk eher straff und knochig, danach sänftenartig weich mit höher gelegter Karosserie. Für Langstreckenfahrer und den Geländeeinsatz empfiehlt sich daher ein späteres Modell.

Der Sorento vor dem Facelift 2006.
Der Sorento vor dem Facelift 2006.(Foto: Kia)

Für den Sorento gab es zwar immer nur zwei Motoren - die Auswahl fällt aber trotzdem schwer. Für den 140 PS (später 170 PS) starken 2,5-Liter-Diesel spricht sein fülliges Drehmoment und der niedrige Verbrauch. Gegen ihn spricht seine Anfälligkeit: Defekte an Turboladern und Injektoren, reißende Zylinderköpfe, Kolbenfresser und Nockenwellenschäden sind nicht selten. Wer das Risiko teurer Reparaturen vermeiden will, wählt daher besser den V6-Benziner mit bis zu 241 PS. Der ist allerdings ein wahrer Schluckspecht - mit 17 Litern im Stadtverkehr sollte man schon rechnen. Allradantrieb ist bei beiden Motorversionen immer an Bord, in der Basis-Ausstattung LX muss er (zumindest bei den offiziell für den deutschen Markt produzierten Fahrzeugen) per Hand zugeschaltet werden, in der höheren EX-Linie aktiviert er sich bei Bedarf selbstständig. Als Zugabe gibt es in beiden Fällen ein Untersetzungsgetriebe, das den Kia in Kombination mit den Starrachsen und dem robusten Leiterrahmen zum durchaus fähigen Geländewagen macht.

Alles Wichtige an Bord

Als damalige No-Name-Marke musste Kia bei der Ausstattung großzügig sein. So ist selbst im Basis-Sorento alles Wichtige an Bord - von der Klimaanlage über den CD-Spieler bis zur Dachreling. Praktisch ist auch die serienmäßige aufklappbare Heckscheibe. Beliebte Extras waren das elektrische Glasdach, das vergleichsweise günstige Navigationsgerät und die Standheizung. Auf Wunsch bot Kia den Sorento auch mit Autogasantrieb an. Allerdings ist beim Gebrauchtkauf Vorsicht geboten - der Sorento war ein beliebtes Modell für den Grauimport (vor allem in der V6-Variante), so dass viele heute angebotene Fahrzeuge vom üblichen Ausstattungsumfang abweichen dürften. Für Sicherheit sorgen vier Airbags und der Schleuderschutz ESP. Beim EuroNCAP-Crashtest reichte es 2003 aber nur für vier von fünf Sternen.

Wer in die TÜV-Statistik für den Sorento schaut, schreckt erst einmal zurück. In zahlreichen Bereichen schneidet der Koreaner schlechter ab als seine jeweiligen Altersgenossen. Das liegt allerdings auch häufig an den harten Einsatzbedingungen als Zugfahrzeug oder im Gelände. Beim Kauf sollte man sich daher über das frühere Leben seines Wunschfahrzeugs informieren - und besser ein Modell wählen, das vor allem allein und auf befestigten Straßen unterwegs war. Aber auch zwei weitere Schwachstellen sollten geprüft werden. So tendiert der Sorento schon in jungem Alter zu Ölverlust und mit einigen Jahren mehr auf dem Buckel auch zu Rostfraß - beides kann hohe Reparaturkosten nach sich ziehen. Unabdingbar ist zudem eine Horch-Fahrt: Ungewöhnliche Geräusche aus dem Heck können auf Achsprobleme hinweisen, ein Mahlgeräusche künden von dem nahen Ende des Verteilergetriebes.

Fazit: Der Sorento ist konzeptionell ein gelungenes Auto, bietet ordentlich Platz und ist recht günstig zu bekommen. Technisch ganz unproblematisch ist er nicht. Das theoretisch gegenüber vergleichbaren Modellen gesparte Geld ist daher für einen Vorab-Check in der Werkstatt gut angelegt.

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Quelle: n-tv.de

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