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Die neue A-Klasse ist dynamisch geworden. Nichts erinnert mehr an den Vorgänger.
Die neue A-Klasse ist dynamisch geworden. Nichts erinnert mehr an den Vorgänger.

Die A-Klasse ganz anders: Mercedes' "Angriff" im Anzug

Von Holger Preiss

Im Jahr 1997 wurden die Stuttgarter für ihre A-Klasse belächelt, als sie im Schlängellauf um die Pylonen plötzlich auf dem Dach landete. Das ist lange her und mit der alten A-Klasse hat der neue Mercedes dieser Gattung nichts mehr gemein. Die Schwaben haben nicht umsonst den Angriff ausgerufen. Und der ist wahrlich im Anzug. Wenn es auch hier und da im Schritt zwickt.

Zwei Endrohre und ein Dachspoiler betonen die Sportlichkeit.
Zwei Endrohre und ein Dachspoiler betonen die Sportlichkeit.(Foto: Holger Preiss)

Mit der A-Klasse hat Mercedes den "Angriff" ausgerufen. Dabei sind die Gegner klar:BMW 1er, Audi A3 und Volvo V40. Und tatsächlich ist die neue A-Klasse gelungen. Weg vom schnöden Design-Unfall seines Vorgängers, hat sich das neue A zu einem echten Dynamiker und Hingucker entwickelt. Optisch ist es ein wenig, als hätte man einen Anzug von Hugo Boss, Armani oder Gucci angezogen. Die Stoffe sind ausgewählt und extrem edel. Wer sich den edlen Zwirn überwirft, kann sich drehen und wenden wie er will, er sieht einfach hip aus. 

Und genau so geht es einem mit der A-Klasse. Die Linien sind scharf und kantig. Spitz und dennoch gefällig ziehen sich die Scheinwerfer bis in die Kotflügel. Die Tornadolinie fällt leicht ab, kooperiert mit der stark abfallenden Dachlinie und dem gegenläufigen Schwung der unteren Sicke. Die neue Mercedes-Front mit dem in Chrom eingefassten Stern gibt dem Kompakten im Zusammenspiel mit der Frontschürze, die mit einer schwarzen Wabenoptik aufgewertet wird, etwas Kraftvolles. Auch am Heck spricht jedes Detail eine elegant-sportliche Sprache. Die Leuchten erfreuen durch LED-Technik und ihren kühnen Schwung, der Spoiler, der auch alle Antennen enthält, zieht die Dachlinie noch einen Tick nach unten, während die zwei "fetten" Endrohre sich optisch scheinbar nach oben bewegen. Es ist diese geduckte Haltung, die die neue A-Klasse auszeichnet. Es scheint, als wäre jeder Muskel gespannt. Nichts erinnert mehr an die Elch-Test-Episode aus dem Jahr 1997, wo die A-Klasse beim Umfahren der Pylonen auf dem Dach landete.

Die A-Klasse legt keiner mehr aufs Dach

Das Spiegel-Paket kostet 351 Euro extra, sieht aber schick aus.
Das Spiegel-Paket kostet 351 Euro extra, sieht aber schick aus.(Foto: Holger Preiss)

Wer diese A-Klasse aufs Dach legen will, der muss sich wahrlich anstrengen. Der Schwerpunkt des Fahrzeugs wurde deutlich spürbar abgesenkt und gemeinsam mit der neuen Vierlenker-Hinterachse vermittelt der hier getestete A200 Blue Efficiency nicht den Eindruck, als würden ihm Kurven jeglicher Art zu schaffen machen. Sportlich straff bleibt der frontgetriebene Stuttgarter auch in der Kehre aufrecht und denkt nicht daran, über die Vorderräder zu schieben oder gar mit dem Heck zu wedeln. Auch Unebenheiten nimmt das Fahrwerk sportlich. Da wird schon mal die eine oder andere Bodenwelle kopiert statt weggesteckt, aber wirklich ungemütlich wird es nie.

Dafür sorgen auch die tief liegenden und straff abgestimmten Sitze im A200. Wer in das Ledergestühl rutscht, fühlt sich an einen Sportwagen erinnert und alles um einen herum scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Auch der unter der Haube arbeitende 1,6-Liter-Benziner mit 156 PS, der den Schwaben im optional wählbaren Sportmodus in 8,3 Sekunden auf Tempo 100 treibt, gibt sich potent. Wer das Gaspedal richtig durchtritt, wird die Nadel erst bei 224 km/h zur Ruhe bringen, während ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe für die richtige Übersetzung sorgt. Wer das ordert, zahlt 2166 Euro zusätzlich.

Angestrengt und etwas durstig

Der 1,6-Liter Benziner wirkt ab und an etwas angestrengt.
Der 1,6-Liter Benziner wirkt ab und an etwas angestrengt.(Foto: Holger Preiss)

Ob das aber wirklich nötig ist, sollte der geneigte Käufer bei einer Probefahrt herausfinden. Im sportlichen Rundenlauf tourt die Maschine auf 6000 U/min, um den nächsten Gang einzuwerfen. Das klingt auf dem Papier ambitioniert, vermittelt aber tonal das Gefühl, als sei das Triebwerk extrem angestrengt. Es fehlt die Spontanität der Leistungsentwicklung, die das Kribbeln im Bauch verursacht. Die kann aber, wirft man die Gänge über die Schaltwippe am Lenkrad ein, durchaus gegeben sein. Hinzu kommt, und hier ist es egal, ob man im Eco- oder Sportmodus unterwegs ist, dass die Elektronik manchmal verunsichert scheint, welcher Gang wohl der nächste ist, den es einzulegen gilt. Das führt dazu, dass es bei den Schaltprozessen ab und zu ruckelt und zuckelt. Ein für ein Doppelkupplungsgetriebe unerwartetes Verhalten.

Unerwartet auch der Durst des doch eher kleinen Vierzylinders. Ganze 8,3 Liter Super schlürfte der A200 im Drittelmix weg. Mercedes gibt den kombiniert mit 5,7 Liter an. Noch durstiger wird der Benz auf der Autobahn. Hier zeigte die Elektronik satte 9,9 Liter an. Allerdings muss eingeräumt werden, dass weite Strecken der gefahrenen 400 Kilometer ohne Geschwindigkeitsbegrenzung waren und sich der A200 eher auf der linken Spur bewegte. Erfreulich hingegen der Verbrauch im Stadtverkehr. Hier spricht das Datenblatt von 7,3 Litern. Im Test verlangte der Stuttgarter 7,4 Liter. Ein sehr ordentlicher Wert, der auch dank der Start-Stopp-Automatik erreicht wurde. Die ist im Übrigen so hervorragend über die Bremse zu aktivieren, dass der Wagen auch zum Stehen gebracht werden kann, ohne den Motor zum Ausgehen zu zwingen. Erst wenn die Bremse ganz durchgetreten wird, verstummt das Aggregat und meldet sich dann wieder, wenn der Fuß das Pedal freigibt.

Raum und Dynamik auch innen

Der Kofferraum fasst 341 Liter.
Der Kofferraum fasst 341 Liter.(Foto: Holger Preiss)

Ordentlich ist auch das Raumangebot für die Reisenden auf den vorderen Plätzen. Wer in den Fond steigt, sollte die 1,85 Meter allerdings nicht überschreiten, denn selbst wenn die Knie noch ausreichend Raum finden, wird es in Kopfhöhe auf Grund der stark abfallenden Dachlinie eng. Kinder hingegen lieben das höhlenartige Gefühl auf der Rückbank. Allerdings sorgt diese kuschelige Atmosphäre im Zusammenspiel mit den dynamischen Linien für eine sehr eingeschränkte Rundumsicht. Die optional angebotene Rückfahrkamera für 345 Euro macht sich bei dem Kompakten von 4,29 Metern Länge durchaus bezahlt. Hinter der Heckklappe verbirgt sich ein Gepäckabteil mit einem Fassungsvermögen von 341 Litern, bei umgelegter Rückbank wächst das Volumen auf 1157 Liter. Das ist nicht üppig, aber für ein Auto, das ohnehin nicht als Familienkutsche konzipiert wurde, durchaus angemessen.

Auch im Innenraum ist der kleine Benz auf Dynamik gebürstet. Die fünf in Aluminiumoptik gerahmten Luftauslässe in Flugzeugturbinenoptik, groß und mächtig, schaffen sich in der Armatur Raum. Das Drei-Speichen-Lenkrad, mit feinstem Nappa bespannt, liegt großartig in der Hand und gibt die vom Piloten angeregten Lenkbewegungen präzise weiter. Die Bedienelemente am Steuerrad sind leicht zu durchschauen und ebenso zu bedienen. Die Rundinstrumente liefern ihre Informationen analog und digital in feinster Retro-Rennwagenoptik. Auch die Bedieneinheit in der Mittelkonsole gibt keine Rätsel auf. Tasten und Drehsteller haben angenehme Druckpunkte.

Etwas ungelenk wirkt das Navi in dem sonst sehr dynamischen Innenraum.
Etwas ungelenk wirkt das Navi in dem sonst sehr dynamischen Innenraum.(Foto: Holger Preiss)

Gewöhnungsbedürftig ist hingegen die Anordnung von Schalthebel, Blinker und Bedienelement für den Scheibenwischer. Um Platz auf der Mittelkonsole zu schaffen, haben die Stuttgarter wie schon beim GLK den Wahlhebel für das Automatikgetriebe dorthin gesetzt, wo man gemeinhin den Hebel für den Scheibenwischer vermutet. Der wiederum wanderte auf die linke Seite in den Blinkgeber. Wer das verinnerlicht hat, wird damit keine Probleme haben und sich gerade bei Schmuddelwetter an der feinsten Sprühwasserverteilung, die es bei Fahrzeugen dieser Klasse gibt, erfreuen.

Der Flatscreen und sein Drehdrucksteller

Ob die Armatur passend zu dem farblich nicht zu empfehlenden grauen Gestühl in nämlichen Ton abgesetzt sein muss, ist Geschmackssache. Auch, ob die sich aus dem Schwung der Sonnenblende für die Rundinstrumente ergebende Kante gefällt, bleibt Sache des Betrachters. Ob aber die mit feinsten Materialien und durch hervorragende Verarbeitung glänzende Optik des Fahrzeuges durch so etwas wie ein aufgeflanschtes iPad mini, das nicht mal getoucht werden kann, gestört werden muss, darf bezweifelt werden.

Wer unter 1,85 Meter misst, findet auch im Fond ausreichend Platz.
Wer unter 1,85 Meter misst, findet auch im Fond ausreichend Platz.(Foto: Holger Preiss)

Ja, um es noch einmal zu sagen: Die neue A-Klasse ist nicht nur außen, sondern auch innen sehr dynamisch. Sie fasst sich gut an, sie sitzt sich gut, sie glänzt durch kleine Features wie einen Mülleimer in der Mittelkonsole, durch schlank gearbeitete Türinnenverkleidungen, die aber locker eine 0,75-Liter-Flasche fassen, und ein großes Fach unter der Mittelarmlehne, in dem sich auch die Anschlüsse wie USB etc. verstecken. In diesem Fahrzeug klappert, knarzt, ruschelt und schuffelt nichts. Alles super. Aber bitte, was soll dieser sich nicht mal im Ansatz in die feinen Strukturen und Wölbungen einfügende Bildschirm? Zugegeben, es handelt sich hier um eine Befindlichkeit des Autors.

Natürlich lässt sich der Monitor ausgezeichnet ablesen und funktioniert makellos. Bedient wird die Multimediaeinheit mit Navi, Radio, Telefon, Video, Systemeinstellungen und Internet (kostet in dieser Kombination 3200 Euro) kinderleicht über den Druckdrehsteller auf der Mittelkonsole. Doch auch der hat seine Tücken. Wer nämlich an der optisch hübsch verbauten und in der Mittelkonsole etwas zurückgesetzten Zwei-Zonen-Klimaautomatik schrauben möchte, der läuft unweigerlich Gefahr, mit seinem Unterarm auf dem eben noch bejubelten Drehknopf zu landen und wilde Einstellungskapriolen auf dem Flatscreen heraufzubeschwören.

Der Preis wird heiß

In puncto Sicherheit steht der kleine Benz dann aber wieder für sich. Er verfügt serienmäßig über einen radargestützten Kollisionswarner mit adaptivem Bremsassistenten, was die Gefahr eines Auffahrunfalls verringert. Ebenfalls in Serie gibt es eine Berganfahrhilfe, einen Müdigkeitswarner und eine Haltefunktion der Bremsen. Mit dieser Grundausstattung und ohne zusätzliche Optionen kann man den A200 Blue EFFICIENCY für 27.013 Euro erwerben. Wer die Sonderausstattungen des Testwagens dazu bucht, schafft es aber ohne Weiteres, den Preis über die 40.000 Euro zu treiben: Ausstattungslinie Urban 1297 Euro, Fahrersitz elektrisch verstellbar 399 Euro, Bi-Xenon-Scheinwerfer 1005 Euro, Distronic Plus (Tempomat und Abstandswarner) 1023 Euro, Media Interface 262 Euro, um nur einige zu nennen. Insgesamt beliefen sich die Sonderausstattungen auf 8687 Euro. Ein stattliches Sümmchen, das aber auch bei den Klassenkollegen in ähnlicher Höhe zu Buche schlagen kann.

Fazit: Der Angriff im Anzug ist gelungen. Wenn es auch hier und da etwas im Schritt zwickt, bleibt die neue A-Klasse doch ein Aushängeschild für den zukünftigen Weg, den Mercedes eingeschlagen hat. Wer also ein Fahrzeug sucht, das qualitativ keine Wünsche übrig lässt und sich auch des alten Leumundes des Sterns erfreut, der kann mit der A-Klasse nichts verkehrt machen. Einzig bei der Auswahl der Zusatzfeatures und bei der Wahl des Triebwerkes sollten finanzielle Aufwendungen und Nutzen auf ihr Verhältnis geprüft werden.

DATENBLATTMercedes A200 BlueEFFICIENCY
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,29/ 1,78/ 1,43 m
Radstand2,69 m
Leergewicht (DIN)1395 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen341 Liter/ 1157 Liter
EmissionsklasseEU 6
Motor/Hubraum1,6-Liter Reihenvierzylinder
Getriebe7G-DCT Doppelkupplungsgetriebe Automatisch 7-Gang                                                                                                                                                                                                                                        
Leistung156PS (115 kW) bei 5300 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit224 km/h
max. Drehmoment250 Nm bei 1250 bis 4000 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,3 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)7,3/ 4,8/ 5,7
Testverbrauch8,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
133 g/km
Grundpreis27.013 Euro
Preis des Testwagens41.430 Euro

Quelle: n-tv.de

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