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Äußerlich ist der GLC als Hybrid nicht von seinen Kollegen zu unterscheiden.
Äußerlich ist der GLC als Hybrid nicht von seinen Kollegen zu unterscheiden.(Foto: Holger Preiss)

Praxistest mit Mercedes' Öko-SUV: GLC 350e - nur fürs grüne Gewissen?

Von Holger Preiss

Noch ist der Mercedes GLC 350e Hybrid nicht auf den Markt. Dennoch darf ihn n-tv.de schon im Praxistest bewegen und der Welt den grünen Daumen zeigen. Allerdings klappt das leider nicht in allen Lebenslagen und so bleibt das Bild gespalten.

Dank verchromter Endrohrblenden ahnt man auch beim Hybrid, welche Power in ihm steckt.
Dank verchromter Endrohrblenden ahnt man auch beim Hybrid, welche Power in ihm steckt.(Foto: Holger Preiss)

Immer mehr Hersteller setzen auf Hybrid-Modelle, wobei die Herangehensweise um Nuancen abweichen kann. Vor allem bei den großen und schweren SUV sucht man mit der Kombination aus Verbrenner und Elektromotor dem Image des Schmutzfinken zu entkommen und gleichzeitig den strenger werdenden Richtlinien an den CO2-Ausstoß gerecht zu werden. Mit dem Nomenklatur-Wandel und dem neuen GLC, der den GLK ablöst, schickt Mercedes ab Frühjahr dieses Jahres ebenfalls ein Plug-In-Hybrid-SUV auf die Straße. n-tv.de durfte das neue Hybrid-SUV bereits jetzt zum Praxistest unter die Füße nehmen.

Beeindruckende Werte

Doch bevor der umweltfreundliche Kraxler bestiegen wird, soll ein Blick auf das Datenblatt geworfen werden. Die dort zu lesenden Werte können sich nämlich sehen lassen: Nur mit dem Elektroantrieb, der aus einem 8,7 kWh großen Lithium-Ionen-Akku immerhin 116 PS generiert, soll es 32 Kilometer vorangehen, die Emission sinkt auf maximal 64 g/km. Hinzu kommt ein Vierzylinder, der seine Kraft von 211 PS aus einem 2.0 Liter großen Benziner schöpft. Im Zusammenspiel ergeben sich so eine Systemleistung von 320 PS und ein gemeinsames Drehmoment von 560 Newtonmeter. Der Kickdown jedenfalls fühlt sich so ähnlich an wie ein Boxhieb ins Kreuz. Die Sprintzeit von 0 auf 100 km/h steht bei 5,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit gibt Mercedes mit Tempo 235 km/h an.

Der Innenraum des Mercedes GLC 350e ist exzellent verarbeitet.
Der Innenraum des Mercedes GLC 350e ist exzellent verarbeitet.(Foto: Holger Preiss)

Das ist extrem sportlich und so verwundert es nicht, dass Daimler dem Hybrid-GLC neben Comfort und Eco auch Fahrprogramme mit den Namen Sport und Sport Plus zur Verfügung gestellt hat. Denn selbst mit der über der Hinterachse sitzenden Batterie und einem Kampfgewicht von knapp zwei Tonnen bleibt das SUV erstaunlich agil. Dank seines Allradantriebs und einer präzise arbeitenden Lenkung ist der "Hochbeiner" kaum aus der Ruhe zu bringen. Wenn jetzt doch auch noch die Verbrauchswerte von 2,6 Liter über 100 Kilometer zu erreichen wären, wie es im Datenblatt zu lesen ist. An dieser Stelle macht die Realität dem euphorisierten Tester aber einen Strich durch die Rechnung.

Die Lust am Sparen

Denn um einen Plug-In-Hybrid im Alltag wirklich so fahren zu können, dass er alle seine Vorteile ausspielen kann, bedarf es mindestens zweier Lademöglichkeiten für die Batterie. Eine sollte man problemlos zu Hause nutzen können, die andere in der Nähe des Arbeitsplatzes. Denn tatsächlich rollt der GLC 350e, so sein Akkumulator vollständig geladen ist, vorzugsweise rein elektrisch. Und das ist eine sehr angenehme Erfahrung, denn das tonlose Dahingleiten gibt dem Fahrer ein gutes Gefühl die Umwelt betreffend und animiert, diese Art der Fortbewegung so lange wie möglich zu nutzen. Um das sicherzustellen, verzichtet er auf wilde Beschleunigungsarien oder den Versuch Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Obgleich rein elektrisch immerhin eine Geschwindigkeit von 130 km/h erreicht wird. So bemüht, schafft es der Fahrer des SUV mit Elektro-Attitüde tatsächlich problemlos eine Distanz von 30 Kilometern zu überbrücken, bevor der Benziner fast unmerklich und geräuschlos seine Arbeit aufnimmt.

Klagen über Platzprobleme dürfte es in der zweiten Reihe des GLC 350e keine geben.
Klagen über Platzprobleme dürfte es in der zweiten Reihe des GLC 350e keine geben.(Foto: Holger Preiss)

Wer jetzt für die nächste elektrische Strecke vorbauen will, der schaltet über den Kippschalter in der Mittelkonsole auf Charge um und sorgt so dafür, dass neben der normalen Rekuperation beim Ausrollen und Bremsen der Batterie über den Verbrenner wieder Energie zugeführt wird. Natürlich steigt bei dieser Art der Fahrt der Verbrauch signifikant an. Im Schnitt stehen beim Test-GLC 350e dann nach 100 Kilometern je nach Fahrweise zwischen 7,8 und 11,2 Liter auf der Uhr. Das liegt natürlich auch daran, dass der 350e durch die Batterie im Vergleich zum "normalen" GLC 250 4Matic satte 215 Kilogramm schwerer ist. Masse, die neben dem Ladevorgang der Batterie mit der gleichen Motorisierung bewegt werden muss.

Freude an der Dose?

An der Dose ist das Laden deutlich erfreulicher. Je nach Stromstärke lässt sich der Akku in 90 bis 180 Minuten befüllen. An der heimischen 220-Volt-Steckdose sind bei einer Restkapazität von 11 Prozent nach gut 160 Minuten wieder 97 Prozent erreicht. Allerdings züngelt die Batterie in dieser Zeit gut 8 kWh aus dem Döschen, was bei einem Durchschnittspreis von 30 Cent pro Kilowattstunde einem Wert von 2,40 Euro entspricht. Das wiederum ist für eine Reichweite von knapp 30 Kilometern gar nicht so wenig Geld. Für 100 Kilometer elektrisch bezahlt man also etwa 7,50 Euro. Nimmt man jetzt den Verbrauch aus dem Datenblatt des kleinsten Diesel, des 220d, zum Vergleich, der im Durchschnitt bei 5,5 Litern liegt, ergibt sich mit Blick auf die aktuellen Spritpreise eine Differenz von etwa zwei Euro, die man beim Verbrenner über eine Distanz von 100 Kilometer weniger bezahlen würde.

Natürlich gehen diese Rechnungen nie wirklich auf, denn viele Faktoren spielen in den Verbrauch mit hinein. Bedenkenswert ist aber noch eine andere Größe: Wer 1000 Kilometer rein elektrisch gefahren ist, der hat 10 Prozent seines sonstigen CO2-Ausstoßes eingespart. Dennoch: Für den kühlen Rechner ist der Hybrid nur die erste Wahl, wenn er sicher sein kann, am Ende einer jeden Kurzdistanz eine funktionierende Ladestation zu haben. Sollten mit dem Wagen prozentual aber deutlich mehr Kilometer zurückgelegt werden, als es die Batterie zulässt, rächen sich das Gewicht und das Leistungsprofil des Benzinmotors. Zwar sorgt die Elektronik auch auf der Langstrecke auf sehr intelligente Art und Weise für die bestmöglichen Wechsel zwischen Elektroantrieb und Verbrenner, kann aber beim besten Willen den Verbrauchswerten eines Diesel nicht das Wasser reichen.

Intelligentes Gaspedal und kleiner Kofferraum

Lediglich 395 Liter Kofferraum bleiben von 550 übrig, wenn man sich für den zusätzlichen Batterie-Antrieb im Mercedes GLC 350e entscheidet.
Lediglich 395 Liter Kofferraum bleiben von 550 übrig, wenn man sich für den zusätzlichen Batterie-Antrieb im Mercedes GLC 350e entscheidet.(Foto: Holger Preiss)

Eine Sache  bietet im Augenblick kein anderer Hersteller, ein System, das nicht nur mit dem Navi zusammenarbeitet, sondern auch mit dem Abstandstempomaten und einem "intelligenten" Gaspedal. Die Elektronik kümmert sich also nicht nur darum, wie stark sie rekuperiert oder wie lange der Wagen bei einem Tempo bis 160 km/h segelt, sie ermahnt den Fahrer sogar mit leicht pulsierendem Gegendruck den Fuß vom Gas zu nehmen, wenn er mal wieder zu vehement auf den Pin tritt. Aber letztlich bleibt es eben bei einer maximalen emissionsfreien Reichweite von besagten 30 Kilometern. Daran ändert auch der Eco-Modus nichts. Zwar versucht die Elektronik jetzt ganz ehrgeizig zu sparen, aber dabei geht auch einiges an Fahrspaß verloren. Die Reaktion des Gaspedals erfolgt jetzt leicht verzögert, die Automatik schaltet gefühlt etwas betulicher und das Auto wirkt insgesamt kraftloser.

Wer sich für die umweltfreundlichste Variante des GLC entscheidet, muss aber noch mit einer weiteren Einschränkung leben. Da die Hochleistungsbatterie über der Hinterachse verbaut ist, raubt sie ordentlich Kofferraumvolumen. Haben Nutzer eines normalen SUV bei aufrechter Fondlehne großzügige 550 Liter zur Verfügung, sind es beim 350e nur noch 395 Liter. Das entspricht etwa dem Volumen eines VW Golf VII. Wer die im Neigungswinkel verstellbaren Lehnen umklappt, was kinderleicht auf Knopfdruck passiert, erhält eine plane Ladefläche, auf der sich 1445 Liter verstauen lassen. Ein Wert, der dann wieder absolut in Ordnung geht.

Fazit: Ein Hybrid ist für das grüne Gewissen eine feine Sache. Wenn der GLC 350e 30 Kilometer elektrisch fährt, stößt er auch kein CO2 aus. Wird dann noch grüner Strom getankt, kann der Fahrer sicher sein, dass er im Augenblick als SUV-Besitzer nicht mehr für die Umwelt tun kann. Ob die Gesamtbilanz am Ende des Tages stimmt, hängt aber entscheidend von der weiteren Nutzung ab. Denn geht der Verbrenner erst einmal an, genehmigt er sich einen guten Schluck aus dem Tank. Wer also eher Langstrecke fährt und keine E-Zapfsäule in Reichweite hat, der ist mit einem Diesel deutlich besser dran.

DATENBLATTMercedes GLC 350e Hybrid
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,65 m / 1,89 m / 1,63 m
Radstand2,87 m
Leergewicht / Zuladung1950 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen395 - 1445 Liter
MotorVierzylinder mit Turboaufladung, 1991 ccm, Direkteinspritzung
Leistung155 kW / 211 PS bei 5500 U/min
Nenndrehmoment350 Nm bei 1200 - 4000 U/min
Leistung E-Maschine85 kW / 116 PS
Kapazität Lithium-Ionen-Batterie8,7 kWh
Systemleistung235 kW / 320 PS
Getriebe7-Gang-Wandlerautomatik
KraftstoffartBenzin
Tankvolumen50 Liter
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
max. Drehmoment (Boost)560 Nm bei 1500 – 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
ECE-Durchschnittsverbrauch2,7 l
Testverbrauch7,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
69 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreisnoch nicht bekannt
Preis des Testwagensnoch nicht bekannt

Quelle: n-tv.de

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