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Auf 3,64 Metern Länge bringt der Spark eine Menge Platz unter.
Auf 3,64 Metern Länge bringt der Spark eine Menge Platz unter.(Foto: n-tv.de/Busse)

Chevrolet Spark 1.2 LT: Leuchtkraft für die Statistik

von Axel F. Busse

Wenn ein Amerikaner aus Korea kommt, dann springt sogar bei den Deutschen der Funke über. Klingt schräg, trifft aber auf den Chevrolet Spark haargenau zu. Praxistest mit einem erstaunlichen Fünftürer.

Die Stadt Rüsselsheim im Hessischen ist weltweit als Standort von Opel bekannt. Dort ist aber auch das deutsche Hauptquartier von Chevrolet, dessen Adresse ("Lutzmann-Ring") gar an einen Opel-Pionier erinnert. Dass man bei Chevrolet seit längerem mehr zufriedene Gesichter trifft als nebenan bei Opel, liegt nicht nur am dem Hin und Her um die deutsche Traditionsfirma. Chevrolet gehört zu den am schnellsten wachsenden Marken auf dem deutschen Markt. Der Erfolg gründet sich aber nicht auf Straßenkreuzer alter Schule, sondern vor allem auf handliche Kleinwagen aus koreanischer Produktion – wie zum Beispiel dem Spark.

Fährt man zu viert, ist hinter der Klappe nur Platz für Handgepäck.
Fährt man zu viert, ist hinter der Klappe nur Platz für Handgepäck.(Foto: n-tv.de/Busse)

Auch Opel hat einen Spark im Angebot. Nur heißt das Auto dort Agila. Doch der direkte Vergleich der weitgehend baugleichen City-Flitzer könnte den Opelianern die Tränen in die Augen treiben. Mehr als 2000 Neuzulassungen in Deutschland schaffte der Agila im ersten Halbjahr 2011, so viel wie der Spark allein im vergangenen Monat. Da tröstet es nur wenig, wenn gegenüber dem Spark auch andere asiatische Kleinwagen nur mit bescheidenen Ergebnissen aufwarten können. Suzukis Modelle Alto und Splash distanziert der vermeintliche Amerikaner ebenso wie Kias Picanto, nur Hyundais i10 kann einigermaßen mithalten.

Erfolg durch Anderssein

Was macht den Spark so interessant? Konkurrenzlos günstig ist er jedenfalls nicht. Bei dem Testwagen handelte es sich um ein 82 PS starkes Modell der Ausstattungslinie LT, das ab Werk 13.450 Euro kostet. Die elektronische Schleuderbremse ESP ist da schon drin, bei allen anderen Sparks kostet sie 300 Euro Aufpreis. Für eine Metallic-Lackierung müssten beim Spark noch 390 Euro draufgelegt werden. Die Ausstattung ist insgesamt recht vorzeigbar, es fehlt weder an Alufelgen, elektrischen Außenspiegeln, einer Klimaautomatik, sechs Airbags, einem Dachspoiler oder was man bei Kleinwagen sonst noch gerne weglässt.

E 10 kein Problem: Im Test verbrauchte der Spark 5,7 Liter je 100 Kilometer.
E 10 kein Problem: Im Test verbrauchte der Spark 5,7 Liter je 100 Kilometer.(Foto: n-tv.de/Busse)

Vielleicht ist es das Anderssein, was den Spark ("Funke") in der Zulassungsstatistik so leuchten lässt. Obwohl nur 3,64 Meter kurz, wirkt er ausgesprochen stattlich und selbstbewusst. Die viel zu großen Scheinwerfergläser haben ihren Anteil an diesem optischen Eindruck, auch die freche Dachreling, die dem Auto unheimlich gut steht. Die hinteren Türen sind geschickt getarnt und die Griffe senkrecht in einem Keil an der dritten Seitenscheibe versteckt. Die steil nach hinten ansteigende Fensterlinie ist nicht ideal für die Rundumsicht, jedoch verstärkt sie das kraftvoll-dynamische Design des Profils. Die Heckklappenöffnung beginnt in für Kleinwagen untypischer Höhe von 70 Zentimetern Höhe, was den Zugang zu dem 170 Liter großen Gepäckfach etwas unbequem macht. Die darunter liegende Schürze nimmt das optische Thema des Frontspoilers wieder auf und umgreift spielerisch das vorwitzig heraus ragende Auspuff-Endrohr.

Farbtupfer in der Innenausstattung

Unkonventionelles Flair herrscht auch im Innenraum. Wer aus dem an knalligen Farben nicht armen Lacksortiment etwas Fesches aussucht, hat auch im Innenraum Freude daran: An Türverkleidungen und an Teilen des Armaturenbretts findet sich der Farbton wieder. Das ist zwar ein belebendes Element, doch leider sind diese lackierten Oberflächen auch recht kratzempfindlich. Zwar kann Chevrolet kein Urheberrecht darauf beanspruchen, aber das zentrale Kombi-Instrument fest auf der Lenksäule zu montieren, ist trotzdem originell und bringt durchaus Vorteile. Schade nur, dass die Tacho-Skala so schlecht ablesbar und nur bei eingeschaltetem Licht mit ordentlichem Kontrast ausgestattet ist.

Das Kombiinstrument sitzt beweglich auf der Lenksäule, der Tacho ist oft schlecht abzulesen.
Das Kombiinstrument sitzt beweglich auf der Lenksäule, der Tacho ist oft schlecht abzulesen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Ungeachtet der sonst guten Ausstattung werden zwei weitere Kleinigkeiten vermisst: Der Blinkerhebel hat keine Automatik-Funktion, die Lenksäule ist – wie leider bei den meisten Kleinwagen üblich – nicht horizontal verstellbar. Neben dem runden Tacho ist ein eckiges Kombi-Instrument montiert, das digital wahlweise über Außentemperatur, Drehzahl oder Reichweite informiert. Unhandlich ist nur der Abruf der Daten, zum Beispiel auch der Uhrzeit, da hierfür Tasten an der Oberseite des Gehäuses gedrückt werden müssen. Die Bestuhlung ist von durchschnittlicher Qualität, auch da ragt der Spark nicht aus der Masse seiner Mitbewerber heraus. Das Platzangebot für vier oder fünf Passagiere kann sich sehen lassen, auch eine Beinfreiheit in der zweiten Reihe ist zu erkennen. Doch geht der Zuschnitt der Kabine natürlich auf Kosten des Gepäckraumes. Durch Umlegen der Sitze können aus 170 Litern 568 Liter Volumen entstehen.

Laut bei hoher Drehzahl

Gegenüber dem 68 PS starken Basisaggregat stellt der 1,2 Liter große Vierzylinder die Spitzenmotorisierung dar. Ein maximales Drehmoment von 111 Newtonmetern klingt nicht gerade nach unbeherrschbarem Temperament, doch darf man nicht vergessen, dass dem kaum eine Tonne an Leergewicht gegenüber steht. Selbst voll besetzt und mit dem (bescheidenen) Gepäck der Insassen kommt das Auto gerade mal auf die Leermasse eines durchschnittlichen Kompaktautos. Auch wenn nicht viel Gewicht im Zaum zu halten ist, hätte man sich doch für Scheibenbremsen an der Hinterachse entschieden sollen. Sie werden auch von technischen Laien als Stand der Technik angesehen.

Für das kleine Auto sind die Scheinwerfergläser enorm groß geraten.
Für das kleine Auto sind die Scheinwerfergläser enorm groß geraten.(Foto: n-tv.de/Busse)

Der Motor ist laufruhig und nimmt willig Gas an, nur wird beim Fahren das spritsparende frühe Hochschalten nicht belohnt. Fällt die Drehzahl in der Schaltpause stark in Richtung 1000er-Marke ab, ist dem Motor kaum noch Durchzugskraft zu entlocken. Wer etwas höhertourig fährt, entgeht diesem Effekt. Am besten ist es, man richtet seinen gesamten Fahrstil auf den Drehzahlbereich zwischen 1500 und 3000 Touren ein, dann ist man am komfortabelsten unterwegs. Oberhalb von 3000 Touren macht der Motor wegen des fehlenden sechsten Gangs nämlich mit energischer Lautstärke auf sich aufmerksam.

Die Erwartungen an seine Wirtschaftlichkeit hat der Spark während der Testphase respektabel erfüllt. Anders nämlich als viele Fahrzeuge, denen ein um 1,5 bis zwei Liter höherer Praxisverbrauch als nach EU-Norm vorgesehen attestiert werden musste, kam der Chevrolet mit einem Mehrverbrauch von nur 0, 6 Litern im Ziel an. Statt 5,1 laut offiziellem Durchschnitt wurden in diesem Test 5,7 Liter je 100 Kilometer verbrannt. Sich dabei für den kostengünstigeren E10-Sprit zu entscheiden, blieb ohne Folgen. Alle Chevrolet, so die Auskunft des Herstellers, vertragen das Alkoholgemisch.

Mit reichlich Plastik, aber auch mit einer freundlichen Kontrastfarbe glänzt das Cockpit.
Mit reichlich Plastik, aber auch mit einer freundlichen Kontrastfarbe glänzt das Cockpit.(Foto: n-tv.de/Busse)

Fazit: An Kleinwagen ist weniger zu verdienen als an großen Limousinen, weshalb man vielen handlichen Stadt-Flitzern den Sparzwang der Hersteller ansieht und anfühlt. Auch am Spark sind eine Handvoll Kleinigkeiten zu entdecken, die man gerne anders hätte. Doch in der Summe der Eigenschaften und in Relation zum Preis ist der kleine Funke ein reelles Angebot, das eine solide Ausstattung mitbringt und mit dem sich eine Vielzahl automobiler Anforderungen erfüllen lassen.

 

DATENBLATTChevrolet Spark 1.2 LT
Abmessungen L / B / H3,64 m/1,60 m/1,55 m
Radstand2,38 m
Leergewicht (DIN)939-1058 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen normal/Rückbank umgeklappt170-568 l
max. Zuladung421 kg
MotorVierzylinder Otto-Motor, 1206 ccm
Getriebe5-Gang manuell
Leistung82 PS (60 kW) bei 5500 U/min
KraftstoffartSuper (E10)
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit164 km/h
max. Drehmoment111 Nm bei 4800 U/min
Tankinhalt35 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h12,1 sek
Normverbrauch (außerorts / innerorts / kombiniert)4,2 l/ 6,6 l/ 5,1 l
Testverbrauch5,7 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
119 g/km
Grundpreis13.450 Euro
Preis des Testwagens13.450 Euro

Quelle: n-tv.de

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