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Mit optischen und technischen Modifikationen hat Mazda die Nummer 3 seiner Baureihe bereits Ende 2011 bedacht.
Mit optischen und technischen Modifikationen hat Mazda die Nummer 3 seiner Baureihe bereits Ende 2011 bedacht.(Foto: Holger Preiss)

Diesel-Spaß im Mazda3: Golf-Alternative aus Nippon

Von Holger Preiss

Mazda hat vor dem großen Modellwechsel im Herbst 2013 dem in der Ausstattungslinie Sports-Line ohnehin mit Extras vollgestopften Mazda3 noch ein paar kleine Retuschen auf den Weg gegeben. Aber reicht das, um den Japaner zu einer Golf-Alternative zu machen?

Wenn Hyndai fünf Jahre Garantie für seine Autos anbietet, setzt das Schwesterunternehmen Kia einen drauf und offeriert sieben Jahre. Dass diese Philosophie Früchte trägt, ist an den Verkaufszahlen der Koreaner festzustellen und insofern wundert es nicht, dass die Konkurrenz ebenfalls auf den Trichter kommt, die Garantiezeiten zu verlängern. Mazda toppt jetzt all diese Angebote und gibt für den Mazda 2, 3 und 5 gleich mal acht Jahre Garantie. Allerdings gilt das Angebot nur für Fahrzeuge, die bis zum 31. März 2013 gekauft werden.

Von hinten wirkt der Mazda3 dynamisch oder wie ein "lustiger Käfer".
Von hinten wirkt der Mazda3 dynamisch oder wie ein "lustiger Käfer".(Foto: Holger Preiss)

Schade eigentlich, denn die Autos aus Fuchu zählen seit Jahren zu den zuverlässigsten in den Mängelstatistiken von ADAC und TÜV. Insofern scheint es glaubwürdig, wenn diese Garantiezeit auch über die Deadline beibehalten werden würde. Reizvoll ist diese Offerte aber in jedem Fall. Zumal der getestete Mazda 3 in der Ausstattungslinie Sports-Line einen wirklich guten Eindruck macht. Optisch wurde er bereits 2011 geschärft und zeigt sich seit dieser Zeit noch sportlicher. Auffällig sind die scharfkantigen und weit in die Kotflügel gezogenen Heckleuchten, die den Mazda3 breiter und bodenständiger wirken lassen als seine Vorgänger. Wenn eine Fünfjährige den sportlichen Kompakten aus dieser Perspektive sieht, kann es schon passieren, dass sie sagt: "Oh Papa, der sieht ja aus wie ein lustiger Käfer!" Der Sportfreund sollte generös darüber hinwegsehen, das Kind im Fond platzieren, den Start/Stopp-Knopf drücken und sich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden.

Lustiger Brabbelkäfer bringt Fahrspaß

Das 2,2-Liter-Dieselkraftwerk ist mit 185 PS bestimmt keine Spaßbremse.
Das 2,2-Liter-Dieselkraftwerk ist mit 185 PS bestimmt keine Spaßbremse.

Unter der Haube des "lustigen Käfers" brabbelt nämlich munter ein 2,2-Liter turbobeatmetes Dieselkraftwerk, das 185 PS leistet. Die Pferdchen treiben den Japan-Golf im Verbund mit einem mechanischen Sechsgang-Getriebe in lebhaften 8,2 Sekunden auf Tempo 100. Wer will, kann die Tachonadel locker an die 213 km/h-Marke treiben. Und wenn die 400 Newtonmeter ab 1800/min auf die Kurbelwelle gewuchtet werden, guckt so mancher Fahrer eines Dickschiffs nicht schlecht, wenn der Mazda3 von der Kreuzung fliegt. Dabei ist allerdings schnelles Schalten geboten. Das dürfte, obwohl präzise und ohne Hakeln, angesichts der Mazda typischen straffen Wegführung des Ganghebels nicht jedermanns Sache sein.

Dafür finden Sportfreunde mit Sicherheit am Fahrwerk ihre Freude. Stramm abgestimmt und dank Multilenker-Hinterachse lassen sich auch schnelle Kurven ohne spürbare Seitenneigung durchfahren. Allerdings wirkt die Hinterachse ob ihrer Festigkeit bei Querfugen etwas stößig und dürfte Fondpassagieren so nicht immer Freude bereiten. In Extremsituationen helfen Stabilitäts- und Traktionskontrolle sowie ein ABS mit elektronischem Bremsassistenten, Verwerfungen zu vermeiden. Insgesamt gibt sich der Mazda in seinem Fahrverhalten agil und dennoch gutmütig.

Im Verbrauch zeigt sich der kompakte Japaner genügsam. Im spritfressenden Stadtverkehr weicht er mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern Diesel lediglich um 0,4 Liter von den Herstellerangaben ab. Im Drittelmix sind die Differenzen dann allerdings wieder im allgemeinen Maß: Hier werden ambitioniert 5,4 Liter angegeben. Unter 6,9 Liter ist der knapp 1,5 Tonnen schwere Mazda aber selbst bei vorsichtiger Fahrweise nicht durch die Straßen zu steuern. Angesichts des großen Triebwerkes geht der Wert aber durchaus in Ordnung.

Sportliche Schwünge und Bond-Mikrofon

Dank kühner Schwünge und Chromspangen wirkt der Innenraum dynamisch, aber nicht immer zweckmäßig.
Dank kühner Schwünge und Chromspangen wirkt der Innenraum dynamisch, aber nicht immer zweckmäßig.(Foto: Bernd Schuster, Salar Baygan)

Im Innern des Japaners geht es ebenfalls sportlich zu. Mehrere Schwünge dynamisieren die Armatur. Applikationen in Aluminium-Optik am Armaturenträger, an den seitlichen Luftauslässen und rund um den Schalthebel beleben den Innenraum. Die großen Flächen sind in weich geschäumter Plastik gehalten und die Stellen, die mit billiger Hartplastik versehen sind, wurden dort versteckt, wo man eh nicht pausenlos rumfingert. Lenkrad, Handbremse und Schaltknauf sind mit Leder ummantelt und die wenigen Druck- und Drehsteller im Testwagen sind problemlos zu erreichen und selbst erklärend.

Die Steuerung von Radio und CD-Player (MP3) erfolgt im Falle des Testwagens über das mit einem 5,8 Zoll großen Farb-Touchscreen versehene Naviagtionssystem oder über die Lenkradbedienung. Auch ein AUX-, ein USB-Anschluss und eine iPod-Vorbereitung gibt es. Im Testwagen sorgen zehn Lautsprecher von Bose für einen satten Klang, kosten aber zusätzlich 490 Euro. Via Bluetooth kann das Smartphone mit der Einheit gekoppelt und über den Touchscreen bedient werden. Immer wieder putzig ist das kleine Mikrofon für die Freisprecheinrichtung, das die Japaner rechts neben dem Tacho platziert haben und das die Anmutung aus einem Bond-Film der 1950er Jahre hat. Natürlich erfüllt es seinen Zweck, aber im Gesamtdesign wirkt es wie ein Fremdkörper.

Über den 5,5 Zoll großen Touchscreen wird die gesamte Einheit gesteuert.
Über den 5,5 Zoll großen Touchscreen wird die gesamte Einheit gesteuert.(Foto: Bernd Schuster, Salar Baygan)

Störend für den Beifahrer kann auch die weit in den Fußraum gezogene Armatur mit dem Handschuhfach werden. Nehmen auf den hinteren Plätzen Kinder in ihren vorgeschriebenen Extrasitzen Platz, wird es nötig, das Gestühl nach vorne zu verschieben, um zu vermeiden, dass die Kleinen sich ihr schmutziges Schuhwerk an der Rückenlehne putzen. Zum anderen, um sich selbst vor den Angriffen baumelnder Füße zu schützen, die sonst schon mal locker aus dem Kniegelenk im Rücken einschlagen können. Erwachsene, die im Fond Platz nehmen, haben aber ausreichend Knie- und Kopffreiheit.

Wer die Hütte allerdings voll hat, den werden die 340 Liter Kofferraumvolumen bei langen Reisen vor eine knifflige Aufgabe stellen. Denn wirklich viel Platz bietet das Gepäckabteil nicht. Wer die Rücksitzlehne (60:40) komplett umlegt, kann den Stauraum auf 1360 Liter erweitern. Wer also zu zweit reist, dürfte sich über mangelnden Platz nicht beklagen. Zwar lassen sich größere Flaschen nicht in den Staufächern in den Türen verstauen, aber die Becherhalter in der Mittelkonsole fassen kleine Flaschen und in jedem Fall den Kaffeebecher.

Straffe Sitze und viel Extras

Die 17-Zoll-Aluräder sind in der Ausstattungslinie Sports-Line Serie.
Die 17-Zoll-Aluräder sind in der Ausstattungslinie Sports-Line Serie.(Foto: Holger Preiss)

Der Sitzkomfort auf dem Sportgestühl ist ansprechend. Die straffen Polster, die es für 1560 Euro Aufpreis in Leder und mit elektrischer Verstellung gibt und deren Wangen entsprechend ausgeformt sind, bieten eine sehr gute Oberschenkelauflage und exzellenten Seiten- und Rückenhalt. Zudem lässt sich – und dass ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil in der kalten Jahreszeit – das Polster in fünf Stufen beheizen. Der Fahrersitz mit Lendenwirbelstütze ist auch in der Höhe verstellbar und lässt sich entsprechend der sportlichen Attitüde tief absenken. Mit dem in Höhe und Länge verstellbaren Lenkrad kann die Position des Piloten dann feinjustiert werden.

In die Ausstattungslinie Sports-Line hat Mazda aber noch einige weitere Features gepackt, die das Leben im und mit dem Japaner freudvoll gestalten. So gehören beleuchtete Schminkspiegel auf Fahrer- und Beifahrerseite, die elektrisch einklappenden und beheizbaren Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn und hinten, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Brillenhalter im Dachhimmel, automatisch abblendende Außenspiegel, Bi-Xenon Hauptscheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, automatischer Leuchtweitenregulierung und Totwinkelwarner ebenso zur Ausstattung wie die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Fazit: Im Segment der Kompaktklasse ist die Luft dünn. Viele Anbieter tummeln sich und der Klassenprimus aus Wolfsburg scheint immer noch die Nase vorn zu haben. Doch andere Mütter haben auch schöne Töchter oder anders: die Alternativen im C-Segment werden immer vielfältiger. Der Mazda3 in der Ausstattungslinie Sports-Line ist eine solche, zumal er zum Preis von 28.940 Euro mehr bietet als die meisten Mitbewerber. Hinzu kommt die schon erwähnte Garantie über acht Jahre, die die Japaner auf Modelle geben, die bis zum 31. März 2013 gekauft werden.

DATENBLATTMazda3 2.2 L MZR-CD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,46/ 1,75/ 1,47 m
Radstand2,64 m
Leergewicht (DIN)1465 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen340 Liter/ 1360 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum2,2-Liter Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung185PS (136 kW) bei 3500 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit213 km/h
max. Drehmoment400 Nm bei 1800 bis 3000 U/min
Tankinhalt55 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,2 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,9/ 4,5/ 5,4
Testverbrauch7,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
142 g/km
Grundpreis27.690 Euro
Preis des Testwagens28.940 Euro

Quelle: n-tv.de

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