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Einige Features und eine exklusive Außenlackierung verleihen dem Sondermodell "Hamaki" einen ganz eigenen Charakter.
Einige Features und eine exklusive Außenlackierung verleihen dem Sondermodell "Hamaki" einen ganz eigenen Charakter.

Mazda MX-5 Roadster Coupé: Sportler mit Spaßgarantie

von Holger Preiss

Wer Roadster fährt, ist einsam, hat aber auch jede Menge Spaß. Immer vorausgesetzt, man kann sich ein solches Fun-Car leisten. Mit dem MX-5 bietet Mazda seit 20 Jahren ein Auto mit eingebauter Spaßgarantie zu einem erschwinglichen Preis. Allerdings muss man lernen seine Sprache zu sprechen.

Es gibt Autos, die klaglos ihr Lied singen, während sie die Arbeit verrichten. Nicht so der Mazda MX-5. Der kleine Roadster, der seit seinem ersten Auftritt vor 20 Jahren lediglich drei Generationswechsel erleben durfte, ist ein beredter Sportler und sein Mitteilungsbedürfnis ist immens. Die Straße, die Kraftabgabe und das Fehlverhalten des Fahrers, alles wird vom MX-5 kommentiert und er verlangt, dass der Pilot sich seinem Stil anpasst, nicht umgekehrt.

Die aggressive Frontschürze unterstreicht die Dynamik des MX-5.
Die aggressive Frontschürze unterstreicht die Dynamik des MX-5.

Wer ihn untertourig fährt, sieht sich mit einem missmutigen Brummen konfrontiert. Wer die straff abgestimmte Kupplung bei zu wenig Gas kommen lässt, riskiert einen unmutigen Bocksprung. All das mag der MX-5 gar nicht. Sein Naturell ist ruppig und laut. Er will auf sich aufmerksam machen und das macht er dem Fahrer auch deutlich.

Wer es schafft, eine gemeinsame Sprache mit dem japanischen Roadster zu finden, der hat Fahrspaß pur. Hohe Drehzahlen nimmt er gerne an und bricht wie ein wilder Mustang los, immer bemüht, der Außenwelt seine Freude am rasanten Start und der darauf folgenden schnellen Fahrt mitzuteilen. Das Fahrwerk des kleinen Renners ist perfekt ausbalanciert und auch das Handling wurde gegenüber den Vorgängermodellen weiter verbessert. Dafür wurde die Karosserie versteift und das Gewicht um einiges reduziert.

Der Herr der Kurven

Das Heck wirkt durch kleine Retuschen noch kraftvoller als bei den Vorgängern.
Das Heck wirkt durch kleine Retuschen noch kraftvoller als bei den Vorgängern.

Auch optisch wurde der sportliche Charakter des MX-5 geschärft. Die Frontschürze wirkt aggressiver. Die Seitenlinie wird jetzt noch mehr durch die weit hervorragenden Seitenschweller geprägt. Die ausgestellten hinteren Radhäuser betonen die Dynamik und das Heck wirkt dank einiger kleiner Änderungen noch kraftvoller als bei seinen Vorfahren. Charakteristisch ist auch die Rückleuchteneinheit, die eine U-Form aufweist, wenn sie von den Scheinwerfern nachfolgender Fahrzeuge angestrahlt wird.

Um eine extrem sportliche Fahrweise zu ermöglichen, hat Mazda das Gewicht zwischen Vorder- und Hinterachse ideal auf ein Verhältnis 50:50 verteilt. Von seinem Vorgänger hat der aktuelle MX-5 die Radaufhängung mit Doppelquerlenker vorne und Multilenker hinten sowie die Konfiguration mit Frontmotor, Hinterradantrieb und einem steifen Rahmen im Getriebetunnel übernommen. Diese feste Verbindung zwischen Getriebe und dem hinteren Differenzial stützt das Chassis und unterdrückt Fahrwerksverwindungen bei sportlicher Fahrweise. Und genau die ist es ja, die der MX-5 haben will.  

Der 1,8-Liter-MZR-Benzinmotor wirkt mit Fünfganggetriebe nicht mehr ganz zeitgemäß.
Der 1,8-Liter-MZR-Benzinmotor wirkt mit Fünfganggetriebe nicht mehr ganz zeitgemäß.

Der Wagen lässt  in der Tat Kurvenfahrten zu, die mit den alltagstauglichen "Schweigern" nicht im Ansatz zu leisten sind. Dank der überarbeiteten Aufhängung werden die Lenkbefehle präzise ausgeführt und auch in eng gefahrenen Kurven bleibt der Mazda treu in der Spur. Allerdings hat diese Sportlichkeit ihren Preis. Die Lenkung steht extrem fest und das, was auf der Piste für Fahrspaß pur sorgt, kann in der Stadt zu echter Arbeit werden. Wer eine weiche Servolenkung gewohnt ist, muss sich hier auf körperliche Anstrengung einstellen. Ähnlich verhält es sich mit der sehr festen manuellen Gangschaltung. Aber wie heißt es so schön: Vor das Vergnügen hat der Herrgott den Schweiß gestellt. Gut, ganz so schlimm ist es nicht, aber Roadster fahren verlangt schon etwas Einsatz.

Kein Praktiker

Für den Vortrieb sorgt im Testwagen ein 1,8-Liter-MZR-Benzinmotor. Der ist nicht wirklich neu, wurde schon in den älteren Modellen verbaut und  ist mit seiner Fünfgang-Schaltung nicht mehr ganz zeitgemäß. Allerdings  wurde zur Steigerung der Effizienz die Achsübersetzung von 4100 auf 3909 geändert. Dadurch soll sich der Kraftstoffverbrauch laut Mazda auf 7,1 Liter auf 100 Kilometer verringern und der CO2-Ausstoß sinkt auf 167 g/km. Zum Sparkünstler wird der MX-5 dadurch aber nicht. Allein durch die von ihm geforderte sportliche Fahrweise dürfte der Spritverbrauch im Durchschnitt deutlich höher liegen. Der Testwagen verlangte, bei zugegeben sehr sportlicher Fahrweise, etwa 10 Liter im Schnitt.

Erstmals zum Einsatz kommt in einem MX-5 das Mazda SD-Navigationssystem mit Tom-Tom®-Technologie.
Erstmals zum Einsatz kommt in einem MX-5 das Mazda SD-Navigationssystem mit Tom-Tom®-Technologie.

Der Verbrauch bringt uns dann auch zur Praxistauglichkeit des kleinen Japaners. Die liegt bei null. Der Kofferraum schluckt winzige 150 Liter, gerade mal zwei Personen können gemeinsam fahren und der, der nicht am Steuer sitzt, klagt dann noch über zu wenig Beinfreiheit, wenn er die Körperhöhe von 1,75 Meter übersteigt. Um sich ins Innere des Straßen-Sportlers zu bewegen, bedarf es gut funktionierender Bandscheiben, denn es wird sich sowohl in als auch aus dem Wagen gedreht. Wer sich nicht ins Innere winden will, der kann sich auch bei weit nach vorn gebeugtem Oberkörper in die gut geformten Sitzpolster fallen lassen, die im Testwagen mit feinstem Nappa überspannt waren. Beide Einstiegsvarianten verlangen etwas Beweglichkeit von den Insassen, andernfalls wirkt der Auftritt wirklich albern.

Sound mit Charakter

Ist man erst mal in den MX-5 eingetaucht, erwartet einen ein überschaubares Interieur aus schwarzer Hartplastik, die nicht wirklich hochwertig anmutet. Im Sondermodell "Hamaki" wird das Ganze durch silberfarbene Dekoreinlagen im Armaturenträger und Intarsien in schwarzer Klavierlackoptik aufgewertet. Außerdem ist ein Navigationssystem mit 5,8-Zoll Farb-Touchscreen verbaut, ein  MP3-fähiger CD-Spieler, ein Aux-Anschluss und sechs Lautsprecher sollen für die Unterhaltung der Passagiere sorgen. Die sind aber hoffnungslos überfordert, wenn der Motor brüllend sein Lied singt. Den Sound des Antriebsaggregats hat Mazda nämlich noch einmal intensiv überarbeitet.

In nur 30 Sekunden lässt sich das Hardtop im Heck versenken.
In nur 30 Sekunden lässt sich das Hardtop im Heck versenken.

So wurde ein sogenannter Resonator im Ansaugtrakt verbaut und die Ansaugkanäle und die Abgasanlage bearbeitet, um dem Wagen einen entschieden sportlichen Klang zu verleihen. In Abhängigkeit von Fahrsituation und Bedienung des Gaspedals variiert der deutlich in seiner Wahrnehmbarkeit. Allerdings überträgt sich der Sound nicht nur nach außen, sondern ist auch im Inneren deutlich zu vernehmen. Die Interpretation mag hier von laut dröhnend bis kernig sportlich reichen. Wem ersteres nicht zusagt, der sollte auf ein Auto wie den MX-5 tunlichst verzichten.

Der Fahrspaß wird auf die Spitze getrieben, wenn der Roadster sich in nur 30 Sekunden in ein Cabriolet verwandelt. Nach der Entriegelung des Hardtops genügt ein Knopfdruck, um sich ganz der Außenwelt zu öffnen. Das kann sogar bei niedrigen Temperaturen gewagt werden, denn eine fünfstufige Sitzheizung und eine Klimatisierungsautomatik sorgen für angenehme Temperaturen und ein aufklappbares Windschott für die Umlenkung der Luftverwirbelungen vom Heck. Tempofahrten sollten sich bei offenem Verdeck die ganz Harten vorbehalten. Mazda gibt die Höchstgeschwindigkeit des 1,8-Liter-Triebwerkes mit 198 km/h an. Der Testwagen sagte aber auch bei Tempo 200 noch nicht Nein.

Fazit: Der Mazda MX-5 ist nicht umsonst der meistverkaufte Roadster der Welt. Seit seinem Marktstart 1990 wurden innerhalb von 20 Jahren 107.000 Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Weltweit waren es mehr als 894.000 Stück. Die Zahlen sprechen für sich. Wer also einen preiswerten Roadster mit eingebauter Fahrspaßgarantie  sein Eigen nennen möchte, der kann mit einem MX-5 nichts verkehrt machen. Alle, die von einem Auto auch einen hohen Nutzwert erwarten, müssen auf dieses Auto leider verzichten, denn den hat der MX-5 definitiv nicht. Und noch etwas: Roadster fahren bleibt ein einsames Vergnügen.

 

DATENBLATTMazda MX-5 Roadster Coupé Sondermodell:"Hamaki"
Abmessungen4,02/ 1,72/ 1,24 m
Radstand2,33 m
Leergewicht (DIN)1150 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen150 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1798 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung126 PS (93 kW) bei 6500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit198 km/h
max. Drehmoment167 Nm bei 4500 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,9 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,6/ 9,8/ 7,1
Testverbrauch10,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
167 g/km
Grundpreis22.490,00 Euro
Preis des Testwagens25.290,00 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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